Posts Tagged ‘ Garagepunk ’

Black Lips: Arabia Mountain

Die Partycrasher der Garagenrock-Szene zeigen der sogenannten Altersmilde, dafür sind die vier Herren auch eigentlich noch viel zu jung, weiterhin gekreuzte Mittelfinger. Auch auf dem sechsten Studioalbum erweisen sich die Black Lips als Glücksfall für ein Subgenre, das nicht unbedingt für Selbsterneuerung bekannt ist. The Black Lips haben sich und ihre vermeintliche Szene noch nie so richtig ernst genommen und so sprüht Arabia Mountain vor Spielfreude, kalauereskem Gehabe und dem so liebgewonnenen lo-fi Sound der ersten Bandstunde.

Neben psychedelischen Anwandelungen darf es auch mal gepflegter Sixtiespop sein, was im Band- und Albumkontext hervorragend funktioniert. Und so gelingt es den Black Lips in 41 Minuten die Genregrenzen gekonnt auszuloten und der Hörerin oder dem Hörer ein gewohnt debiles Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Allen, die nicht ohnehin bereits davon gehört haben, sei noch gesagt, dass Arabia Mountain von keinem Geringeren als Mark Ronson produziert wurde. Eine Kollaboration, die zunächst merkwürdig anmutet, aber den Black Lips offensichtlich geholfen hat, das eigene Soundspektrum sinnvoll zu ergänzen. Im Übrigen ist der Opener “Family Tree” vielleicht der perfekte Black Lips Song. Auschecken.

The King Khan & BBQ Show: Freakschau Teil 3

kktbbqsAlle Jahre wieder stecken die Freak-Brüder im Geiste King Khan und Mark Sultan die Köpfe zusammen und lassen die Welt an dem ersponnenen Irrsinn musikalischer Natur teilhaben. Auch auf dem neuen Album Invisible Girl frönen die beiden bekloppten Propheten des dreckig-primitiven Rock ‘n’ Roll wieder dem geliebten, ungestümen Lo-fi Sound, präsentieren allerdings wie schon auf What’s For Dinner (2006) den ein oder anderen ruhigen, fast balladesken Moment. Man hat sogar den Eindruck, dass The King Khan & BBQ Show ihr stilistisches Spektrum erweitert haben, auch wenn die meisten Stücke immer noch simplen Garagepunk als Basis haben, ist dieser schließlich die brodelnde Ursuppe, der die beiden Freunde einst entstiegen sind.

King Khan und Mark Sultan spielten bereits Mitte bis Ende der 90er Jahre zusammen in der Band The Spaceshits, bevor Blacksnake, wie sich King Khan damals nannte, fest nach Deutschland übersiedelte. Nun liegt mit Invisible Girl bereits das dritte Album unter den gewählten Pseudonymen vor, wobei zusätzlich noch die ein oder andere Single rausgehauen wurde. So befindet sich beispielsweise die letztjährige Seven-Inch “Animal Party” auch auf dem neuen Longplayer. Mir persönlich gefiel die Hauptband des einen Protagonisten King Khan & The Shrines immer besser als die Duokonstellation mit dem alten Weggefährten. Gerade das letzte KK&BBQS-Album What’s For Dinner war zwar ganz unterhaltsam, konnte jedoch nicht nachhaltig gefallen. Zu deutlich weilten noch die Hits des Debütalbums wie “Fish Fight” im Ohr, als das die 2006er Platte voll und ganz punkten konnte.

Ob die beiden Kanadier mit Invisible Girl mehr Treffer setzen können, wird sich noch herausstellen. Der besondere invisible-girlEnergiefluss ihrer Songs stimmt allerdings immer noch und was Khan und BBQ anfassen, wird doch zumeist zu Weirdo-Gold und glänzt mit sympathischen Trash-Charme. Versprochen! Zum freien Download wird das Titelstück “Invisible Girl” via Pitchfork angeboten und steht für den gemäßigten Sixties-Pop-Einschlag, der auch schon auf dem Vorgängeralbum vorhanden war. Hoffentlich präsentieren The King Khan & BBQ Show das neue Material demnächst auch auf hiesigen Bühnen, die beiden touren gerade in Nordamerika, denn dort sind die spackigen Rock ‘n’ Roll Monster am Besten aufgehoben.

Update: Offensichtlich wurden die beiden letzten Freitag aufgrund von Drogenbesitz  verhaftet und mussten entsprechend Konzerte absagen, was vermutlich weniger lustig war. Ihr Tour Manager scheint noch zu sitzen.