Chuck Ragan ist nicht nur der sympathischste fischfangende und hammerschwingende Kerl, den man sich so vorstellen kann, sondern auch ein brillanter Musiker. Um das zu unterstreichen, begibt sich Ragan in die Brandung einer wahren Veröffentlichungsflut: Live-Album, Album, exklusive Singles, spezielle 7″-Veröffentlichungen für die organisierte Anhängerschaft, Split-Singles mit Austin Lucas, Muff Potter/Nagel, The Loved Ones, Alben mit Austin Lucas (Bristle Ridge) und Ben Nichols und Tim Barry (Revival Road 2008). Weil das neue Studio-Album “Gold Country” erst im September erscheint, nutzt Mr. Hansdampf in allen Gassen die Gunst der Stunde um mal wieder eine Split-Single unter die Leute zu bringen. Diesmal teilt Ragan sich die Vinylsingle mit dem Gaslight Anthem Sänger und aktuellem Everybody’s Darling Brian Fallon. Besagte Veröffentlichung “Gospel Hymns” bietet auf der A-Seite einen neuen Chuck Ragan Song namens “Glory”, der in einer anderen Version auch auf dem kommenden Album zu finden sein wird. “Glory” wusste bereits auf der letzten Europa-Tour zu begeistern, aber auch ein wenig zu verwirren. Der Song klingt nämlich bemerkenswert vertraut, erinnert er doch stark an den Rumbleseat/Ragan-Song “California Burritos”. Da dieses Assoziationsobjekt ein absoluter Knaller ist, kann man über die untrüglichen Ähnlichkeiten großmütig hinwegsehen und ein feines Lied genießen, wobei der Ein-Wort-Refrain durchaus komplexer sein dürfte. Absolut sympathisch sind auch die erklärenden Linernotes dieses bescheidenen, fast demütigen Künstlers.
Die B-Seite “Tin Pan Alley” von Brian Fallon braucht mehr Durchläufe als die Ragan-Aufnahme, auch wenn die Melodie durchaus gefällig ist. Hinderlich ist die Tatsache, dass der Gesang des Gaslight Anthem Frontmanns sich fast anbiedernd zwischen den Reibeisenkehlen eines Frankie Stubbs (Leatherface) und eines Tom Waits bewegt. In jedem Fall tiefer und kaputter als Fallon bei seiner Hauptband singt. Der Fallon-Song ist bisher nur auf dieser Single zu finden und überhaupt seine erster Auftritt als Solo-Artist. Die Split-Single ist recht limitiert und wird angeblich auch nicht mehr nachgepresst, ergo: Kaufen!
The Gaslight Anthem haben auch eine weitere Veröffentlichung zu verzeichnen und auch hier darf der außenstehende Betrachte sich zuweilen am Schädel kratzen.
Die neue Sieben-Zoll-Single kommt nämlich mit dem Titeltrack des letztjährigen Albums “The ’59 Sound” daher. Das mag kaum verwundern, da die Band aus New Brunswick 2008 ordentlich durch die Decke gegangen ist. Vielmehr erstaunt jedoch die Tatsache, dass Side One Dummy den gleichen Song bereits in zwei verschiedenen Versionen als Single rausgehauen hat. Nach der “goldenen” und der “schwarzen” Single, nun also der nächste Versuch mit anderem Cover, einem anderen Song auf der Flip und als buntes bzw. transparentes Vinyl. Zwar waren die unterschiedlichen Versionen für verschiedene Märkte bestimmt – die neue Single für Großbritannien-, in die hiesigen Plattenläden haben sie es jedoch alle geschafft. Der Titelsong ist bereits über Szenegrenzen hinweg bekannt und ja durchaus ein gelungener Ohrwurm, wobei die ganzen Springsteen-Vergleiche allerdings blühenden Fantasien entsprungen sein dürften. Allerdings hat die Band diesen Geist auch selbst herbei gerufen. Die B-Seite hält eine Coverversion bereit und die auch noch als Live-Fassung, doch der Song stammt jedoch nicht von Bruce S., sondern von Eddie V. und seinen Pearl Jam. “State Of Love And Trust” ist vielleicht eine ungewöhnliche Wahl für The Gaslight Anthem, funktioniert allerdings. Nicht mehr und nicht weniger. Sammler, Hardcore-Fans und Neu-Interessierte können also bedenkenlos zugreifen, doch auch hier gilt: Wenn weg, dann weg!