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Karohemd und Klampfe: das alte Lied namens Punkrock

frank-turner-1Frank Turner, Chuck Ragan, Tim Barry, Tom Gabel…diese Reihe lässt sich mühelos weiterführen und das Phänomen Sänger aus Punkband macht Country-/Folk-Solo-Album ist längst zur Normalität geworden. Zuletzt waren es die neuen Longplayer von Frank Turner und Chuck Ragan, die erneut untermauerten, dass diese grundehrlichen Musikrichtungen unweigerlich miteinander korrespondieren zu scheinen. Zumindest erweisen sich die akustischen Spielarten folkloristischer Populärmusik als besonders attraktiv für in die Jahre gekommene Punkband-Frontmänner. Gut, Folk-Punk an sich ist nicht gerade eine neue Entwicklung der letzten Jahre wie beispielsweise Against Me! als bekanntes Exempel mit Stetigkeit bewiesen haben und auch der rentabele irisch-folkige Punkrock hat (zumindest was Qualität anbelangt) seinen Zenit bereits überschritten, auch wenn die Verkaufszahlen und größer werdenen Venues eine andere Sprache sprechen. Doch es ist gerade die mit Punk-Attitüde aufgeladene Lagerfeuer-Geselligkeit, die seit einiger Zeit beim Publikum besonders gut punktet.

Gerade der aktuelle Frank Turner Longplayer “Poetry Of The Deed” wird nicht nur in den Fanzines der Welt abgefeiert, sondern auch die etablierte Musikjournaille bereitet dem ehemaligen Frontmann der britischen Hardcore Punkband Million Dead den roten Teppich. Natürlich ergänzen sich das ruppig-hemdsärmelige Image der nonkonformistischen Subkultur und das Dasein als pragmatisch dichternder Singer-Songwriter in geradezu idealer Weise, zumal Folkmusik und Protestbewegung ohnehin schon seit jeher eine enge Liaison eingehen.

Gerade in wirtschaftlich bedrückenden Zeiten ist es auch die Geselligkeit solcher Musik die dem Hörer Wärme und Hoffnung vermitteln kann. Wer einmal die besondere Atmosphäre eines Chuck Ragan Konzerts erlebt hat, weiß, was damit gemeint ist. So irrational und absurd es sein mag, doch allein durch die mit kratziger Stimme vorgetragenen Songs des Hot Water Music Sängers scheint aus einer Ansammlung verschiedener Konzertbesucher auf einmal ein Haufen Gleichgesinnter, gar guter Freunde geworden zu sein. Selbstredend verfliegt dieses Gefühl wieder so schnell, wie es Einzug gehalten hat und war ohnehin nie mehr als eine gewünschte Illusion, doch die Zufriedenheit bleibt. Auch wenn man vielleicht nur das in der Musik Vorgelebte, den Trotz und die Standhaftigkeit mit nach Hause nimmt und in den Alltag überträgt – diese Haltung ist es ebenfalls, die Punk und Folk eint.

Das dem ganzen eine gewisse anachronistische Tendenz anhaftet, versteht sich von selbst. Dies kann aber kaum verwundern, ist Punk doch ohnehin seit 1977 eine beständige Art des Wiederkäuens und erreicht nur höchst selten die innovative Sprengkraft und Relevanz, welche man diesem stets attestierte. Die soziale Bedeutung von Szene und Subkultur ist dagegen kaum zu schmälern und unbestritten. Vielleicht ist es trotzdem das gesetztere Alter der Interpreten und ihrer Anhängerschaftt, das dem Punk Karohemd und Akustikgitarre  so gut zu Gesicht stehen lässt, doch manchmal entpuppt sich die analytische Spurensuche als defintiv obsolet, vor allem wenn es Musik betrifft, die so intuitiv ins Schwarze trifft. Dann erübrigt sich die Frage nach dem Warum und übrig bleibt allein das Vergnügen an herzensguter Musik mit Rückgrat.

Frank Turner – The Road


Tim Barry – Thing of the past


Tom Gabel – Harsh Realms


Chuck Ragan – The Boat – Köln – 01.09.2009


Singles: Chuck Ragan und Brian Fallon, The Gaslight Anthem

gospel-hymnsChuck Ragan ist nicht nur der sympathischste fischfangende und hammerschwingende Kerl, den man sich so vorstellen kann, sondern auch ein brillanter Musiker. Um das zu unterstreichen, begibt sich Ragan in die Brandung einer wahren Veröffentlichungsflut: Live-Album, Album, exklusive  Singles, spezielle 7″-Veröffentlichungen für die organisierte Anhängerschaft, Split-Singles mit Austin Lucas, Muff Potter/Nagel, The Loved Ones, Alben mit Austin Lucas (Bristle Ridge) und  Ben Nichols und Tim Barry (Revival Road 2008). Weil das neue Studio-Album “Gold Country” erst im September erscheint, nutzt Mr. Hansdampf in allen Gassen die Gunst der Stunde um mal wieder eine Split-Single unter die Leute zu bringen. Diesmal teilt Ragan sich die Vinylsingle mit dem Gaslight Anthem Sänger und aktuellem Everybody’s Darling Brian Fallon. Besagte Veröffentlichung “Gospel Hymns” bietet auf der A-Seite einen neuen Chuck Ragan Song namens “Glory”, der in einer  anderen Version auch auf dem kommenden Album zu finden sein wird. “Glory” wusste bereits auf  der letzten Europa-Tour zu begeistern, aber auch ein wenig zu verwirren. Der Song klingt  nämlich bemerkenswert vertraut, erinnert er doch stark an den Rumbleseat/Ragan-Song “California Burritos”. Da dieses Assoziationsobjekt ein absoluter Knaller ist, kann man über die  untrüglichen Ähnlichkeiten großmütig hinwegsehen und ein feines Lied genießen, wobei der Ein-Wort-Refrain durchaus komplexer sein dürfte. Absolut sympathisch sind auch die erklärenden Linernotes dieses bescheidenen, fast demütigen Künstlers.

Die B-Seite “Tin Pan Alley” von Brian Fallon braucht mehr Durchläufe als die Ragan-Aufnahme, auch wenn die Melodie durchaus gefällig ist. Hinderlich ist die Tatsache, dass der Gesang des Gaslight Anthem Frontmanns sich fast anbiedernd zwischen den Reibeisenkehlen eines Frankie Stubbs (Leatherface) und eines Tom Waits bewegt. In jedem Fall tiefer und kaputter als Fallon bei seiner Hauptband singt. Der Fallon-Song ist bisher nur auf dieser Single zu finden und überhaupt seine erster Auftritt als Solo-Artist. Die Split-Single ist recht limitiert und wird angeblich auch nicht mehr nachgepresst, ergo: Kaufen!

The Gaslight Anthem haben auch eine weitere Veröffentlichung zu verzeichnen und auch hier darf  der außenstehende Betrachte sich zuweilen am Schädel kratzen.  59soundDie neue Sieben-Zoll-Single kommt  nämlich mit dem Titeltrack des letztjährigen Albums “The ’59 Sound” daher. Das mag kaum verwundern, da die Band aus New Brunswick 2008 ordentlich durch die Decke gegangen ist.  Vielmehr  erstaunt jedoch die Tatsache, dass Side One Dummy den gleichen Song bereits in zwei  verschiedenen Versionen als Single rausgehauen hat. Nach der “goldenen” und der “schwarzen” Single, nun also der nächste Versuch mit anderem Cover, einem anderen Song auf der Flip und als buntes bzw. transparentes Vinyl. Zwar waren die unterschiedlichen Versionen für  verschiedene Märkte bestimmt – die neue Single für Großbritannien-, in die hiesigen Plattenläden haben sie es jedoch alle geschafft. Der Titelsong ist bereits über Szenegrenzen hinweg bekannt und ja durchaus ein gelungener Ohrwurm, wobei die ganzen Springsteen-Vergleiche allerdings blühenden Fantasien entsprungen sein dürften. Allerdings hat die Band diesen Geist auch selbst herbei gerufen. Die B-Seite hält eine Coverversion bereit und die auch noch als Live-Fassung, doch der Song stammt jedoch nicht von Bruce S., sondern von Eddie V. und seinen Pearl Jam. “State Of  Love And Trust” ist vielleicht eine ungewöhnliche Wahl für The Gaslight Anthem, funktioniert allerdings. Nicht mehr und nicht weniger. Sammler, Hardcore-Fans und Neu-Interessierte können also bedenkenlos zugreifen, doch auch hier gilt: Wenn weg, dann weg!

Chuck Ragan (Underground, Köln)

01.09.09
19:30

Was: Obersympath Chuck Ragan veröffentlicht sein zweites Studio-Album namens “Gold Country” und die Record-Release-Sause findet in Köln statt. Chuck wird wie schon auf den letzten Touren von Digger Barnes begleitet und auch Chinaski Jugend (der Jupiter Jones Sänger solo) ist wieder dabei.

Als besonderes Special kann man im Underdog Recordstore in Köln ein Kombiticket erwerben. Für lediglich 30 Euro bekommt man Konzertkarte, das neue Album plus ein T-Shirt. Album und T-Shirt logischerweise erst am Konzertabend selbst.

Wo: Underground (Köln)

Wieviel: 16,50 oder 30 Euro für das Kombipaket

Chuck Ragan (Stone, Düsseldorf)

30.01.09
20:30

Was: Chuck Ragan beehrt die hiesigen Bühnen mit wunderbarer Regelmäßigkeit. Diesmal sorgt der Mann mit Reibeisenstimme im Düsseldorfer Stone für Gänsehaut. Freuen kann man sich auf Ragan´s sensationelle Solosongs sowie den ein oder anderen Hot Water Music-Gassenhauer Mit dabei ist wieder Digger Barnes und dieses Mal Chinaski Jugend.

Wo: Stone im Ratinger Hof (Düsseldorf)

Wieviel: ca. 16 Euro

Tom Gabel: Heart Burns

Mit “Heart Burns” ist Ende Oktober die erste Solo-EP des Against Me!-Sängers Tom Gabel erschienen. Sieben Songs sind auf der Veröffentlichung vertreten und die Nähe zum musikalischen Schaffen seiner Hauptband ist mehr als nur gegeben. Das bedeutet zwar, dass man auf Innovationen und Überraschungen verzichten muss, aber auch, dass hier Qualität groß geschrieben wird. Im Gegensatz zu anderen Soloalben von Musikern hat man es hier darüber hinaus mit einer Art Rückführung in den Urzustand zu tun, denn Against Me bestand einst nur aus Gabel alleine. Read more »

Alles ist Pop – Websampler #4: Am Lagerfeuer

LagerfeuerAbends am See, am Fluss, im Garten – Wo auch immer man Sommerabende im Freien genießt, das herrlich flackernde Feuer untermalt man am Besten noch mit dem richtigen Soundtrack. Um den Moment zu veredeln. Was würde da besser passen, als authentische Singer/Songwriter und Folk Songs. Auf unserem Websampler #4 sind alte Bekannte aus dem Indie, Emo, Punk Universum vertreten, namentlich: Bright Eyes, Chuck Ragan, Tim Barry, Jonah Matranga, Rocky Votolato, Two Gallants u.a.

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Chuck Ragan in Köln

17.05.08
19:30

Was: Chuck Ragan (HWM) + Jon Gaunt + Special Guests: Austin Lucas & Digger Barnes

Der Mann mit der Reibeisenstimme wird auch diesmal wieder mit seinem Countryfolk für alkoholgeschwängerte Luft sorgen…

Wo: Underground (Köln)

Wieviel: VVK: 13 Euro