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Editors – Verlustängste

editors_itlaote6“I swear to god, I heard the earth inhale, moments before it spat its rain down on me.” Boom. Die Editors sind zurück und eröffnen ihren Drittling In this light and on this evening mit gewohnt großer Geste. Fast zweieinhalb Jahre nach dem bärenstarken An end has a start und nach Vorankündigungen, die beim Kollegen bereits schlimme Befürchtungen aufkommen ließen, traue auch ich mich kaum an diese Platte heran. Zu viel steht auf dem Spiel, zu ratlos ließ einen die Vorabsingle “Papillon” zunächst zurück. Doch alle Furcht vor dem Verlust einer Lieblingsband nutzt nichts, also rauf mit der neuen Platte auf den Plattenteller… und plötzlich sind alle Gedanken weg! Der Titelgebende Opener wummert einen mit zu Beginn zitierter Zeile gleich mal tief in dunkle Gedanken- und Gefühlswelten – mitten in den Editors-Kosmos also. Keine Gitarren in der Nähe? Kein Schlagzeug? Tom Smiths Stimme eher flüsternd als singend zu kaum mehr als ein paar Synthie-Spielereien? Für all diese Beobachtungen bleibt überhaupt keine Zeit, so packend ist das Intro. Nach knapp drei Minuten folgt eine Explosion, eine Klimax die wachrüttelt -  und nach nur einem Song herrscht plötzlich große Vorfreude auf die acht noch folgenden Stücke.

Also alles gar nicht so schlimm mit dem “neuen” Synthies-Future-Sound? “Bricks and Mortar” dämpft zunächst die gerade erst aufgebauten Erwartungen. Drumcomputer angeworfen, eine einfache Basslinie und – natürlich Keyboard mit ordentlich Hall drüber – hmm. Wäre da nicht diese Stimme, die sich langsam erhebt und in Stärke und Ausdruckskraft ganz weit vorne dabei ist, wär’s wohl nichts Besonderes. Es folgt mit “Papillon” Bekanntes. Wenngleich tighter und beatlastiger als die meisten seiner Song-Kollegen, bleibt das Schema stoischer, fast monotoner Rhythmen und Melodiewiederholung über fünfeinhalb Minuten gepaart mit Lyrics, die als einzige Konstante Editor’schen Schaffens zu bleiben scheinen, erhalten. “Darling, your’re born, get old and die here – well that’s quite enough for me.”

Halt, stopp! Es geht weiter. Die Stimmung inzwischen leicht gedämpft. “You Don’t Know Love” läuft. Ein Knaller. Nicht nur, weil der gerade beschriebene Songstruktur plötzlich aufzugehen scheint, als hätte es nie andere Editors gegeben – nein, plötzlich ist Sie wieder da: Die Gitarre! Perfekt harmonierend mit dem ebenso einfachen wie Gänsehaut erzeugenden Refrain in dutzendfacher Dauerschleife. Gänsehaut, ich liebe dich!  ”The Big Exit” ist danach leicht zu übersehen, vorhanden, aber nicht weiter wichtig – eine kleine Verschnaufpause eben. Die ist dringend nötig, denn das nächste Highlight baut sich bereits turmhoch auf. “The Boxer” setzt auf melodiösen Minimalismus. Fallen lassen und Smith lauschen, der nun endgültig zu Höchstform aufläuft, ist das Motto. “The Boxer isn’t finished, he’s not ready to die.” Eine Kampfansage auf höchstem Niveau. Doch emotionale Höhen werden inhaltlich natürlich nicht gestattet und mit einem klagenden “Dazed in the final rounds” sogleich wieder einkassiert. Wow!

Das gilt auch für “Like Treasure”, das in mancher Hinsicht ein zweites “You don’t know Love” markiert und vielleicht auch deshalb nur fast an eben dieses heranreicht. Das Ende naht, die Erwartungen sind inzwischen wieder weit oben, weil das Gefühl wächst, das das Quartett aus Birmingham gar keine andere Wahl hatte, als genau dieses Album aufzunehmen. Kälter als die beiden ebenso fantastischen wie in großen Teilen ähnlichen Vorgänger, die auf gleichem Niveau wohl kaum einen dritten Bruder hätten bekommen können. Ohne ein treibendes “The Racing Rats”, ein dauerexplodierendes “Bullets”, ohne sich aufdrängende Singles neben dem bereits veröffentlichen Schmetterling. Mit “Eat Raw Meat = Blood Drool” folgt im Übrigen noch der einzige Ausfall des Albums, zu stumpf wird hier das neu entdeckte Songprinzip durchgedrückt – schade. Das Finale gelingt hingegen wieder zu hundert Prozent Geschmackssicher und entlässt einen in bester The Back Room-Manier in die Freiheit. Was bleibt? Das gute Gefühl, dass Ängste in einem positiven Ende aufgelöst werden können und die Editors auch nach diesem herausfordernden Wurf eine Lieblingsband bleiben dürfen!



Editors: Harte Fakten und seifiges Gewäsch

editors-bandManche Bands überbrücken die für den interessierten Hörer zum Teil recht lange Wartezeit bis zu einem neuen Release dadurch, dass sie kryptische Pressemitteilungen verbreiten. 90 Prozent solcher Meldungen besitzen allerdings einen Informationswert, der gegen Null tendiert. Dazu gehören gleichsam märchenhafte Töne, die meist lediglich die Gerüchteküche anheizen, und floskelhafte Standardankündigungenen, die sich fast immer auf den stark innovativen Charater und die hohe Qualität des neuen Materials beziehen. Im Falle der Editors, das letzte Album “An End Has A Start” ist bald zwei Jahre alt, herrschte lange Zeit das große Schweigen im Wald, doch jetzt nehmen die Zukunftspläne der Band schärfere Konturen an. Das neue Machwerk der Band um Tom Smith bekommt den wohlklingenden Namen “In This Light And On This Evening” und wird mutmaßlich am 9. Oktober den Weg in die Öffentlichkeit finden. Passend dazu, wird die Band im November und Dezember durch Europa touren. Dabei wird es die Editors auch für fünf Konzerte im November nach Deutschland verschlagen. Auf der Landkarte darf bei Köln (12.11.), Bielefeld (20.11.), Dresden(22.11.), München (29.11.) und Stuttgart (30.11.) ein fettes Kreuz eingetragen werden. So weit so gut. Alle anderen durchgesickerten Infos verstören eher als positiv zu stimmen, sind aber eben auch mit Vorsicht zu genießen.

Beispielsweise nannte Sänger Tom Smith gegenüber dem NME zwei Filmklassiker, die als Einflüsse auf den neuen Longplayer zu nennen seien. Die Überraschung weicht nur langsam angesichts der Tatsache, dass Smith den Ridley-Scott-Klassiker “Blade Runner” sowie den Blechmann-Epos “Terminator” nannte. Futuristisch und natürlich düster soll das dritte Album der Band also klingen. So, so! Das “synth-heavyalbum” soll laut Smith quasi seine Wurzeln in der Zukunft besitzen, daher muss es natürlich futuristisch klingen, und auch die verstärkt eingesetzten eletronischen Elemente ergeben sich aus diesem Sachverhalt. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass jene Neuerungen den Editors-Klang zwar bereichern, jedoch nicht grundlegend ändern. Die Ankündigungen des offensichtlich Science-Fiction begeisterten Frontmanns lassen sich wohl erst bei der Albumveröffentlichung genau einordnen. Bis dahin wird sich die Promo-Wäschetrommel mit Sicherheit weiterhin fleißig drehen.