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Videos: Yeah Yeah Yeahs, Jaguar Love, Maximo Park

yyyDie Yeah Yeah Yeahs haben mit ihrem aktuellen Album It’s Blitz! die arty eingerichtete Garage längst verlassen und sich dafür auf den Tanzflächen dieser Welt heimisch eingerichtet. Bereits die erste Single “Zero” zeugte vom modifizierten YYY-Sound, die aktuelle Auskopplung ist jedoch eine irrwitzig rotierende Discokugel par excellence. Das Video zu “Heads Will Roll” ist zudem ein echter Augenfänger, wobei sich gewisse MJ-Assoziationen aus gegebenen Anlass nicht vermeiden lassen. Dennoch: “Heads Will Roll” ist ein phantastischer Ohrwurm und das zugehörige Filmchen wirklich sehenswert, also eine extrem gelungene Zusammenführung von Bild und Ton.

Yeah Yeah Yeahs – Heads Will Roll


Ein neues Video gibt es auch von Jaguar Love zu studieren, die letztes Jahr mit Take Me To The Sea ein Album vorgelegt haben, welches vor Spielfreude geradezu Funken schlägt. Die Band um Cody Votolato und Johnny Whitney (Ex-The Blood Brothers) geht inzwischen aufgeräumter zu Werke als noch bei ihrer ehemaligen Band, haben sich aber dennoch genug Wahnsinn bewahrt, um spannende, leicht bis mittel schräge Musik einzuspielen. Beweis dessen ist der neue Song “I Started A Fire”, der zwar offiziell noch den Status einer Demoversion besitzt, letztlich aber bereits folgendes Video besitzt. Um es doch doch noch einmal mit den Blutsbrüdern zu sagen: Feuer, Feuer, Feuer!!!

Jaguar Love – I Started A Fire


Das Video zu Maximo Parks “Questing, Not Coasting” hält es mit der offenbaren Bandphilosophie: Keine Überraschungen und recht gefällige Melodien, was inzwischen fast nur noch in gepflegter Langeweile ausartet. Abseits dieser polemischen Feststellung zutiefst subjektiver Natur, darf man schon fragen, wieso Maximo Park inzwischen ein so großes Standing im (Indie-)Pop-Zirkus innehaben. Single und Album Quicken The Heart befördern besagte Skepsis allemal.

Maximo Park – Questing, Not Coasting



Haldern Pop 2008 – Der Rückblick

Haldern Pop ist ohne Zweifel eine Oase des guten Geschmacks und den Veranstaltern gelang es auch in diesem Jahr, ein interessantes, abwechslungsreiches Line-Up auf die Beine zu stellen. Da zudem das kleine, gemütliche Festival einen riesigen Wellness-Faktor aufweisen kann, war der 25. Geburtstag des Haldern Pop eine rundum gelungene Angelegenheit. Die apokalyptische Wettervorhersage erwies sich ebenfalls als nicht zutreffend. Wechselhaft war es schon, aber die Veranstaltung soff weder ab, noch trug sie der Sturm davon.

Foals1

Die Jubiläumsausgabe brachte aber auch organisatorische Neuerungen, so spielten erstmals bereits am Donnerstag zwei Bands auf der Hauptbühne auf. Gut so, denn diese Auftritte hatten es wahrlich in sich. Vor den fantastischen Foals setzte der erste Platzregen ein und dieser machte seinem Namen alle Ehre. Der leer gespülte Platz füllte sich allerdings wieder rasch, als die fünf Jungs aus Oxford die Bühne enterten. Die Himmelsschleusen hatten sich wieder geschlossen und nach einem langen, psychedelischen Intro feuerten Foals die Hit-Granaten ihres ersten Albums ‘Antidotes’ in die begeisterte Menge. Ein sensationeller Auftritt, der gleichermaßen Hüften in Bewegung setzte und offene Münder hinterließ.

Der Abschluss des ersten Tags brachte dann noch die aufwendigste, ja bombastischste Perfomance des Festivals. Vom manisch überdrehten ‘Host’ als der größte Kindergeburtstag der Welt angekündigt, setzten Flaming Lips alles daran, sich nachhaltig ins Gedächtnis der Anwesenden zu brennen. Die Bühne wurde auf beiden Seiten von jeweils um die zehn Statisten in Teletubby-Kostümen flankiert, hinter dem Schlagzeuger wurde die offenkundig bandeigene, hochauflösende LCD-Leinwand ausgiebig genutzt, gleiches galt für die installierten Laser und die zahlreichen Konfetti-Kanonen von Sänger Wayne Coyne. Die vielen riesigen grünen Luftballons vollendeten eine Bühnenshow, die man erstmal visuell erfassen musste. Einige Details habe ich sicher noch vergessen, aber es dürfte deutlich geworden sein, dass diese Performance eine außergewöhnliche war.

Am frühen Freitagnachmittag spielte der ‘Ein-Frau-Act’ My Brightest Diamond im traumhaften Spiegelzelt seine mal schrägen, mal schöngeistigen Songs und polarisierte mit sirenenhaften, Glas zum bersten bringenden Gesang. Anschließend wusste Alles-ist-Pop-Spalter und Indie-Institution Bernd Begemann das Publikum ausnahmslos zu begeistern. Begemann gab zwar fast mehr zotige Bemerkungen und geniale Ansagen zum Besten als er Songs spielte, doch anders hatte man dies ja auch nicht erwartet. Einige Hits gab es dennoch – inklusive der ersten deutlichen Zeitüberschreitung des Wochenendes.

Mit Kula Shaker gab es danach aber auch die erste, große Enttäuschung. Mit britischer Arroganz kann man diesen seelenlosen Auftritt keinesfalls rechtfertigen. Oder wie Alles-ist-Pop Bastian spitzfindig bemerkte, der im Spiegelzelt eingesetzte Pausenfüller DJ St. Paul war auf Grund expressiven Hüftschwungs, der einzige “coole Shaker” an diesem Wochenende. Brit-Award Gewinnerin Kate Nash und Begleitband konnten auch nicht (vollends) überzeugen. Aus dem schwammigen Sound stachen gerade einmal die Singles “Foundations” und “Mouthwash” plus zwei, drei weitere Songs heraus. Vielleicht doch nicht stark genug, das preisgekrönte “Made of Bricks”-Album.

Restlos entschädigt wurde man jedoch durch den nachfolgenden, schlicht und ergreifend genialen Editors-Auftritt. Sänger Tom Smith füllte allein mit seiner tiefen Stimme und einer unglaublichen Präsenz die gesamte Bühne aus. Atemberaubend, wie er auf dem Piano stehend, Gitarre spielend performte und für die ein oder andere Gänsehaut sorgte. Welch Intensität…

Der abschließende Samstag begann gleich mit einem Paukenschlag und damit ist nicht der 90er Jahre Euro-Dance-Wahnsinn um 8 Uhr morgens auf dem Zeltplatz gemeint. Die hippie-esk und/oder nach Glamrock aussehenden Jumbo Jet weckten mit ihrem überraschenden, melodischen und rhythmusorientierten, Female Fronted New School Noisecore das noch apathische Publikum auf. Auch den noch verquollenen Augen boten Jumbo Jet in der Mittagshitze einiges. So wurden beispielsweise Bandmitglieder mit dem Fahrrad angefahren, über die Bühne geisterten einige, an Theater erinnernde Statisten und zu guter Letzt wurden für die Backing Vocals spontan Kinder aus dem Publikum rekrutiert. Richtig gute Nummer…

Okkervil River waren von dem ihnen entgegen gebrachten Zuspruch ebenso begeistert wie die Zuhörer von ihrer Performance. Klassisch abgefeiert und das mit Recht. Die Band genoss die entfachte Begeisterung im Publikum sichtlich. Ihre Indie-Folk-Hymnen rannten offene Türe ein und man kann sich nur auf das bald erscheinende neue Album freuen. Alamo Race Track aus Amsterdam wurden im Spiegelzelt ebenso herzlich begrüßt wie anschließend ihre gute Performance honoriert… und schon neigte sich das Haldern Pop 2008 langsam aber sicher seinem Ende zu. Zwischenzeitlich kursierten zwar wilde Gerüchte bezüglich eines weiteren, geheimen Headliners – am Donnerstag hatten bereits Fettes Brot unangekündigt vor einem Bruchteil der Festivalbesucher im Spiegelzeit für Stimmung (???) gesorgt – doch Maximo Park waren wirklich der abschließende Act auf der Hauptbühne. Grundsolide, aber zum Teil zu anbiedernd, wurden die Briten ihrem Headliner-Status durchaus gerecht. Der Großteil der Besucher kam bei diesem finalen Auftritt jedenfalls auf seine Kosten. Genug bekannte Singles haben Maximo Park ja inzwischen auch in petto…

Die abschließende Verabschiedung durch einen weiteren “Host” war eher sehr dürftig. Keine Zugabe durch Maximo Park, dafür Geburtstagsgrüße und merkwürdige Danksagungen (“Danke Diebels, Danke Pizza Pizza, Danke Döner…”). Trüben konnte dieser Umstand das tolle Festivalereignis Haldern Pop 2008 jedoch nicht. Auch das Fehlen eines Knüllers von einer Überraschungsband (“Was? The White Stripes? Cool!”) fiel nicht weiter ins Gewicht, denn genug großartige Bands verwöhnten Augen und Ohren gleichermaßen. Die Vorfreude auf die 2009er Ausgabe von Haldern Pop kann und darf beginnen…