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Interview: Findus

findus-coverMit “straight unter die Rippen” kann man die Stoßrichtung des zwischen Indierock, Pop und Punk zu verortenden Sound der norddeutschen Band Findus beschreiben, der dennoch kaum in eine der musikalischen Schubladen passen will. Eigentlich war das Interview mit den sympathischen Neu-Hamburgern schon länger geplant, doch irgendwie ist das Vorhaben in den unendlichen Weiten des WorldWideWebs zeitweilig verschollen gegangen.

Nichtsdestotrotz und in aller Ausführlichkeit hat Sänger Lüam meine Fragen zur Wahlheimat Hamburg, zu bekannten Unterstützern und befreundeten Bands, zu seinen Texten, zur Selbstverwaltung als Band, Product Placement in Rockmusik und den bandeigenen Zukunftsplänen beantwortet. Ansonsten sei darauf hingewiesen, dass die Nordlichter bis Jahresende noch fleißig am Touren sind, u.a. mit Turbostaat und Escapado. Aber nun auf zum verschollenen Interview…

AiP: Interessant bei der Entstehung eures ersten Albums „Sansibar“ ist die Mischung aus „wir machen das jetzt allein“ und relativ bekannten Unterstützern: Thees Uhlmann/GHvC, Audiolith, etc. Erzähl doch mal! Ein Glücksfall in Zeiten, in denen es den Rundum-glücklich-Plattendeal ohnehin nicht mehr gibt?

L: Ja, das hat sich bei uns sehr gut entwickelt. Wir haben uns zusammen mit Freunden dazu entschieden, das Album selbst zu veröffentlichen. Dabei war uns allerdings noch nicht klar, wie das genau laufen kann und ob wir das überhaupt hinkriegen. Ohne viel Geld und ohne Namen. Dann haben wir uns einfach umgehört und das geht in Hamburg eigentlich recht gut. Wir wurden durch verschiedenste Leute auf ganz unterschiedliche Arten unterstützt. Zum einen tat die direkte Unterstützung sehr gut, ohne die wäre es auch so nicht möglich gewesen und zum anderen tat es auch einfach gut, dass wir in unserem Anliegen ernst genommen wurden. Dadurch entwickelte sich bei uns auch erst diese Sicherheit, das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein.

 

Ich finde, eure Musik ist relativ ambivalent. Einerseits funktioniert vieles als Partysoundtrack und hebt die Stimmung, andererseits gibt es nachdenkliche, melancholische, wütende Momente. Widerspruch oder ganz natürlich aus deiner Sicht?

Ja, für mich ist das eigentlich kein Widerspruch. Wir haben uns halt nicht hingesetzt und überlegt, was soll das für ein Album werden. Party? Melancholie? Wut? Da fließen halt alle Dinge zusammen. Wir erleben Sachen, die dann einfach mit in die Musik einfließen. Wir schreiben die Lieder und spielen sie zusammen. Mal wütend, mal traurig.

Wie hat der Umzug nach Hamburg den Bandalltag verändert, aber auch die Wahrnehmung eurer Band in der Öffentlichkeit? Gerade was deutschsprachigen Indierock anbelangt, ist die Hansestadt ja nicht gerade das schlechteste Pflaster…

Es hat sich auf jeden Fall einiges geändert, wobei ich das nicht genau definieren kann. Es ist nicht so, dass wir uns in diesem typischen Hamburger Szeneumfeld bewegen. Da sind wir eher außenvor, aber natürlich kriegen wir gewisse Dinge näher mit als früher auf dem Dorf. Aber wir sind jetzt in dem Sinne keine typische Hamburger Rockband, in der die Hälfte aller Mitglieder noch in irgendwelchen anderen Bands und Projekten rummacht. Außerdem liegt das Studio in Kiel und da entsteht halt auch immer noch sehr viel.

Was man aber auf jeden Fall beobachten kann, ist die Wahrnehmung unserer Band in anderen Städten. Wenn wir irgendwo hinkommen, dann wird da mit unserer neuen Herkunft geworben und ich glaube, die Leute denken dann, die kommen aus Hamburg, klingen nach Hamburg und das finden die oft geil. Seitdem wir alle in Hamburg wohnen, werden wir als Band ein Stück ernster genommen.

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Erzähl doch mal etwas über deine Texte. Was inspiriert dich beim Schreiben und wie läuft der Songwriting-Prozess bei euch ab? Bringst du fertige Texte mit in den Proberaum und haben die anderen Mitspracherecht?

Die meisten meiner Texte entstehen aus relativ alltäglichen Situationen. Vieles ist da einfach so Gefühlsbrei, den ich versuche, durch mein Geschriebenes mir selbst und den anderen irgendwie nahezubringen. Wobei ich mir da eigentlich nicht so meine Gedanken mache. Die Texte kommen und ich schreibe sie auf. Ich verfolge damit selten konkrete Ziele. Es gibt Tage, da schreibe ich viele Texte und dann gibt es auch wieder Zeiten, in denen geht nichts. Ich weiß auch nicht, ob ich besonders gut im Texten bin. Ich mache es einfach.

Wie wichtig ist das Motiv „Aufbruch“ für dich? In den Texten auf „Sansibar“ ist schließlich stets eine gewisse Ruhelosigkeit und ein präsentes Fernweh zu spüren.

Aufbruch ist mir schon wichtig. Ich verstehe Aufbruch allerdings etwas anders, nicht unbedingt als Wegkommen oder Abhauen, sondern als Weitermachen. Kein Stillstand. Mauern einreißen. Ich frage mich halt oft, ob es nicht besser ist, einmal mehr etwas Altes, Bequemes, vielleicht auch Schönes aufzubrechen, als irgendwann irgendwo zu stehen und zu merken, dass man satt und bequem ist. Gerade im Zusammenhang mit Musik und Kunst stelle ich mir diese Frage sehr oft, und außerdem sind fast alle Lieder der Sansibar auf dem Dorf, am Meer entstanden. Und ich glaube, da bleibt das nicht aus. Ist schon oft langweilig gewesen in der Gegend, in der Sansibar entstanden ist.

Habt ihr manchmal den Eindruck, dass ihr musikalisch zwischen den oft zitierten Stühlen sitzt: für das punk-affine Publikum zu pop-orientiert, was Eingängigkeit etc. anbelangt, und für den Typus der vermeintlich oberflächlichen „Indie“-Kids wieder zu rauh und unbequem?

Ja, das kriegen wir sehr oft mit, gerade jetzt auf den letzten Touren. Die Leute wissen immer nicht so recht, wo und wie sie uns einordnen sollen. Oder auch bei unseren letzten Supportsachen. Viele fanden es komisch oder sogar scheiße, dass wir eine Band wie Against Me! supporten dürfen, obwohl wir doch gar keine Punkband sind. Nach dem Konzert fanden die es dann doch irgendwie geil. Wir machen uns da aber nicht so den Kopf. ich finde es sogar ganz geil – wir können machen was wir wollen!

Ihr scheint guten Kontakt zu Bands wie Turbostaat oder auch Smoke Blow zu unterhalten, obwohl Findus zu diesen nur bedingt musikalisch passt. Würdest du sagen, es gibt szenetechnisch größeren Zusammenhalt bei euch im Norden oder ist das Schlüsselwort alleine „Sympathie“?

findus-3Ich weiß gar nicht so richtig, wie es im einzelnen dazu gekommen ist, dass wir mit diesen Bands befreundet sind. Bei Smoke Blow ist es halt einfach Björn, der Bassist, unser sechster Mann. Mit ihm haben wir unsere Platte produziert. Er steht uns immer zur Seite. Und bei Turbostaat hat sich das einfach mit der Zeit entwickelt, aber ich glaube, dass hat gar nicht so viel mit der Region zu tun. Ich glaube einfach, dass gerade diese beiden Bands noch sehr interessiert sind an dieser Kultur, und ich weiß nicht, ob das auch so wäre, wenn sie in Hamburg, Köln oder Berlin leben würden. Da gibt es dann auch einfach zu viele Bands und natürlich spielt auch die Sympathie eine Rolle.

Bei eurem Konzert zuletzt in Duisburg ist mir ein ziemlich gelungener, neuer Song aufgefallen oder irre ich mich da? Wie sieht es mit zukünftigen Veröffentlichungen aus? Steht was an? Eine schicke 7“-Single würde euch gut zu Gesicht stehen! :)

Ja, da sagst du was. Wir sind gerade fleißigst dabei, neue Lieder zu machen und werden dieses Jahr noch ins Studio gehen. Wann und was es neues gibt, bleibt abzuwarten.

Würdet ihr denn zukünftig wieder eine Platte im Alleingang, also auch mit dem verbundenen finanziellen Risiko, in Angriff nehmen oder darf es jetzt auch gerne ein reguläres Label sein? Welche Rolle spielt dabei der Wille zur Autonomie?

Ja, wir würden es auf jeden Fall wieder machen, nur kriegen wir nun auch ganz gute Angebote aus diversen Richtungen und die schauen wir uns schon auch interessiert an. Es ist uns allerdings sehr wichtig, dass alle Entscheidungen von uns getroffen werden. Mal sehen…

Wie stehst du zu der zunehmenden Digitalisierung von Musik? Findus setzten offensichtlich auf das Gesamtpaket des analogen Tonträgers, bei der Musik nicht nur zum schnell konsumierbaren Produkt degradiert wird. Andererseit birgt dieser Trend schließlich auch Chancen für Bands, um sich eigenständig im Netz zu präsentieren.

Ich finde es einfach wichtig, dass man als Band seine eigene Vorstellung, seine eigenen Ideen umsetzt. Mir selbst ist es einfach wichtig, die Musik auch schön zu verpacken. Für mich haben irgendwelche Lieder auf meinem MP3-Player einfach keinen richtigen Wert, aber dass muss jede Band selbst wissen. Uns ist es nur wichtig, dass wir genau diese Entscheidung selsbt treffen können. Cd? Vinyl? Booklet? Poster? Der ganze Quatsch soll von uns kommen.

Ihr habt 2009 beim Red Bull Tourbus mitgemacht. Gab es bandintern Diskussionen, ob man sich unter die Flagge besagten Großkonzerns präsentieren soll? Gerade die kommerzielle Vermarktung von jungen Bands (auch bei der Jägermeister Rockliga) mutet doch zweischneidig an oder? Stichwort „Ideale“?

Es gab in diesem Red Bull Fall keine Diskussionen, da wir davon selbst erst erfahren haben, als wir da schon drin waren. Ein Freund wollte uns was Gutes tun und hat uns da angemeldet. Grundsätzlich finde ich dieses Band-Firmen-Gekuschel nervig. Ich finde dadurch geht einfach ganz viel verloren. Es verliert an Persönlichkeit, wenn immer überall ein Großkonzern dahintersteht.

Was wünscht du dir persönlich für Findus und wie geht es weiter? Anfang vs. Ende… ;-)

Ich wünsche mir, dass es immer weiter geht. Wir ziehen jetzt in einen neuen Proberaum, wir schreiben neue Lieder und wir werden Konzerte spielen – immer weiter!

 

 

 

 

The Thermals: Personal Life

thermals-coverNummer 5. The Thermals erweisen sich immer mehr als nimmermüde Marathonläufer in Sachen Indierock, auch wenn sie im Laufe der Jahre ein paar Trademarks an der Wegstrecke haben liegen lassen. Nicht mehr so ganz unterproduziert wie einst, nicht mehr so dilettantisch-ungestüm schrammelnd und inzwischen ungeniert mit der Dame Pop flirtend – so könnte man knapp die Entwicklung des Trios aus Portland (Oregon) zusammenfassen. Nachdem 2009 The Thermals mit Now We Can See ein geradezu ideales Album für die Festivalsaison veröffentlicht haben, kommt das diesjährige Release quasi ein wenig spät, schließlich wurden inzwischen (fast) alles Open Air Bühnen wieder abgebaut.

Schade, denn allein die erste Single “I Don’t Believe You” kann man sich leicht als Soundtrack zum Umherspringen in Schlammpfützen vorstellen. Ähnliche Ohrwurmqualität zeichnet “Never Listen To Me” aus, das einem schrecklich bekannt vorkommt und man dennoch nicht den vermeintlichen Vergleichssong ausfindig machen kann. Vielleicht ist dies auch nur eine Selbstreferenz  im Hause The Thermals. So funktioniert wohl Markenetablierung. Die Band um Frontmann Hutch Harris sollte längst so viele Alben verkaufen wie die inzwischen ziemlich peinlichen Genrezombies Weezer, aber Popmusik hat noch nie etwas mit Gerechtigkeit zu schaffen gehabt.

Dass The Thermals sich fast nur noch im Midtempobereich bewegen, ist keinesfalls als störend zu bezeichnen, da Melodien wie bei “Power Lies” oder à la “Not Like Any Other Feeling” einen Schokoladeneffekt erzielen, sprich sich überhaupt nicht schnell abnutzen. Wie die meisten Leute nicht die Finger von der braunen Kakaomasse  lassen thermals-bandkönnen, so mag man sich auch an The Thermals selten satt hören. Dennoch ist festzuhalten, dass das Trio sich ein weiteres Gitarrenpop-Album im bekannten Stil zukünftig nicht mehr leisten kann, wenn sie sich nicht wie besagte Weezer nur noch selbst kopieren wollen. “Your Love Is So Strong” fällt als Uptempo-Nummer noch aus dem Albumkontext heraus und weiß zu begeistern und auch der Rausschmeißer “You Changed My Life” ist recht gefällig, und doch wird man den Eindruck nicht los, dass einige Songs aus der Session zu Now We Can See stammen und letztes Jahr aussortiert wurden.

Entweder werden The Thermals jetzt richtig groß und erschließen sich ein neues Publikum, das die alten Alben nicht kennt, oder Harris, Bassistin Kathy Foster und Schlagzeuger Westin Glass müssen zukünftig getrennte Wege gehen. Es steht zu befürchten, dass die Band sich sonst in Richtung Stadionrock entwickelt und das kann man nun wirklich nicht wollen. Gegenwärtig heißt das Motto jedoch, The Thermals mit ihrem Konzeptalbum zum Thema zwischenmenschliche Beziehungen hören und das sich einstellende Bauchgefühl unbefangen genießen.  Ist das im Sinne des Erfinders? Egal – Kopfpause olé!


Wolf Parade: Expo 86

expo-86Die Indierock-Dissidenten Wolf Parade haben bei Expo 86 erneut mit verschiedensten Rezepturen jongliert und kredenzen dem Hörer eine prickelnde Songbrause, die den eigenen Geschmacksnerven nuancenreich Freude bereiten kann, ein vortreffliches Pülverchen ganz ohne songwriterischem Mononatriumglutamat. Kaum zu glauben, dass der Nachfolger von At Mount Zoomer (2008) in einem lediglich vier Monate währenden Kreativ- und Aufnahmeprozess entstanden ist, denn die zwischen frickelig und geradlinig zu verortenden Songaufbauten sind durch eine bemerkenswerte Architektur gekennzeichnet, so dass der wiederkehrende Aha-Effekt zu betonen ist. Read more »

The Black Light Departure: Schlaflos im Pott

tbld1Der Urban Sprawl, sprich das Landmassen fressende Ungetüm namens Ruhrgebiet, ist nicht gerade die erste Adresse in Sachen zeitgenössischer Indierock. Allerdings gibt es durchaus Lichtblicke im musikalischen Düsterland zwischen Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg, wie verschiedene, Hoffnung evozierende Bands in letzter Zeit unter Beweis gestellt haben. Zu diesen muss man definitv The Black Light Departure aus Oberhausen rechnen, deren schleppender, in Melancholie getränkter Indierock irgendwo zwischen Editors, Glasvegas, Interpol und Joy Division seine Kerze entzündet.

Seit dem Sommer 2008 feilt die Band, von den Brüdern Daniel und Philipp ins Leben gerufen worden und durch Drummer Sebastian und Gitarrist Timo komplettiert, an ihrem Sound, was nun in der EP “And You May Never Fall Asleep Again” kulminiert. Die hier enthaltenen 5 Songs werden zwar als Demo bezeichnet, doch dadurch sollte man keineswegs den Verdacht schöpfen, man habe es hier mit rumpeligen Proberaumaufnahmen zu tun. Vielmehr reichen sich hier durchaus Musik und Aufnahmequalität die Hände, so dass die Bezeichnung Demo vermutlich vor allem den Vorstellungscharakter der Veröffentlichung in Eigenregie gerecht werden soll.

Schon allein der hervorragende Opener “Coma Echoes” gehört auf sieben Zoll schwarzes Vinylgold gepresst  und nicht auf einen CD-R gebrannt- Demo hin, Demo her. Natürlich sind die musikalischen Referenzen nicht so schwierig zu enträtseln (s.o.) tbld-bandund doch gewinnen The Black Light Departure der angepeilten Schnittmenge von Indierock, New Wave und Postpunk eigene Facetten ab und der Song löst in lobenswerter Manier Assoziationen aus: Leere Tanzfläche, Nebelmaschine, “Coma Echoes” – ein melancholisches Tanzvergnügen eben. “Distance” wird von einer wärmenden Synthesizerdecke eingehüllt, so dass es dem Hörer trotz unterkühlter Grundstimmung keineswegs fröstelt. “Silence of Snow” setzt nach besagtem Opener das nächste fette Ausrufezeichen und schwebt angenehm durch den Raum, kommt dem Band-eigenen Anspruch, die “Ästhetik der Einsamkeit” einzufangen, relativ nahe. Dennoch, eine schwelgerische Note bewahrt die Musik der Oberhausener stets vor zu viel Schwermut.

“The Good & The Bad” spinnt den Faden der Shoegaze-artigen Gitarren weiter und überzeugt vor allem instrumental. Manchmal nimmt der Sänger einen stimmlichen Ausfallschritt in Kauf, bewegt sich damit jedoch in der Traditionsschleife, die Ian Curtis der Nachwelt hinterlassen hat und in dieser Gesellschaft sind solche Detailkritiken mehr als nur zu verzeihen. Zu Nörgeln gibt es hier wenig und daher kann man auch bei dem schließenden “Aurora” keinen Qualitätsabfall attestieren: gelungener Indiepop mit New Wave Reminiszenz geformt und selbstbewusst genug vorgetragen, um im Konkurrenzdruck ähnlich gelagerter Bands zu bestehen. Da geht was, im Urban Sprawl!

the who the what the yeah: blackbox

Hier rollen nicht nur die Steine, sondern sie werden zuweilen auch geworfen. Entsprblackbox-coverechend angenehm unbequem präsentieren sich the who the what the yeah auf  ihrem Erstling blackbox. Die Band aus Wien umtänzelt dabei zum Glück leichtfüßig das eine oder andere Genreklischee und gibt sich sowohl kämpferisch als auch musikalisch abwechslungsreich. Irgendwo zwischen Indierock, Sixties-Beat, Postpunk und Rock ‘n’ Sonst-was haben die fünf Herren ihre Zelte aufgeschlagen und wer hätte gedacht, dass sich hinter dem durchaus gelungenen englischen Bandnamen deutschsprachige Texte verbergen, die zwischen Frontal-Slogans, poetischem Anspruch und Befindlichkeitsanalyse mutig den Spagat wagen. Dabei weiß der mal hysterisch-nölige und mal butterweiche Gesang von Martin Konvicka im Kontext jederzeit zu gefallen und um die Katze vorzeitig aus dem sprichwörtlichen Sack zu lassen: blackbox bewegt den Rezipienten auf der ganzen Füße-Bauch-Hirn-Achse.

“Auf der Strecke” gibt gleich zu Beginn den essenziellen Spirit des Albens wieder, perlt treibend-dynamisch aus den Boxen, gibt sich wütend und tanzbar – eine vertonte Abrechnung als Album-Opener. Kann man so machen, weil es funktioniert. “Unser Herr Bürgermeister” offenbart Superpunk-Gestus und Sixties-Orgel, allerdings mit größerem Rotz-Faktor als die Crew um Carsten Friedrich, mit der sich the who the what the yeah 2008 bereits die Bühne teilten. Das Stück “Die Angst” gibt sich betroffen und unzufrieden, bemüht dabei allerdings, den doch ein wenig zu oft so generell behandelten Topos von der blockierenden Wirkung von Angst und der Signifikanz ihrer Überwindung. Nichtsdestotrotz ein gefälliger Song und vom Tempo her die erste Drosselung auf blackbox, wobei sich der Drive auch im Midtempo-Bereich bewahrt und ebenso wie die interessant-hektischen Vocals weiterhin als leitmotivisch erweisen. Trademarks als Glücksfall. “Ein langsamer Tod” gestaltet sich als melancholisch-wütender Popsong mit Postpunk-Ästhetik. “Was uns aufhält” ist eine moderne Ton, Steine, Scherben Reminiszenz für (uns) Spätgeborene im melodischen Powerpop-Outfit – kommt etwa die neuen (Noise) Conspiracy aus Vienna?

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Mit “Raus von hier” beweisen the who the what the yeah dann, dass sie auch Radiopop können, wenn sie nur wollen. “Rock ‘n’ Roll wird niemals sterben” – wer eine mehr als nur potentiell abgedroschene Phrase mit gehörigem Selbstbewusstsein in einen absolut unpeinlichen und umschmeichelnden Song einbetten kann, dem gehört die Schulter geklopft. Das ist neben der großen Variabilität der Lieder eine weitere Stärke des Longplayers, denn blackbox eignet sich auch für den ungeduldigen Hörer. Taktisch geschickt im Albumaufbau, gibt das Quintett gerade nach dem zum Verschnaufen einladenden Mittelteil Vollgas in Form eines Hit-Viererpasches, aus dem “Meister Eden” am prägnantesten heraussticht, tolle Orgel und ein Refrain zum memorieren, einfach mitreißend! Zum Abschluss des gelungenen Debütalbums gibt “Solitär” nochmal den Postpunker und zeigt Ellebogen, wirkt aber auch ein wenig bemüht und dennoch: the who the what the yeah zappeln und flippern sich zu einer Highscore.

Interview: The Wedges

Die ganze Nacht auf den Beinen und trotzdem extrem ausgeschlafen – Tthe-wedgeshe Wedges stehen für einen rauhen Sound, dessen Zentrum man vielleicht als Britpop meets Indierock bezeichnen könnte, der sich aber oft als extrem wandelbar präsentiert. Da hierbei auch die vier altgedienten Buchstaben P, U, N, und  K durchaus ihre Berücksichtigung finden, sind die Songs von The Wedges eines nicht, nämlich weichgespült. Zeugnis dieses ungestümen Sounds à la Schleudergang ist auch die neueste Veröffentlichung der Band aus Mülheim, Düsseldorf und Oberhausen. Dabei könnte die dritte EP mit “Up All Night” keinen treffenderen Titel besitzen, denn The Wedges klingen eben wie eine durchzechte Nacht im Club, mit dem kleinen, aber feinen  Unterschied, dass der Kater ausbleibt.  Im Interview spricht die Band über die neue EP, Bandsponsoring, die Labellosigkeit und bietet zudem einen Blick in die eigene Kristallkugel.

Vor kurzem habt ihre eure dritte EP “Up All Night” rausgehauen. Wie würdet ihr die fünf neuen Songs beschreiben? Energetischen Rocksound britischer Prägung ist man ja von euch gewöhnt, doch Lieder wie “Music” oder “Yeti” wirken beinahe düster. Eine neue Facette?

Es kommt immer darauf an welche Stimmung gerade herrscht, wenn die Songs entstehen. Manchmal hört sich ein Lied, wenn es fertig ist, komplett anders an als die Grundidee am Anfang. „Yeti” und „Music” stammen beispielsweise aus den gleichen Sessions. Jetzt haben wir wieder ein paar neue Songs, die sich ziemlich anders anhören. Wir sagen nicht vor der Probe: „Kommt Jungs, heute sind wir mal düster, morgen dann aber Punk und übermorgen dann Bob Dylan”. Der Moment sagt uns was wir zu tun haben. Deswegen sind wir recht vielseitig.

Ich scheint euch ja auf die Veröffentlichungsform EP spezialisiert zu haben. Zuup-all-nightdem gibt es das neue Material wieder als Download für jeden Interessierten zum Nulltarif. Beides ganz bewusste Entscheidungen?

Alle Aufnahmen die wir bis jetzt gemacht haben sind Demos. Bei der „Action”-EP (2008) haben wir 3 Songs aufgenommen, auf der neuen „Up All Night” sind’s 5. Die haben wir dann auf ne CD gepackt und verteilt. Wer will, dass so viele Leute wie möglich seine Musik hört, sollte sie verteilen und auch im Internet frei zum Download anbieten. Wenn wir unser erstes richtiges Album rausbringen, werden wir das dann natürlich aber verkaufen.

U.a. habt ihr auch schon den Red Bull Tourbus bespielt oder auch an der VW Sound Foundation teilgenommen. Gab es dabei Zweifel, sich für eine gesponsorte Angelegenheit herzugeben oder habt ihr von Anfang an gesagt: “Das müssen wir machen!”?

Wir wollen die Chancen die wir kriegen nutzen. Wenn wir die Möglichkeit haben eine Deutschlandtour mit nem geilen Tourbus zu spielen, sagen wir natürlich nicht nein. Wenn man dann noch soviel Red Bull trinken kann wie man schafft (Man kann ja auch mixen ;) … Sehr geile Sache. Immer wieder. Musiksponsoring übernimmt ja immer mehr die Aufgaben der klassischen Labels. Deshalb hätten wir auch nichts dagegen von Adidas gesponsert zu werden, dann hätten wir viel mehr Schuhe.

Im September spielt ihr im Rahmen der FFT Kammerspiele in Düsseldorf. Wie kam es dazu und was kann man dabei erwarten. Klingt erstmal sehr interssant!

Wir wollten mal wieder in Düsseldorf auftreten und im Freitagsklub vom FFT war es bisher immer sehr cool, da haben wir mal angefragt. Im September spielen wir dort auf dem 3 Tage Rennen, einem Düsseldorfer Newcomerfestival. Wir werden möglicherweise einen der besten Gigs aller Zeiten spielen. Wer weiß das schon. Wir sind gespannt wie viel Leute kommen. Kommt alle dahin !!!

Als Band sind The Wedges ja ein richtiges Arbeitstier, sprich eine enorm fleissige Live-Band.
Welche Erlebnisse würdet ihr besonders hervorheben?

Das Kthe-wedges-2onzert zum Release der „Up All Night”-EP war sehr geil. Wir haben da noch mit drei befreundeten Bands gespielt und die Stimmung war echt gut. Mit Sugarplum Fairy hatten wir auch mal ein sehr sehr gutes Konzert in Bochum. Und natürlich die komplette Bustour im letzten Jahr. Wir haben immer Spaß auf der Bühne.

Ihr geht wie so viele Bands euren Weg ohne Label. Die meisten größeren Labels setzen ja eher auf sichere Pferde, statt großartig zu experementieren, und sämtliche Indie-Label habens zur Zeit schweren denn je. Welche Erfahrungen habt ihr mit der Label-Suche bisher erlebt und seid mit der Situation, so wie sie ist, vollends zufrieden?

Vollends zufrieden sind wir natürlich nicht. Wir wollen weiter kommen und irgendwann braucht man da auch ein Label oder zumindest ne Promotion und Booking Agentur. Wir brauchen aber auch jemanden, der uns was bringt. Leute, die kaum mehr Möglichkeiten haben, als wir selbst, bringen uns nicht wirklich weiter. Da behalten wir das Ruder lieber selbst in der Hand, auch wenn es dann vielleicht etwas langsamer vorwärts geht. Nur um sagen zu können: „Hey wir sind auf nem Label”, da haben wir nichts von.

Was kann man zukünftig von The Wedges erwarten? So von wegen Pläne, Asse und Ärmel oder nehmt ihr alles so wie es kommt?

Wir haben einige Asse im Ärmel: Etliche neue Songs, die teilweise schon live gespielt wurden, aber bestimmt auch bald wieder ein paar neue Aufnahmen. Wir werden auf jeden Fall weiter live unterwegs sein und nächstes Jahr einige Festivals anpeilen. Vielleicht finden wir ja auch ein gutes Label. Wir werden sehen. Vielleicht gründen wir aber auch ein Bowlingteam und trinken Bier aus Gießkannen.

Vielen Dank für das Interview und bis bald!!!

The Wedges – Up All Night EP als Free Download: hier!

Cama Maya: All The Stars

camasingle1Nach einer leichten Verzögerung der Veröffentlichung, bedingt durch Überlastungen im Presswerk, ist die Debütsingle von Cama Maya (Interview hier!) seit Ende April zu erwerben, und was soll man sagen: Das Warten hat sich wahrlich gelohnt. Schickes Artwork und eine brillante A- und eine großartige B-Seite. Eine rundum gelungene Sache, die sowohl als limtierte und handnummerierte Vinyl-Single als auch in einer CD-Version erhältlich ist.

Endlich kann man den beschwingten Tanzflächenfüller “All The Stars” auch auf dem heimischen Plattenteller genießen und muss sich nicht mehr mit mieser Qualität irgendwelcher Myspace-Player herumplagen. Mit besagtem Song haben die Dinslakener einen richtigen Hit in petto, der definitiv das Zeug hat, um auch außerhalb des regionalen Dunstkreises für Furore zu sorgen. Ein poppiger Indierock-Kracher, der die Endorphin-Ausschüttung kräftig ankurbeln kann, und der auch den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauch. Hinzu kommt ein Text, der symbiotisch der Musik gerecht wird: “I hope I wont become sober – Music never leaves me alone” – Wer kennt dieses Gefühl nicht. Well done!

Die B-Seite “Liberty” kommt offiziell als Demo-Version um die Ecke, aber wenn das hier nur das Demo ist, kommt noch einiges auf uns zu. Ein wirklich toller Song, der sich gut auf dem letzten The Rifles Album gemacht hätte. Oder doch eher The Futureheads? Eigentlich auch ganz egal, was man hier herauszuhören meint: Cama Maya machen ihr Ding und das klingt wirklich gut. Also schön am Ball bleiben.

Die Single kann im Webshop der Band erworben werden oder auch direkt über das Label Independent Supreme Records (Mail an ) bezogen werden.

Des Weiteren spielen Cama Maya am 23. Mai um 12 Uhr 30 einen exklusiven Instore-Gig im Duisburger Plattenladen Garageland. Weitere Infos auch auf der Myspace-Seite der Band.

Now, Now Every Children: Cars

nnec-coverVon einer Sekunde auf die andere, mitten im gesungenen Wort beginnt die zarte Stimme von Sängerin Cacie Dalager zu zittern. Dalagers bezaubernde Stimme wird dann derartig fragil, dass man unweigerlich an den großartigen Connor Oberst und seine stimmlichen Qualitäten denken muss. Sicher nicht die schlechteste Referenz, auch wenn bei Now, Now Every Children das Wort Folk wohl kaum in mutmaßlichen Genrebezeichnungen auftauchen dürfte. Vielmehr zelebrieren die beiden Protagonisten einen attribut-gespickten Indierock der Spitzenklasse: zerbrechlich, hymnisch, rauh und elgant roh. Ein Erstlingswerk zum Schwärmen und die nächste essentielle Veröffentlichung in diesem noch so jungen Jahr.

Ohne Bass, aber mit vortrefflichen Melodien und einer intimen Stimmung überraschen Now, Now Every Children vom ersten Ton an. Bereits der Opener “Not One, But Two” trifft den Hörer am emotionalen Glaskinn.  Das ist definitv suchterzeugende Musik, denn kaum haben sich die Nackenhaare gelegt, jagt der nächste Schauer den Rücken entlang. “Everyone You Know” klingt so vertraut, so unschuldig und diese unbekümmerte Leichtigkeit wirkt derartig entwaffnend, dass selbst  ein  gesungenes “Oh,oh” weder platt noch verbraucht klingt. Der reduzierte Klang des gesamten Albums ist als geradezu ideal zu bezeichnen, da so die bereits angedeutete intime Atmosphäre erst richtig zur Geltung kommt. Es ist beinahe so, als wäre “Cars” ausschließlich für  dich allein geschrieben worden und das ist doch mal eine ausgesprochen angenehme Suggestion.

Abgesehen von der  bedächtigen Grundstimmung hat “Cars” aber noch viel mehr zu bieten. Immer wieder sorgen Gitarre und Schlagzeug dafür, dass auch der zweite Teil des Begriffs Indierock seine Bnnecerechtigung erfährt, Dynamik nennt man das wohl. “Friends With My Sister” treibt dieses Phänomen sogar auf die Spitze, wenn die mit Glockenspiel angeicherte Piano-Ballade in einer  geräuschvollen Eruption mündet. Charmantes Geschrammel ist auch so etwas wie das wiederkehrende Leitmotiv des Albums, wie kleine große Hits wie “In My Chest” oder “In The City” eindrucksvoll belegen. “Cars” ist wirklich ein absolut überzeugendes Album: mal laut, mal leise – mal bedächtig, mal krachig; Ein weiteres Highlight auf Tapete Records, mit dem das Hamburger Label wieder einmal sein Gespür für außergewöhnliche Veröffentlichungen, auch jenseits des großen Teichs beweist.

Portugal. The Man: Censored Colors

Mit einem großen Knall tauchte die Band mit dem merkwürdigen Namen 2006 auf der Bildfläche auf und ihr Erstlingswerk wurde in den einschlägigen Gazetten reichlich abgefeiert. In der Tat bot ihr Debüt ‘Waiter: „You Vultures!“ ‘ eine atemberaubende Achterbahnfahrt aus Indierock, Postcore, Soul und weiteren Anleihen. Gelungene Klang-Collagen, die ganz locker aus der Hüfte und auf ganzer Linie überzeugen konnten. Exotik pur aus Alaska und eingängig oberndrein. Bereits ein Jahr später folgte, nach einer EP um die Wartezeit zu überbrücken (sic!), mit ‘Church Mouth’ der zweite Streich und was für einer! Portugal. The Man waren schon noch als die selbe Band zu erkennen, jedoch klang das neue Album eher nach New Orleans als nach Alaska. Dreckig-erdiger Blues/Gospel/Rock dominierte das rundum erneuerte zweite Album. Umso konsequenter und folgerichtig ist es doch, dass mit ‘Censored Colors” wiederum nur ein Jahr später ein weiterer Tonträger veröffentlicht wird, der erneut für überrascht-verzückte Gesichter sorgen dürfte. Read more »