Action-Garage-Rock mit viel Drive. Kommt aus Skandinavien? Richtig! Darf jetzt gegähnt werden? Mitnichten. Schon erstaunlich, dass gerade Schweden immer wieder Bands hervorbringt, die sich genau besagtem Sound verschrieben haben, doch die hier vorgestellten The Flare-Up! sind mehr als nur weitere Hellacopters oder Backyard Babies Epigonen.
Ihr Debütalbum Whip’em Hard, Whip’em Good schlägt zwar durchaus in die Schweinerock-Kerbe, die in der Vergangenheit so typisch für die Garagerock-Szene des hohen Nordens war, doch andererseits weist die junge Band reichlich Eigenständigkeitspotential auf.
Dies beginnt bei der hysterisch anmutenden Stimme des Sängers Manne Svensson und drückt sich vor allem in der heterogenen Mischung der Songs aus, so dass der eingangs unterstellte Langeweile-Einwand ins Leere läuft. Auf Whip’em Hard, Whip’em Good ist auch Platz für den ein oder anderen Popmoment und insgesamt scheint die Band eher in Richtung Indies- als zur Punkrockszene hinüber zu zwinkern.
Ein herausragendes Beispiel für die genreunorthodoxen Momente des Albums ist sicher der Titelsong, der sich als lupenreine Glam-Power-Ballade entpuppt und ganz schön in den Ohren wurmt. Im Gegensatz zu diesen Ausbrechern, zu denen auch das ebenfalls Glamappeal aufweisende “Too Many Zombies” und das Britpop-lastige “All Them Pretty Dolls” gehören, versteht es der Longplayer schon erwartungsgemäß zu rocken und mit gehörig Dreck zu werfen. In diese Kategorie fällt sich der Opener “Put It In A Letter” oder das abschließende “Sure You’re Big Enough?” (exklusive dem Hidden Track, der sich als 70′s Rockschwarte erweist).
Das in Deutschland auf TV Eye Records in Berlin erschienene Album von The Flare-Up! ist wirklich eine kugelrunde Sache und rollt und rockt über Stock und Stein, weicht dabei dem ein oder anderen Klischee aus, obwohl solche Ausweichmanöver nicht immer zu gelingen scheinen. Dennoch ist Whip’em Hard, Whip’em Good gerade gemessen an den doch sehr ausgetretenen Pfaden dieses Genres ein echter Glücksgriff.
The Flare-Up! auf Tour:
16. Oktober – Pretty Vacant (Düsseldorf)
28. November – Bassy (Berlin)



