Ein allegorischer Tritt in den Hintern der umsichgreifenden Lethargie gefällig? Befindlichkeitsfixierung und ein aufgeräumter Blick für die Umwelt müssen sich nicht kategorisch ausschließen, vor allem wenn die Synthese in Songs aus dem Alltag für den Alltag münden. Die Band dellplatz bringt in ihren Songs Denke und Fingerkuppensensibilität auf einen gemeinsamen Nenner und beweist, dass man auch heutzutage Musik noch ohne schlechtes Gewissen mit dem “Indie”-Sticker bekleben darf.
Die Dame und die drei Herren aus dem musikalischen Niemandsland Duisburg streifen zwar die alte Dame Pathos, rennen diese dabei aber nicht über den Haufen und auch zu konzentrierte Verkopftheit wird vermieden, auch wenn die melancholische Grundstimmung, gepaart mit den fiktionalen, zwischen Abstraktion und Klartext pendelnden Texten, das Barometer in diese Richtung ausschlagen lassen.
Wie die Band betont, liegt es ihnen fern, die Welt nur deskriptiv in ihren Liedern abzubilden, sondern sie zielen auf auszulösende Denkanstöße ab. Das sind zwar gebräuchliche Formulierungen, doch wenn man sich die Ende 2009 in der Tresorfabrik zu Düsseldorf aufgenommenen Stücke zu Gemüte führt, so glaubt man zu verstehen, was gemeint ist: den Hörer einbeziehen und fordern.
5 Songs der Session werden nun unter dem Titel “ein tropfen wahrheit” zusammengefasst und auf den anstehenden Konzerten dem Live-Test unterzogen. Nachdenken darf man nach dem Verklingen der letzten Töne, denn man betont, auch dem Rock Tribut zu zollen, schließlich sei man ja keine “Beerdigungsband”. Dieses sympathische Augenzwinkern ist doch auch mal eine Ansage an all die, die sich viel zu wichtig nehmen. Subtiles Löwengebrüll? Auch das geht!
Die 2004 von zwei alten Schulfreunden gegründete Band ist längst den Kinderschuhen des Dillettantismus entwachsen und Songs wie “frühling” beweisen, dass sich inzwischen geschultes Handwerk und inhaltliche Reife kongenial ergänzen. Anders ist ein hinreißender Song wie “eine verschwendung” nicht zu erklären, der unter Dampf steht, der nach Vorne geht und durchaus ohrwurmig ist. Well done, sagt der Engländer. Musikalische Einflüsse zwischen Blumfeld und “2000er indieWhatever, 90er Britpop, 80er Punk “, das ist plausibel und nachvollziehbar. “wie weit?” ist Anschauungsmaterial, das Spaß macht. Hat irgendwer was von “verkopft” gehüstelt?

Jetzt könnte man meinen, dellplatz wollen es 2010 so richtig wissen. Ein fettes Jein wäre wohl angemessen, da nach den anstehenden Konzerten ein Bandviertel erstmal auf Weltreise geht, während der dreckige Rest das Hauptaugenmerk auf “Songschreiben und Promotion” legen wird. Also doch. Da wird auch in Zukunft was gehen. Hoffentlich, kann man nur sagen, denn neben dem bisher eingeschlagenen Weg prangt das Schild “richtige Richtung”! Hiervon überzeugt man sich wohl am Besten auf den Konzerten im Januar und Februar. Da werden dann Knallersongs wie “heidelberg” oder “unwichtig” und wohl auch alle Bandkonstanten zum Einsatz kommen: “Alkoholika, Kippen, Hass, Liebe, Freundschaft”. Pure, ungeschönte Menschlichkeit eben!
21. 01. 2010 Djäzz (Duisburg) mit Adams Pet
04.02.2010 Druckluft (Oberhausen) mit Brisk und Rokoko
20.02.2010 Parkhaus Duisburg Meiderich mit den Männern (Band)
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