Posts Tagged ‘ Punk ’

The Jim Jones Revue: Gimme Deathbilly, baby!

Ich hatte mal dieses Paar High Top Sneaker von der Marke, deren High Top Sneaker man als junger Mensch nun mal trägt. Dieses Paar Schuhe entstammte einer besonderen Edition, die sich durch ein überbordend klischeemäßiges Flammendesign auszeichnete. So bemüht rebellisch dieses Schuhwerk auch daher kam, ich habe es, ganz bewusst jegliche Reflektion ausblendend, bedingungslos geliebt.

Seitdem ich diese Treter nicht mehr habe, beschäfte ich mich auch nur noch höchst selten mit  – Achtung Anführungszeichen – “primitiven” Rock ‘n’ Roll Sounds. The Jim Jones Revue jedoch spielen einen derartig tighten Rocksound, dass man unwillkürlich heiße Fußsohlen bekommt. Seit Wochen bewegt sich die Schwarzscheibe auf meinem Plattenteller und wenn ich unterwegs bin, weht mir der MP3-Player die Pomade ins Haar. Ihr dreckiger Sound ist sicher für die Rockabilly-Puristen zu heterogen, aber an Szenedünkel und Genrebeschränkungen war ich ohnehin nie interessiert.

Allein der Titeltrack ihres aktuellen Tonträgers “Burning your house down” ist so mitreißend und überzeugend, dass man den Rest des Albums ganz (un-)voreingenommen begegnen muss. Dieser exaltierte Bluesbastard mit seinem psychotischen Gesang ist wirklich gefällig, man möchte nicht leise, sondern laut röhrend jubilieren. Das Ding passt definitiv auch auf den True Blood Soundtrack. Um noch zwei Anspieltipps zu liefern, seien noch die wunderbare Rhythm ‘n’ Blues Single “High Horse” und die gut gelaunte B-Seiten-Eröffnung “Shoot First” genannt. Die verrückten Briten sind wirklich eine Offenbarung, da sie einem untoten Genre ein wenig rosige Schminke ins Gesicht schmieren.

The Movement: Still Living The Dream EP

Seit Freitag gibt es sie nun, die neue EP von The Movement, jedenfalls bei iTunes. Nach den Soloaktivitäten von Lukas Sherfey war es schon überraschend, dass der sympathische Däne nun seine alte Band in neuer Besetzung ins Modpunk-Rennen schickt. Dem digitalen Release folgt Mitte April die Veröffentlichung des tatsächlichen Tonträgers.

Interview: Findus

findus-coverMit “straight unter die Rippen” kann man die Stoßrichtung des zwischen Indierock, Pop und Punk zu verortenden Sound der norddeutschen Band Findus beschreiben, der dennoch kaum in eine der musikalischen Schubladen passen will. Eigentlich war das Interview mit den sympathischen Neu-Hamburgern schon länger geplant, doch irgendwie ist das Vorhaben in den unendlichen Weiten des WorldWideWebs zeitweilig verschollen gegangen.

Nichtsdestotrotz und in aller Ausführlichkeit hat Sänger Lüam meine Fragen zur Wahlheimat Hamburg, zu bekannten Unterstützern und befreundeten Bands, zu seinen Texten, zur Selbstverwaltung als Band, Product Placement in Rockmusik und den bandeigenen Zukunftsplänen beantwortet. Ansonsten sei darauf hingewiesen, dass die Nordlichter bis Jahresende noch fleißig am Touren sind, u.a. mit Turbostaat und Escapado. Aber nun auf zum verschollenen Interview…

AiP: Interessant bei der Entstehung eures ersten Albums „Sansibar“ ist die Mischung aus „wir machen das jetzt allein“ und relativ bekannten Unterstützern: Thees Uhlmann/GHvC, Audiolith, etc. Erzähl doch mal! Ein Glücksfall in Zeiten, in denen es den Rundum-glücklich-Plattendeal ohnehin nicht mehr gibt?

L: Ja, das hat sich bei uns sehr gut entwickelt. Wir haben uns zusammen mit Freunden dazu entschieden, das Album selbst zu veröffentlichen. Dabei war uns allerdings noch nicht klar, wie das genau laufen kann und ob wir das überhaupt hinkriegen. Ohne viel Geld und ohne Namen. Dann haben wir uns einfach umgehört und das geht in Hamburg eigentlich recht gut. Wir wurden durch verschiedenste Leute auf ganz unterschiedliche Arten unterstützt. Zum einen tat die direkte Unterstützung sehr gut, ohne die wäre es auch so nicht möglich gewesen und zum anderen tat es auch einfach gut, dass wir in unserem Anliegen ernst genommen wurden. Dadurch entwickelte sich bei uns auch erst diese Sicherheit, das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein.

 

Ich finde, eure Musik ist relativ ambivalent. Einerseits funktioniert vieles als Partysoundtrack und hebt die Stimmung, andererseits gibt es nachdenkliche, melancholische, wütende Momente. Widerspruch oder ganz natürlich aus deiner Sicht?

Ja, für mich ist das eigentlich kein Widerspruch. Wir haben uns halt nicht hingesetzt und überlegt, was soll das für ein Album werden. Party? Melancholie? Wut? Da fließen halt alle Dinge zusammen. Wir erleben Sachen, die dann einfach mit in die Musik einfließen. Wir schreiben die Lieder und spielen sie zusammen. Mal wütend, mal traurig.

Wie hat der Umzug nach Hamburg den Bandalltag verändert, aber auch die Wahrnehmung eurer Band in der Öffentlichkeit? Gerade was deutschsprachigen Indierock anbelangt, ist die Hansestadt ja nicht gerade das schlechteste Pflaster…

Es hat sich auf jeden Fall einiges geändert, wobei ich das nicht genau definieren kann. Es ist nicht so, dass wir uns in diesem typischen Hamburger Szeneumfeld bewegen. Da sind wir eher außenvor, aber natürlich kriegen wir gewisse Dinge näher mit als früher auf dem Dorf. Aber wir sind jetzt in dem Sinne keine typische Hamburger Rockband, in der die Hälfte aller Mitglieder noch in irgendwelchen anderen Bands und Projekten rummacht. Außerdem liegt das Studio in Kiel und da entsteht halt auch immer noch sehr viel.

Was man aber auf jeden Fall beobachten kann, ist die Wahrnehmung unserer Band in anderen Städten. Wenn wir irgendwo hinkommen, dann wird da mit unserer neuen Herkunft geworben und ich glaube, die Leute denken dann, die kommen aus Hamburg, klingen nach Hamburg und das finden die oft geil. Seitdem wir alle in Hamburg wohnen, werden wir als Band ein Stück ernster genommen.

findus-2

Erzähl doch mal etwas über deine Texte. Was inspiriert dich beim Schreiben und wie läuft der Songwriting-Prozess bei euch ab? Bringst du fertige Texte mit in den Proberaum und haben die anderen Mitspracherecht?

Die meisten meiner Texte entstehen aus relativ alltäglichen Situationen. Vieles ist da einfach so Gefühlsbrei, den ich versuche, durch mein Geschriebenes mir selbst und den anderen irgendwie nahezubringen. Wobei ich mir da eigentlich nicht so meine Gedanken mache. Die Texte kommen und ich schreibe sie auf. Ich verfolge damit selten konkrete Ziele. Es gibt Tage, da schreibe ich viele Texte und dann gibt es auch wieder Zeiten, in denen geht nichts. Ich weiß auch nicht, ob ich besonders gut im Texten bin. Ich mache es einfach.

Wie wichtig ist das Motiv „Aufbruch“ für dich? In den Texten auf „Sansibar“ ist schließlich stets eine gewisse Ruhelosigkeit und ein präsentes Fernweh zu spüren.

Aufbruch ist mir schon wichtig. Ich verstehe Aufbruch allerdings etwas anders, nicht unbedingt als Wegkommen oder Abhauen, sondern als Weitermachen. Kein Stillstand. Mauern einreißen. Ich frage mich halt oft, ob es nicht besser ist, einmal mehr etwas Altes, Bequemes, vielleicht auch Schönes aufzubrechen, als irgendwann irgendwo zu stehen und zu merken, dass man satt und bequem ist. Gerade im Zusammenhang mit Musik und Kunst stelle ich mir diese Frage sehr oft, und außerdem sind fast alle Lieder der Sansibar auf dem Dorf, am Meer entstanden. Und ich glaube, da bleibt das nicht aus. Ist schon oft langweilig gewesen in der Gegend, in der Sansibar entstanden ist.

Habt ihr manchmal den Eindruck, dass ihr musikalisch zwischen den oft zitierten Stühlen sitzt: für das punk-affine Publikum zu pop-orientiert, was Eingängigkeit etc. anbelangt, und für den Typus der vermeintlich oberflächlichen „Indie“-Kids wieder zu rauh und unbequem?

Ja, das kriegen wir sehr oft mit, gerade jetzt auf den letzten Touren. Die Leute wissen immer nicht so recht, wo und wie sie uns einordnen sollen. Oder auch bei unseren letzten Supportsachen. Viele fanden es komisch oder sogar scheiße, dass wir eine Band wie Against Me! supporten dürfen, obwohl wir doch gar keine Punkband sind. Nach dem Konzert fanden die es dann doch irgendwie geil. Wir machen uns da aber nicht so den Kopf. ich finde es sogar ganz geil – wir können machen was wir wollen!

Ihr scheint guten Kontakt zu Bands wie Turbostaat oder auch Smoke Blow zu unterhalten, obwohl Findus zu diesen nur bedingt musikalisch passt. Würdest du sagen, es gibt szenetechnisch größeren Zusammenhalt bei euch im Norden oder ist das Schlüsselwort alleine „Sympathie“?

findus-3Ich weiß gar nicht so richtig, wie es im einzelnen dazu gekommen ist, dass wir mit diesen Bands befreundet sind. Bei Smoke Blow ist es halt einfach Björn, der Bassist, unser sechster Mann. Mit ihm haben wir unsere Platte produziert. Er steht uns immer zur Seite. Und bei Turbostaat hat sich das einfach mit der Zeit entwickelt, aber ich glaube, dass hat gar nicht so viel mit der Region zu tun. Ich glaube einfach, dass gerade diese beiden Bands noch sehr interessiert sind an dieser Kultur, und ich weiß nicht, ob das auch so wäre, wenn sie in Hamburg, Köln oder Berlin leben würden. Da gibt es dann auch einfach zu viele Bands und natürlich spielt auch die Sympathie eine Rolle.

Bei eurem Konzert zuletzt in Duisburg ist mir ein ziemlich gelungener, neuer Song aufgefallen oder irre ich mich da? Wie sieht es mit zukünftigen Veröffentlichungen aus? Steht was an? Eine schicke 7“-Single würde euch gut zu Gesicht stehen! :)

Ja, da sagst du was. Wir sind gerade fleißigst dabei, neue Lieder zu machen und werden dieses Jahr noch ins Studio gehen. Wann und was es neues gibt, bleibt abzuwarten.

Würdet ihr denn zukünftig wieder eine Platte im Alleingang, also auch mit dem verbundenen finanziellen Risiko, in Angriff nehmen oder darf es jetzt auch gerne ein reguläres Label sein? Welche Rolle spielt dabei der Wille zur Autonomie?

Ja, wir würden es auf jeden Fall wieder machen, nur kriegen wir nun auch ganz gute Angebote aus diversen Richtungen und die schauen wir uns schon auch interessiert an. Es ist uns allerdings sehr wichtig, dass alle Entscheidungen von uns getroffen werden. Mal sehen…

Wie stehst du zu der zunehmenden Digitalisierung von Musik? Findus setzten offensichtlich auf das Gesamtpaket des analogen Tonträgers, bei der Musik nicht nur zum schnell konsumierbaren Produkt degradiert wird. Andererseit birgt dieser Trend schließlich auch Chancen für Bands, um sich eigenständig im Netz zu präsentieren.

Ich finde es einfach wichtig, dass man als Band seine eigene Vorstellung, seine eigenen Ideen umsetzt. Mir selbst ist es einfach wichtig, die Musik auch schön zu verpacken. Für mich haben irgendwelche Lieder auf meinem MP3-Player einfach keinen richtigen Wert, aber dass muss jede Band selbst wissen. Uns ist es nur wichtig, dass wir genau diese Entscheidung selsbt treffen können. Cd? Vinyl? Booklet? Poster? Der ganze Quatsch soll von uns kommen.

Ihr habt 2009 beim Red Bull Tourbus mitgemacht. Gab es bandintern Diskussionen, ob man sich unter die Flagge besagten Großkonzerns präsentieren soll? Gerade die kommerzielle Vermarktung von jungen Bands (auch bei der Jägermeister Rockliga) mutet doch zweischneidig an oder? Stichwort „Ideale“?

Es gab in diesem Red Bull Fall keine Diskussionen, da wir davon selbst erst erfahren haben, als wir da schon drin waren. Ein Freund wollte uns was Gutes tun und hat uns da angemeldet. Grundsätzlich finde ich dieses Band-Firmen-Gekuschel nervig. Ich finde dadurch geht einfach ganz viel verloren. Es verliert an Persönlichkeit, wenn immer überall ein Großkonzern dahintersteht.

Was wünscht du dir persönlich für Findus und wie geht es weiter? Anfang vs. Ende… ;-)

Ich wünsche mir, dass es immer weiter geht. Wir ziehen jetzt in einen neuen Proberaum, wir schreiben neue Lieder und wir werden Konzerte spielen – immer weiter!

 

 

 

 

Clickclickdecker: Neue Band namens Ludger

Schon die neue Band von Clickclickdecker gehört? Einfach nicht ausgelastet, der Mann. Mit an Bord bei Ludger sind zudem Musiker von Peters, Juri Gagarin und Herrenmagazin. Wie das klingt? File under Punk. Ludger veröffentlichen “bald” mit “Auf Eis” ein erstes akustisches Lebenszeichen und zwar auf MC. Alter Schule, Digger!

Malcolm McLaren: Kurznachruf

Mit ihm fing alles an zu rotieren und nun ist er tot, der gewiefte Manager der Sex Pistols und Great Rock ‘n’ Roll Swindle in persona. Im Alter von 64 Jahren ist Malcolm McLaren einer schwerwiegenden Krebserkrankung erlegen. Ob McLaren nun der Inventor of Punk war oder diesen lediglich kommerziell ausgeschlachtet hat, in jedem Fall gebührt ihm mehr als eine (zweifelhafte) Fußnote in der Historie der Sicherheitsnadel-in-der-Backe-Subkultur. R.I.P.

Turbostaat: Das Island Manöver

“Das Island Manöver”, es tätowiert seine düsteren Geschichten unter die Haut, aber nicht mit der surrenden Maschine, sondern im polynesischen Stil, mit  Haifischzahn und Hammer. Dafür sorgt die musikalische Wogdime, die über den Turbostaat-Rezipienten hineinbricht und alle Zweifel hinweg spült, dass die Band aus Flensburg langsam handzahm werden könnte. Im Gegenteil ist “Das Island Manöver” als vierter Streich der Diskographie wahrscheinlich das bedrückendste Album geworden, denn die Intensität des abgespulten Kopfkinos grenzt an den soghaften Momenten des cineastischen Oeuvre eines David Lynch. Oftmals sind es die Kontraste, die den großen Reiz des neuen Songmaterials ausmachen, beispielsweise wenn die Musik beinahe umschmeichelnd daher kommt und die Einzug haltende Harmonie durch den Text von Jan Windmeier hinterrücks erdolcht wird.

“Urlaub auf Fuhferden” figuriert mit diesem Prinzip und mit der Single “Pennen bei  Glufke” haben die Jungs im Refrain sogar einen richtigen Ohrwurm platziert, inklusive gefälligen, mehrstimmigen Hintergrundgesang. Doch der Schein trügt, “denn eingesperrt sind wir immer noch und es beruhigt uns sogar, dass es so ist.” Der Titelsong selbst weist sogar fast so etwas wie Ambient-Qualitäten auf, um sich dann zu einem treibenden Melanchorocker zu wandeln. “Strandgut” sei dann noch exemplarisch genannt, für die charakteristische Bildwelt von Turbostaat, die trotz verschiedener Grauschattierungen auch immer wieder erdfarbene Töne einarbeitet. Trotz aller musikalischen und lyrischen Widerhaken, sind es diese  Haltegriffe, die dem Hörer Balance gewährleisten. Turbostaat bleiben Turbostaat, bleiben Konstante im etwas anderen Punk-Sperr[feuer]gebiet.

Lesen: Joachim Seidel – HimbeerToni

himbeertoniWer sich von der Maxime leiten lässt, wo ein Astra-Kronkorken drauf ist, da kann der Inhalt doch nur ansprechend sein, wird bei HimbeerToni zwangsläufig enttäuscht werden. Unterhaltsam soll sie sein, die wilde Fahrt durch den Selbstbedienungssupermarkt der neueren Populärliteratur und es fliegen nur so die reduzierten, weil abgelaufenen Produkte der Marken Oliver Maria Schmitt (“Anarchoschnitzel”), Rocko Schamoni, Heinz Strunk oder Nick Hornby in den Einkaufswagen des Autors. Man vergleiche nur die Listenaffinität aus “High Fidelity” und die hier ständig zitieren Problemcharts mit ihren wechselnden Platzierungen. Sicher Zufall. Inhaltlich berichtet Seidels Roman von alternden Punkrockern, die der Alltagsrealität und der tickenden Lebensuhr Tribut zollen müssen, augenscheinlich gestörten Verhältnissen zwischen den Geschlechtern,ungeplantem Nachwuchs, einem vielleicht gebrochenen Penis, anderen wohl dosiert eingesetzten Frivolitäten (Hi, hi), kosovarischen Bauchrednern, echten Vinylraritäten und allerhand anderen Absurditäten und “zufälligen” Verstrickungen.

Dabei wird kaum eine Plattitüde ausgelassen und der Kalauer auch dann noch getreten, wenn er sich bereits zuckend am Boden windet. Noch schlimmer ist es allerdings, dass die Figuren Herr Blümchen, Kurtchen und Holgi, allen voran  aber der HimbeerToni Horny Hornig himself, schrecklich blass bleiben und alles andere als authentisch oder gar sympathisch wirken. Weibliches Romanpersonal kommt zudem ganz schlecht weg, sind sie Partnerinnen der Altpunks doch primär schwangerschafts- und hormonbedingte Furien, denen es ihr Kerl überhaupt nicht recht machen kann. Ooh!

Wenn man sich so richtig über die “späten Ängste großer Jungs” in Rage reden würde, könnte man auch schon fast das wandelnde No-Go Mario Barth herbei zitieren. Nett ist sicher die Grobeinteilung des Romans in A- und B-Seite, die vielen punkhistorischen Anspielungen und ach ja, es liest sich extrem schnell runter. Wahrscheinlich ist Himbeertoni vor allem nach gesteigertem Konsum von “Astraknollen” tatsächlich zu gautieren. So bleibt das Prädikat Strand- und Toilettenlektüre haften. Ein Buch zum raschen Lesen und noch schnellerem Vergessen!

Nouvelle Vague: Alle guten Dinge sind nicht immer 3

nouvelle-vague-3Das dritte Album der französischen Band Nouvelle Vague um Marc Collin und Olivier Libaux bietet erneut Easy, zuweilen aber auch Cheasy Listening, denn das Erfolgskonzept, angestaubte Punk, New Wave und Rock Klassiker im Ambient und Bossa Nova Gewand wieder salonfähig zu machen, stößt langsam, aber sicher an seine Grenzen. Konnte bereits der letztjährige Ausflug in die Welt der Film-Soundtracks unter dem Pseudonym Hollywood Mon Amour nur bedingt überzeugen, ist auch das simpel betitelte Drittwerk eher eine Hängepartie als eine vortreffliche Einladung in die Hängematte. Offensichtlich hat das französische Produzentenduo ein wenig von seinem treffsicheren Gespür bei der Songauswahl eingebüßt, denn anders sind der ein oder andere Totalausfall nicht zu erklären. Dabei hilft es auch nicht, dass prominente Musiker dabei geholfen haben, die Originalkompositionen in der “Nouvelle Vague”-Art zu adaptieren. Zu nennen, wären dabei beispielsweise Martin L. Gore (Depeche Mode), Ian Mc Cullough (Echo And The Bunnymen) oder auch Terry Hall (The Specials). Die diveresen Gastsängerinnen erfüllen dafür ihren Part erneut souverän und sorgen mit ihren zuckersüßen Stimmen für eine altbekannte, erholsame Grundstimmung. Ein entsprechendes Juwel findet sich gleich im Albumopener, denn die im Original extrem unterkühte Fetisch-Hymne “Master And Servant” von Depeche Mode klingt bei Nouvelle Vague eher nach zarten Sonnenstrahlen als nach Lack und Leder. Ein völlig anderes Hörerlebnis bietet die Coverversion vom The Police Reggaepop-Hit “So Lonely”, denn hier geht man den genau entgegengesetzten Weg: der eigentlich so fluffig, federleichte Song wirkt bei Nouvelle Vague schrecklich fragil, eine wirklich kunstvolle, originäre Umsetzung also. Das Nouvelle Vague zugrunde liegende Konzept wird bei “God Save The Queen” dann aber völlig überstrapaziert. Der von den Sex Pistols stammende Punk-Klassiker  ist auch in der überarbeiten Fassung nicht weniger nervig, zumal die Entscheidung für diesen Song alles andere als kreativ ist. Der intendierte Witz ist inzwischen so lahm wie ein vor der Pensionierung stehender Zirkusclown. Noch viel schlimmer wird es dann aber bei dem von Plastic Bertrand stammenden “Ca Plane Pour Moi”, das im Original wirklich ein sensationeller Hit war. Nouvelle Vague varieren das Schema des Songs kaum, womit sich die Frage stellt, warum der Song überhaupt ausgewählt wurde. Solch einfallslose Arrangements braucht man keineswegs und auch einige andere Songs scheinen der Tatsache zum Opfer gefallen zu sein, dass auf den ersten beiden Alben bereits die prädestinierten Originale der infrage kommenden Dekade verwendet wurden. Zum ersten Mal gibt es bei Nouvelle Vague beinahe mehr Schatten als Licht zu entdecken, was eigentlich sehr schade ist. Dennoch ist 3 kein absoluter Reinfall geworden, doch wenn man das Dedütalbum und/oder Bande A Part bereits im Plattenschrank stehen hat, kann man auf das Drittwerk auch gut und gerne verzichten.

The Bottrops: Entertainment Overkill

thebottrops_entertainmentoverkill_th“Die, die aus Bottrop kommen” wohnen in Berlin und der Beatle-esque Schriftzug ihres Namens hat mit ihrer Musik auch genau nichts gemeinsam:  Drei ehemalige Mitglieder der 2005 aufgelösten Terrorgruppe gründeten ein Jahr später “The Bottrops“, veröffentlichten 2007 ihr selbstbetiteltes Debüt und legen nun mit einem neuen Album voller Punkrock-Perlen nach: Entertainment Overkill ist fast schon sowas wie ein Konzept-Album über die (Un-)Unterhaltung in der Moderne, Lügen & Spass. In deutschen Texten auf den Punkt gebracht und dabei sowohl Kopflastigkeit als auch Prolligkeit vermieden. Musikalisch unterlegt von hochmelodischem, jugendlich-frischem Punkrock ohne billig oder schrammelig zu klingen.

Read more »

Die Goldenen Zitronen (Kulturbunker Mülheim, Köln)

11.12.08
21:00

Was: Die Goldenen Zitronen sind eine Institution. Ihr deutschsprachiger Diskurspunk war schon immer schräg und unbequem und auch mit fast 25 Jahren auf dem Buckel ist die Band immer noch relevant. Erstaunlich mit drei Ausrufezeichen!!! Vorab gibt es einen Vortrag von Martin Büsser über politpop und die Entwicklung seit 1968. Im Rahmen von “Unter dem Pflaster liegt der Strand”.

Wo: Kulturbunker Mülheim (Köln)

Wieviel: ca 14 Euro