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Daytrotter Session mit WHY?

Die Daytrotter Sessions haben sich mit den Jahren als die legitimen WWW-Nachfolger der John Peel Sessions erwiesen, was daran liegen könnte, dass sich der gesamte Indierock-Kosmos bereits im Horseshack Studio eingefunden hat. Fast alle namhaften Spartenkünstler waren schon dort, um ihre Live-Session einzuspielen.

Aktuell haben sich die verschrobenen Indiefolk-Lockenköpfe und -Bärte von WHY? bei Daytrotter verewigt. Amüsant zu lesen, ist die Beschreibung, wie Frontmann Yoni Wolf sein Lunchpaket im Studio verteilt hat. Hörenswert sind die Aufnahmen ohnehin.

“We cannot recollect anyone else using our piano as a food station and it makes sense that Wolf was the first, as he seems to have no separation of church and plate in his life, stirring everything together into one long lifeline of an experience.”

Xiu Xiu (Steinbruch, Duisburg)

Was: Xiu Xiu – experimenteller Düsterpop in Perfektion. Das diesjährige Release „Dear God I Hate Myself” lässt den Hörer gleichermaßen atem- und ratlos zurück und reines Gefallen wird zur Nebensache.
Support: Woom

Wo: Steinbruch (Duisburg)

Wieviel: VVK: 10 Euro; AK: 13 Euro

Findus: Straight unter die Rippen

findusIn Bier marinierter Postpunk mit Euphoriegarantie, das nötige Quentchen Lebensfreude trifft gutzuheißenden Alltagszorn, ergo was will man mehr? Findus sind gerade auf Tour und wenn man bedenkt, dass die Jungs aus Schleswig-Holstein sich bei dieser die Bühne mit Turbostaat und Against Me! teilen werden, so weiß man, die gehören unzweifelhaft zu den Guten. Im Oktober des letzten Jahres ist “Sansibar”, der Debütstreich der Nordlichter, erschienen und die Platte mit dem Schiffscover wurde von einem Ox-Kollegen gar als eine “der besten deutschen Punkalben” der letzten Zeit bezeichnet. In jedem Fall bieten die “gute[n] Menschen mit schlechten Manieren” einen netten Genrepogo zwischen Pop, Punk und Indierock, der durchaus die Begeisterungsrakete bei Mädels und Jungs zünden dürfte.

Beispiel gefällig? Der Myspace-Player der Band zeugt von Songs, die Unterhaltunsgmusik im wahrsten Sinne des Wortes darstellen und wenn man dann noch das gelungene Video zu “Anfang vs. Ende” betrachtet, rieselt mit Recht Stimmungskonfetti von der Schädeldecke. Irgendwie scheinen Findus instinktiv alles richtig zu machen und bevor sie ihre Songs mit zuviel Komplexitätsbalast beschweren, geben sie lieber dem simpel-straighten Weg den Vorrang, was zu beschriebenen Effekten führt. Wer sich von den Live-Qualitäten des Fünfers überzeugen möchte, hat in den nächsten Wochen und Monaten noch einige Gelegenheiten dazu, beispielsweise am 16. April im Duisburger Steinbruch. Auf das heisere Kehlen Knallerlieder wie “Erdbebenwarnung”  oder “Die Delle im Entertainmentprogramm” entsprechend zelebrieren werden, denn geeignet ist dieser Soundtrack zum Abfeiern der Band und des eigenen Ego allemal. So, jetzt “No Division” von Hot Water Music auf den Plattenteller und die Vorfreue schüren. Durchsageende!

Herpes (Pretty Vacant, Düsseldorf)

Was: Generation Fuck Party im Pretty Vacant. Neben DJ-Sets von Calamity Kate, Jeff Smart und Fiete, wird die Berliner Art-Punkband Herpes in der Modestadt rocken. Da wächst was folgerichtig zusammen, schließlich ist der Herpes Sound ohne die Düsseldorfer Fehlfarben nur schwer denkbar. Dass die Berliner noch ganz andere Einflüsse auf die Bretter bringen können, sei gewiss. Zudem können bereits bei dem Konzert Exemplare des am 26. 3. erscheinenden Album “Das kommt vom Küssen” erworben werden. Review zur Single “Very Berlin”? Hier lang!

Wo: Pretty Vacant (Düsseldorf)

Wieviel: 6 Euro

Frank Turner (Zakk, Düsseldorf)

Was: Frank Turner (UK) – kerniger Singer-Songwriter  Kram mit Herzblut und aufgekrempelten Ärmeln

“Gerade der aktuelle Frank Turner Longplayer “Poetry Of The Deed” wird nicht nur in den Fanzines der Welt abgefeiert, sondern auch die etablierte Musikjournaille bereitet dem ehemaligen Frontmann der britischen Hardcore Punkband Million Dead den roten Teppich. Natürlich ergänzen sich das ruppig-hemdsärmelige Image der nonkonformistischen Subkultur und das Dasein als pragmatisch dichternder Singer-Songwriter in geradezu idealer Weise, zumal Folkmusik und Protestbewegung ohnehin schon seit jeher eine enge Liaison eingehen. [...]

Das dem ganzen eine gewisse anachronistische Tendenz anhaftet, versteht sich von selbst. Dies kann aber kaum verwundern, ist Punk doch ohnehin seit 1977 eine beständige Art des Wiederkäuens und erreicht nur höchst selten die innovative Sprengkraft und Relevanz, welche man diesem stets attestierte. Die soziale Bedeutung von Szene und Subkultur ist dagegen kaum zu schmälern und unbestritten. Vielleicht ist es trotzdem das gesetztere Alter der Interpreten und ihrer Anhängerschaftt, das dem Punk Karohemd und Akustikgitarre  so gut zu Gesicht stehen lässt, doch manchmal entpuppt sich die analytische Spurensuche als defintiv obsolet, vor allem wenn es Musik betrifft, die so intuitiv ins Schwarze trifft. Dann erübrigt sich die Frage nach dem Warum und übrig bleibt allein das Vergnügen an herzensguter Musik mit Rückgrat.” (Alles ist Pop: Karohemd und Klampfe)

Wo: Zakk (Düsseldorf)

Wieviel: 14 EUR (+Geb.) VVK, AK steht noch nicht fest

dellplatz: Subtiles Löwengebrüll

dellplatz1Ein allegorischer Tritt in den Hintern der umsichgreifenden Lethargie gefällig? Befindlichkeitsfixierung und ein aufgeräumter Blick für die Umwelt müssen sich nicht kategorisch ausschließen, vor allem wenn die Synthese in Songs aus dem Alltag für den Alltag münden. Die Band dellplatz bringt in ihren Songs Denke und Fingerkuppensensibilität auf einen gemeinsamen Nenner und beweist, dass man auch heutzutage Musik noch ohne schlechtes Gewissen mit dem “Indie”-Sticker bekleben darf.

Die Dame und die drei Herren aus dem musikalischen Niemandsland Duisburg  streifen zwar die alte Dame Pathos, rennen diese dabei aber nicht über den Haufen und auch zu konzentrierte Verkopftheit wird vermieden, auch wenn die melancholische Grundstimmung, gepaart mit den fiktionalen, zwischen Abstraktion und Klartext pendelnden Texten, das Barometer in diese Richtung ausschlagen lassen.

Wie die Band betont, liegt es ihnen fern, die Welt nur deskriptiv in ihren Liedern abzubilden, sondern sie zielen auf auszulösende Denkanstöße ab. Das sind zwar gebräuchliche Formulierungen, doch wenn man sich die Ende 2009 in der Tresorfabrik zu Düsseldorf aufgenommenen Stücke zu Gemüte führt, so glaubt man zu verstehen, was gemeint ist: den Hörer einbeziehen und fordern.

5 Songs der Session werden nun unter dem Titel “ein tropfen wahrheit” zusammengefasst und auf den anstehenden Konzerten dem Live-Test unterzogen. Nachdenken darf man nach dem Verklingen der letzten Töne, denn man betont, auch dem Rock Tribut zu zollen, schließlich sei man ja keine “Beerdigungsband”.  Dieses sympathische Augenzwinkern ist doch auch mal eine Ansage an all die, die sich viel zu wichtig nehmen. Subtiles Löwengebrüll? Auch das geht!

Die 2004 von zwei alten Schulfreunden gegründete Band ist längst den Kinderschuhen des Dillettantismus entwachsen und Songs wie “frühling” beweisen, dass sich inzwischen geschultes Handwerk und inhaltliche Reife kongenial ergänzen. Anders ist ein hinreißender Song wie “eine verschwendung” nicht zu erklären, der unter Dampf steht, der nach Vorne geht und durchaus ohrwurmig ist. Well done, sagt der Engländer. Musikalische Einflüsse zwischen Blumfeld und “2000er indieWhatever, 90er Britpop, 80er Punk “, das ist plausibel und nachvollziehbar.  “wie weit?” ist Anschauungsmaterial, das Spaß macht. Hat irgendwer was von “verkopft” gehüstelt?

dellplatz2

Jetzt könnte man meinen, dellplatz wollen es 2010 so richtig wissen. Ein fettes Jein wäre wohl angemessen, da nach den anstehenden Konzerten ein Bandviertel erstmal auf Weltreise geht, während der dreckige Rest das Hauptaugenmerk auf “Songschreiben und Promotion” legen wird. Also doch. Da wird auch in Zukunft was gehen. Hoffentlich, kann man nur sagen, denn neben dem bisher eingeschlagenen Weg prangt das Schild “richtige Richtung”! Hiervon überzeugt man sich wohl am Besten auf den Konzerten im Januar und Februar. Da werden dann Knallersongs wie “heidelberg” oder “unwichtig” und wohl auch alle Bandkonstanten zum Einsatz kommen: “Alkoholika, Kippen, Hass, Liebe, Freundschaft”. Pure, ungeschönte Menschlichkeit eben!

21. 01. 2010 Djäzz (Duisburg) mit Adams Pet

04.02.2010 Druckluft (Oberhausen) mit Brisk und Rokoko

20.02.2010 Parkhaus Duisburg Meiderich mit den Männern (Band)

Great Lake Swimmers (Steinbruch, Duisburg)

Was: Die Veranstaltungsreihe dieses Mal mit der kanadischen Band Great Lake Swimmers.

“Ganz nackt und verletzlich klingen die Songs der Great Lake Swimmers, aber nicht ohne eine gewisse Wärme zu verströmen. Es sind Oden an die Einsamkeit und doch nur ein kleiner Ausschnitt aus einem umfangreichen Epos.”

Support: Merinda Lee Richards

Wo: Steinbruch (Duisburg)

Wieviel: VVK 8 Euro / AK 10 Euro

Findus (Zentrum Altenberg, Oberhausen)

Was: Findus überzeugen mit deutschsprachigem Indierock, der durchaus auch in Postpunk-Gewässern zu schwimmen vermag und das mit absoluter Freischwimmer-Leichtigkeit. Ehrliche Musik mit Schweiß, Hirn und Humor. Ihr Erstling “Sansibar” ist Anfang Oktober erschienen und nun gastiert die Band aus dem Norden im Altenberg.

Wo: Zentrum Altenberg (Oberhausen)

Wieviel: VVK 5 € / AK 7 €

Der Tante Renate (Druckluft, Oberhausen)

Was: Der Tante Renate: Splitter lautet der Name der neuen Platte, doch Schrappnell wäre ebenfalls ein passender Titel gewesen, denn die enthaltenen 11 Tracks ballern was das Zeug hält. Bei Live-Shows kokettiert Norman a.k.a. Der Tante Renate gerne mal mit seiner Metal-Affinität, schließlich sind Gitarren-Riffs ja auch Stilelemente seiner Musik. Greift man diese Steilvorlage auf, kommt man konsequenter Weise zu folgender Bewertung: Splitter ist sein “Reign in Blood”! Ganzes Review!

Wo: Druckluft – Café (Oberhausen)

Wieviel: 8 Euro

ClickClickDecker (Druckluft, Oberhausen)

Was: “Songs aus der Sofaritze der neo-liberalen Abrwack-Gesellschaft, oder wie? Zwischen lo-fi und guter Produktion, zwischen Schlafzimmer und Studio trägt ClickClickDecker seine Umzugskartons umher. Und was für ein buntes Sammelsurium der Kevin da mit sich herumschleppt. Spielzeugautos mit abblätternder Farbe, Polaroids aus vergangenen Tagen, Notizblätter mit liebenswürdigen Kritzeleien, Reiseführer zur Innenschau, Betriebsanleitungen für morgen und ein Sixpack Zuversicht.  Manchmal kann man gar nicht so recht erklären, warum eine Platte eigentlich funktioniert. Der neue ClickClickDecker-Longplayer braucht den zweiten und dritten Durchlauf, doch dann greift er, der Automatismus.” Komplettes Review hier!

Wo: Druckluft – Halle (Oberhausen)

Wieviel: 10 Euro