Manifeste Gegensätze auf Album
länge und das bereits im dritten Anlauf. Mark Lanegan ist phänotypisch wohl eher als verlebt zu bezeichnen. Grunge (Screaming Trees) und Stoner Rock (Queens of the Stone Age) sind nicht spurlos an dem geschäftigen Musiker vorbeigezogen, was dann sowohl das ausgezerrte Gesicht als auch die verrauchte Stimme erklären dürfte.
Isobel Campbell hingegen war jahrelang dem schöngeistigen Twee Pop bei Belle & Sebastian verschrieben und hat die schottische Band als Cellistin, Keyboarderin und Vocalistin durchaus mitgeprägt. Das dunkelhaarige Raubein und die feminine, blonde Mitdreißigerin werden auf dem am 24. August erscheinenden Longplayer “Hawk” erneut die jeweiligen Qualitäten in die Waagschale werfen und die Frage, ob sich nun der Literaturwissenschaftler oder doch eher der Ornithologe mit dem Albumtitel beschäftigen soll, darf an dieser Stelle getrost außen vor bleiben
Was die besagten Gegensätze anbelangt, werden diese nicht nur biografisch und durch das prä-kollaborative musikalische Schaffen unterfüttert, sondern zeigt sich vor allem im gesanglichen “Zusammenspiel”. Wenn Lanegans Whiskeykehle auf Campbells laszives Gehauche trifft, schwebt schon eine gewisse Spannung – ein atmosphärisches Geknister – als Platzhalter zwischen den beiden Protagonisten. Man gewinnt den Eindruck, dass
gerade diese Wärme erzeugende Reibung gesanglicher Natur den besonderen Reiz ihrer zwischen Americana, Folk und Blues mäandernden Alben ausmacht. Gerade bei den Stücken mit düsterer Stimmung muss man unweigerlich an das Nick Cave und Kylie Minogue Duett aus dem Jahre 1995 denken, aber nun zum bald erscheinenden Material des Duos Campbell-Lanegan .
Die beiden bei Myspace gestreamten neuen Songs “Come Undone” und “You Won’t Let Me Down Again” machen in der Tat neuigierig auf die aktuelle amerikanisch-schottische Co-Produktion. Gerade “Come Undone” mit seiner entspannt-bluesigen Stimmung mutet besonders gelungen an. Natürlich flanieren die beiden auf reichlich ausgetretenen Pfaden und doch könnte “Hawk” bei durchgehend hohem qualitativen Niveau eine lohnenswerte Sache darstellen.

