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Nervous Nellie: Why Dawn Is Called Mourning

nn_digiNervous Nellie, da spuckt die mit Eigenleben angetriebene Assoziationsmaschine den Namen Heinrich Mann aus bzw. verweist auf dessen drall-dreiste Ehefrau Nelly. Der Ansatz hat schonmal überhaupt nicht geholfen, also Kehrtwende in der assoziativen Sackgasse und fluchs “Why Dawn Is Called Mourning”, das dritte Album der Indiepopband aus Stockholm, unter dem Vergrößerungsglas positioniert. Mikroskopisch braucht man allerdings nicht vorzugehen, um Liebenswertes an den 11 schwelgerischen Pophymnen zu entdecken. Im Gegenteil ist bereits der Opener “Final Day” derartig gewinnend, dass jeglicher Versuch Widerstand zu leisten, ins Leere laufen würde. Verschwester- und Verbrüderung mit dem Hörer soll an dieser Stelle nicht klischeehaft herbei zitiert werden, was vor der Folie der beiden musizierenden Brüderpaare ohnehin arg verkrampft anmuten würde und Nervous Nellie klingen eben nach dem exakten Gegenteil von Krampf und bemüht sein. So, biographischer Querverweis untergebracht und die beinahe ultimative Leichtigkeit der Kompositionen angedeutet.

“Long As Can Be” ist in der Tat ein Song wie eine Kunstflugshow, Absturzgefahr subtrahiert. Wenn man ein bereits gedrehtes Musikvideo mit besagtem Lied unterlegen würde, so wäre “Why Does It Always Rain On Me” von Travis mit seiner weiten, grünen Landschaft geradezu perfekt. “Bee Hive” ist Retropop im besten Sinne und überhaupt klingt Henrik Jonzon wie ein Sänger aus der Zeit, als Gitarrenpopbands noch Weltruhm erlangen konnten, ob man das nun gut heißen mag oder nicht. Diese charakteristische Stimmfarbe ist die saftige Kirsche auf wohlgeformten Cupcakes à la “Some Time”. Ein bischen kitschresistent sollte man dann allerdings auch sein, um Schmalzbreitseiten wie beim “Road Song” auszuhalten, bei dem Jonzon wie ein nicht ganz so deprimierter Justin Vernon (Bon Iver) klingt. “Smile Of Your Own” figuriert als saloon-, pardon salonfähiger Cowboypop und auch bei der Pianoperle “Much To Young” sitzt die vierköpfige Band fest im Sattel.”Be Asleep” tänzelt dagegen als fragile Schönheit über den Albumlaufsteg, während “West Is The Best” ein wenig zu viel auf epische Breite abzielende Schminke aufgelegt hat.

“Why Dawn Is Called Mourning” bietet also eine ganze Reihe an auserlesenen Süßigkeiten, ganz ohne Schokolade, doch wie bei allem, was gut und verführerisch erscheint, darf man nicht zu viel auf einmal konsumieren, um den Gefallen daran nicht zu verlieren. Dennoch sind Nervous Nellie, übrigens Support für Shout Out Louds auf der kommenden Tour, die optimale Besetzung für die zur Zeit einsetzende, milde Saison namens Frühling: der Schwermut ist noch nicht ganz in den Keller verbannt , doch die Euphorie trägt bereits Sandalen.

Spurv Lærke: On The Brink Of The Big Otter

spurv_coverNach dem Studium des beinahe literarischen Promotextes (“Unten, in den Lehnen, schläft der Fjord. Wie ein großer schwarzer Otter. Ruhig und dunkel.”) ist man zwar nur bedingt schlauer, aber vollkommen interessiert, was sich wohl hinter dem Namen Spurv Lærke verbirgt. First Touch: Zuckerstangen-Indiepop, aber eher aus dem Feinkostgeschäft als vom Rummelplatz und mit lyrischer Durchschlagskraft garniert. Suggeriert der Bandname eher schratigen Folk mit Vollbart, ist die Überraschung groß, angesichts der vor Leichtigkeit dahinschwebenden Lieder der dänisch-amerikanisch-deutsch-russischen Band.

Dennoch wird der akute Zuckershock vermieden, der bei den arverwandten Lacrosse zuweilen eintreten kann. Dafür sorgen melancholische Bitter-Bonbons à la “Autumn”, das zudem durch Cello auf- und gefällt. “Rainbow Colored Shoes” passt da schon eher zu den eingangs beschrieben Süßwaren, was in der Folge durch “Doctor’s Tale” gleich  noch übertroffen wird. Trotz der erwähnten Leichtigkeit und Eingängigkeit der Lieder, bestechen diese jedoch auch durch eine unter der Oberfläche schlummernde Tiefe. Dank der gebannten Kariesgefahr kann man dann auch Midtempo-Weirdo-Pop-Perlen wie “Do That” bedenkenlos gautieren.

Trumpf im Ärmel von Spurv Lærke ist unbestritten der betörende Gesang von Kristina Kristoffersen, der mehr als nur gefällt. Ebenfalls überzeugend ist die Tatsache, dass die Band ihren Sound auf On The Brink Of The spurv_2Big Otter von Song zu Song zu varieren weiß. Beispielsweise hätte man die knarzige Großtat “Portrait” in dieser Form gar nicht im Rahmen des Albums erwartet. Die Neigung zum außergewöhnlichen Klang und Arrangement zeigt sich auch in “Repeater”, das sich als leicht schräges Salon-Chanson in den Vordergrund schiebt, im Gedächtnis bleibt. “Tokyo Lights” sei beispielhaft für die straighten Momente auf dem Album angeführt, die sich zumeist in gefälligen Refrains äußern und zwar einfach, aber nicht simpel die musikalische Geschichte des Albums fortführen.

Verspielte Verschrobenheit, die gekonnte Vermengung von Pop als Songentwurf und Experiment im Detail, die sympathisch-warme Stimme Kristoffersen – das alles macht Spurv Lærke hörenswert.

Wir sind Helden + Shout Out Louds in Bonn

23.08.08
17:00

Was: Topseller Wir sind Helden und als Support die sympathischen Schweden von den Shout Out Louds

Wo: Museumsmeile Bonn

Wieviel: ca. 30 Euro

Black Kids: Partie Traumatic

Was genau lieben die Menschen eigentlich so an Pop-Musik? Damit meine ich nicht diesen seelenlosen 1-2-3 Reißbrett Pop, hinter dem lediglich der Wunsch nach dem schnellen Euro steht. Vielmehr habe ich die Art von Musik im Sinn, die mitten aus dem Leben entspringt, Geschichten erzählt, Trost spendet, Hoffnung schenkt oder einfach auf unerklärlicher Weise Euphorie entzündet. Black Kids sind so eine fantastische Band voller Brandstifter. Read more »

Alles-ist-Pop Websampler #3

alles-ist-pop-websampler-_3_v3.pngEs ist mal wieder so weit, ein neuer Alles ist Pop-Websampler steht vor der Tür. Diesmal habe ich mich auf spinner.com ein wenig durch die freien MPEG-1 Audio Layer 3 Dateien geklickt und versucht ein neuen Websampler zusammen zustellen. Ich denke das Ergebnis kann sich hören lassen und hoffe das die Zusammenstellung gefällt. Wenn euch dieser Sampler gefällt, hört doch auch noch mal in die #1 und #2 rein.

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