Die Ampel steht auf Grün bei The Magnificent Brotherhood und damit ist nicht nur das Artwork des neuen Albums “Dope Idiots” gemeint. Deutschlands wohl tighteste Garage Rock Band ist immer noch addicted to Fuzz, psychedelisch entgrenzt, mit orgiastischen Orgelmomenten nicht gerade haushaltend – Farfisa, Baby! – und dabei so eingängig wie nie. Drahtseilaktig überqueren die Berliner die Genremanege und würdigen die Konkurrenz zu ihren Füße kaum eines Blickes, dabei jedoch selbst wahnwitzig drein schauend – breathtaking würde der anglophile Musikliebhaber jauchzen. In der Tat gönnen die 12 neuen Stücke dem Hörer kaum eine Pause, um durchzuschnaufen und es ist beeindruckend, wie wandlungsfähig sich The Magnificent Brotherhood auf ihrem zweiten Studioalbum präsentieren. Darum will ich an dieser Stelle gar nicht irgendeine heuchlerische Objektivitätsmaskerade aufrecht erhalten. Dies ist keine Rezesenion, sondern vielmehr eine Liebeserklärung.
Heilige Shiva, was für ein Albumopener! “I Want To” ist alles andere als ein dezent bescheidener Einstiegssong, sondern vielmehr der sprichwörtliche Tür-ins-Haus-Faller. Wer hätte gedacht, dass ein eigentlich stark reduzierter Garage Punk Song von knapp zweieinhalb Minuten einerseits so melodietriefend sein kann und sich andererseits im Mittelteil überraschend in ein aufreizendes Psychedelic Kostümchen gewanden kann. Der Titeltrack “Dope Idiots” drückt weiter auf die Rocktube und klingt dabei so verdammt authentisch/retrograd, dass man meinen könnte, die Zeiger der eigenen Armbanduhr laufen jetzt tatsächlich rückwärts. “All Because Of You” ist in der Folge so etwas, wie der erste soulful Dancefloor Smasher des Albums und präsentiert die Band gleich mal von einer anderen erfreulichen Seite.
“Divine Advice” wirft zwischenzeitlich entspannt die Shisha an und ist ein verspult-verspielter Psych Rock Song der Extraklasse. “Too Much” erscheint als das Top Cutie des Longplayers in seiner süßen Kopfverdrehermanier – huge Hit! “Degeneration” ist kurzweilige gelungene Ouvertüre für das nächste hinreißende Sixties Pop Stelldichein namens “Last Song About You”, bei dem man
den Schmutzfaktor gewöhnlichen Garage Punks so gar nicht vermisst und dessen Orgelmelodie im Gedächtnis verhaftet bleibt, versprochen. “Psychosis” hat dann ein wenig von Roky Erickson und seinen 13th Floor Elevators und braucht dennoch mehr Anläufe als seine Songbrüder, um sein Potential zu entfalten.
“You Can Only Guess” ist dann so herrlich spooky, wie einst The Sonics oder deren größte Nachahmer The Fuzztones zuweilen zu klingen pflegten. Zu den Lieblingsbands der Magnificent Brotherhood Jungs sind ebenfalls The Music Machine und The Seeds zu zählen und das hört man dann auch bei dem mitreißenden Stomper “Upside Down”, beim dem vor allem das tolle Gitarrenspiel in den Vordergrund drängt und dessen Refrain ebenfalls zu begeistern weiß. “Surrender” kommt als vorletztes Stück ein wenig sperrig daher, streift sich folgerichtig die speckige Lederjacke über, wo hingegen das abschließende “Save Me Save You” wohl aufgebügelten, feinen Zwirn trägt und eher Richtung Soul Nighter schielt.
Ein gelunger Rausschmeißer für ein durchweg gutzuheißendes Album, das den Berlinern hoffentlich erneut einen Popularitässchub beschert. Verdient hätte The Magnificent Brotherhood dies in jedem Fall und wenn die Verrückten irgendwo in eurer Nähe aufspielen, verbrüdert euch. Grandiose Liveband!
[The Magnificent Brotherhood: Dope Idiots (VÖ 9. Oktober 2010) Pre-Order now!]