Wer hätte gedacht, dass Düsseldorf als postkolonialer Außenposten der einstigen Großmacht Britpop zu sehen ist. Bei The Distinctives weht in jedem Fall der geistige Union Jack und das nicht nur auf Halbmast. Zudem steckt der Pressetext die Koordinaten Indierock, Soul, Modbeat und Psychedelic ab, womit das Trio sich gleich einen zusätzlichen Vertrauenszuschuss verdient und diesen keineswegs verschenkt. Die am 22. Oktober erschienene Hermeneutica EP vermittelt das Gefühl, dass man es hier nicht mit Grünschnäbeln zu tun hat und in der Tat haben die Düsseldorfer ihre Erfahrungen in den Bands The Wedges und Perfect Ballroom Cast gesammelt, was bei den vier Songs der EP in einer nicht zu überhörenden Abgeklärtheit mündet.
Bereits der Türöffner “On Time” begrüßt den Hörer mit einem unerwartet britischen Akzent, was jedoch perfekt zu dem entspannten, wohl ausbalancierten Song passt, der problemlos im Tempo variiert und von der Qualität auch auf das erste The Rifles Album gepasst hätte. Kompliment, jedoch reißt das Niveau in der Folge nicht ab. Ähnlich souverän gibt sich das kurz geratene “Half Past 11″, das merklich Referenzmarker in der britischen Pop- und Rockgeschichte gesetzt hat und ebenfalls dazu geeignet ist, an einem trüben Sonntag Morgen die Sonne in die Wohnung zu lassen. “Payback Time” macht dann gekonnt einen Ausfallschritt nach vorne und erhöht die Schlagzahl im Geiste Paul Wellers, bevor “You Better Run” bereits – leider muss man sagen – die gelungene Hermeneutica EP beschließt.
Auch dieser letzte Song der Veröffentlichung präsentiert die drei Herren jeweils für sich an ihren Instrumenten, jedoch ebenso im Zusammenspiel als fähig, was eine vielversprechende Verbindung ergibt, die hoffentlich noch weitere Tonträger nach sich zieht. Demnach fällt das Fazit ungemein postiv aus: klasse EP und gerne mehr davon. Am 3. Dezember spielen The Distinctives übrigens im/beim Düsseldorfer FFT Freitagsklub. Hingehen!





