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The Black Light Departure: Schlaflos im Pott

tbld1Der Urban Sprawl, sprich das Landmassen fressende Ungetüm namens Ruhrgebiet, ist nicht gerade die erste Adresse in Sachen zeitgenössischer Indierock. Allerdings gibt es durchaus Lichtblicke im musikalischen Düsterland zwischen Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg, wie verschiedene, Hoffnung evozierende Bands in letzter Zeit unter Beweis gestellt haben. Zu diesen muss man definitv The Black Light Departure aus Oberhausen rechnen, deren schleppender, in Melancholie getränkter Indierock irgendwo zwischen Editors, Glasvegas, Interpol und Joy Division seine Kerze entzündet.

Seit dem Sommer 2008 feilt die Band, von den Brüdern Daniel und Philipp ins Leben gerufen worden und durch Drummer Sebastian und Gitarrist Timo komplettiert, an ihrem Sound, was nun in der EP “And You May Never Fall Asleep Again” kulminiert. Die hier enthaltenen 5 Songs werden zwar als Demo bezeichnet, doch dadurch sollte man keineswegs den Verdacht schöpfen, man habe es hier mit rumpeligen Proberaumaufnahmen zu tun. Vielmehr reichen sich hier durchaus Musik und Aufnahmequalität die Hände, so dass die Bezeichnung Demo vermutlich vor allem den Vorstellungscharakter der Veröffentlichung in Eigenregie gerecht werden soll.

Schon allein der hervorragende Opener “Coma Echoes” gehört auf sieben Zoll schwarzes Vinylgold gepresst  und nicht auf einen CD-R gebrannt- Demo hin, Demo her. Natürlich sind die musikalischen Referenzen nicht so schwierig zu enträtseln (s.o.) tbld-bandund doch gewinnen The Black Light Departure der angepeilten Schnittmenge von Indierock, New Wave und Postpunk eigene Facetten ab und der Song löst in lobenswerter Manier Assoziationen aus: Leere Tanzfläche, Nebelmaschine, “Coma Echoes” – ein melancholisches Tanzvergnügen eben. “Distance” wird von einer wärmenden Synthesizerdecke eingehüllt, so dass es dem Hörer trotz unterkühlter Grundstimmung keineswegs fröstelt. “Silence of Snow” setzt nach besagtem Opener das nächste fette Ausrufezeichen und schwebt angenehm durch den Raum, kommt dem Band-eigenen Anspruch, die “Ästhetik der Einsamkeit” einzufangen, relativ nahe. Dennoch, eine schwelgerische Note bewahrt die Musik der Oberhausener stets vor zu viel Schwermut.

“The Good & The Bad” spinnt den Faden der Shoegaze-artigen Gitarren weiter und überzeugt vor allem instrumental. Manchmal nimmt der Sänger einen stimmlichen Ausfallschritt in Kauf, bewegt sich damit jedoch in der Traditionsschleife, die Ian Curtis der Nachwelt hinterlassen hat und in dieser Gesellschaft sind solche Detailkritiken mehr als nur zu verzeihen. Zu Nörgeln gibt es hier wenig und daher kann man auch bei dem schließenden “Aurora” keinen Qualitätsabfall attestieren: gelungener Indiepop mit New Wave Reminiszenz geformt und selbstbewusst genug vorgetragen, um im Konkurrenzdruck ähnlich gelagerter Bands zu bestehen. Da geht was, im Urban Sprawl!

Flashguns: Matching Hearts, Similar Parts

Erster Eindruck: stilsicher, womit nicht nur das Artwork gemeint ist und in der Impressionsfolge erhärtet sich  der Verdacht, dass Flashguns aus der Hypezentrale London genug Substanz vereinmatching-heartsen, um den Status Geheimtipp zu überwinden  und zur britischen Indiegarde aufzuschließen. Da das junge Trio bereits mit namhaften Künstlern wie White Lies, Jamie T, Bombay Bicycle Club und The Teenagers Backstageraum und Bühne teilten, dürfte beschriebenes Prozedere bereits eingesetzt haben, zumal sich ihre EP Matching Hearts, Similar Parts als wirklich hörenswert erweist. Melancholischen Indiepop mit Rotweinschwere kredenzen Sam Johnston (Gesang/Gitarre), Giles Robinson (Schlagzeug) und Olly Scanlon (Bass) dem Hörer und erreichen dabei eine durchaus fesselnde Intensität. Was besagten Melancholiefaktor anbelangt, sind Flashguns dann auch zwischen Editors, Voxtrot, Morrissey, Interpol und ähnlichen Bands zu verorten, nur um noch einige klangvolle Namen in die Assoziationsrunde zu werfen.

Matching Hearts, Similar Parts beinhaltet 4 düster-treibende Songs und einen Remix, wobei die Grundstimmung keineswegs erdrückend negativ ist. Bei “Bells at Midnight” und “St. George” sind die Väter im Geiste, Steven Patrick Morrissey und Johnny Marr, recht eindeutig zu identifizieren, was in opulente, aber keineswegs überladene Popsongs mündet. “Racing Race” fällt musikalisch ein wenig aus dem Rahmen und verdient besondere Erwähnung, da The XX wahrscheinlich so klingen könnten, wenn sie Blues-Einflüsse in ihre Musik integrieren würden. Der Laubér Remix von “I don’t not love you” ist übrigens keineswegs das inzwischen obligatorische Gimmick-Zugeständnis an die Indie-DJ’s dieser Welt, sondern funktioniert vollkommen selbständig und gefällt dabei sogar mehr als die eigentliche Original-Version. Sehr überzeugend, die Herrschaften aus London.

Videos: Editors, Tocotronic, the who the what the yeah, The Clash

editors-vidWen interessieren denn heute noch Musikvideos? Hat dieses Medium nicht langsam ausgedient und was kommt danach? Und wird dann alles besser? Bis jemand diese Fragen zufriedenstellend beantwortet hat, kann man sich ja einfach noch eine Weile an den Musik visualisierenden Kleinwerken erfreuen. Zu der diesmalig subjektiv ausgewählten Zusammenstellung gehört das neue Editors Video zur zweiten Single “You Don’t Know Love” aus In This Light And On This Evening, das meinem werten Pop-Kollegen doch die Verlustängste nehmen konnte. Backwarm ist ebenfalls das neue Video von Tocotronic, das als Vorbote zum am 22. Januar erscheinenden Album Schall & Wahn dient. Klingt wie die Tocos, sieht nach Tocos aus, aber auch irgendwie albern, also beides – Warten aufs Album. Ebenfalls mit von der Partie sind Flimmerbilder zum Opener des großartigen Albums (Rezi hier) von the who the what the yeah aus Wien, die sich hoffentlich bald größerer Bekanntheit erfreuen können und zum Abschluss wie immer noch etwas Angestaubtes: passend zur 30th Anniversary Edition von London Calling ein Live-Doppelschlag von The Clash, aufgezeichnet im amerikanischen Fernsehen 1980.

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Editors – “You Don’t Know Love”




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Tocotronic – Mach es nicht selbst



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the who the what the yeah – Auf der Strecke


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The Clash – London Calling & Train in Vain


Editors – Verlustängste

editors_itlaote6“I swear to god, I heard the earth inhale, moments before it spat its rain down on me.” Boom. Die Editors sind zurück und eröffnen ihren Drittling In this light and on this evening mit gewohnt großer Geste. Fast zweieinhalb Jahre nach dem bärenstarken An end has a start und nach Vorankündigungen, die beim Kollegen bereits schlimme Befürchtungen aufkommen ließen, traue auch ich mich kaum an diese Platte heran. Zu viel steht auf dem Spiel, zu ratlos ließ einen die Vorabsingle “Papillon” zunächst zurück. Doch alle Furcht vor dem Verlust einer Lieblingsband nutzt nichts, also rauf mit der neuen Platte auf den Plattenteller… und plötzlich sind alle Gedanken weg! Der Titelgebende Opener wummert einen mit zu Beginn zitierter Zeile gleich mal tief in dunkle Gedanken- und Gefühlswelten – mitten in den Editors-Kosmos also. Keine Gitarren in der Nähe? Kein Schlagzeug? Tom Smiths Stimme eher flüsternd als singend zu kaum mehr als ein paar Synthie-Spielereien? Für all diese Beobachtungen bleibt überhaupt keine Zeit, so packend ist das Intro. Nach knapp drei Minuten folgt eine Explosion, eine Klimax die wachrüttelt -  und nach nur einem Song herrscht plötzlich große Vorfreude auf die acht noch folgenden Stücke.

Also alles gar nicht so schlimm mit dem “neuen” Synthies-Future-Sound? “Bricks and Mortar” dämpft zunächst die gerade erst aufgebauten Erwartungen. Drumcomputer angeworfen, eine einfache Basslinie und – natürlich Keyboard mit ordentlich Hall drüber – hmm. Wäre da nicht diese Stimme, die sich langsam erhebt und in Stärke und Ausdruckskraft ganz weit vorne dabei ist, wär’s wohl nichts Besonderes. Es folgt mit “Papillon” Bekanntes. Wenngleich tighter und beatlastiger als die meisten seiner Song-Kollegen, bleibt das Schema stoischer, fast monotoner Rhythmen und Melodiewiederholung über fünfeinhalb Minuten gepaart mit Lyrics, die als einzige Konstante Editor’schen Schaffens zu bleiben scheinen, erhalten. “Darling, your’re born, get old and die here – well that’s quite enough for me.”

Halt, stopp! Es geht weiter. Die Stimmung inzwischen leicht gedämpft. “You Don’t Know Love” läuft. Ein Knaller. Nicht nur, weil der gerade beschriebene Songstruktur plötzlich aufzugehen scheint, als hätte es nie andere Editors gegeben – nein, plötzlich ist Sie wieder da: Die Gitarre! Perfekt harmonierend mit dem ebenso einfachen wie Gänsehaut erzeugenden Refrain in dutzendfacher Dauerschleife. Gänsehaut, ich liebe dich!  ”The Big Exit” ist danach leicht zu übersehen, vorhanden, aber nicht weiter wichtig – eine kleine Verschnaufpause eben. Die ist dringend nötig, denn das nächste Highlight baut sich bereits turmhoch auf. “The Boxer” setzt auf melodiösen Minimalismus. Fallen lassen und Smith lauschen, der nun endgültig zu Höchstform aufläuft, ist das Motto. “The Boxer isn’t finished, he’s not ready to die.” Eine Kampfansage auf höchstem Niveau. Doch emotionale Höhen werden inhaltlich natürlich nicht gestattet und mit einem klagenden “Dazed in the final rounds” sogleich wieder einkassiert. Wow!

Das gilt auch für “Like Treasure”, das in mancher Hinsicht ein zweites “You don’t know Love” markiert und vielleicht auch deshalb nur fast an eben dieses heranreicht. Das Ende naht, die Erwartungen sind inzwischen wieder weit oben, weil das Gefühl wächst, das das Quartett aus Birmingham gar keine andere Wahl hatte, als genau dieses Album aufzunehmen. Kälter als die beiden ebenso fantastischen wie in großen Teilen ähnlichen Vorgänger, die auf gleichem Niveau wohl kaum einen dritten Bruder hätten bekommen können. Ohne ein treibendes “The Racing Rats”, ein dauerexplodierendes “Bullets”, ohne sich aufdrängende Singles neben dem bereits veröffentlichen Schmetterling. Mit “Eat Raw Meat = Blood Drool” folgt im Übrigen noch der einzige Ausfall des Albums, zu stumpf wird hier das neu entdeckte Songprinzip durchgedrückt – schade. Das Finale gelingt hingegen wieder zu hundert Prozent Geschmackssicher und entlässt einen in bester The Back Room-Manier in die Freiheit. Was bleibt? Das gute Gefühl, dass Ängste in einem positiven Ende aufgelöst werden können und die Editors auch nach diesem herausfordernden Wurf eine Lieblingsband bleiben dürfen!



Editors: Harte Fakten und seifiges Gewäsch

editors-bandManche Bands überbrücken die für den interessierten Hörer zum Teil recht lange Wartezeit bis zu einem neuen Release dadurch, dass sie kryptische Pressemitteilungen verbreiten. 90 Prozent solcher Meldungen besitzen allerdings einen Informationswert, der gegen Null tendiert. Dazu gehören gleichsam märchenhafte Töne, die meist lediglich die Gerüchteküche anheizen, und floskelhafte Standardankündigungenen, die sich fast immer auf den stark innovativen Charater und die hohe Qualität des neuen Materials beziehen. Im Falle der Editors, das letzte Album “An End Has A Start” ist bald zwei Jahre alt, herrschte lange Zeit das große Schweigen im Wald, doch jetzt nehmen die Zukunftspläne der Band schärfere Konturen an. Das neue Machwerk der Band um Tom Smith bekommt den wohlklingenden Namen “In This Light And On This Evening” und wird mutmaßlich am 9. Oktober den Weg in die Öffentlichkeit finden. Passend dazu, wird die Band im November und Dezember durch Europa touren. Dabei wird es die Editors auch für fünf Konzerte im November nach Deutschland verschlagen. Auf der Landkarte darf bei Köln (12.11.), Bielefeld (20.11.), Dresden(22.11.), München (29.11.) und Stuttgart (30.11.) ein fettes Kreuz eingetragen werden. So weit so gut. Alle anderen durchgesickerten Infos verstören eher als positiv zu stimmen, sind aber eben auch mit Vorsicht zu genießen.

Beispielsweise nannte Sänger Tom Smith gegenüber dem NME zwei Filmklassiker, die als Einflüsse auf den neuen Longplayer zu nennen seien. Die Überraschung weicht nur langsam angesichts der Tatsache, dass Smith den Ridley-Scott-Klassiker “Blade Runner” sowie den Blechmann-Epos “Terminator” nannte. Futuristisch und natürlich düster soll das dritte Album der Band also klingen. So, so! Das “synth-heavyalbum” soll laut Smith quasi seine Wurzeln in der Zukunft besitzen, daher muss es natürlich futuristisch klingen, und auch die verstärkt eingesetzten eletronischen Elemente ergeben sich aus diesem Sachverhalt. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass jene Neuerungen den Editors-Klang zwar bereichern, jedoch nicht grundlegend ändern. Die Ankündigungen des offensichtlich Science-Fiction begeisterten Frontmanns lassen sich wohl erst bei der Albumveröffentlichung genau einordnen. Bis dahin wird sich die Promo-Wäschetrommel mit Sicherheit weiterhin fleißig drehen.

Hurricane/Southside: Kraftwerk, Editors, Moby

Das beliebte Zwillingsfestival Hurricane/Southside hat weitere und durchaus spektakuläre Bestätigungen zu vermelden. Neben der Legende Kraftwerk, gehören nun auch die Editors und Moby zum Line-Up. Die einst so gemütlichen Sympathen im Festivalsommer platzen immer mehr aus allen Nähten, was angesichts der anderen Konsensverpflichtungen sich nicht ändern dürfte. Bereits bestätigt waren Die Ärzte, Kings of Leon, Fettes Brot, Franz Ferdinand, Kate Perry (sic!), Clueso, The Wombats, Tomte usw.

Diego: Alles nur geklaut? Mitnichten!

Diego betreten mit ihrer Musik mutig und vermutlich wohl wissend ein wahrhaftiges Schlachtfeld. So manch ein Kritiker würde bei den Songs der Band aus Karlsruhe, ohne mit der Wimper zu zucken, die große Joy Division-Keule hinab sausen lassen. Sobald man einen ähnlichen Sound pflegt und der Sänger dann noch mit einem besonders dunklem Timbre seinem Hand- bzw. Mundwerk nachgeht, kreisen ewig die Plagiatsvorwurfs-Geier über jede noch so hörenswerte und ambitionierte Band. Editors und Interpol haben sich jenen entzogen, aber auf Diego kommt dies wohl noch zu! Read more »

Haldern Pop 2008 – Der Rückblick

Haldern Pop ist ohne Zweifel eine Oase des guten Geschmacks und den Veranstaltern gelang es auch in diesem Jahr, ein interessantes, abwechslungsreiches Line-Up auf die Beine zu stellen. Da zudem das kleine, gemütliche Festival einen riesigen Wellness-Faktor aufweisen kann, war der 25. Geburtstag des Haldern Pop eine rundum gelungene Angelegenheit. Die apokalyptische Wettervorhersage erwies sich ebenfalls als nicht zutreffend. Wechselhaft war es schon, aber die Veranstaltung soff weder ab, noch trug sie der Sturm davon.

Foals1

Die Jubiläumsausgabe brachte aber auch organisatorische Neuerungen, so spielten erstmals bereits am Donnerstag zwei Bands auf der Hauptbühne auf. Gut so, denn diese Auftritte hatten es wahrlich in sich. Vor den fantastischen Foals setzte der erste Platzregen ein und dieser machte seinem Namen alle Ehre. Der leer gespülte Platz füllte sich allerdings wieder rasch, als die fünf Jungs aus Oxford die Bühne enterten. Die Himmelsschleusen hatten sich wieder geschlossen und nach einem langen, psychedelischen Intro feuerten Foals die Hit-Granaten ihres ersten Albums ‘Antidotes’ in die begeisterte Menge. Ein sensationeller Auftritt, der gleichermaßen Hüften in Bewegung setzte und offene Münder hinterließ.

Der Abschluss des ersten Tags brachte dann noch die aufwendigste, ja bombastischste Perfomance des Festivals. Vom manisch überdrehten ‘Host’ als der größte Kindergeburtstag der Welt angekündigt, setzten Flaming Lips alles daran, sich nachhaltig ins Gedächtnis der Anwesenden zu brennen. Die Bühne wurde auf beiden Seiten von jeweils um die zehn Statisten in Teletubby-Kostümen flankiert, hinter dem Schlagzeuger wurde die offenkundig bandeigene, hochauflösende LCD-Leinwand ausgiebig genutzt, gleiches galt für die installierten Laser und die zahlreichen Konfetti-Kanonen von Sänger Wayne Coyne. Die vielen riesigen grünen Luftballons vollendeten eine Bühnenshow, die man erstmal visuell erfassen musste. Einige Details habe ich sicher noch vergessen, aber es dürfte deutlich geworden sein, dass diese Performance eine außergewöhnliche war.

Am frühen Freitagnachmittag spielte der ‘Ein-Frau-Act’ My Brightest Diamond im traumhaften Spiegelzelt seine mal schrägen, mal schöngeistigen Songs und polarisierte mit sirenenhaften, Glas zum bersten bringenden Gesang. Anschließend wusste Alles-ist-Pop-Spalter und Indie-Institution Bernd Begemann das Publikum ausnahmslos zu begeistern. Begemann gab zwar fast mehr zotige Bemerkungen und geniale Ansagen zum Besten als er Songs spielte, doch anders hatte man dies ja auch nicht erwartet. Einige Hits gab es dennoch – inklusive der ersten deutlichen Zeitüberschreitung des Wochenendes.

Mit Kula Shaker gab es danach aber auch die erste, große Enttäuschung. Mit britischer Arroganz kann man diesen seelenlosen Auftritt keinesfalls rechtfertigen. Oder wie Alles-ist-Pop Bastian spitzfindig bemerkte, der im Spiegelzelt eingesetzte Pausenfüller DJ St. Paul war auf Grund expressiven Hüftschwungs, der einzige “coole Shaker” an diesem Wochenende. Brit-Award Gewinnerin Kate Nash und Begleitband konnten auch nicht (vollends) überzeugen. Aus dem schwammigen Sound stachen gerade einmal die Singles “Foundations” und “Mouthwash” plus zwei, drei weitere Songs heraus. Vielleicht doch nicht stark genug, das preisgekrönte “Made of Bricks”-Album.

Restlos entschädigt wurde man jedoch durch den nachfolgenden, schlicht und ergreifend genialen Editors-Auftritt. Sänger Tom Smith füllte allein mit seiner tiefen Stimme und einer unglaublichen Präsenz die gesamte Bühne aus. Atemberaubend, wie er auf dem Piano stehend, Gitarre spielend performte und für die ein oder andere Gänsehaut sorgte. Welch Intensität…

Der abschließende Samstag begann gleich mit einem Paukenschlag und damit ist nicht der 90er Jahre Euro-Dance-Wahnsinn um 8 Uhr morgens auf dem Zeltplatz gemeint. Die hippie-esk und/oder nach Glamrock aussehenden Jumbo Jet weckten mit ihrem überraschenden, melodischen und rhythmusorientierten, Female Fronted New School Noisecore das noch apathische Publikum auf. Auch den noch verquollenen Augen boten Jumbo Jet in der Mittagshitze einiges. So wurden beispielsweise Bandmitglieder mit dem Fahrrad angefahren, über die Bühne geisterten einige, an Theater erinnernde Statisten und zu guter Letzt wurden für die Backing Vocals spontan Kinder aus dem Publikum rekrutiert. Richtig gute Nummer…

Okkervil River waren von dem ihnen entgegen gebrachten Zuspruch ebenso begeistert wie die Zuhörer von ihrer Performance. Klassisch abgefeiert und das mit Recht. Die Band genoss die entfachte Begeisterung im Publikum sichtlich. Ihre Indie-Folk-Hymnen rannten offene Türe ein und man kann sich nur auf das bald erscheinende neue Album freuen. Alamo Race Track aus Amsterdam wurden im Spiegelzelt ebenso herzlich begrüßt wie anschließend ihre gute Performance honoriert… und schon neigte sich das Haldern Pop 2008 langsam aber sicher seinem Ende zu. Zwischenzeitlich kursierten zwar wilde Gerüchte bezüglich eines weiteren, geheimen Headliners – am Donnerstag hatten bereits Fettes Brot unangekündigt vor einem Bruchteil der Festivalbesucher im Spiegelzeit für Stimmung (???) gesorgt – doch Maximo Park waren wirklich der abschließende Act auf der Hauptbühne. Grundsolide, aber zum Teil zu anbiedernd, wurden die Briten ihrem Headliner-Status durchaus gerecht. Der Großteil der Besucher kam bei diesem finalen Auftritt jedenfalls auf seine Kosten. Genug bekannte Singles haben Maximo Park ja inzwischen auch in petto…

Die abschließende Verabschiedung durch einen weiteren “Host” war eher sehr dürftig. Keine Zugabe durch Maximo Park, dafür Geburtstagsgrüße und merkwürdige Danksagungen (“Danke Diebels, Danke Pizza Pizza, Danke Döner…”). Trüben konnte dieser Umstand das tolle Festivalereignis Haldern Pop 2008 jedoch nicht. Auch das Fehlen eines Knüllers von einer Überraschungsband (“Was? The White Stripes? Cool!”) fiel nicht weiter ins Gewicht, denn genug großartige Bands verwöhnten Augen und Ohren gleichermaßen. Die Vorfreude auf die 2009er Ausgabe von Haldern Pop kann und darf beginnen…