Ein Album wie ein Sonnenuntergang: ästhetisch und gewiss ein wenig rührselig. Ein Album wie 12 Uhr mittags: wach, aufgeräumt-konzentriert und kurz vor dem Zenit und damit auf der Kante, vor dem Gefälle in Richtung Dämmerzustand. Ein Album wie ein Sonnenaufgang: Erleben ist vorangestellt und alles weitere die unvermeidliche Zwangsläufigkeit. Der Elegante Rest (3/5 Leipzig, 2/5 Berlin) beweisen mit ihrem 2. Longplayer “Nebel auf dem Kontinent”, dass man auch jenseits des “Element of Crime”-Königreichs die Grenzen eines vermeintlichen Genres Indie-Pop schlaglichtartig erhellen kann. Hier werden nicht nur die Ecken gekehrt. Assoziativ perlen auch noch andere Namen aus dem Ausgabegerät, doch da die musikalische Materie durchweg originär wirkt, kann man sich den Vergleichszwang durchaus sparen.
Hauptaugenmerk sollte man in jedem Fall auf den Sänger und Songschreiber Jörg Wolschina legen, der mit seiner tiefen und überaus warmen Stimme, die abwechslungsreich gestalteten Lieder stets ansichzieht und souverän leitet. Textlich kreisen die 13 Stücke um ein poetisches Gestirn, das mal kryptisch-verschachtelt, mal klar und auf weise, aber nicht aufdringliche Art imposante Strahlkraft beweist. “La Dolce Vita” umschmeichelt den Hörer wie ein laues Früglingslüftchen, während “Fernfahrer” treibend, drängend wirkt und sich als textlich absurde Hommage an den Streifen Convoy von 1978 entpuppt. Um cineastisch zu bleiben, sei angemerkt, dass Der Elegante Rest mit “Frankfurt am Main” großes Kino auf die auditive Leinwand bringen, was sich Kollege Distelmeyer, um doch noch einen illustren Namen ins Feld zu führen, zu Herzen nehmen könnte.
“Ich kann nichts für dich tun” entfaltet angenehm sedierende Wirkung, während “Schlechte Erziehung” Chanson im besten Sinne und so gar nicht anachronistisch ist. “Steine im Blut” setzt mitreißend und einfühlsam der Melancholie ein windschiefes Denkmal, während “The Boss Of It All” psychedelischen Lounge-Sound kreiert. Absolut charakteristisch für “Nebel auf dem Kontinent” ist die dezente, jedoch immer pointierte Instrumentierung, wie es “Braveheart” exemplarisch ausgestaltet. “Nun Denn, So muss Ich Wandern” figuriert als lupenreiner Pop-Ohrwurm, bevor der Titelsong einen würdigen Schlussstein setzt und ein Herzstück im wahrsten Sinne darstellt. Der Elegante Rest. Merken!
Album veröffentlicht auf Problembär Records!
