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Dorfpunks – Der Film

dorfpunksRocko Schamoni, der alte Dandy vom Kiez, Bon Vivant der Herzen und Alleskönner zu 77 Prozent ist nicht nur Gründungsmitglied von Studio Braun, Musiker, Betreiber des (Golden) Pudel Club und Schauspieler, sondern bekanntermaßen und recht erfolgreicher Romanautor. Gerade sein zweiter Roman Dorfpunks konnte 2004 vollauf überzeugen, denn das autobiographisch motivierte und inspirierte Werk ist extrem kurzweilig, mit einem Humorspektrum von polternd bis subtil gesegnet und bieter darüber hinaus ein nicht zu verachtendes Identifikationsangebot an. Heinz Strunk, ein anderes Drittel von Studio Braun, hatte letztes Jahr mit der Verfilmung seines Romans Fleisch ist mein Gemüse vorgelegt, und nun hat es auch Dorfpunks auf die Leinwand geschafft. Donnerstag (23.4.) ist der Streifen in den hiesigen Kinos angelaufen.

Bereits im vergangenen Jahr schaffte es Dorfpunks auf die große Bühne. Die gleichnamige, mit dem Zusatztitel “Die Blüten der Gewalt” versehene, Operette feierte im Hamburger Schauspielhaus Ende April 2008 Premiere und nun folgt die Kinofassung. Regie führte Lars Jessen, der vorher größtenteils mit TV-Produktionen à la Tatort, Doppelter Einsatz oder Großstadtrevier betraut war. Jessens erster Kinofilm Am Tag als Bobby Ewing starb brachte ihm gemischte Kritiken ein, sodass Dorfpunks die nächtes Bewährungsprobe in der Königsdisziplin des Films für ihn darstellte. In der Hauptrolle des Roddy Dangerblood agiert mit Cecil von Renne ein völlig unbedarfter Schauspieler und auch der Rest des Ensembles dürfte dem Kinopublikum gänzlich unbekannt sein, was aber noch lange kein Qualitätsmerkmal sein muss.

Wer Dorfpunks nicht gelesen hat, dem sei die Handlung kurz zusammengefasst: Im Sommer 1984 erreicht die Punk-Welle mit erheblicher Verspätung das Ostsee-Örtchen Schmalenstedt, und der Protagonist ist Feuer und Flamme und nennt sich fortan Roddy Dangerblood. Schnell ist eine Punker Clique gefunden und die damit willkommene Abwechslung im tristen Alltag. Punks tun was Punks halt so tun, doch natürlich ist in der Provinz alles ein wenig anders, und der heranwachsende Roddy merkt schnell, dass auch Punk seine Grenzen hat.

Es bleibt zu hoffen, dass der sprühende Witz des Romans auch im Kinosaal funktioniert, und dieser charmant vertraute Verlierer von einer Hauptfigur auch auf der Leinwand ähnlich authentisch wirkt. Der von Schamoni selbst kompilierte Soundtrack läßt jedenfalls keine Wünsche übrig. Hier ist alles dabei was Rang und Namen hat: Slime, Fehlfarben, Stiff Little Fingers, Buzzcocks – alle mit von der Partie und auch ein paar New Wave Acts wie Heaven 17 und Talk Talk sind auch dabei. Dazu kommen noch einige andere obskurre Bands, so wie die Dorfpunks All Stars, so so. Die Taz findet jedenfalls, dass Jessen einen “klassischen, liebevoll ausgestatteten Adoleszenzfilm” mit “hübschen Zitaten” gedreht hat und auch das Hamburger Abendblatt findet: “So lassen sich Punk und Provinz gut ertragen!” Wie gut, erfährt man nur im Kino!