Die Hypeschmiede NME bezeichnete 2006 das Debütalbum “Raise The Alarm” von The Sunshine Underground als das erste großartige Album der New Rave Bewegung und in der Tat konnte dieses mit einer guten Handvoll Hits geschmackssicher punkten. Neben den Leeds Lads identifizierte das britische Magazin Bands wie Shitdisco und Klaxons als die mutmaßlichen Erben von den Happy Mondays und anderen Madchester-Protagonisten. Allein schon der polarisierende Terminus New Rave erwies sich allerdings als beherzter Griff in die Kloschüssel und 2010 ist von der prophezeiten Bewegung so rein gar nichts mehr zu entdecken.
Die Bürde eines zweiten Albums schultern die Klaxons in naher Zukunft, aber The Sunshine Underground legen wie schon 2006 mit einem Longplayer vor. So wie sich der vermeintliche New Rave in das große und durchaus traditionsreiche Feld des Dancepunks einzuordnen wusste, war es klar, dass “Nobody’s Coming To Save You” ziemlich genau 4 Jahre nach dem Debüt mehr als nur ein Schritt in Richtung musikalisches Neuland darstellen muss, um auch 2010 den Stempel der Relevanz verliehen zu bekommen.
So gestaltet sich das bereits im Februar im Vereinigten Königreich erschienene Album als facettenreicher Versuch, sich der Genrefalle zu entziehen und gleichsam progressiv als auch massenkompatibel zu sein. Dabei ist der Opener “Coming To Save You” erst einmal ein reichlich sperriger Auftakt. Das verwendete Strophenmuster weist eine unerwartete Nähe zum Alternative-/Metal-Segment auf, bevor der Refrain dann wieder die bekannte Hymnenhaftigkeit eines “Commercial Breakdown” adaptiert. Und der Bass brummt stellenweise wie bei den Kollegen von Muse. Geschenkt. Erst bei dem dritten Stück “We’ve Always Been Your Friends” zielt die Rhythmik mit Nachdruck auf Tanzfläche und Verkaufszahlen ab. Eingängigkeit galore. “In Your Arms” fährt dann die alte, funky Dancepunk-Lok in den Gang of Four-Tunnel und wirft noch ein paar Pop-Kohlen in den Ofen.
Genial-zackig geht es bei “A Warning Sign” zu, was ein wenig an den Erstling und an die Dancefloor-Raudies von The Rapture erinnert. Herzerwärmenden Britpop (“Change Your Mind”) wollen sie auch, die Jungs, die sich einst den Bandnamen bei den Chemical Brothers entliehen haben. Solide. Bei “Any Minute Now” sollen dann wohl bei dem Hörer einzelne Tränen über die Wange kullern, doch die Ballade ist eher Tal als Gipfel einer ambitioniert zusammengestellten Songkonstellation. Mehr Mitklatschpop? “Here It Comes”! Der Rest kippt dann schon ein wenig hinten rüber.
The Sunshine Underground haben die stickige Enge des Szeneclubs verlassen und suchen die Erhabenheit weiter Landschaften und finden oft nur das eigene Ebenbild in den Pfützen der Erwartung am Wegesrand der Ambition. Bezeichnend, dass der letzte Song des Albums, “The Messiah”, vor allem durch nervtötende La-la-las im Gedächntis vor Anker geht und obendrein wird noch kurz Scorpions-mäßig gepfiffelt. Muffig, diese Winde des Wechsels in der zweiten Albumhälfte. Schade!

