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The Strange Death Of Liberal England: Drown Your Heart Again

tsdole1Oftmals glaubt man, dass man zu abgeklärt sei, um von einem Album so richtig bewegt, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Dass dies keinesfalls so ist, lehren The Strange Death Of Liberal England mit ihrem Album Drown Your Heart Again in erstaunlicher Manier. Ein quasi Konzeptalbum zum Thema Meer haben die fünf Briten aus Portsmouth eingespielt und so kann es kaum verwundern, dass dieses nach Sehnsucht, Euphorie, Melancholie, Einsamkeit und Lebensfreude gleichermaßen klingt.

“For me there has alsways been something  spiritual to the sea. It’s a place where people surrender their emotions, like a confession, literally leaving them behind,” so erklärt Sänger Adam Woolway seine Affinität zum Ozean. Man möchte Woolway angesichts dieser Worte augenblicklich die Hand schütteln und für den wunderbar pathetischen Kammerpop, den er schreibt, gleich in die Arme schließen.

Die Band von der englischen Südküste präsentiert sich auf Drown Your Heart Again in orchestralen, opulenten Arrangements und dennoch wird eine Funken schlagende Intensität erzeugt, die man sonst eher von minimal instrumentierten Liedern begnadeter Singer-Songwriter kennt. Beinahe hat man den Eindruck, dass Quintett verschieße sein Pulver bereits zu Beginn des Albums, zu spektakulär verhandeln die ersten Lieder das (musikalische) Sujet der Meererfahrung. “Flickering Light” erweist sich als Ausgangspunkt einer emotionalen Kreuzfahrt durch bewegte…nun ja…Gewässer, verlockt dazu, gleich noch einmal gespielt zu werden. Bevor man dies tatsächlich in Erwägung ziehen kann, übernimmt “Flagships” das Kommando und führt die Thematik in einen weiteren Idealsong und Woolway gibt mit seiner kräftigen Stimme den Dirigenten des Neptunus-Orchesters.

Die Single “Rising Sea” kann einen außerordentlich prägnanten Refrain ihr Eigen nennen und man muss dieser Komposition einfach Tribut zollen. Ein solcher Hit würde auch den zurzeit unvermeidlichen Arcade Fire ausgezeichnet zu Gesicht stehen, was in erster Linie ein großes Kompliment darstellen soll. Ohnehin möchte man den anderen Kleinoden, wie dem intimen “Autumn” oder dem polternd-stürmischen “Come On Young Philosophers!”, den gleichen Stellenwert einräumen. “Drown Your Heart Again” ist ein kohärentes Meisterwerk geworden, man muss so große Worte bemühen, um das Album angemessen zu charakterisieren. Überraschung gelungen und nun: “Get drunk and drown your heart again…”

The Strange Death Of Liberal England: Drown Your Heart Again (VÖ 22. Oktober 2010, DevilDuck)

Isobel Campbell & Mark Lanegan: Es knistert wieder

Manifeste Gegensätze  auf Albumcampbell-lanegan1länge und das bereits im dritten Anlauf. Mark Lanegan ist phänotypisch wohl eher als verlebt zu bezeichnen. Grunge (Screaming Trees) und Stoner Rock (Queens of the Stone Age) sind nicht spurlos an dem geschäftigen Musiker vorbeigezogen, was dann sowohl das ausgezerrte Gesicht als auch die verrauchte Stimme erklären dürfte.

Isobel Campbell hingegen war jahrelang dem schöngeistigen Twee Pop bei Belle & Sebastian verschrieben und hat die schottische Band als Cellistin, Keyboarderin und Vocalistin durchaus mitgeprägt. Das dunkelhaarige  Raubein und die feminine, blonde Mitdreißigerin werden auf dem am 24. August erscheinenden Longplayer “Hawk” erneut die jeweiligen Qualitäten in die Waagschale werfen und die Frage, ob sich nun der Literaturwissenschaftler oder doch eher der Ornithologe mit dem Albumtitel beschäftigen soll, darf an dieser Stelle getrost außen vor bleiben

Was die besagten Gegensätze anbelangt, werden diese nicht nur biografisch und durch das prä-kollaborative musikalische Schaffen unterfüttert, sondern zeigt sich vor allem im gesanglichen “Zusammenspiel”. Wenn Lanegans Whiskeykehle auf Campbells laszives Gehauche trifft, schwebt schon eine gewisse Spannung – ein atmosphärisches Geknister – als Platzhalter zwischen den beiden Protagonisten. Man gewinnt den Eindruck, dasscampbell-lanegan2 gerade diese Wärme erzeugende Reibung gesanglicher Natur den besonderen Reiz ihrer zwischen Americana, Folk und Blues mäandernden Alben ausmacht. Gerade bei den Stücken mit düsterer Stimmung muss man unweigerlich an das Nick Cave und Kylie Minogue Duett aus dem Jahre 1995 denken, aber nun zum bald erscheinenden Material des Duos Campbell-Lanegan .

Die beiden bei Myspace gestreamten neuen Songs “Come Undone” und “You Won’t Let Me Down Again” machen in der Tat neuigierig auf die aktuelle amerikanisch-schottische Co-Produktion. Gerade “Come Undone” mit seiner entspannt-bluesigen Stimmung mutet besonders gelungen an. Natürlich flanieren die beiden auf reichlich ausgetretenen Pfaden und doch könnte “Hawk” bei durchgehend hohem qualitativen Niveau eine lohnenswerte Sache darstellen.

The Bewitched Hands On The Top Of Our Heads EP

TheBewitched-45t-FINAL-Preview RECTOWer sich vom sperrigen Namen nicht abschrecken lässt, entdeckt hinter der wortreichen Fassade eine Band, die mit unwirklich schönen Avantgarde-Pop begeistern kann.  The Bewitched Hands On The Top Of Our Heads aus dem Nordosten Frankreichs, aus Reims um genau zu sein, schöpfen ihre Inspiration aus vergangenen Dekaden der Popmusik, in denen letztgenannte auch psychedelisch anmuten konnte, was heute kaum noch denkbar erscheint. Beinahe magisch schwebt der gleichnamige Opener ihre ersten EP “Hard To Cry” durch den Raum und hinterlässt noch nach dem Verklingen der letzten Töne eine Wärme ausstrahlende Aura. Geschichtete Stimmen, geschichtete Instrumente und doch wirkt alles so simpel und unangestrengt.

Die sechs Franzosen haben das Ohrwurm-Diplom im Handgepäck, so viel steht fest. Es ist schon erstaunlich, dass die Band es sich erlauben kann, einen sensationellen Songeinfall wie “Out Of Myself” nach gerade einmal anderthalb Minuten zu verwerfen und dabei wie Belle and Sebastian auf LSD zu klingen. “I’m In My Slim” weist ebenfalls Singalong-Qualitäten auf und praktiziert den Schulterschluss zum Hörer mittels dieses kurzen, eingängigen Folkrockers und ist wie jeder andere Song der EP soundtrack-kompatibel…für einen Arthaus-Film versteht sich. Wenn The Bewitched Hands On The Top Of Our Heads noch mehr dieser süchtigmachenden Melodien im Köcher haben, wird das im Herbst folgende Album ein richtiger Blattschuss.

Die “Hard To Cry” EP ist seit dem 23. Juli via iTunes zu beziehen

Villagers: Schakalwerdung

villagers2Bei Musik mit irischer Provenienz spuckt der mit Assoziationsvisualisierung vertraute einarmige Bandit drei Mal das gleiche Symbol aus: ein stark behaarter Bizeps der aus einem Karohemd hervor lugt, ein randvolles Guiness-Glas und eine Wandergitarre. Bei Villagers aus Dublin hat man es jedoch vielmehr mit entrücktem, nachdenklichem Indiefolk zu tun, der den zerbrechlich wirkenden frühen Alben der Bright Eyes relativ nahe steht. Read more »

Good Weather Girl: Boon

nn_digi2“Teenage Dreams Aren’t So Hard To Beat” ist auf dem nagetier-besetzten Sattel zu lesen, der das Albumcover von “Boon” ziert. Diese Antwort auf “Teenage Kicks” von den Undertones stammt von einem musizierenden Geschwisterpaar aus London, welches unter dem Namen Good Weather Girl den naiv verschrobensten und gleichzeitig unerwartet schönsten  Lo-Fi-Pop-Entwurf der Saison ins Rennen schickt, sich einen Underdog-Startplatz im Wettlauf um die Herzschmerztrophäe 2010 sichert.

Dion October und Shem Lucas sind als Homerecording-Entdeckung in der Tat ein Glücksgriff für das Label Hazelwood, denn die 14 auf “Boon” vertretenen Stücke gehören definitv in die Kategorie “besonders” und nach bereits einem Hördurchgang kann man bedenkenlos noch das Appendix “-wertvoll” anhängen. Die kindliche Stimme der singenden Dion October konterkariert dem Anschein nach die in den Texten immanente Zerbrechlichkeit und genau das macht den großen Charme des Schwester-Bruder-Debüts aus. “Neon Coloured Town” oder “Black Coffee Days” oszillieren beispielhaft zwischen den Polen Zuckersüße und Bitterpille und das in bewegender Manier. Um den Bogen zurück zu den Undertones zu spannen, kann man in frei zitierender Weise zu den 14 Songs nur anmerken: I wanna hold them, wanna hold them tight…

Cody: “Songs” zwischen Wehmut und Hoffnung

codyDas erste, was man vom schlicht mit “Songs” betitelten Album hört, ist eine beinahe wehmütig in die Stille schneidende Mundharmonika und dies erweist sich als präfigurativ für die folgenden 47  Minuten mit durchaus hoher emotionaler Dichte. Was Cody aus Dänemark dem geneigten Zuhörer präsentieren, ist eine überzeugende Mixtur aus Folk, Alternative Country und anderen der populären Musik entstammenden Versatzstücken. Mit der bereits angesprochenen Wehmut sei breits die Grundstimmung der “Songs” angemessen umschrieben, doch stets ist es Zuversicht und Hoffnung, die den Liedern der Dänen den sprichwörtlichen Stempel aufdrückt. Das äußert sich zwar oft nur im Detail, aber dann in so wunderbaren Liedern wie “Down in the Dark”.

Eines der am häufigsten in Musik betreffende Rezensionen vorkommenden Kriterien ist das Schlagwort Intensität und trotz des inflationären Gebrauchs dieses Wortes, erweist es sich auch im Falle von Cody nicht als reine Worthülse. Dabei sind es gerade die auf den ersten Blick simplen Songs wie “I want you”, die zielsicher in der Mitte zwischen Bauch und Kopf berühren. Die sechs Bandmitglieder von Cody überzeugen trotz manchen Songs ohne ersichtlichen Spannungsbogen mit ihrem Entwurf von abwechslungsreicher Musik irgendwo zwischen Folk und Country.

Die zum Teil aufwendigen instrumentalen Arrangements verbieten allerdings eine Reduzierung  auf einzelne genannte Genres, obwohl gerade die zurückgenommenen Songs wie “Catch the Straw” eine solche Charakterisierung nahelegen würden, zumal dies die stärksten Momente auf “Songs” sind. Bis an die oft ikonisierten Altmeister des Alternative Country wie Bonnie ‘Prince’ Billy, mit dem Cody sich bereits die Bühne teilten, reicht es für die in ihrer Heimat schon recht bekannten Dänen nicht heran, doch wer besagte Musikstile und ähnliche Künstler mag, der kann sich ganz bedenkenlos mit “Songs” arrangieren. Die Belohnung erfolgt in Form von Nackenhaar stimulierende Werke wie das Album schließende “Your Window”. Album out now!

Setting Sun + Quitzow (Steinbruch, Duisburg)

30.11.08
20:00

Was: Originalton mit zwei US Bands mit Liebe zum Folk, schrägem Pop und elektronischen Spielereien:

“Beide scheren sich den Teufel um Schubladen. Beide mischen Folk, Pop, Indie, Electronic, Klassik und Post-Punk. Erica Quitzow ist Sängerin und Multiinstrumentalistin der gleichnamigen Band Quitzow. Gary Levitt ist Sänger und Gitarrist der Band Setting Sun. Beide verbindet mehr als das gemeinsame Label. Beide schreiben Songs. Getrennt oder zusammen. Beide touren gemeinsam. Dann spielt Erica Quitzow bei Setting Song Violine und singt. Andersherum wird ähnlich verfahren. Gary Levitt bedient den Bass und setzt sich bei Quitzow hinter das Drumset.

Beide verbindet die Liebe zum Folk, leichten, schrägen Pop und die elektronischen Spielereien der Siebziger. Das klingt oft schräg, aber unbedingt interessant. Während Quitzow mehr mit elektrischen Sounds experimentiert und streckenweise Subversives a’la PJ Harvey zu hören ist, gelingt Setting Son öfter der Spagat zwischen schrägem Folk und eingängigen, poppigen Melodien.

Wo: Steinbruch (Duisburg)

Wieviel: 5 Euro VVK / 7 Euro AK

Alles ist Pop Radiostation

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, haben wir uns hingesetzt und für euch eine kleine Radiostation aufgezogen! Auf dem Alles-ist-Pop-Sender versuchen wir euch einen popkulturellen Rundumschlag der Künstler zu geben, welche hier von uns vorgestellt, besprochen, interviewt oder nur erwähnt wurden.

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Originalton Campfire Open Air im Steinbruch (Duisburg)

27.06.08
20:00

“Im gemütlichen Hofgarten im Steinbruch versammeln sich beim Originalton Campfire Open Air zum ersten Mal vier Singer/Songwriter und Folkprojekte aus vier Nationen, um bei Lagerfeueratmopshäre, ihre Songs zu präsentieren.

I.M. Harmful`s tiefschürfenden Lieder sind Introspektion und zerfledderte Beziehungsgeschichten, aber auch Erfahrungen mit Gott, dem Tod und dem Teufel werden verarbeitet. Wer I.M.Harmful auf einen seiner zahlreichen Konzerten in den letzten 2 Jahren erlebt hat, kennt die intime und melancholische Atmosphäre seiner Konzerte.

Lukas Batteau ist Singer/Songwriter aus Utrecht. Inspiriert wurde er vor allem durch Bands wie Radiohead, U2 und The Smashing Pumpkins. Herausgekommen sind großartige Lyrics, melancholische Gesänge und ansprechende Melodien. Nachdem er bereits bei einigen unserer Konzerte immer ein begeistertes Publikum zurückgelassen hat, war klar, dass er bei der Premiere des Originalton Campfire Open Air nicht fehlen darf.

Lasse Matthiessen ist ebenfalls Singer/Songwriter mit Wahlheimaten in Kopenhagen und Berlin. Nachdem er in zahlreichen Rock-, Pop-, und Jazzbands gespielt hatte, begann Lasse seine eigenen Songs zu schreiben und zu spielen, die von verlorenen Lieben und vom Kommen und Gehen der Zeit handeln. Seine Musik bewegt sich zwischen Slowmotion, Melancholie und Folk, die streckenweise an Neil Young, Bob Dylan und José Gonzales erinnert.

Das australische Singer Songwriter/Gitarrenduo Hussy Hicks gibt es erst seit ein paar Jahren und doch haben die beiden bereits auf allen Kontinenten und vielen großen Festivals neben Künstlern wie Tommy Emmanuel, Damien Rice oder Travis gespielt. Ihre Musik ist ein einzigartiger Mix aus verschiedenen Einflüssen wie Funk, Gypsie, Folk, Country, und Bluesroots.”

Im Hofgarten oder im Saal bei schlechtem Wetter // Beginn: 20h // Eintritt: VVK: 5 Euro; AK: 8 Euro // Tickets im Steinbruch // ****Shuttle Service****

Wallis Bird: Gegen jeden Widerstand

Wenn man sich mit der 26jährigen Irin Wallis Bird beschäftigt, so stolpert man unumgänglich über die unvollstellbare Tragödie, die ihr im Kleinkindalter widerfahren ist. Bei einem Unfall wurden der gerade einjährigen Wallis alle fünf Finger der linken Hand durch einen Rasenmäher abgetrennt. Zum Glück gelang es den Ärzten zumindest vier der verlorenen Finger wieder anzunähen.

Für die musikbegeisterte Wallis war dies aber kein Hindernis um ihr Lieblingsinstrument zu erlernen, sondern eher ein weiterer Ansporn. Lediglich die Art und Weise wie Wallis ihre Gitarre hält, mutet seltsam an, denn sie spielt als Linkshänderin eine umgedrehte Rechtshändergitarre. Ihre Folkpop Lieder arrangiert Madame Bird jedoch auf die genau richtige Weise und somit ist nicht nur ihre Story, sondern sind auch ihre Songs sehr hörenswert. Read more »