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Neues bei Audiolith: Captain Capa, Supershirt, Saalschutz

Kurz vor dem Wochenende schwingt Audiolith-Chef Lewe nochmal die Infokeule. Zum einen wechselt Christian von Cobretti zu Audiolith Records ins Headquarter, was alles andere als eine feindliche Abwerbung ist. Ebenfalls von Cobretti nach Hamburg folgen Captain Capa, die als Einstand Mitte Oktober ein Split-Release mit Supershirt raushauen (“Tote Tiere” VÖ:15.10.). Was lange währt…Saalschutz kommen auch endlich aus der Hüfte und haben eine neue Single (“Ravepunks für eine bessere Welt” VÖ:: 24.9.) und einen Longplayer (“Entweder Saalschutz” VÖ: 29.10.) zur Veröffentlichung bereit.

Frittenbude: Katzengold

katzengoldSie thronen wieder obenauf und reiten die wahnwitzige Riesenwelle ohne Rücksicht auf Folgeschäden für Körperhülle oder den neuronalen Wackelpeter namens Hürn, zeigen auf, dass das Electropunk-Ding auch 2010 noch durchaus Strahlkraft besitzen kann. Nebensächlich, dass Frittenbude sich erstmalig an einer vorhandenen Erwartungshaltung orientieren mussten, denn im Umkehrschluss kann man dem “Katzengold” attestieren, dass es gar weniger bemüht anmutet als manche Minuten auf “Nachtigall”. Die oft in ihren Texten anzutreffende persönliche Entfesselung scheint endgültig zur Bandmaxime geworden zu sein, denn die neuen Songs haben sich freigestrampelt von allen Vergleichsmaßstäben und Plagiatsvorwürfen, wirken entsprechend losgelöst, regelrecht entschlackt und vibrieren ganz und gar vor lauter eigendynamischen Trademarks. “Potential abgerufen”, könnten die Dellings und Netzers der Blogosphäre im Brustton der Überzeugung analysieren. Und Recht behalten.

Konsequent hart  und trotzdem hitig geht es auf “Katzengold” zu, so dass die Festivalkids im Sommer neue Hymnen zwecks Austickübungen geliefert bekommen. “Unkenrufe” wäre anbei zu nennen. Nicht alles fängt sofort Feuer, wobei man den Blick für die Zielgruppe nicht unberücksichtigt lassen sollte und dennoch muss man nicht “jung und abgefuckt” sein, um einen Knüllertrack wie “Ob es reicht, sie zu finden” gautieren zu können. Ohwürmchen gefällig? Einfach mal “Ein Mensch rennt” reinfahren.Den Bollerbeat-Appetit wird auch “Fetter als Gelb” anregen, das prädestiniert scheint, in engen Kellerklubs den Kondenswasserregen vom Tröpfelniveau auf die Sturzbach-Ebene zu hieven. Frittenbude haben definitiv das für sie bestmögliche Album aufgenommen. Nicht viel mehr, aber auch ganz bestimmt nicht weniger. An dieser Stelle sei noch auf die in der limitierten Version beigefügten Remix-CD verwiesen, die von “Raveland”, über die “Zerkau Deinen Knebel”-Version von “Matador” bis zum Indiefresse-Remix von “Raven gegen Deutschland” die Re-work Perlen der letzten Jahre des Audiolith-Universums zusammenfasst und entsprechend lohnt.

Kafkas: Paula

paula“[...] und alle endlich frei!”  Nach eineinhalb Dekaden Kafkas mündet der Begriff “libertär” musikalisch nicht mehr im Punk, wie das neue Album “Paula” nachhaltig verdeutlicht. Vielmehr steht die Band aus Fulda hüfttief im Pop, wobei die Texte immernoch von Freigeist, Attitüde und Aufrichtigkeit zeugen. Greift man die ausgediente Selbsteinschätzung “Punkrock ohne Lederjacke und Hardcore ohne Muskeln” auf und wandelt diese im Bezug auf das Soundspektrum “Paula”s, so könnte man gar von Electro ohne Knicklicht und Pop ohne Plüschzwangsjacke sprechen. Gleich der Opener “Klatscht in die Hände!” überrascht mit Elektronischem, wie es auch aus dem Hause Audiolith stammen könnte, wobei die enorme Radiotauglichkeit des Refrains noch am meisten verdutzt. Aber in gelungener Art und Weise. “Deine Lippen schweigen” weist ähnlich großes melodisches Potential auf, wobei der emotionale (ja, ja) Text wie eine Klitschko-Faust ihr Ziel trifft: Tko für szenige Erwartungshaltungen. Lupenreiner Poppunk (“90 Minuten”) trifft auf Electropunk mit Kinderchor (“Leben ist gut”), Liebeslied-Pogo (“Wenn es eine Hölle gibt”) trifft auf Zitatfalle (“Ich will kein Kumpel von euch sein”).

Zugegeben, manches plätschert so dahin, ohne dass viel hängen zu bleiben scheint und doch wird ein Abdriften in die Belanglosigkeit zumeist vermieden. Sprechgesang der Marke Jens Rachut kann ohnehin nie schaden, auch wenn dann manches wie “Hell oder Dunkel” doch nur am thematischen Lack kratzt. Eingängig ist das alles, erst Recht solche Smasher wie “Der Kuchen ist gegessen”, nur leider wirft die Denkmaschine öfters Einwände wie “dutzendmal gehört” aus, vielleicht auch weil Kafkas Expedition  lediglich vermeintliches  Terra incognita erschließt. Wenn dann noch naive Träumereien wie “Warum kann die Welt keine Scheibe sein?” die Alarmglocken schrillen lassen, muss die Band aufpassen, dass sie nicht mit dem Hintern das vielversprechende Fundament wieder einreißen. Mitreißend können sie aber auch, die Kafkas, wie beispielsweise “2000 Hände” zeigt.  Insgesamt ein paar elektronische Akzente zu viel gesetzt, textlich manchmal zu banal, aber doch ein gelungene “Neuerfindung” im Hause Kafkas, wobei das nicht gerade gelungene Artwork wirklich diskussionswürdig ist, was man darin auch immer zu erkennen glauben mag.

Bratze: Korrektur Nach Unten

korrektur-nach-untenDa sind sie wieder und das ist auch knut so. Keine Angst, hier fliegen nicht die Tannenbäume, sondern dem gierenden Endverbraucher 10 neue unbekannte Flugobjekte um die Ohren, die eine grelle Leuchtspur am Electropunk-Horizont hinterlassen. Bratze brennen ihre Trademarks tief ins Wabbelgewebe namens Hirn ein und übertreffen das hervorragende Debüt “Kraft” noch an Kesseldruck und glorifizierter Verspultheit. Straight auf die Zwölf Beats aus Renates Manufaktur und Clickclick-Texte, die wie schon auf dem Vorgänger zwischen Persönlichem, Nonsens und Diskurs im Dreieck springen und im Club den Reich-Ranicki tanzen: Musik und Lyrik im bratze’schen Circle Pit also. Wenn dann noch ein knackiger Albumtitel wie “Korrektur Nach Unten” mit einem ansprechenden Artwork korrespondiert, muss 2010 wohl nach chinesischem Kalender ein Bratze-Jahr sein. Oder sollte es.

Track by Track, ch-ch-check:”Die auswendigen Muster” poltert als Opener erstmal gar nicht mit Radau an die Pforte, sondern erweist sich als gitarrenlastig subtil, präsentiert sich in verrauchtem Ambiente und als melodischer Überraschungsohrwurm. “Menschen im Minus” sorgt dann für ähnliche Ganzkörpervibration wie “Keule” von der “Waffe”- Single…aus ihren Augen säuft der Teufel.Großartig. Die  Vorabauskopplung “Ohne das ist es nur noch laut” hat den schwarzen Gürtel im Dancefloor Kung Fu und macht davon eindrucksvoll Gebrauch und das lyrische Beat ‘em’ Up verlangt gerade danach, auf dem nächsten Konzert leidenschaftlich mitgegrölt zu werden. “Ich und die Geister” ist das neue “Der Atem des Phoenix” in der windschnittigen Ausführung inklusive Spannungsbogen und einem Kevin Hamann in Bestform.Verdammter Hit.

Nach dem Steigerungsprinzip konzipiert, sinkt das Niveau im Albumverlauf keinesfalls ab. “Trapez” ist eine wortgewaltige, ambivalent zu deutende Stadt-Hommage der beiden Hamburger, die autonomen Gebietsanspruch für alle erhebt. Nicht nur auf die Hansestadt bezogen. Ira Atari hilft bei “Mnchn, Schon wieder dunkel” und die geglückte chemische Verbindung im exzessiven Feldversuch gibt den Laboranten allemal recht. “Dazu kann man gut klatschen” bollert und pluckert instrumental, bevor das vom Doin’ Our Thing-Sampler bekannte “Pelikan” ebenfalls filigran die Schädelsäge ansetzt. Nachdem gelungen Aufflexen des Kopfes legt “Das einfache Fluten” einen Glückskeks mit eindeutiger Botschaft an die Stelle der entfernten Materie. Vorsicht Fußballmetapher: Toller Befreiungsschlag, eiskalt eingenetzt, dann schon der Schlusspfiff (“Molfsee”). Norman und Kevin, die alten Tausendsassa. Oh, wie ist das schön…danke, bitte und jetzt  nochmal!

Audiolith Fest: Egotronic, Juri Gagarin, etc. (Werkstatt, Köln)

17.12.09
20:00

Was: Hamburgs Sickest Electro-Halligalli-Label Audiolith anekdiert am 17. Dezember Köln. Mit von der Partie sind Egotronic, Juri Gagarin, Rampue & Ira Atari, Das Audiolith, One Foot In Da Rave.

Wo: Werkstatt (Köln)

Wieviel: 9,50 Euro + VVK-Gebühr

Supershirt: 8000 Mark

8000markDer nächste brennende Baum im Rave-Wunderland. Supershirt legen mit ihrem neuem Album 8000 Mark deutlich zu, denn wo der Vorgänger Du bist Super noch ein wenig unentschlossen, zu wenig druckvoll wirkte und teilweise im Phrasenmeer baden ging, sind Tim Brenner und Faxe System definitiv in den richtigen Zug gestiegen. Das Grundprizip, Electro kollidiert mit Pop und gelegentlich mit Hip Hop, ist noch das selbe und auch die Hooklines zeugen weiterhin von Rückrat und gelungener Gesellschaftsbeobachtung, so gut dies eben in der gewählten musikalischen Form funktionieren kann. Der Beitrag “Nachtjacke” zum Audiolith-Labelsampler Doin’ Our Thing deutete bereits an, dass der Supershirt-Sound tighter, man könnte auch sagen, professioneller geworden ist. Neben dieser Beobachtung fällt zudem auf, dass auch wenn die Bässe ordentlich peitschen, 8000 Mark aufgrund der starken Eingängigkeit der Songs mit beiden Beinen im Pop steht. Dies schmälert keineswegs die Kredibilität des Ganzen, sondern funktioniert bei Supershirt ganz ausgezeichnet.

Einen Blick auf die moderne Gesellschaft bietet “German Psycho”, wobei so manches absurdes Phänomen unserer Tage abgebildet wird. An dieser Stelle sei beispielhaft der Textfetzen “Ein Twitter-Account, aber Angst vor Spionage” zitiert. “So lange das Herz rast” erinnert an die Labelmates von Frittenbude, sowohl musikalisch als auch vom Gestus her. Gefällt. Die albumtitelgebende, gleichnamige Single kracht gut aus den Boxen, aber das simple Reimschema ist eher nur beim allerersten Hörvergnügen komisch und nutzt sich schnell ab. “Haue” macht seinem Namen alle Ehre und “Ödkraft” ist ein amüsantes Intermezzo, wobei zum Glück auch die Teitmaschine wieder dabei ist. Yeah! Insgesamt halten sich auf 8000 Mark die Schenkelklopfer und die tiefergehenden Songs die Waage und die progressive Entwicklung zum Vorgängeralbum  liegt auf der Hand und ist begrüßenswert. Die Jungs von der Ostsee haben ein ordentliches Album abgeliefert, das vielleicht nicht immer spektakulär, aber stets ehrlich und solide ist. Und wer Egotronic, Frittenbude, Bratze oder auch Saalschutz mag, kennt vermutlich Supershirt ohnehin und darf hier  entsprechend zugreifen. Audiolith regelt!

Interview: Audiolith – Doin’ Our Thing

Audiolith Records steht seit Jahren für gesäßtretende (elektronische) Musik ohne Grenzen, und da so Pi mal Daumen doinourthingdas fünzigste Release fällig war, sollte dies gebührend zelebriert werden. Da liegt es doch auf der Hand, eine Compilation zusammenzuschrauben, an der die gesamte Labelpossy beteiligt  ist. So ein richtig geniales Teil mit exklusivem Kram und ordentlich Value für die Moneten. Et voilà: Doin’ Our Thing. Anlässlich der Veröffentlichung hat Labelchef Lars a.k.a. Das Audiolith einige Fragen beantwortet und plaudert dabei ein wenig aus dem Nähkästchen in Bezug auf zukünftigen Output, denn die Erfolgsgeschichte Audiolith wird sicher fleißig weiter gestrickt. Weil der Sampler so ein dickes Ding geworden ist, folgt nach dem Inter- noch ein Review, und jetzt ab mit der Tür ins Haus.

Doin’ Our Thing – besser und kompakter hätte man die Labelphilosophie kaum zusammenfassen können und anlässlich des 50. Release hat Audiolith ein richtig üppiges Paket geschnürt. Was bekommt man denn für sein Geld?

Achtzehn exclusiv für diesen Sampler aufgenommen Lieder und eine DVD mit 27 Videos der letzten Jahre. Sozusagen einmal Rundumschlag. Status Quo 2009 bei Audiolith. Außerdem sind einige Kollaborationen zu hören wie zB. Frittenbude & Egotronic oder Der Tante Renate & M T Dancefloor.

Erfreulicherweise ist “Doin’ Our Thing” nicht einfach eine Retrospektive, sondern bietet viel Neues und Exklusives. Das schreit ja förmlich nach einem Haufen Arbeit und langer Vorlaufzeit!?

Im Moment sind die neuen Alben von Supershirt, Juri Gagarin, Bratze, Egotronic und Frittenbude in Vorbereitung für Herbst 2009 und Frühjahr 2010. Die Bands sind fast die ganze Zeit am produzieren, somit ging das alles recht easy über die Bühne.

So ganz eng ist die Zahl „50″ aber nicht zu sehen oder? ;-)

Nee, auf keinen Fall. Ist halb hundert und gut ist. Der Inhalt ist das Wichtigste.

Als Labelchef ist auf der Compilation wahrscheinlich nichts, was du nicht für gut befindest, aber was sind denn deine Highlights auf dem Sampler?

Ich find alle Tracks wirklich gelungen, klar, sonst würde ich das auch nicht rausbringen. Ich versteh mich nichts als klassischer A&R oder Produzent. Die Musiker liefern was ab, ich finds geil und bring es raus.

Welches Release war denn in der Vergangenheit für dich persönlich und für das Label am wertvollsten? Kann man das sagen?

Alle Releases sind wichtig. Der Gesamtoutput macht das Label zu dem, was es ist. Ein Pool guter Musik, die keinen Genregrenzen unterliegt.

Was kann man denn in näherer Zukunft an Audiolith-Veröffentlichungen erwarten? Kommt die neue Bratze-Bombe noch dieses Jahr?

Wie gesagt dieses Jahr noch Supershirt – 8000 Mark Album und das zweite Juri Gagarin Album. Nächstes Jahr kommen dann die neuen Alben von Bratze, Egotronic, Frittenbude und Saalschutz und bestimmt noch einige Sachen mehr. Checkt www.audiolith.net für Neuigkeiten.

Zum Abschluss noch eine spekulative Frage: Bekanntermaßen ist das Konzept von Audiolith ein sehr freundschaftliches. Gibt es trotzdem Bands/Künstler die du gerne auf Audiolith rausbringen würdest, dies aber nicht stemmbar bzw. unrealistisch ist?

Wir hier bei Audiolith hab uns darauf geeinigt unsere Bands die wir über die Jahre begleitet haben noch weiter aufzubauen und mehr Energie reinzupumpen. Ich bin nicht auf der Suche nach neuen Bands. Der Umfang ist wesentlich größer geworden mit unserem neuen Verlag, der Audiolith Booking Agentur, die Artur Schock in Berlin betreut. Außerdem arbeiten wir an einer neuen Tshirtreihe und einer Singlereihe. Es ist viel zu tun.

Danke und auf die nächsten 50. Veröffentlichungen!!!

Ich danke dir!

cover_back

Die CD + DVD Compilition “Doin’ Our Thing” brennt ein ziemliches Feuerwerk an Beats ab und ist zudem randvoll gepackt, ergo Qualität und Quantität reichen sich die Hände. Den Auftakt macht Knarf Rellöm X und der Songtitel zeugt von programmatischer Herangehensweise und assoziativer Etikettierung. “Der neue Beat (Für Audiolith)” ist dann auch typisch Knarf Rellöm: ein wenig schräg, ein wenig eigenwillig,  doch ein guter Einstieg in den Sampler, denn nach den knapp drei Minuten hat man Bock auf mehr. Es folgt die erste Kollaboration und zwar zwischen den alten Hasen Egotronic und der personifizierten Frischzellenkur Frittenbude. Berlin trifft auf Bayern und das Ergebnis “Die Schande” geht in die Vollen und pumpt mit mächtig Druck durch die Boxen. Keine Überraschung,  aber richtig gut! Ähnlich fies ballert der neue Bratze Track “Pelikan” vor sich hin. Wird Zeit, dass Kevin und Norman den zweiten Longplayer nachschieben. Rockt das neue Album wie der hier vertretene Song, dann wird das ganz großer Sport, aber Füße stillhalten – dauert noch! Ein neues Lebenszeichen gibt es auch von den Schweizer Technopunks Saalschutz in Form einer standesgemäßen neuen Hymne names “Der Widerspruch”: …volle Kraft in keine Richtung!

“Give Or Take” von Juri Gagarin kommt mit weiblichen Vocals daher und weiß zu gefallen, während ClickClickDecker mit dem wunderbaren “Durch die Bank” die Rakete in Sachen Geschwindigkeit ein wenig drosselt. Mit dem Hamann’schen Erfolgsrezept Gesang-Gitarre und überraschenden Beatzutaten – toller Song. Die Kooperation Basslaster & Ira Atari drückt dann wieder auf das Gaspedal, während The Dance Inc. ein melodisches Ausrufzeichen in dem ihren Stil abliefern. Dass Frittenbude die ganze Bude abfackeln, wundert niemand mehr: “Jung, abgefuckt, kaputt und glücklich”, der Pyromane des Samplers! Ein tiefes Clubmonster von einem Track steuert Krink mit “Hoax (Noise Remix)” dazu – well done! Supershirt haben mit “Nachtjacke” aus was feines am Start, wobei Ausfälle ohnehin mit der Lupe zu suchen sind. Man hat beinahe den Eindruck, die vertretenen Künstler hätten allesamt nur die Pralinen des Konfektsortiments bereitgestellt. Das letzte Highlight, wobei die im Review ausgesparten Tracks keineswegs zu verachten sind, ist das Feature Der Tante Renate und M T Dancefloor. “Full Force Funky Fresh” tanzt nochmal in der Asche und kloppt die letzten Ruinen in Grund und Boden. Heftiger Stoff, wie man es von den beiden Protagonisten erwarten durfte. Wer jetzt noch nicht genug hat, kann ja gleich noch die DVD ins geeignete Abspielgerät verfrachten und sich an den 27 Videos ergötzen. Dabei sind Perlen wie “Hightowers Herz” von Bratze, “Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt” von ClickClickDecker, “Mindestens in 1000 Jahren” von Frittenbude, “Raven gegen Deutschland” von Egotronic, Olli Schulz und der Hund Maries “Kaiserwetter”, The Dance Inc. mit “Don’t run to the suburbs” und etlichen mehr. Die absolute Audiolith-Vollbedienung in jedem Fall!!!

Für lau gibt es übrigens noch das nicht auf dem Sampler vertretene Ultrnx vs. Ira Atari – “Doin’ our thing”. Hier der Link!

Audiolith feiert 50. Release

Das Hamburger Knallerlabel Audiolith feiert die 50. Veröffentlichung mit einer schicken CD + DVD Compilation namens “Doin’ our thing” und natürlich ist die ganze Labelpossy dabei. Enthalten ist nur Neues und Exklusives von Egotronic, Bratze, Saalschutz, ClickClickDecker, Frittenbude, The Dance Inc., Plemo, Der Tante Renate usw. Die DVD beinhaltet zudem 26  Musikvideos aus den letzen Jahren. Wenn das mal nix ist. Das Ding ist ab Freitag erhältlich und wer nicht so lange warten will, kann sich über 2 Gratissongs als Download auf der Audiolith-Seite freuen. Rave on…oder so!

Der Tante Renate: Splitter

dtr_splitterNachdem bereits ClickClickDecker mit einem neuen Album vorgelegt hat, zieht nun der andere Bratze-Buddy Der Tante Renate nach. Splitter lautet der Name der neuen Platte, doch Schrappnell wäre ebenfalls ein passender Titel gewesen, denn die enthaltenen 11 Tracks ballern was das Zeug hält. Bei Live-Shows kokettiert Norman a.k.a. Der Tante Renate gerne mal mit seiner Metal-Affinität, schließlich sind Gitarren-Riffs ja auch Stilelemente seiner Musik. Greift man diese Steilvorlage auf, kommt man konsequenter Weise zu folgender Bewertung: Splitter ist sein “Reign in Blood”!

Splitter kommt gleich richtig zur Sache, denn der Opener Trapped ist das, was man oft lapidar ein Brett nennt, doch im Grunde wäre diese Beschreibung eine fahrlässige Untertreibung: Es ist ein wahres Electromonster, welches sich zu Beginn vor dem nichts ahnenden Hörer Zähne fletschend und geifernd aufbaut. Dies ist der Einstieg in ein extrem dynamisches und keineswegs einseitiges Album. Zwar ist der zelebrierte Ravewahnsinn noch ein wenig härter als auf dem Vorgänger Simplex, doch Der Tante Renate gelingt es, auf Albumlänge höchst abwechslungsreich zur Sache zu gehen. Ein schönes Beispiel sind die nacheinander folgenden “Vagabond” und “Disconnect”. Ist der erstgenannte Song zum Ende hin extrem melodisch und entspannend, folgt nahtlos ein fieser Headbanger: Technometal vom Feinsten!

So gehen auf dem dritten DTR Longplayer Melodie und Härte meist eine ansprechende Fusion ein. “Attakk” macht seinem Namen alle Ehre und überzeugt zu dem mit quasi Gangshouts – auf Splitter funktioniert das! “Slackers day off” ist funky und funktioniert gleichsam auf der Tanzfläche und beim Autofahren. “Beknacktodrom” trägt zwar einen leicht verstörenden Titel, macht diesen Umstand aber mit großer Eingängigkeit und einem dampfwalzigen Beat wett, und zwischendrin stecken mal The Prodigy die Köpfe rein und lassen grüßen. “Psychobot”  bläst dir mit voller Wucht eine Sturmfrisur ins Haar, und “Herman RX (Bondage Fairies)” ist zweifelsohne ein verdammter Hit – die Vocals, soviel sei verraten, sind der absolute Knüller.

Abgesehen von dem Humpelfuß-Vergleich mit Slayer, Der Tante Renate hat mit Splitter sein bislang bestes Album abgeliefert und diese Phrase ist definitiv keine. Die 11 Tracks machen einfach verdammt viel Spaß und dadurch, dass die Platte besagt abwechslungsreich ausgefallen ist, dürfte das Ganze, auch nachdem die Anfangseuphorie verraucht ist, mittel- bis langfristig extrem ansprechend bleiben. Einfach eine klasse Platte vom sympathischen Hamburger.

Interview: ClickClickDecker

Das Jahr 2008 ist langsam auf der Zielgeraden eingebogen und das bedeutet: Gar nicht mehr lange bis zur Veröffentlichung des neuen ClickClickDecker Albums “Den Umständen entsprechend” im kommenden Januar. Wir berichteten bereits. Ein erster Vorbote ist die Download-Single “Es fäng an wie es aufgehört hat”, die ab dem 12. Dezember zu haben ist. Erfreulicherweise war Kevin a.k.a. Click bereit, Jan von Alles ist Pop ein paar Fragen zu beantworten. Read more »