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Superpunk: Die Seele des Menschen unter Superpunk

dsdmusDandy-Soul für Fortgeschrittene und dazu einmal den Mod-Seniorenteller mit Herrengedeck, bitte! Ach, zum Schwelgen,  eine neue Platte von Superpunk hat doch immer etwas von nach Hause kommen, was wohl daran liegt, dass die Top Old Boys das famoseste BeatGarageKreuzüber-Replikat von Hamburg bis München, ach was sag ich, des gesamten ollen Kontinents bieten.

Gelernt ist eben gelernt und wenn dann noch Bernd Begemann die richtigen Regler im Produktionsprozedere bedient, dann kann man frohen Mutes “Die Seele des Menschen unter Superpunk” erörtern und evaluieren. Als kritischer Geist muss man natürlich Fragen mit skeptischer Note  – warum braucht man denn noch ein Album von den Punksnobs? – stellen und nach den ersten Tönen von “Ford Escort” erübrigt sich diese Haltung schlußendlich doch. Alles dabei: Bläser, Orgel und natürlich Carsten Friedrichs verehrungswürdig-schnodderiger Antigesang.

Superpunk spielen eben nicht nur Musik für Allnighter, sondern für die Tanzveranstaltung namens Lifetimer. Dick aufgetragen? Klar, aber dies beherrscht der zu rezensierende Fünfer schließlich auch. Dies resultiert in herrlichen Verliererhymnen wie “Das Feuerwerk ist vorbei”, das gekonnt den Bewusstseinsscheinwerfer des Hörers auf sich lenkt und dann einen gekonnt-dilettantischen Pole Dance vollführt. Im Abglanz solcher musikalischer Goldbarren kann man auch mit geschmacklos-kitschigem Tafelsilber wie “Alle lieben dich, Daniela”  noch einmal den Tisch decken, denn serviert wird dann eine wohl schmeckende Instrumentalcurrywurst a là “Up All Night”!

Warum “Das waren Mods” fast zwei Jahre nach Singleveröffentlichung auch auf dem neuen Longplayer zu finden ist? Ja, ja, ich weiß schon: Why not? Ganz großer Sport ist in jedem Fall die ultimative Liebeserklärung an den muffigsten aller Rückzugsorte, zumal das Kultcharakter genießende friedrichs’sche Namedropping auch im Songtext zu “In der Bibliothek” Auferstehung feiert. Enorme Hitdichte wie bei den Klitschkos, will man meinen, da “Rette dich vor den einfachen Leuten” und vor allem das bedächtige “Ich will heute nicht kämpfen” allen Superpunk-Kontrahenten einen TKO bescheren, lässig aus dem Ärmel geschüttelt eines Bon vivants. Liebe zur Musik unpeinlich thematisiert? “Oh, dieser Sound” kredenzt die Antwort. “Frühstück am Abend und Pepsi am Morgen” und dann noch dieser Refrain: Schmunzeln, Feiern, Tanzen als Animationsprogramm  in der Ode an die Dekadenz namens “Babylon Forever”. “Die Seele des Menschen unter Superpunk” ist nicht nur das fünfte Studioalbum der anzugtragenden Nischenbesetzerband, sondern zudem ein sehr gutes geworden. (VÖ 04.06.2010)


Bernd Begemann & Die Befreiung: Ohne Konkurrenz

krise-beendetDa ist es also, das nächste Album des Grand Seigneur des Indie-Schlagers Bernd Begemann und seiner ihm seit 2003 treuen Band Die Befreiung. Der markige Titel des neuen Machwerks geht Begemann-typisch in die Vollen: Ich erkläre diese Krise für beendet und die 13 neuen Lieder üben sich wie immer an der schwierigen Gratwanderung zwischen Kitsch und Authenzität, zwischen trivialem Geseusel und beeindruckender Empathie.  Begemann wäre jedoch nicht Begemann, wenn das programmatisch intendierte Ende der Krise  unter dem Strich nicht im Scheinwerferlicht der Unterhaltung getaucht wäre. Beim ersten Hördurchgang drängt sich dennoch die Frage auf: Darf der das denn? Und eine weitere: Meint der das ernst?

Denn was zunächst irgendwie peinlich anmutet, entpuppt sich auf den zweiten Blick als der eigentliche Clou des Ganzen und am Ende weiß man dann immer noch nicht, ob man von der Stimmungskanone Begemann nicht doch amtlich verkohlt wurde. Direkt der Opener “Zurück an den wundervollen Ort” geht sogleich in die Schmalz-Offensive, ist aber toll komponiert und großartig getextet. Die erste Single “Die neuen Mädchen sind da” ist so herrlich erfrischend und naiv wie ein gelunger Jugendfilm, den man an einem Sonntag Vormittag einfach nicht wegschalten möchte. Und kann. Da wird das heimische Wohnzimmer sogleich zu einer weiten Landschaft mit Feld und Wiese und allem, was man sonst noch in der Assoziationspfanne schmoren möchte.

“Du bist mein Niveau” besitzt im Begemann Oeuvre Halbgeschwister wie “Gut im Bett (nirgendwo sonst)” und dürfte auch Live für kollektiv breites Grinsen im Publikum sorgen. “Sie redet Revolution” könnte vom großen Wurf Unsere Liebe ist ein Aufstand stammen und “Ex-Freundin in Berlin” ist ein echter Knaller mit gut sitzenden Beat(musik)-Anleihen. Davor und danach weniges zum Achselzucken und manches zum Festhalten, zum Umarmen und die Erkenntnis, dass Begemann einfach auf die Bühne gehört und seine Alben irgendwie planmäßig durchwachsen sind. Zu den Großen seiner Zunft gehört Bernd aber ohnehin und er feilt weiter fleißig an der eigenen Legende. Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen.

Bernd Begemann Solo (Steinbruch, Duisburg)

15.11.08
20:00

Was: Pop-Deutschlands wohl größter Entertainer gibt sich die Ehre. Für einen Begemann-Abend muss man sich Zeit nehmen, denn Bernd ist dafür berühmt berüchtigt aus einem Konzert gerne einen Kalauer-Marathon zu machen. Zwischendurch zaubert Begemann man aber stets phantastische Songs aus seinem unerschöpflichen Fundus. Begemann ist Pflicht!!!

Wo: Steinbruch (Duisburg)

Wieviel: VVK 10 Euro / AK 13 Euro

Haldern Pop 2008 – Der Rückblick

Haldern Pop ist ohne Zweifel eine Oase des guten Geschmacks und den Veranstaltern gelang es auch in diesem Jahr, ein interessantes, abwechslungsreiches Line-Up auf die Beine zu stellen. Da zudem das kleine, gemütliche Festival einen riesigen Wellness-Faktor aufweisen kann, war der 25. Geburtstag des Haldern Pop eine rundum gelungene Angelegenheit. Die apokalyptische Wettervorhersage erwies sich ebenfalls als nicht zutreffend. Wechselhaft war es schon, aber die Veranstaltung soff weder ab, noch trug sie der Sturm davon.

Foals1

Die Jubiläumsausgabe brachte aber auch organisatorische Neuerungen, so spielten erstmals bereits am Donnerstag zwei Bands auf der Hauptbühne auf. Gut so, denn diese Auftritte hatten es wahrlich in sich. Vor den fantastischen Foals setzte der erste Platzregen ein und dieser machte seinem Namen alle Ehre. Der leer gespülte Platz füllte sich allerdings wieder rasch, als die fünf Jungs aus Oxford die Bühne enterten. Die Himmelsschleusen hatten sich wieder geschlossen und nach einem langen, psychedelischen Intro feuerten Foals die Hit-Granaten ihres ersten Albums ‘Antidotes’ in die begeisterte Menge. Ein sensationeller Auftritt, der gleichermaßen Hüften in Bewegung setzte und offene Münder hinterließ.

Der Abschluss des ersten Tags brachte dann noch die aufwendigste, ja bombastischste Perfomance des Festivals. Vom manisch überdrehten ‘Host’ als der größte Kindergeburtstag der Welt angekündigt, setzten Flaming Lips alles daran, sich nachhaltig ins Gedächtnis der Anwesenden zu brennen. Die Bühne wurde auf beiden Seiten von jeweils um die zehn Statisten in Teletubby-Kostümen flankiert, hinter dem Schlagzeuger wurde die offenkundig bandeigene, hochauflösende LCD-Leinwand ausgiebig genutzt, gleiches galt für die installierten Laser und die zahlreichen Konfetti-Kanonen von Sänger Wayne Coyne. Die vielen riesigen grünen Luftballons vollendeten eine Bühnenshow, die man erstmal visuell erfassen musste. Einige Details habe ich sicher noch vergessen, aber es dürfte deutlich geworden sein, dass diese Performance eine außergewöhnliche war.

Am frühen Freitagnachmittag spielte der ‘Ein-Frau-Act’ My Brightest Diamond im traumhaften Spiegelzelt seine mal schrägen, mal schöngeistigen Songs und polarisierte mit sirenenhaften, Glas zum bersten bringenden Gesang. Anschließend wusste Alles-ist-Pop-Spalter und Indie-Institution Bernd Begemann das Publikum ausnahmslos zu begeistern. Begemann gab zwar fast mehr zotige Bemerkungen und geniale Ansagen zum Besten als er Songs spielte, doch anders hatte man dies ja auch nicht erwartet. Einige Hits gab es dennoch – inklusive der ersten deutlichen Zeitüberschreitung des Wochenendes.

Mit Kula Shaker gab es danach aber auch die erste, große Enttäuschung. Mit britischer Arroganz kann man diesen seelenlosen Auftritt keinesfalls rechtfertigen. Oder wie Alles-ist-Pop Bastian spitzfindig bemerkte, der im Spiegelzelt eingesetzte Pausenfüller DJ St. Paul war auf Grund expressiven Hüftschwungs, der einzige “coole Shaker” an diesem Wochenende. Brit-Award Gewinnerin Kate Nash und Begleitband konnten auch nicht (vollends) überzeugen. Aus dem schwammigen Sound stachen gerade einmal die Singles “Foundations” und “Mouthwash” plus zwei, drei weitere Songs heraus. Vielleicht doch nicht stark genug, das preisgekrönte “Made of Bricks”-Album.

Restlos entschädigt wurde man jedoch durch den nachfolgenden, schlicht und ergreifend genialen Editors-Auftritt. Sänger Tom Smith füllte allein mit seiner tiefen Stimme und einer unglaublichen Präsenz die gesamte Bühne aus. Atemberaubend, wie er auf dem Piano stehend, Gitarre spielend performte und für die ein oder andere Gänsehaut sorgte. Welch Intensität…

Der abschließende Samstag begann gleich mit einem Paukenschlag und damit ist nicht der 90er Jahre Euro-Dance-Wahnsinn um 8 Uhr morgens auf dem Zeltplatz gemeint. Die hippie-esk und/oder nach Glamrock aussehenden Jumbo Jet weckten mit ihrem überraschenden, melodischen und rhythmusorientierten, Female Fronted New School Noisecore das noch apathische Publikum auf. Auch den noch verquollenen Augen boten Jumbo Jet in der Mittagshitze einiges. So wurden beispielsweise Bandmitglieder mit dem Fahrrad angefahren, über die Bühne geisterten einige, an Theater erinnernde Statisten und zu guter Letzt wurden für die Backing Vocals spontan Kinder aus dem Publikum rekrutiert. Richtig gute Nummer…

Okkervil River waren von dem ihnen entgegen gebrachten Zuspruch ebenso begeistert wie die Zuhörer von ihrer Performance. Klassisch abgefeiert und das mit Recht. Die Band genoss die entfachte Begeisterung im Publikum sichtlich. Ihre Indie-Folk-Hymnen rannten offene Türe ein und man kann sich nur auf das bald erscheinende neue Album freuen. Alamo Race Track aus Amsterdam wurden im Spiegelzelt ebenso herzlich begrüßt wie anschließend ihre gute Performance honoriert… und schon neigte sich das Haldern Pop 2008 langsam aber sicher seinem Ende zu. Zwischenzeitlich kursierten zwar wilde Gerüchte bezüglich eines weiteren, geheimen Headliners – am Donnerstag hatten bereits Fettes Brot unangekündigt vor einem Bruchteil der Festivalbesucher im Spiegelzeit für Stimmung (???) gesorgt – doch Maximo Park waren wirklich der abschließende Act auf der Hauptbühne. Grundsolide, aber zum Teil zu anbiedernd, wurden die Briten ihrem Headliner-Status durchaus gerecht. Der Großteil der Besucher kam bei diesem finalen Auftritt jedenfalls auf seine Kosten. Genug bekannte Singles haben Maximo Park ja inzwischen auch in petto…

Die abschließende Verabschiedung durch einen weiteren “Host” war eher sehr dürftig. Keine Zugabe durch Maximo Park, dafür Geburtstagsgrüße und merkwürdige Danksagungen (“Danke Diebels, Danke Pizza Pizza, Danke Döner…”). Trüben konnte dieser Umstand das tolle Festivalereignis Haldern Pop 2008 jedoch nicht. Auch das Fehlen eines Knüllers von einer Überraschungsband (“Was? The White Stripes? Cool!”) fiel nicht weiter ins Gewicht, denn genug großartige Bands verwöhnten Augen und Ohren gleichermaßen. Die Vorfreude auf die 2009er Ausgabe von Haldern Pop kann und darf beginnen…

Bernd Begemann & Die Befreiung: Glanz

begemannBernd Begemann ist so viel. Pop Deutschlands elegantester Anzugträger, Konzertmarathonmann in doppelter Hinsicht, Kalauerkönig und Anekdotenass, Hitmaschine und der Patenonkel der sogenannten Hamburger Schule. Dieser fremd defininerte Kunstbegriff ist seit Jahren Geschichte, doch Begemann bespielt immer noch die Bühnen der Republik, als gäbe es kein Morgen und das entweder Solo oder seit ein paar Jahren mit seiner genialen Begleitband “Die Befreiung”. All dies rechtfertigt die neueste Veröffentlichung des Workaholics namens “Glanz”. Read more »