Wie geil kann denn Politik sein, dachten sich vermutlich auch John Legend und Questlove, seines Zeichens Schlagzeuger von The Roots, als sie sich mitten im 2008er US-Wahlkampf darauf einigten, den im Land herrschenden Spirit musikalisch einzufangen. Schon fast ist der damalige Hype um Obama und die erzeugte Politisierung von vermeintlichen Nichtwählern in Vergessenheit geraten und doch erscheint jetzt mit dem gemeinsamen Album des Soulsängers und der Organic Hip Hop Band ein musikalisches Zeugnis dieser bewegten Zeit.
Längst musste sich der ikonisierte, einstige Präsidentschaftskandidat den realpolitischen Zugeständnissen eines Amtsträgers beugen und das Haupt für Dinge hinhalten, die er originär nicht zu verantworten hat. So ist das nun mal. Die Euphorie ist verflogen, aber Wake Up! entschädigt im Kleinen, ist musikalisches Trostpflaster, ist Balsam für die…
Soul – in der Vergangenheit selbstverständlich politisch aufgeladenes Ausdrucksmittel der afroamerikanischen Community, ist dem Genre diese Qualität weitesgehend verloren gegangen. John Legend und The Roots beleben nun diese Tradition in beeindruckender Weise. Vornehmlich “soulful music from the 60s and 70s” haben die kollaborierenden Künstler herangezogen und diese für sich interpretiert. Dabei gehen sie angemessen behutsam zu Werke und das Ergebnis pendelt zwischen den Polen funky (“Our Generation”) und smooth (“Wake Up everybody”).
Selbst Offbeat-Klänge, sprich Reggae-”Wurzeln”, finden sich auf Wake Up! (“Humanity”), was im Albumkontext nur logisch sein kann. Und wer bei Songperlen, wie dem gospel-lastigen ” I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free”, nicht verstanden hat, warum dieses Coveralbum seine Berechtigung hat und darüber hinaus absolut genial ist, muss definitiv zurück in die Soul-Grundschule: Nachsitzen!



