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Black Lips: Arabia Mountain

Die Partycrasher der Garagenrock-Szene zeigen der sogenannten Altersmilde, dafür sind die vier Herren auch eigentlich noch viel zu jung, weiterhin gekreuzte Mittelfinger. Auch auf dem sechsten Studioalbum erweisen sich die Black Lips als Glücksfall für ein Subgenre, das nicht unbedingt für Selbsterneuerung bekannt ist. The Black Lips haben sich und ihre vermeintliche Szene noch nie so richtig ernst genommen und so sprüht Arabia Mountain vor Spielfreude, kalauereskem Gehabe und dem so liebgewonnenen lo-fi Sound der ersten Bandstunde.

Neben psychedelischen Anwandelungen darf es auch mal gepflegter Sixtiespop sein, was im Band- und Albumkontext hervorragend funktioniert. Und so gelingt es den Black Lips in 41 Minuten die Genregrenzen gekonnt auszuloten und der Hörerin oder dem Hörer ein gewohnt debiles Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Allen, die nicht ohnehin bereits davon gehört haben, sei noch gesagt, dass Arabia Mountain von keinem Geringeren als Mark Ronson produziert wurde. Eine Kollaboration, die zunächst merkwürdig anmutet, aber den Black Lips offensichtlich geholfen hat, das eigene Soundspektrum sinnvoll zu ergänzen. Im Übrigen ist der Opener “Family Tree” vielleicht der perfekte Black Lips Song. Auschecken.

The Magnificent Brotherhood: Dope Idiots

tmb-cover-dopeDie Ampel steht auf Grün bei The Magnificent Brotherhood und damit ist nicht nur das Artwork des neuen Albums “Dope Idiots” gemeint. Deutschlands wohl tighteste Garage Rock Band ist immer noch addicted to Fuzz, psychedelisch entgrenzt, mit orgiastischen Orgelmomenten nicht gerade haushaltend – Farfisa, Baby! – und dabei so eingängig wie nie.  Drahtseilaktig überqueren die Berliner die Genremanege und würdigen die  Konkurrenz zu ihren Füße kaum eines Blickes, dabei jedoch selbst wahnwitzig drein schauend – breathtaking würde der anglophile Musikliebhaber jauchzen. In der Tat gönnen die 12 neuen Stücke dem Hörer kaum eine Pause, um durchzuschnaufen und es ist beeindruckend, wie wandlungsfähig sich The Magnificent Brotherhood auf ihrem zweiten Studioalbum präsentieren. Darum will ich an dieser Stelle gar nicht irgendeine heuchlerische Objektivitätsmaskerade aufrecht erhalten. Dies ist keine Rezesenion, sondern vielmehr eine Liebeserklärung.

Heilige Shiva, was für ein Albumopener! “I Want To” ist alles andere als ein dezent bescheidener Einstiegssong, sondern vielmehr der sprichwörtliche Tür-ins-Haus-Faller. Wer hätte gedacht, dass ein eigentlich stark reduzierter Garage Punk Song von knapp zweieinhalb Minuten einerseits so melodietriefend sein kann und sich andererseits im Mittelteil überraschend in ein aufreizendes Psychedelic Kostümchen gewanden kann. Der Titeltrack “Dope Idiots” drückt weiter auf die Rocktube und klingt dabei so verdammt authentisch/retrograd, dass man meinen könnte, die Zeiger der eigenen Armbanduhr laufen jetzt tatsächlich rückwärts. “All Because Of You” ist in der Folge so etwas, wie der erste soulful Dancefloor Smasher des Albums und präsentiert die Band gleich mal von einer anderen erfreulichen Seite.

“Divine Advice” wirft zwischenzeitlich entspannt die Shisha an und ist ein verspult-verspielter Psych Rock Song der Extraklasse. “Too Much” erscheint als das Top Cutie des Longplayers in seiner süßen Kopfverdrehermanier – huge Hit! “Degeneration” ist kurzweilige gelungene Ouvertüre für das nächste hinreißende Sixties Pop Stelldichein namens “Last Song About You”, bei dem man tmg-band1den Schmutzfaktor gewöhnlichen Garage Punks so gar nicht vermisst und dessen Orgelmelodie im Gedächtnis verhaftet bleibt, versprochen. “Psychosis” hat dann ein wenig von Roky Erickson und seinen 13th Floor Elevators und braucht dennoch mehr Anläufe als seine Songbrüder, um sein Potential zu entfalten.

“You Can Only Guess” ist dann so herrlich spooky, wie einst The Sonics oder deren größte Nachahmer The Fuzztones zuweilen zu klingen pflegten. Zu den Lieblingsbands der Magnificent Brotherhood Jungs sind ebenfalls The Music Machine und The Seeds zu zählen und das hört man dann auch bei dem mitreißenden Stomper “Upside Down”, beim dem vor allem das tolle Gitarrenspiel in den Vordergrund drängt und dessen Refrain ebenfalls zu begeistern weiß. “Surrender” kommt als vorletztes Stück ein wenig sperrig daher, streift sich folgerichtig die speckige Lederjacke über, wo hingegen das abschließende “Save Me Save You” wohl aufgebügelten, feinen Zwirn trägt und eher Richtung Soul Nighter schielt.

Ein gelunger Rausschmeißer für ein durchweg gutzuheißendes Album, das den Berlinern hoffentlich erneut einen Popularitässchub beschert. Verdient hätte The Magnificent Brotherhood dies in jedem Fall und wenn die Verrückten irgendwo in eurer Nähe aufspielen, verbrüdert euch. Grandiose Liveband!

[The Magnificent Brotherhood: Dope Idiots (VÖ 9. Oktober 2010) Pre-Order now!]

Biff! Bang! Pow! – The Magnificent Brotherhood

mb1Überbordend. Komisches Wort. Irgendwie eine geschwollene Umschreibung, die dann gebraucht wird, wenn die Euphorie jemand gepackt und ordentlich durchschüttelt hat und jenem Gefühl fast verzweifelt Ausdruck verliehen werden soll. Also dann: Was ist denn hier los? Die guten alten 60er fahren vor und kurbeln die Scheibe runter: Biff! Bang! Pow!

Hier wird ein Fuzzfeuerwerk sondergleichen abgebrannt und die Farfisa Orgel verdreht dir zugleich den Kopf. Die Beinen beginnen zu zucken und schon ist es um dich geschehen. Das ist Garage Rock! Das ist psychedelisch und ja es ist „pretty damn sexy”. Und vor allem: Das hier, ist viel zu gut um nur auf der „Retro”-Welle zu schwimmen. Read more »