Die Blog-Community hatte die richtige Spürnase und der Electropop-Adel hat ihnen bereits lobend die Hände aufgelegt. Popular Damage rechtfertigen diese aristokratische Würdigung nun mit der hit-gespickten “The Royal Fly” EP, auf der tanzbare Beats, eingängige Melodien und gelungene female Vocals symbiotisch ihre Wirkung entfalten. Der Knallersong “Everybody Got Young”, der in Kennerkreisen schon hinlänglich durch den angedeuteten Blog-Hype bekannt sein dürfte, findet auf der EP gleich in dreifacher Ausführung Platz und man hat die äußerst knifflige Qual der Wahl, welche Version einem jetzt am meisten die Schuhe auszieht. Der “Everybody Got Young (Double Dragon Remix) Radio Edit” geht als Opener auch wirklich als erster durchs Ziel, aber knapp war es. Die ebenfalls vertretene Original-Version folgt auf dem Fuße und der (Fukkk Offf Remix) kommt schnaufend hinterher getrampelt, ist aber eigentlich der heimliche Meister der Herzen, weil smells like ausgelassenes Club-Gehopse vom Feinsten. “Easy Money” ist ebenfalls im Doppelpack am Start und auch hier ist es der heftigere (Beatshaker & Blender Remix), der subjektiv die filigranere, ursprüngliche Version aussticht, aber auf diesem Qualitätslevel kann man ohnehin beide Tracks nur begrüßen.
Hand aufs Herz, das Duo, bestehend aus der aus Manchester stammenden Nadine Raihani und dem Berliner Stephan Hengst, gehört wirklich in die Champions League der Electropop Artists und so ist es kaum verwunderlich, dass der Promo-Text Namen wie Digitalism, Zoot Woman, Yeah Yeah Yeahs oder Daft Punk aufweist. Popular Damage haben jedenfalls die richtigen Formeln im Beat-Labor kombiniert und dabei kommen dann so gelungene Pop-Collagen wie “Savvy in Newby” heraus, das mit hypnotischer Wirkung nicht gerade geizt, das das Ohrwurm-Barometer ausschlagen lässt. Ebenfalls mehr radio- als clubtauglich ist der letzte Song im Bunde “Exclusive”, der mit seinem umschmeichelnden Charme das Bullseye anvisiert und trifft. Nachfolgend ein Interview mit Stephan, sprich 50% Popular Damage, über die prominenten Kollegen, den Blog-Hype, musikalische Vorlieben und Zukunftspläne.
Am 11. Dezember erscheint eure neue EP The Royal Fly. Grund genug nach dem Anfang von Popular Damage zu fragen. Wie kam es zu PD und wenn ich nicht völlig irre, dann wart ihr nicht immer nur ein Duo oder?
Richtig, am Anfang waren wir zu dritt. Live sind wir jetzt immer noch zu dritt, wir haben immer einen Drummer dabei. Das rockt einfach mehr als nur aus der Dose.
Zwar wurde die EP noch gar nicht veröffentlicht, doch ganz vom A-Sagen=B-Sagen-Schema ausgehend: Gibt es Pläne für einen Longplayer oder wartet ihr erstmal das Feedback ab?
Beides so ein bisschen. Wir haben uns fest vorgenommen nächstes Jahr ein Album zu machen. Warten jetzt aber erst mal ab, was durch die EP passiert und welche neuen Chancen sich daraus ergeben.
Der Promotext zur EP spart nicht gerade beim Namedropping: „Digitalism lieben es, Stuart Price nickt zustimmend mit dem Kopf .“ Was ist denn da konkret dran und wie kam es zu den Kontakten? Schließlich gibt es ja auch Popular Damage Remixe von jeweils einem Zoot Woman und einem Digitalism Track…
Da ist an allem etwas dran. Wir haben für beide quasi aus Eigeninitiative Remixes gemacht und beide sind bei den Bands sehr gut angekommen. Auch für Miss Platnum und Tegan & Sara haben wir schon etwas gemacht. Wir haben auch schon wieder neue Sachen in der Pipelin, an den wir gerade basteln.
Ihr selbst habt in der Vergangenheit von einem Blogger-Hype in Sachen Popularität profitiert. Kann man das so sagen? Wie bewerte
t ihr die heutzutage gängigen Mechanismen im WWW? Zwischen Feiern und Verdammen liegt oft nur eine kurze Zeitspanne.
Alles geht super schnell im Netz, aber für hat sich das ja ausgezahlt. Wir konnten gerade zu Beginn ziemlich schnell einen relativ hohen Bekanntheitsgrad erreichen. Was auch daran lag, dass wir unsere Tracks am Anfang sobald wir etwas Neues hatten kostenlos ins Netz gestellt haben. Wir können und werden die Möglichkeiten des Webs aber weiterhin nutzen. Jetzt mit der neuen EP haben wir ja auch endlich wieder Grund dazu. Das geile an Blogs ist, dass man davon ausgehen kann, dass die Leute die über uns schreiben uns auch wirklich mögen. Wenn sich das dann weiter trägt, umso besser!
In den letzten 3 Jahren haben neben Simian Mobile Disco vor allem französische Acts (allen voran Justice) und Labels (Ed Banger und Kitsuné) in Sachen rockin’ Clubsounds für Furore gesorgt und dabei sogar das eher gitarren-affine Publikum angelockt. Wie habt ihr diese Entwicklung wahrgenommen und was haltet ihr von den französischen Kollegen?
Wir finden es super! Es gibt ja auch Leute aus Deutschland die so unterwegs sind, siehe Boys Noize oder Digitalism. Im Unterscheid zu denen allen sind aber spätestens live eine komplette Band. Da haben wir einfach mehr Lust drauf.
(anm.d.red.: beide mit geniale Debütalben, leider ist das zuletzt erschienene Boys Noize Album “Power” eher enttäuschend)
Ist Tanzbarkeit automatisch ein Kriterium in eurem Schaffensprozess, schließlich ist euer Sound geradezu ideal für den Clubbedarf? Seid ihr selbst passionierte Anhänger des „ausschweifenden“ Nachtlebens?
Yes. Bei uns geht es um Tanzen, Sound, Innovation und Pop.
Sind für euch Texte eher schmückendes Beiwerk oder ist der tatsächliche Sinngehalt eines Songs auch bedeutsam? Auf mit dem Nähkästchen…
NADINE?
Wie ist denn um eure musikalischen Tellerränder und Hörgewohnheiten bestellt? Was hört ihr daheim? Gerne auch unangenehme Eingeständnisse…
Nadine kommt eher aus dem Postrock und ich aus dem Britpop und war früher sogar etwas punkig unterwegs. Elektro machen wir beide erst, seit dem wir gemeinsam dieses Projekt haben. Einigen können wir uns eigentlich auf alles, was im Elekrobereich ordentlich auf die Fresse gibt und auf sehr gut gemachte Popsachen. Wo wir nicht mehr wirklich zusammen finden ist, wenn sie mit verkopfem Kram wie Shellac kommt oder ich mit cheesigen Dancetracks.
Habt ihr besondere Pläne und Wünsche für Popular Damage oder nehmt ihr alles wie es kommt? Man hat den Eindruck, dass das Musikbusiness immer unberechenbarer wird.
Wir wollen erst mal so weiter machen, hoffentlich im nächsten Jahr ein Album und dann schauen was sich ergibt. Wir machen so lange weiter, wie es sich entwickelt und nach vorne geht. Wenn wir in zwei Jahren zurückblicken und immer noch da stehen wo wir jetzt sind würden wir es wahrscheinlich sein lassen. L’art pour l’art machen wir definitiv nicht. Durch die aufbrechenden Strukturen im Musikbusiness hat man als Künstler wie wir viel mehr Möglichkeiten Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Danke und alles Gute!
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