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Nicolas Sturm: Albumrelease + Free MP3

Wie die wohlwollende Rezension belegt, erscheint am 26. April mit “Doppelleben” ein wirklich feines Stück Musik aus der Feder Nicolas Sturms. Sein Label Omaha Records verschenkt zudem mit “Neujahr” eine kostenlose Hörprobe aus der umfangreichen EP. Ansonsten sei noch auf Sturms Beitrag zu der Rubrik “Seitenwechsel” beim empfehlenswerten Nicorola Musikblog verwiesen.

Nicolas Sturm: Doppelleben

doppellebenBräsig, vor sich hin dämmernd das Rezensionsmuster aus dem Kuvert geschält, Kopfhörer aufgesetzt und nach dem die ersten 2, 3 Lieder das Gemüt erfrischt haben, formen die Augenbrauen Bögen und das Kinn vollführt anerkennende Aufundabbewegungen. Was Nicolas Sturm auf seinem, zwischen EP und Album zu verortenden Tonträger  “Doppelleben” abliefert, ist schlichtweg anrührendes Kopfkino, das zwischen Träne im Knopfloch und gesichtsfüllendem Schmunzeln eine breite Emotionspalette zu erzeugen weiß. Die 10 Songs sorgen für eine dermaßen erhöhte Endorphinausschüttung, dass man vermutlich nach dem Hörgenuss gegen sämtliche Dopingauflagen des Olympischen Komitees verstoßen würde. Man weiß gar nicht genau, wofür man stärker applaudieren soll, für die kunstvoll gearbeiteten kleinen musikalischen Schmuckkästchen oder die textlichen Kleinode, die sich in ihnen verbergen.

Knapp 36 Minuten lang und stark ist das “Doppelleben”, dessen Songs mit Indiepop und Folkelementen gerüstet und zugleich so entwaffnend sind. Dass Nicolas Sturm dem Künstlernetzwerk OMAHA Records angehört, will irgendwie so gar nicht überraschen, da beispielsweise Gisbert zu Knyphausen ebenfalls zu diesem gehört. Damit sei schon ein sinnvoller Ansatz- und Orientierungspunkt für jene gesetzt, denen ein Vergleichsmaßstab nützlich erscheint. Zu Sturms eigenen musikalischen Einflüssen gehört offensichtlich auch der Fixstern Dylan, was wirklich einleuchtend erscheint, da die Songs auf “Doppelleben” – ebenso wie Dylans – oftmals melancholisch und zugleich humorvoll jenseits des Brustbeins Treffer setzen. Nach dem instrumentalen Einleitungsstück “Regenhunde No. 53″ führt der Song “Baustelle” den Hörer gleich auf die Gewinnerstraße, auch wenn das erzählende Ich sich offenbar nicht auf einer solchen befindet. Oder doch? Spielt keine Rolle, denn bevor das Grübeln einsetzen kann, überfällt “Caroline” den Hörer mit feinen Strophen, weichem und zugleich angenehm rauhem Gesang und nicht zu unterschätzenden Wiedererkennungswert.

“Asphalt” fragt im heiteren Plauderton und entsprechend musikalisch untermalt: “Liegst du nicht mit mir auf dem immer noch heißen Asphalt? Bleibst du für mich nur eine lichtumrandete Gestalt?” Nur um dann festzustellen: “Oh, wie geschickt manipulierst du mich”. Nicolas Sturm liefert in seinen Songs mindestens genauso viele Antworten wie er Fragen aufwirft, was unumstritten auf der Habenseite der EP zu verbuchen ist. Ein Suchender schreibt Songs für sich und trifft offensichtlich einen kollektiven Nerv. Symptomatisch für diese Aussage ist sicherlich das Titelstück “Doppelleben” selbst, das mit den Textzeilen “Nein, ich will lieber nicht // Was mich treibt, was mich bricht // Sweet surrender, sweet surrender, ein Befehl //  Sweet surrender, sweet surrender, in for the kill” vandalastische Gelüste auslöst. Zeilen, die man an Hauswänden verewigen möchte, man gehört haben muss.

nicolas-sturmGanz leichte Kost hat Sturm auch im Repertoire, wie das schlagereske und kalauerhaft kokettierende Stereo Total Cover “Schön von hinten” versinnbildlicht. “Neujahr” ist dann wieder so eine knackig pointierte Popkomposition aus der Feder des irgendwo zwischen Karlsruhe, Frankfurt und Freiburg beheimateten Songschreibers, die man gerne auf dem nächsten Mixtape, das ja eigentlich keines mehr ist, unterbringen möchte. Von wegen aufhören, wenn es am Schönsten ist, denn “Träumungsschlussverkauf” ist ein heller Glockenton beim subtilen Indiefolk-Hau-den-Lukas, ein verdammte Hit par excellance, der bestimmt selbst betrunken gegrölt, noch einiges hermacht. Dann ist mit “Ikarus” der Budenzauber schon vorbei und liefert mit “Ein Herz kann man opfern, Schmerz kann man ertränken, doch Erinnerungen brennen so schlecht” nochmal einen prägnanten Slogan – remarkable! Zehn Songs, die im instrumentalen Zusammenspiel mit Jeremy James Dhôme, der für Percussion und Schlagzeug auf “Doppelleben” zuständig ist, beim Hörer große Sympathie entfachen. Well done und aus!

Nicolas Sturm – Doppelleben erscheint am 26. April 2010!