Trendige Energydrinks, teergleiche Kaffeesubstanzen, Exzesse mit Guaraná – wer mal wirklich so richtig hibbelig vor Begeisterung drauf kommen will, sollte statt Koffeinexperimenten lieber “Crude Futures”, das neue Album der neuseeländischen Dancepunk-Durchstarter So So Modern konsumieren. Dennoch rast die Band nicht durchgängig durch ihren Tausendsassa-Sound, sondern integriert gekonnt viele Verschnaufpausen voller Höhenluft. Die verwendeten, zuweilen eigenwilligen Versatzstücke werden stets durch den bandeigenen Turbomixer gejagt, sodass sich die einzelnen Elemente doch immer wieder zu einer homogenen Gesamtmasse vermengen. Die Neuseeländer reichern die 9 Songs auf “Crude Futurers” stets mit einer zwischen Psychedelik und Avantgarde changierenden Note an, was der Tanzbarkeit des Ganzen keinen Abbruch tut. Dabei können dann auch aufgeschichtete, instrumentale Tanzberge wie “Berlin” enstehen, dass sich in seiner Konsequenz der Versiertheit mehr als nur einen Funken von Genialität bewahrt.
Die generierten Songlandschaften wie in “Dusk & Children” gehen weit über die herkömmliche Ästhetik vermeintlicher Genrenachbarn hinaus und grenzen eindeutig am Postrock-Hoheitsgebiet. In manchen Passagen erinnern So So Modern durchaus an ihre Labelmates Foals, um dann doch an der nächsten musikalischen Weggabelung einen anderen Pfad zu beschreiten. Zum Abspacken geeignete Neonexplosionen wie das extrem memorierungswürdige “The Worst Is Yet To Come” erinnern dann auch ansatzweise an Royal Bangs, doch an Alleinstellungsmerkmalen mangelt es So So Modern nicht, sodass die Band aus dem pazifischen Inselstaat keinerlei Exotenbonus braucht, um Europa im Sturm zu erobern. Vor allem nicht, wenn man Hits wie “Dendrons” oder “Be Anywhere” im Repertoire hat und wer sich dem Songsog von “Give Everything” entziehen kann, dem hilft auch Koffein via intravenöser Injektion nicht mehr.


Mono