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Omas Teich 2010: Ein gemeinsamer Rückblick

otflAch, Omas Teich. Ein kleines, feines Festival im beschaulichen Ostfriesland mit einem nur bedingt spektakulären Line-up und doch einigen erwähnungswürdigen Glanzlichtern, z.B. dem bewegenden Abschied des langjährigen Kettcar-Drummers und Wiebusch-Weggefährten Frank Tirado-Rosales. Nachfolgend ein Flickenteppich der Erinnerungen des “Alles ist Pop”-Teams an ein gemeinsames Wochenende, das angesichts des geringen Altersdurchschnitts der Festivalbesucher vielmehr als Kaffeefahrt alternder Popkultur-Blogger einzuordnen ist. Ihr wisst schon: too old to die young.

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Frittenbude: Katzengold

katzengoldSie thronen wieder obenauf und reiten die wahnwitzige Riesenwelle ohne Rücksicht auf Folgeschäden für Körperhülle oder den neuronalen Wackelpeter namens Hürn, zeigen auf, dass das Electropunk-Ding auch 2010 noch durchaus Strahlkraft besitzen kann. Nebensächlich, dass Frittenbude sich erstmalig an einer vorhandenen Erwartungshaltung orientieren mussten, denn im Umkehrschluss kann man dem “Katzengold” attestieren, dass es gar weniger bemüht anmutet als manche Minuten auf “Nachtigall”. Die oft in ihren Texten anzutreffende persönliche Entfesselung scheint endgültig zur Bandmaxime geworden zu sein, denn die neuen Songs haben sich freigestrampelt von allen Vergleichsmaßstäben und Plagiatsvorwürfen, wirken entsprechend losgelöst, regelrecht entschlackt und vibrieren ganz und gar vor lauter eigendynamischen Trademarks. “Potential abgerufen”, könnten die Dellings und Netzers der Blogosphäre im Brustton der Überzeugung analysieren. Und Recht behalten.

Konsequent hart  und trotzdem hitig geht es auf “Katzengold” zu, so dass die Festivalkids im Sommer neue Hymnen zwecks Austickübungen geliefert bekommen. “Unkenrufe” wäre anbei zu nennen. Nicht alles fängt sofort Feuer, wobei man den Blick für die Zielgruppe nicht unberücksichtigt lassen sollte und dennoch muss man nicht “jung und abgefuckt” sein, um einen Knüllertrack wie “Ob es reicht, sie zu finden” gautieren zu können. Ohwürmchen gefällig? Einfach mal “Ein Mensch rennt” reinfahren.Den Bollerbeat-Appetit wird auch “Fetter als Gelb” anregen, das prädestiniert scheint, in engen Kellerklubs den Kondenswasserregen vom Tröpfelniveau auf die Sturzbach-Ebene zu hieven. Frittenbude haben definitiv das für sie bestmögliche Album aufgenommen. Nicht viel mehr, aber auch ganz bestimmt nicht weniger. An dieser Stelle sei noch auf die in der limitierten Version beigefügten Remix-CD verwiesen, die von “Raveland”, über die “Zerkau Deinen Knebel”-Version von “Matador” bis zum Indiefresse-Remix von “Raven gegen Deutschland” die Re-work Perlen der letzten Jahre des Audiolith-Universums zusammenfasst und entsprechend lohnt.

Supershirt: 8000 Mark

8000markDer nächste brennende Baum im Rave-Wunderland. Supershirt legen mit ihrem neuem Album 8000 Mark deutlich zu, denn wo der Vorgänger Du bist Super noch ein wenig unentschlossen, zu wenig druckvoll wirkte und teilweise im Phrasenmeer baden ging, sind Tim Brenner und Faxe System definitiv in den richtigen Zug gestiegen. Das Grundprizip, Electro kollidiert mit Pop und gelegentlich mit Hip Hop, ist noch das selbe und auch die Hooklines zeugen weiterhin von Rückrat und gelungener Gesellschaftsbeobachtung, so gut dies eben in der gewählten musikalischen Form funktionieren kann. Der Beitrag “Nachtjacke” zum Audiolith-Labelsampler Doin’ Our Thing deutete bereits an, dass der Supershirt-Sound tighter, man könnte auch sagen, professioneller geworden ist. Neben dieser Beobachtung fällt zudem auf, dass auch wenn die Bässe ordentlich peitschen, 8000 Mark aufgrund der starken Eingängigkeit der Songs mit beiden Beinen im Pop steht. Dies schmälert keineswegs die Kredibilität des Ganzen, sondern funktioniert bei Supershirt ganz ausgezeichnet.

Einen Blick auf die moderne Gesellschaft bietet “German Psycho”, wobei so manches absurdes Phänomen unserer Tage abgebildet wird. An dieser Stelle sei beispielhaft der Textfetzen “Ein Twitter-Account, aber Angst vor Spionage” zitiert. “So lange das Herz rast” erinnert an die Labelmates von Frittenbude, sowohl musikalisch als auch vom Gestus her. Gefällt. Die albumtitelgebende, gleichnamige Single kracht gut aus den Boxen, aber das simple Reimschema ist eher nur beim allerersten Hörvergnügen komisch und nutzt sich schnell ab. “Haue” macht seinem Namen alle Ehre und “Ödkraft” ist ein amüsantes Intermezzo, wobei zum Glück auch die Teitmaschine wieder dabei ist. Yeah! Insgesamt halten sich auf 8000 Mark die Schenkelklopfer und die tiefergehenden Songs die Waage und die progressive Entwicklung zum Vorgängeralbum  liegt auf der Hand und ist begrüßenswert. Die Jungs von der Ostsee haben ein ordentliches Album abgeliefert, das vielleicht nicht immer spektakulär, aber stets ehrlich und solide ist. Und wer Egotronic, Frittenbude, Bratze oder auch Saalschutz mag, kennt vermutlich Supershirt ohnehin und darf hier  entsprechend zugreifen. Audiolith regelt!

Testsieger: Laguna Fantasia

testsieger1Knackende Synapsen und verstauchte Knöchel: Texte von pointiert-genial bis schwachsinnig-infantil und dazu die reinsten Hüpforgien für die Tanzfläche. Testsieger stehen mit ihrem Electropunk meets Trashpop zur Zeit sicher nicht allein da und doch hat das Duo aus dem Norden der Republik vollste Daseinsberechtigung.

Im Gegensatz zu ähnlichen Kombos, drängt sich bei Testsieger auch eher die Bezeichnung Songs statt Tracks auf, denn was Jerry Mono und Derek Vulkano fabrizieren, ist vor allem eins: hoch melodisch. “Laguna Fantasia” ist demnach eingängig, sorgt für Happy-Happy-Spaß und das liegt auch daran, dass hier doch einige Knaller vertreten sind. Hervorzuheben sind das inhaltlich aktuelle “Videos”, die nach vorne marschierende, Hymne wäre wohl treffend, “Actionfiguren” oder der infectious groove von “Ich tanze!”.

Angenehm ist auf Albumlänge die Tatsache, dass hier auch durchaus NDW-Reminiszenzen verschwurbelt werden und das Gesamtding “Laguna Fantasia” erfrischend und zugleich vertraut klingt. Dabei darf dann auch gerne “Mehr Leben” im Leben gefordert werden und bei “Goodbye Rock” überraschenderweise das sich wahnwitzig drehende Karussel fast gänzlich ausgebremst werden.

Testsieger machen auf  ihrem aktuellen Album vieles richtig und “Laguna Fantasia” funktioniert nicht nur auf Tanzflächen hervorragend, doch dort sorgt das Duo allemal für Schweiß-Aquaplaning. So viel steht fest. Spitzenmäßig ist auch das dem Album beiliegende Stickerset für einen Hauch der fantastischen Lagune für die heimischen 4 oder mehr Wände.

Audiolith Records: Neue Homepage

Die Internetpräsenz des Hamburger Labels erstrahlt nun in neuem Licht. Eine Rundumerneuerung zum 5. Geburtstag. Dazu passt es ja auch, dass letzten Freitag gleich zwei neue Alben erschienen sind: Egotronic – s/t und Frittenbude – Nachtigall.

Kettcar: Neue Single

Mit “Nullsummenspiel” erscheint am morgigen Freitag (13.06.) Kettcar´s zweite Single Auskopplung aus dem Album “Sylt”, allerdings ausschließlich im Download Format.

Man kann den sympathischen Hamburgern nur zur Auswahl des Songs gratulieren, denn “Nullsummenspiel” ist ein typischer, man will schon sagen, ein klassischer Uptempo Kettcar Hit par excellence. Read more »