Klangteppiche aus dem Ambient-Webstuhl statt entfesseltem ZickZackZauber – eigentlich war es sonnenklar, dass Foals auf ihrem zweiten Album konzeptuelles Neuland betreten würden. Die Mixtur auf “Antidotes” war einfach zu stimmig, dass ein Aufguss, ledigliche Variation vor dem Debütvergleich bestehen könnte. Nun also die Neuausrichtung namens “Total Life Forever” und bereits das Artwork lässt Weite, Erhabenheit und Motivdichte erahnen.
In der Tat mutet die Abkehr von der eigenwilligen Tanzbarkeit, von den spinnerten Mathhymnen, von der virtuosen Geschlossenheit ein wenig zu sehr gewollt an. Man kann sich förmlich ausmalen, wie die Band aus Oxford die Idee vom gefälligen und zugleich anspruchsvollen Artpop weiterentwickelt hat. Immer vorwärts, lautet die Diverse und wer von der alten Hörerschaft sich dem Marsch ins gelobte Popwunderland nicht anschließen möchte, muss eben zurückbleiben.
Es besteht keinerlei Zweifel, dass Foals großartige Musiker sind und auch das Songmaterial auf “Total Life Forever” ist in anderer Weise als virtuos zu bezeichnen. “Spanish Sahara” samt Video kündete bereits vom Willen zum epischen Songwriting, zum filigran arrangierten Spannungsbogen, aber unter dem Strich blieb dennoch die Vermutung, dass ein guter, entrückter Popsong künstlich aufgebläht wurde, auf Rekordlänge sozusagen. Gerade die große Harmoniepräsenz bei Songs wie “Blue Blood” lässt erahnen, dass Sänger Yannis Philippakis stärker in sich zu ruhen scheint, nicht mehr mit gepresster Stimme seiner Getriebenheit Ausdruck verleihen muss. Ein großartiger Song, definitiv und doch vermisst man ein wenig den Kampfzwerg mit Schaum vor dem Mund, der mit seiner unbändigen Energie die ganze Band nach vorne getrieben hat. “This Orient” ist ebenfalls als gelungen zu bezeichnen und wirkt dennoch wie ein Zugeständnis an die Plattenfirma, doch auch mal einen Ohrwurm in Radiosonglänge abzuliefern.
Bei dem sanft groovenden, auch über 6 Minuten dauernden “Black Gold” kommt einem der DJ Gavin Cavangh aus “The Boat That Rocked” (“Radio Rock Revolution”) in den Sinn, der kurz bevor der schippernde Radiosender in der Nordsee untergeht, folgendes Zitat über den Äther schickt: “Here’s a rather long record. I hope I’m here at the end of it.” Ob man am Ende von “Total Life Forever” noch bei den Foals ist, klärt sich nicht nach einigen wenigen Durchgängen. Dieses Album wird trotz der neuen Poplastigkeit (Dauerlutscher-Style) nicht sogleich den Weg in Kopf und Herz finden. So qualitativ wie die neuen Foals sich auch präsentieren, ein wenig Trauer um die “Antidotes”-Band kann und will man nicht verbergen.