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The Ruling Class/ The Flare-Up im Djäzz

trcNoch friert es so vor sich hin, bevor es im Anschluss wieder reichlich schmuddeln wird. Dem fiesen Februar-Wetter bietet man am Besten mit genußreichen Konzertbesuchen Paroli und da trifft es sich doch gut, dass das Djäzz in diesem Monat eine Highlight-Akkumulation aufzuweisen hat. Der kleine Club im Herzen Duisburgs mit dem heimeligen Retro-Charme wartet nämlich am 21. und 23. Februar mit einem regelrechten Doppelschlag auf. An besagten ersten Termin gastiert The Ruling Class im Kellerclub und die fünfköpfige Indieband aus London wird das lokale Publikum sicher in Bewegung zu versetzen wissen. Zwischen Shoegaze und Madchester hat die Band es sich gemütlich eingenistet und so wundert es kaum, dass man sich an eine Mischung aus Stone Roses, Happy Mondays, My Bloody Valentine und natürlich The Charlatans erinnert fühlt, zumal mit letztgenannten The Ruling Class bereits auf Tour waren. Vielleicht hat die Band ja auch Nachpressungen ihrer restlos ausverkauften Singles im Gepäck, damit man auch tolle Songs wie “Marian Shrine” oder “Flowers” auf dem heimischen Plattenspieler genießen kann. Und wenn nicht, lohnt sich der Besuch bei dem Konzert aber trotzdem. Keine Frage!

Am 23. Februar dann die Schweden von The Flare-Up. Wie berichteten bereits von deren formidablen Album “Whip’em Hard, Whip’em Good”, das abwechslungsreichen Garagen- meets Indierock zelebriert. Qualitätsmerkmale sind sicher die hysterisch anmutenden Stimme des Sängers Manne Svensson und die heterogenen Mischung der Songs. Auf  Whip’em Hard, Whip’em Good ist auch Platz für den ein oder anderen Popmoment und insgesamt scheint die Band eher in Richtung Indie- als zur Punkrockszene hinüber zu zwinkern. Ein herausragendes Beispiel für die genreunorthodoxen Momente des Albums ist sicher der Titelsong, der sich  als lupenreine Glam-Power-Ballade entpuppt und ganz schön in den Ohren wurmt. Im Gegensatz zu diesen Ausbrechern, zu denen auch das ebenfalls Glamappeal aufweisende “Too Many Zombies” und das Britpop-lastige “All Them Pretty Dolls” gehören, versteht es der Longplayer schon erwartungsgemäß zu rocken und mit gehörig Dreck zu werfen. In diese Kategorie fällt sich der Opener “Put It In A Letter” oder das abschließende “Sure You’re Big Enough?” (exklusive dem Hidden Track, der sich als 70’s Rockschwarte erweist).

Beide Konzerte werden von Burn The City, der Duisburger Indiesause-Reihe präsentiert!

21. Februar Djäzz (Duisburg) 21 Uhr: The Ruling Class

23. Februar Djäzz (Duisburg) 21 Uhr: The Flare-Up

My Glorious: Home Is Where The Heart Breaks

Wenn man so offensichtlich nur eine Richtung, nämlich aufwärts kennt, stößt man rasch auf Skepsis und Missgunst. Dass My Glorious diesen Weg mit einer Extra-Portion Selbtsvertrauen begehen möchten, my-gloriouszeichnet sich bereits durch Stimmigkeit von catchy Albumtitel und einprägsamen Artwork ab. Wenn dann noch die Musik des Tonträgers den geweckten Erwartungen gerecht wird, ist nicht nur Startrampe, sondern auch die Rakete vorhanden und dem Countdown folgt… die große Ernüchterung? Auf keinen Fall, auch wenn das Trio aus Österreich gar nicht so sehr nach Garagenrock klingt, wie der Beipackzettel zu suggerieren versucht. Passender ist schon die ebenfalls dort zu findende Verortung zwischen Foo Fighters und Coldplay, wobei eine Erweiterung des Namedroppings um Kings of Leon der Band aus Wien auch ganz gut zu Gesicht stehen würde. Die meisten Stücke auf “Home Is Where The Heart Breaks” sind im Midtempo-Bereich angelegt und bewegen sich mit expressiver Selbstsicherheit zwischen Melancholie, Schwermut und vertonter Trotzigkeit.

Der aus dem United Kingdom stammende Sänger und Gitarrist Samuel Fischer hält mit seinem markanten Stimmorgan die Songs in der Balance und figuriert als Dreh- und Angelpunkt des Albumgeschehens. Stücke wie “You Should Be Dancing” haben sich in der Ohrwurm-Marinade schön voll gesaugt, bevor sie von dem Trio gemeinsam kross gebraten werden. Bei dem wunderbaren “Blur Horizon” drängt sich eine Audioslave-Assoziation auf, was hier im Kontext keinesfalls negativ zu deuten ist. “Break My Heart” geht angenehm nach vorne, was man sich auf Albumlänge öfters wünschen würde, denn gerade hier scheinen Bandstärken zu finden zu sein. Ambitionierte, sich an die 7 Minuten Grenze orientierende Stücke wie “Under The Water” tauchen entweder ab oder wagen wie “Use Me” gleich die Arschbombe vom Zehn-Meter-Brett. Letztgenanntes ist in der Tat wirklich remarkable. “Atmosphere” versucht sich ebenfalls recht gelungen am Stimmungsspagat und alles in allem dürfte die Schnittmenge zwischen Alternative-Rock und Pop-Appeal bei einem breit angelegten Publikum gut ankommen. Mein Fall ist das nicht zu 100 Prozent, aber die Qualität des Dargebotenen ist schon beachtlich, so dass für die Band in Zukunft noch was gehen dürften. Destination oben!

dellplatz: Subtiles Löwengebrüll

dellplatz1Ein allegorischer Tritt in den Hintern der umsichgreifenden Lethargie gefällig? Befindlichkeitsfixierung und ein aufgeräumter Blick für die Umwelt müssen sich nicht kategorisch ausschließen, vor allem wenn die Synthese in Songs aus dem Alltag für den Alltag münden. Die Band dellplatz bringt in ihren Songs Denke und Fingerkuppensensibilität auf einen gemeinsamen Nenner und beweist, dass man auch heutzutage Musik noch ohne schlechtes Gewissen mit dem “Indie”-Sticker bekleben darf.

Die Dame und die drei Herren aus dem musikalischen Niemandsland Duisburg  streifen zwar die alte Dame Pathos, rennen diese dabei aber nicht über den Haufen und auch zu konzentrierte Verkopftheit wird vermieden, auch wenn die melancholische Grundstimmung, gepaart mit den fiktionalen, zwischen Abstraktion und Klartext pendelnden Texten, das Barometer in diese Richtung ausschlagen lassen.

Wie die Band betont, liegt es ihnen fern, die Welt nur deskriptiv in ihren Liedern abzubilden, sondern sie zielen auf auszulösende Denkanstöße ab. Das sind zwar gebräuchliche Formulierungen, doch wenn man sich die Ende 2009 in der Tresorfabrik zu Düsseldorf aufgenommenen Stücke zu Gemüte führt, so glaubt man zu verstehen, was gemeint ist: den Hörer einbeziehen und fordern.

5 Songs der Session werden nun unter dem Titel “ein tropfen wahrheit” zusammengefasst und auf den anstehenden Konzerten dem Live-Test unterzogen. Nachdenken darf man nach dem Verklingen der letzten Töne, denn man betont, auch dem Rock Tribut zu zollen, schließlich sei man ja keine “Beerdigungsband”.  Dieses sympathische Augenzwinkern ist doch auch mal eine Ansage an all die, die sich viel zu wichtig nehmen. Subtiles Löwengebrüll? Auch das geht!

Die 2004 von zwei alten Schulfreunden gegründete Band ist längst den Kinderschuhen des Dillettantismus entwachsen und Songs wie “frühling” beweisen, dass sich inzwischen geschultes Handwerk und inhaltliche Reife kongenial ergänzen. Anders ist ein hinreißender Song wie “eine verschwendung” nicht zu erklären, der unter Dampf steht, der nach Vorne geht und durchaus ohrwurmig ist. Well done, sagt der Engländer. Musikalische Einflüsse zwischen Blumfeld und “2000er indieWhatever, 90er Britpop, 80er Punk “, das ist plausibel und nachvollziehbar.  “wie weit?” ist Anschauungsmaterial, das Spaß macht. Hat irgendwer was von “verkopft” gehüstelt?

dellplatz2

Jetzt könnte man meinen, dellplatz wollen es 2010 so richtig wissen. Ein fettes Jein wäre wohl angemessen, da nach den anstehenden Konzerten ein Bandviertel erstmal auf Weltreise geht, während der dreckige Rest das Hauptaugenmerk auf “Songschreiben und Promotion” legen wird. Also doch. Da wird auch in Zukunft was gehen. Hoffentlich, kann man nur sagen, denn neben dem bisher eingeschlagenen Weg prangt das Schild “richtige Richtung”! Hiervon überzeugt man sich wohl am Besten auf den Konzerten im Januar und Februar. Da werden dann Knallersongs wie “heidelberg” oder “unwichtig” und wohl auch alle Bandkonstanten zum Einsatz kommen: “Alkoholika, Kippen, Hass, Liebe, Freundschaft”. Pure, ungeschönte Menschlichkeit eben!

21. 01. 2010 Djäzz (Duisburg) mit Adams Pet

04.02.2010 Druckluft (Oberhausen) mit Brisk und Rokoko

20.02.2010 Parkhaus Duisburg Meiderich mit den Männern (Band)

mob: Mich kriegt ihr nicht

mob_coverBeharrlich besteht die Band darauf, dass man ihren Namen konsequent mit Minuskeln, also durchgehend klein schreibt, was angesichts der großartigen Musik von mob beinahe unangemessen bescheiden anmutet. Wodurch diese spezielle Schreibweise gespeist wird, soll an dieser Stelle nicht länger Gegenstand der Betrachtung sein, vielmehr das sehr hörenswerte Album Mich kriegt ihr nicht der Band aus Wien in den Fokus des Interesses gerückt werden. mob überzeugen auf ihrem Debütalbum mit unprätentiös-intelligenter Popmusik, deren textlicher Tiefgang wahrlich beeindrucken kann. Weit südlich von Hamburg und Berlin haben die vier Österreicher in den 13 Liedern auf Mich kriegt ihr nicht ein Niveau erreicht, das den durch Musikjournalisten oftmals krampfhaft forcierten Vergleich mit Referenzkünstlern und ihren Wohnsitzen imgrunde überflüssig macht. Die knapp 45 Minuten ihres Erstwerks zeugen von ausgefuchstem Songwriting, das mittels Gitarre, Bass, Schlagzeug und Klavier einen am Optimum kratzenden Zustand erreicht, und wenn dann noch die gesungenen Texte von Raphael Sas gleichermaßen Ratio und Emotion fordern, dann kann man wohl zurecht von einer pfannkuchenrunden Sache sprechen.

Gleich bei dem titelgebenden Stück gelingt es mob mit rattenfängerischer Sicherheit, den Hörer auf ihre Seite zu ziehen, Solidarität evozierend: “Diesmal holt mich keiner von euch ein!” Der vom Soloprojekt zur vierköpfigen Band avancierte mob bindet auch in der Folge den Hörer an die Ruhe ausstrahlenden und doch so kraftvoll wirkenden Lieder, beinflusst duch “die schönen und die nicht so schönen Seiten des Lebens”. Das Spektum reicht dabei von traumgleichen, verschlafenen Balladen wie “Was es war” bis zu mitziehenden, zum Tanz einladenden Nummern wie das klartext speiende “Schlag dich”, letztgenanntes ein absolutes Highlight in bester Gesellschaft. Ähnlich furios fahren “Sterne” und “Für uns” in die Glieder und stets sind es die intimen Momente auf Mich kriegt ihr nicht, die besonders in Erinnerung bleiben (“Du bist gegangen”). Gerade diese heterogene Mischung der 13 Lieder, die spannungsreichen Kontraste des Albums fesseln den Hörer bis zum Schluss, bis das sich an die 6 Minuten herantastende “Die Musik” noch einmal ein Glanzlicht setzt und Raphael Sas seine kernig-prägnante Stimme zum letzten Mal erhebt. Zwischen opulent und dezent finden mob ihren Weg und folgen diesem konsequent – ohne Seitenblicke, ohne Vergleiche.

Mich kriegt ihr nicht ist auf Problembär Records, einem Wiender Indie-Label, erschienen und kostet gerade einmal 10 Euro.


mob “Mich kriegt ihr nicht”


mob | MySpace Video

Ostern im Djäzz: Cama Maya & BTC

Ostersonntag, nachdem Eiersuche u.ä. längst passé sind, wird im Djäzz ordentlich gefeiert. Auch wenn das 7″-Release von Cama Maya sich noch hinzieht (Ende April?), rockt die Band im Rahmen der allseits beliebten Burn The City Party. Im besagten Independent Supreme Club gibt es dann mit den Resident-DJ’s Dom und Schmieri der Hund und Gast-DJ Mika (Superconnected) das Oster-Workout. Ab 22 Uhr und 5 Euro Eintritt!!!

Burn The City Party (Djäzz, Duisburg)

13.03.09
23:00

Was: Der allseits bekannte Burn The City – Independent Supreme Club öffnet wieder seine Pforten. Für die Auswahl der hippen Tunes sind wie immer Dominik (u.a. Kassettenmusik @ Hundertmeister) und Christian Strugala zuständig.

Wo: Djäzz (Duisburg)

Wieviel: 4 Euro

The Wedges (AZ Mülheim)

14.03.09
20:00

Was: Die klasse Britrock Band aus Oberhausen The Wedges live im AZ Mülheim. Als Support fungieren King Peng und The Rumours. Zudem folgt nach dem Konzert eine Up All Night Party mit DJ Thorsten von der Pop Missile und den DJ´s Benson & Hedges (Indie, 60´s).

Wo: AZ Mülheim

Wieviel: 5 Euro

Interview: Cama Maya

Cool Britannia! Doch die Wellen, dir hier von der Insel ans Festland zu schwappen scheinen, sind trügerisch. Nicht aus Manchester, Liverpool oder London, sondern aus Dinslaken stammen die nachfolgend vorgestellten Cama Maya. Tanzbarer Indierock, erkennbarer 60´s Einschlag und feines Melodiegespür – die vier Jungs überzeugen spielend. Das heilige Hype-Königreich kann man also vorrübergehend getrost  außer Acht lassen. Hier kommen Cama Maya!  Read more »

Pop Missile (Hundertmeister, Duisburg)

28.02.09
23:00

Was: Pop Missile – Guitarpop, Indierock, Electronic Stuff

“Pop Missile F1-11 ist der Name der Indiepop-Party, die Punkrock, New Wave, 80sPop, Independent, Brit- und Elektropop, Indietronic, Discopunk und Garagerock für den Tanzboden präsentiert. Der Fokus liegt auf den aktuellen Indiepopveröffentlichungen, ohne dabei die über 30 Jahre zurückliegenden Einflüsse zu vergessen.”

Wo: Hundertmeister (Duisburg)

Wieviel: 5 Euro

Burn The City inkl. The Wedges live im Djäzz (Duisburg)

10.10.08
21:00

Was: Die beliebte Burn The City Party wartet dieses Mal mit gleich zwei Livebands auf. The Wedges aus Oberhausen mit ihrem britisch geprägten Indierock und Dellplatz aus Duisburg, deren Stil man als Indiepop bezeichnen kann. Anschließend darf wieder heftigst getanzt werden, bis die Socken qualmen. Eben Independent Supreme Club!!!

Wo: Djäzz (Duisburg)

Wieviel: 4 Euro Eintritt.