Das Open Source Festival gehört nicht nur wegen dem interessanten Tag-und-Nacht-Konzept zu den Festivalperlen in NRW, sondern auch und vor allem aufgrund der großartigen Location. Am letzten Wochenende traf man sich ganz gemütlich auf der Galopprennbahn in Düsseldorf und genoss in einem exquisiten Ambiente gepflegtes Stilmischmasch und die Headliner Dendemann, Bonaparte und den exklusiven Festivalauftritt von Tomte.
Allein das Areal des Open Source wäre ohne die wohlwollende Unterstützung durch das Kulturamt wohl kaum finanzierbar und neben dem musikalischen Programm, welches sich auf drei Bühnen aufteilte, bot das Festival auf dem Grafenberg zudem mit der Aktion “Kultur(zu)stände” noch einiges mehr zu entdecken. Besagte Aktion diente verschiedenen Künstlern und Designern als Forum, um sich zu präsentieren, was sich als sehr gelungenes Begleitprogramm klassifizieren lässt. Aber nun zum Geschehen auf der Hauptbühne.
Nach dem gemütlichen, aber sich länger als gedacht darstellenden Spaziergang – Shuttlebusse sind nervig, wie man nach dem Ende des Tagesprogramms erfahren durfte – fanden wir uns ca. 5 Minuten vor dem Auftritt von his Dendeness vor der Hauptbühne ein. Mit Erstaunen mussten wir feststellen, dass der Großteil des Publikums die trägen Gesäße auf der gegenüberliegenden Tribüne geparkt hatte, was irgendwie albern, aber ja auch so vorgesehen war. Also dann halt in die erste Reihe und der Dinge harren, die folgen sollten. Dendemann, seit dem aktuellen Album “Vom Vintage verweht” mit Liveband auf Tour, betrat mit leichter Verspätung, aber ordentlich Bock und Schalk unter der Vokuhila die Bühne.
Dass besagte Backingband ihr Geld wert ist, ließ sich schnell herausfinden, denn vor allem als energetisch ist die Liveshow von Dende und seiner Crew zu bezeichnen. Mit viel Wortwitz, Pausenentertainment und einem Set, das aus neuen & alten Sachen, B-Seiten, Raritäten und Medleys bestand, wusste Volker Racho a.k.a. Dendemeier auch das nicht besonders Hip Hop affine Publikum zu begeistern. Hat ja auch ordentlich gerockt, der alte Tausendsassa.
Dann die 2010 unvermeidlichen Bonaparte mit ihrer artsy-fartsy Freakshow inklusive pseudo-burlesquer Inszenierung, die abgeschminkt und aus dem Kostüm geschält, doch nur als die alte Tante Rock ‘n’ Roll entlarvt werden. Aber lassen wir doch jemand zu Wort kommen, der mehr von den Zirkushippstern hält…
…denn anstatt die Berliner Kapelle um das Schweizer Mastermind Tobias Jundt bis auf die Unterhosen auszuziehen (was ja schon ein bis drei zum “Theaterprogramm” gehörenden Team-Mitglieder übernehmen) und zu analysieren, dass danach nicht mehr viel substantielles übrig bleiben würde, kann man auch einfach begeistert sein von so viel Energie, Kreativität und eigentlich doch ganz schön tollen Tönen. Dass sich zur vergleichsweise immer noch recht frühen Uhrzeit die mit Abstand meisten der dreieinhalb- bis viertausend Besucher vor der Bühne scharten und ziemlich in Bewegung gerieten, mag diese These stützen.
Überraschend große Einigkeit bestand schließlich beim “Headliner”, den mancher vermisste. Doch mit ihrem 2010 exklusiven Festival-Erscheinen machten sich die ansonsten noch immer pausierenden Tomte spielend leicht zu genau diesem Abschlusshighlight. Quer durch die vergangenen drei Alben spielte sich das Quartett (Keyboarder Simon Frontzek suchte man vergebens, zumindest akustisch wurde er aber auch nicht vermisst) und zeigte sich dabei spielfreudig wie eh und je.

Thees Ulmanns Witze und Anekdoten sind zwar nicht immer der Knaller und die Performance auch nicht fehlerlos, doch alleine der liebevoll quäkende Frontmann und Tomte-Gitarrengott Dennis Becker hatten offensichtlich so viel Bock auf diesen Auftritt, dass es einfach ansteckend wirken musste – fanden übrigens auch die Sprösslinge von Drummer Max Schröder, die sich samt Heike Makatsch im Publikum tummelten.
Das Düsseldorfer Herz eroberte Thees endgültig mit diversen kleinen Oden an die Stadt, wie dem Anspielen von ein paar Tote-Hosen-Tönen gleich zu Beginn oder der Einbindung einiger Stadtteile in die Songs. Wirklich groß wurde es aber erst ganz zum Schluss, als sich der schon Tomte-übliche Gänsehaut-Teil, in dem das Publikum den Refrain der “Schönheit der Chance” noch nach verklingen der Musik in der Dauerschleife weitersingt, zum ganz besonderen Moment aufschwang.
Plötzlich folgte Thees dem Beispiel einzelner Zuschauer, die spotan ihre Shirts ausgezogen hatten und diese hoch über den Köpfen zum Takt kreisen ließen. Und dann überkam ihn die Euphorie-Welle, er brüllte: “Alle Männer Oberkörper-nackt! Auch die hässlichen! Auch die Schönen”. Und die Männer folgten ihm. Und die Band auch. Und plötzlich war das Gelände in gleißendes Scheinwerfer-Licht getaucht, tausend Kehlen sangen und hunderte Shirts kreisten über freien Oberkörpern. Schlusspunkt Thees: “Deutsche Rockmusik endet genau jetzt!”.
Von Jan und Bastian





