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The Late Call: Leaving Notes

the-late-callWenn Gänse sich häuten: Der schwedische Singer/Songwriter Johannes Mayer alias The Late Call ist mit einer unglaublich klaren und eindringlichen Stimme gesegnet, die perfekt zu den wunderschönen, melancholischen Songs seines Albums Leaving Notes passt. Hier wird der Hörer auf zig Matratzen gepolstert, während Mayer sein Herz ausschüttet – keine Erbsen oder sonstige Haken zu finden. Ein akustisches Album zum Wohlfühlen, zum Füße hochlegen, zum Müßiggang, man kann gar nicht anders als sich von The Late Call gefangen nehmen zu lassen. Von Akustikgitarre, Streicher, Glockenspiel, Klavier, Akkordeon und Harmonium kann und will man gar nicht genug bekommen, und es wäre eine Sünde, diesem wirklich beeindruckenden Album  nicht zwei Ohren für die Spielzeit von etwas mehr als 36 Minuten zu leihen, doch dabei wird es nicht bleiben. Versprochen!

Der siebenundzwanzigjährige Singer/Songwriter aus Stockholm  reißt bereits beim Opener “Put your lights on” denkbare Mauern der Zurückhaltung ein und überwindet die Distanz zum Hörer spätestens mit dem ersten Refrain. Das ist nicht nur ein Album- sondern auch ein Heartopener, denn von diesem Punkt an ist man mit voller Aufmerksamkeit fokussiert auf diese intensiven Songs, die trotz aller Melancholie so spielerisch und federleicht wirken. “Cards On The Table” ist auch so ein Lied, dass subjektiv gesehen an Perfektion grenzt. Was für eine Melodie, welch eine Instrumentierung und dann diese herausragende Stimme von Mayer. Man bekommt beinahe ein schlechtes Gewissen, diese schwermütig-leichten Hymnen des Abschieds so zu genießen. “A Sunny Spell To Fight The Low”  mit seinen zweieinhalb Minuten Spielzeit besitzt ebenfalls alles, um die Endorphin-Ausschüttung im Körper rasant ansteigen zu lassen. Bei “No Smiles” und “Linnéa” könnten auch das ein oder andere Auge leicht feucht werden und so viel direkte Ehrlicheit, haben diese intimen Lieder in jedem Fall verdient. Man will dem Schweden für diese unvermittelt ausgelöste Sentimentalität auch gar nicht zürnen, auch wenn spätestens bei dem letzten Song des Albums “The Summertime” dann der letzte emotionale Damm bricht und man sich schon in imaginärer Umarmung mit dem Künstler wähnt. Schwer beeindruckt und zurückgelassen in der einsetztenden Stille, gelangt man zu der Frage “Was nun?” – ein erneuter Durchgang ist vorprogrammiert, aber dieses Mal gleich mit Album-Repeat-Funktion.

Hier das Video zum großartigen “Cards On The Table”



The Late Call: Leaving Notes (Tapete Records 2009)

Tour:

30.04.09
S-Stockholm – Södra Teaterns Södra Bar

07.05.09
Hamburg – III & 70
09.05.09
Kiel – Prinz Willy

10.05.09
Berlin – Potsdam (Fritz-Studios) – KenFM
11.05.09
Krefeld – Kulturrampe
12.05.09
Gießen – Ulenspiegel
13.05.09
Frankfurt – Das Bett
14.05.09
Magdeburg – Songtage @ Alte Feuerwache
15.05.09
Aachen – Raststätte

16.05.09
Münster – Amp

Peter Doherty: Grace/Wastelands

gracewastelandsDie Überschrift ist wirklich fehlerfrei, denn die größte Skandalnudel des Vereinigten Königreichs nennt sich jetzt Peter statt Pete. Selbstverständlich soll dies neu gewonnene Reife unterstreichen und das erste Soloalbum Grace/Wastelands im Lichte der Seriosität erstrahlen lassen. Ein wenig skurril mutet dieser Versuch schon an, ist doch der Ruf von Doherty mehr als nur nachhaltig beschädigt. Doch abgesehen von allen Eskapaden der Vergangenheit und der entsprechenden Aufarbeitung im Boulevard, wurde auch stets  Doherty´s herausragendes Songwriting gelobt, sowohl bei The Libertines als auch auf den beiden Alben seiner Babyshambles. Dabei wurden Doherty sicher arg überzogene Erlöserqualitäten zugesprochen, doch auch dem Soloalbum Grace/Wastelands kann man ein hohes Niveau nicht absprechen. Ziemlich aufgeräumt, beinahe klassisch klingt das doch sehr ruhige Album, ist aber auch stilistisch vielfältig und bewegt sich meist zwischen Pop und Folk. Vielleicht nicht der zum Teil postulierte Meilenstein, aber ein gelungenes Album mit einem Dutzend begeistender Songs.

Als Einstieg ins Album fungiert “Arcady”, das stark an Sechziger Folkssongs angelegt ist und brillant Doherty´s Stärken offenbart: Akkustikgitarre und diese außergewöhnliche, kaputte Stimme – mehr braucht ein gelungener Song des Briten nicht unbedingt. Die erste Single “Last Of The English Roses” mit dem rumpeligen Drumsample wirkt fast ein wenig überflüssig, eingerahmt zwischen dem besagten Opener und dem großartigen “1939 Returning”, das ebenfalls mit großer Atmosphäre  und Intimität überzeugt, die der ersten Auskopplung ein wenig abgeht. Das nachfolgende “A Little Death Around The Eyes” zelebriert mit schönen Streichern gekonnt das Drama und selbstredend schaut auch der alte Kamerad Pathos bei dieser Gelegenheit vorbei. “I Am The Rain” ist eine fantastische Folkblaupause, bei der Doherty in jedem Fall seine Hausaufgaben erledigt hat. Das große Plus des Albums ist aber die große Authenzität mit der Doherty in die neue Rolle schlüpft und zu überzeugen weiß. Der erste stilistisch größere Ausflug ist die Piano-Swing-Nummer “Sweet By And By”, die aber erstens gut funktioniert und sich zweitens auch im Albumkontext nicht als Fremdkörper erweist. Ein absolutes Highlight kommt gleich im Doppelpack daher: “Sheepskin Tearaway” nähert sich dem perfekten Song gefährlich nahe und ist ein formidables Duett mit der schottischen Sängerin Dot Alison. Nachfolgend der nächste Geniestreich namens “Broken Love Song”  und legitimer Grund für die Frage: Woher hat Doherty nur all diese Melodien?

Das wirklich faszinierende an Yellow Press Peter ist sicherlich, dass er all seinen Eskapaden immer wieder zum Trotz großartige Musik schreibt und veröffentlicht. Grace/Wastelands ist wahrscheinlich sein erstes rundum gelungenes Album und das vollkommen ohne Abstriche. Was bleibt, ist sein Image, das wahrscheinlich immer noch viele Leute grundsätzlich Doherty´s musikalisches Schaffen ablehnen lässt. Ein Dilemma, denn diesem Album sollte man wirklich Beachtung schenken.

Der Tante Renate: Splitter

dtr_splitterNachdem bereits ClickClickDecker mit einem neuen Album vorgelegt hat, zieht nun der andere Bratze-Buddy Der Tante Renate nach. Splitter lautet der Name der neuen Platte, doch Schrappnell wäre ebenfalls ein passender Titel gewesen, denn die enthaltenen 11 Tracks ballern was das Zeug hält. Bei Live-Shows kokettiert Norman a.k.a. Der Tante Renate gerne mal mit seiner Metal-Affinität, schließlich sind Gitarren-Riffs ja auch Stilelemente seiner Musik. Greift man diese Steilvorlage auf, kommt man konsequenter Weise zu folgender Bewertung: Splitter ist sein “Reign in Blood”!

Splitter kommt gleich richtig zur Sache, denn der Opener Trapped ist das, was man oft lapidar ein Brett nennt, doch im Grunde wäre diese Beschreibung eine fahrlässige Untertreibung: Es ist ein wahres Electromonster, welches sich zu Beginn vor dem nichts ahnenden Hörer Zähne fletschend und geifernd aufbaut. Dies ist der Einstieg in ein extrem dynamisches und keineswegs einseitiges Album. Zwar ist der zelebrierte Ravewahnsinn noch ein wenig härter als auf dem Vorgänger Simplex, doch Der Tante Renate gelingt es, auf Albumlänge höchst abwechslungsreich zur Sache zu gehen. Ein schönes Beispiel sind die nacheinander folgenden “Vagabond” und “Disconnect”. Ist der erstgenannte Song zum Ende hin extrem melodisch und entspannend, folgt nahtlos ein fieser Headbanger: Technometal vom Feinsten!

So gehen auf dem dritten DTR Longplayer Melodie und Härte meist eine ansprechende Fusion ein. “Attakk” macht seinem Namen alle Ehre und überzeugt zu dem mit quasi Gangshouts – auf Splitter funktioniert das! “Slackers day off” ist funky und funktioniert gleichsam auf der Tanzfläche und beim Autofahren. “Beknacktodrom” trägt zwar einen leicht verstörenden Titel, macht diesen Umstand aber mit großer Eingängigkeit und einem dampfwalzigen Beat wett, und zwischendrin stecken mal The Prodigy die Köpfe rein und lassen grüßen. “Psychobot”  bläst dir mit voller Wucht eine Sturmfrisur ins Haar, und “Herman RX (Bondage Fairies)” ist zweifelsohne ein verdammter Hit – die Vocals, soviel sei verraten, sind der absolute Knüller.

Abgesehen von dem Humpelfuß-Vergleich mit Slayer, Der Tante Renate hat mit Splitter sein bislang bestes Album abgeliefert und diese Phrase ist definitiv keine. Die 11 Tracks machen einfach verdammt viel Spaß und dadurch, dass die Platte besagt abwechslungsreich ausgefallen ist, dürfte das Ganze, auch nachdem die Anfangseuphorie verraucht ist, mittel- bis langfristig extrem ansprechend bleiben. Einfach eine klasse Platte vom sympathischen Hamburger.

Olli Schulz: Es brennt so schön

ebssOlli Schulz perfektioniert auf seinem neuen Album schnarchnasigen Adult Poprock und garniert diesen erneut mit vor Belanglosigkeit nur so triefenden Texten. Musik die nicht weh tut oder zumindest nicht sehr, was auch an den vielen musikalischen Zitaten liegen dürfte. Da nützen auch die zahlreichen prominenten Helferlein (Schreifels, Begemann und Gisbert zu Knyphausen) nicht, und das Beste an Es brennt so schön ist trauriger Weise das schicke, stark an das Artwork von The Smiths Platten angelegte Cover.

Das infantile und Hirnzellen fressende “Mach den Bibo” ist dank Stefan Raab und der begleitenden Diskussion um Schulz’ Inkonsequenz ja bereits allseits bekannt. Im Albumkontext wirkt der Song allerdings völlig deplatziert, versucht doch Schulz gemeinhin die eigene Seriosität und musikalische Reife zur Schau zu stellen. Dass dies in großer Banalität münden kann, stellte ja bereits der Vorgänger Warten auf den Bumerang unter Beweis. Ob Schulz die neu gewonnene Popularität mit diesem faden Einheitsbrei aufrecht erhalten kann, ist an dieser Stelle wohl nicht zu klären. Vielleicht ist ja gerade die Austauschbarkeit der Schulz’schen Rohrkrepierer ein vom Autor dieses Reviews verkanntes Qualitätsmerkmal, bekommt das Album doch insgesamt ziemlich wohlwohlende Kritiken. Der Olli ist aber ja auch sooo nett und live ja auch sehr witzig.

Besonders bitter schmeckt Es brennt so schön, wenn Schulz, sozialkritsch to the max, die rauhe Welt da draußen wortgewaltig anprangert wie in “All you can eat”: “Wann hat das alles angefangen? Wann wurden wir zu diesen Schlangen? All you can eat – Jeder ist zufrieden, solange man ihn bedient.” Da hat der Herr Schulz sich ja wieder als scharfzüngiger Analytiker bewiesen. Ein Deutschpunk-Song könnte gesellschaftliche Missstände nicht besser pointiert darstellen. Insgesamt muss man konstatieren, dass durchaus vorhandene gelungene Melodien meist in den banal bis dümmlichen Texten ertränkt werden. Als weiteres Beispiel sei die Hymne an die Freundschaft “Bloss Freunde” genannt, in der der Paarreim bis zum Erbrechen stranguliert wird: “Du bist so dramatisch, das find ich so sympathisch. Du hälst die Welt in Atem, doch läßt mich niemals warten.”

Schon amüsant, dass der Titel des Albumopeners gleichsam Motto und Fazit zu Es brennt so schön darstellt: Ab jetzt tut es nur noch weh. Wie wahr!!!

Now, Now Every Children: Cars

nnec-coverVon einer Sekunde auf die andere, mitten im gesungenen Wort beginnt die zarte Stimme von Sängerin Cacie Dalager zu zittern. Dalagers bezaubernde Stimme wird dann derartig fragil, dass man unweigerlich an den großartigen Connor Oberst und seine stimmlichen Qualitäten denken muss. Sicher nicht die schlechteste Referenz, auch wenn bei Now, Now Every Children das Wort Folk wohl kaum in mutmaßlichen Genrebezeichnungen auftauchen dürfte. Vielmehr zelebrieren die beiden Protagonisten einen attribut-gespickten Indierock der Spitzenklasse: zerbrechlich, hymnisch, rauh und elgant roh. Ein Erstlingswerk zum Schwärmen und die nächste essentielle Veröffentlichung in diesem noch so jungen Jahr.

Ohne Bass, aber mit vortrefflichen Melodien und einer intimen Stimmung überraschen Now, Now Every Children vom ersten Ton an. Bereits der Opener “Not One, But Two” trifft den Hörer am emotionalen Glaskinn.  Das ist definitv suchterzeugende Musik, denn kaum haben sich die Nackenhaare gelegt, jagt der nächste Schauer den Rücken entlang. “Everyone You Know” klingt so vertraut, so unschuldig und diese unbekümmerte Leichtigkeit wirkt derartig entwaffnend, dass selbst  ein  gesungenes “Oh,oh” weder platt noch verbraucht klingt. Der reduzierte Klang des gesamten Albums ist als geradezu ideal zu bezeichnen, da so die bereits angedeutete intime Atmosphäre erst richtig zur Geltung kommt. Es ist beinahe so, als wäre “Cars” ausschließlich für  dich allein geschrieben worden und das ist doch mal eine ausgesprochen angenehme Suggestion.

Abgesehen von der  bedächtigen Grundstimmung hat “Cars” aber noch viel mehr zu bieten. Immer wieder sorgen Gitarre und Schlagzeug dafür, dass auch der zweite Teil des Begriffs Indierock seine Bnnecerechtigung erfährt, Dynamik nennt man das wohl. “Friends With My Sister” treibt dieses Phänomen sogar auf die Spitze, wenn die mit Glockenspiel angeicherte Piano-Ballade in einer  geräuschvollen Eruption mündet. Charmantes Geschrammel ist auch so etwas wie das wiederkehrende Leitmotiv des Albums, wie kleine große Hits wie “In My Chest” oder “In The City” eindrucksvoll belegen. “Cars” ist wirklich ein absolut überzeugendes Album: mal laut, mal leise – mal bedächtig, mal krachig; Ein weiteres Highlight auf Tapete Records, mit dem das Hamburger Label wieder einmal sein Gespür für außergewöhnliche Veröffentlichungen, auch jenseits des großen Teichs beweist.

Trail of Dead & The Century of Self – Ein Dossier

trail-coverSelbst ist die Band! Zwei Jahre und vier Monate nach dem Vorgänger “So Divided” erschien nun also das sechste Studioalbum um Conrad Keely, Jason Reece und den Rest des Indie-/Noise-/Progressive-/Art-Rock Sextetts aus Texas. Ließ die EP „Festival Thyme“ im November schon aufhorchen, so wird „The Century of Self“ die Fans der ersten Stunde sicherlich nicht enttäuschen. Doch zunächst zum Hintergrund ihres neuen Studiooutputs.

Inspiriert wurde der Titel von Adam Curtis preisgekrönter vierteiligen BBC-Dokumentation „The Century of the Self“ aus dem Jahre 2002. Diese thematisiert die im Rahmen des Aufkommens der Psychoanalyse im 20. Jahrhundert entstehende Beeinflussung der Menschenmassen durch Propaganda und Public Relations von Seiten der Politik und Wirtschaft. Vom ersten Weltkrieg bis Ende der 90er Jahre zieht sich demnach ein roter Faden der unterschwelligen Bedürfnis-Suggerierung, die nur ein Ziel verfolgt: Die Kontrolle der Massen und die Unterdrückung der dunklen Triebe im Menschen durch Konsum, und die Vorgaukelung von Partizipation in den westlichen Staaten durch eine Konsumentendemokratie, deren Bürger größtenteils schon lange nicht mehr selbst entscheiden, was für sie wichtig ist, da ihre Bedürfnisse fremdbestimmt sind. Nicht Vernunft oder Menschlichkeit, sondern von Politik und Industrie evozierte Konsuminteressen und die identitätsstiftende Kraft des individualisierten Materialismus sind demnach ausschlaggebend für die politische Entwicklung der westlichen Demokratien im vergangenen Jahrhundert und bis heute, wenn man die Dokumentation weiter denkt.

Was ein wenig nach Verschwörungstheorie klingt, ist allerdings durchaus seriös recherchiert und stellt in interessanten Bild- und Tondokumenten den Werdegang unserer heutigen Ellbogen- und Spaßgesellschaft dar. In Zeiten der größten Wirtschaftskrise seit 1929, erscheint die Wahl dieser Thematik also passend um auch diese Sicht auf den Kapitalismus jenseits von Konjunkturprogrammen wieder ins Gespräch zu bringen, auch wenn die Songs wohl schon geschrieben waren als es im Herbst kriselte.

Das neue “Trail of Dead”–Album besitzt also einen gesellschafts- bzw. konsumkritischen Hintergrund, so weit so gut. Noch interessanter wird das Thema wenn man sich die aktuelle Situation der Band zu Gemüte führt. Erschienen die drei vorherigen Alben „Source Tags & Codes“ (2002), „Worlds Apart“ (2005) und „So Divided“ (2006) noch auf dem Major-Label Interscope, handelt es sich bei „The Century of Self“ um den ersten Release auf einem Indie-Label seit den Anfängen dieser Band. Offensichtlich war die zunehmend pop-orientierte Richtung der letzten beiden Alben nicht ganz freiwillig gewählt. So erklärte Keely: „Endlich haben wir wieder die künstlerische Freiheit, die wir wollen, ohne den Druck, Radiosongs kreieren zu müssen, ohne Rechtsabteilung, die ihren Segen zu unserem Artwork geben muss, und ohne A&R-Manager, deren heißen Atem man im Nacken spürt”. Nun, was nach einer Standard-Aussage eines Künstlers klingt, der sich um mehr „Credibility“ bemüht, dürfte wohl jene Fans hoffen lassen, denen „Worlds Apart“ und vor allem „So Divided“ ein wenig zu ruhig klangen. Noch vor drei Jahren zeigte sich Herr Keely jedoch enttäuscht über die Verkaufszahlen des von der Kritik gelobten „Überalbums Worlds Apart“, womit er dann auch den nur eineinhalb Jahre später erschienen Nachfolger „So Divided“ rechtfertigte, dessen musikalische Richtung zwar als konsequente Weiterentwicklung zu einer Rock/Pop-Melange betrachtet werden kann, dessen Kritiken aber nicht mehr ganz so enthusiastisch ausfielen. Auch der Erfolg blieb ein weiteres Mal aus, was nicht zwangsläufig an einer musikalischen Sackkasse liegen muss, jedoch die Frage aufwirft, ob die Band diese Richtung weiterführen will. Wie viel Pop kann eine Band vertragen, die früher gerne ihre Instrumente zerschmetterte? Und wie viel Zeitgeist kann man als Künstler aufsaugen, gleichzeitig seine Fans zufrieden stellen und trotzdem nicht so klingen als würde man es bestimmten Zielgruppen bewusst recht machen wollen?

Gleich beim ersten Hören von „The Century of Self“ fällt einem auf, dass offenbar ktrail1eine weitere Pop-Rock-Fusion angegangen wurde. Das Intro „The Giants Causeway“ startet zu Beginn mit einem kleinen Feedback und steigert sich mit zunehmender Brisanz in eine Piano-Geschwängerte, epische „Wall of Sound“, die zum Ende des Intros hin abrupt abklingt, um in einem weiteren Feedback den Beginn des ersten Songs anzukündigen.

„The Far Pavilions“ startet dann auch ziemlich rasant und deutet schon an, dass das doppelte Schlagzeug auf diesem Album wieder etwas prägnanter als bei den Vorgängern heraus sticht, während die Gitarren schön nach vorne rocken. Der Text handelt von den Wundern, die einen in die ferne Welt ziehen („where their eyes full of wonder wait to greet you“) und die Sehnsucht, die einen wieder nach hause bringt, trotz aller schlechten Erfahrungen („Let the roads lead you back, to those places you lived…“). Der doppelstimmige Gesang kommt ganz in „Trail of Dead“- Manier ebenso zum Tragen, wie ein typisches chorartiges Zwischenspiel, welches in einem epischen Drum-Wirbel endet, um zum Hauptthema zurückzukehren, bevor der Song langsam und gemächlich mit eher sphärischen Klängen ausklingt.

Der nächste Song „Isis Unveiled“ baut darauf auf und überträgt typische Post-Rock-Klänge auf einen deutlich schnelleren Takt als in diesem Genre üblich. Das Resultat klingt schon fast irisch-folkloristisch/mittelalterlich, dabei jedoch deutlich melancholischer. Der flotte Beginn nimmt nach 2 Minuten ab. Der Takt wird über drei Minuten hinweg immer langsamer und der Gesang melodischer, bis das Hauptthema in der 5. Minute abrupt zurückkehrt und den Song zu seinem Ende führt. Inhaltlich lässt sich eine metaphorische Beschreibung der in der Dokumentation beschriebenen Bedürfnis-Suggerierung ausmachen und zwar aus der Sicht der Wirtschafts- und Politikeliten, die sich hier als Gott zeigen, der die Menschen verführen will („I am a jealous God who placed the demons… set me free, i’ll grant your hearts desire“).

„Halcyon Days“ beschäftigt sich hingegen mit dem Loslassen von alten Zeiten, der Notwendigkeit der Veränderung und der Gewissheit, dass es nicht ewig so weitergehen kann wie bisher („Let the years roll in, drown our yesterdays“). Zu Beginn des Songs stehen zunächst die Vocals im Vordergrund, welche im gemütlichen Mitschaukeltakt von den anderen Instrumenten untermalt werden und Keelys teils klagenden, teils appellierenden Texten sehr viel Raum lassen, bis zur Mitte hin die Drums das Zepter übernehmen und in einen sachten Hintergrund-Gesang überleiten, der in elektrisch-sphärischen Klängen leiser wird und Platz für eine der einprägsamsten Zwischenmelodien dieses Albums macht. Hier folgt der Song dem Vorgänger in der Struktur auf dem Fuße und wiederholt erneut das Hauptthema bevor er malerisch ausklingt.

„Bells of Creation“ war bereits in leicht abgewandelter Fassung auf der „Festival Thyme“-EP vertreten. Er beginnt wie nicht anders zu erwarten mit einem Glockenspiel zu welchem später die Vocals einsetzen, die im Sekunden-Takt von den Drums untermauert werden, bis in einem Ausbruch der etwas hymnische Refrain beginnt. Nach einer erneuten Strophe mit anschließendem Refrain steigert sich das Lied noch mal in eine von Drum-Orgien dominierte Schlussphase, die dann ebenfalls wieder langsam ausklingt. Inhaltlich interpretiere ich das Lied als Anspielung auf den inneren Konflikt, den sie als Musiker gehabt haben müssen, als sie mit „So Divided“ ihr Rock/Pop-Schisma auf die Spitze trieben, was bei aller künstlerischer Inspiration aber eben auch auf Druck der Plattenfirma geschah („I heard the wise of God encoded in the music, and I felt like Satan“).

„Fields of Coal“ baut inhaltlich auf dem vorherigen Song auf. Es geht um Erwartungshaltungen, sei es von Seiten der Plattenfirma oder der Fans („And if they break you, don’t let them run away with your soul“). Am liebsten würde Keely wohl selbst ausbrechen und wegrennen. Er tut dies schließlich ja auch mit diesem Album und erbittet sehnsüchtig „Would you just let me run away?“. Musikalisch beginnt der Song dezent mit einer Orgel und steigert sich zu einem ungewöhnlichen Takt in eine beinahe balladeske Mitsing-Stimmung, klingt gleichzeitig fordernd und doch zurückhaltend. Es ist einer der kürzeren Songs des Albums und endet ziemlich überraschend ohne weitere Höhepunkte.

Dafür stellt der nächste Song umso mehr einen Höhepunkt von „The Century of Self“ dar. „Inland Sea“ ist genau in der Albummitte verortet und beinhaltet eine wunderschöne Piano-Melodie, aus der heraus sich der Song zur Mitte hin episch aufbaut, um zum Ende hin wieder in Melancholie zu versinken. Inhaltlich ist der Song ein Weckruf und lässt sich ebenso auf den Zustand der Band nach dem Label-Wechsel übertragen, wie auch vor dem Hintergrund der Dokumentation als Aufruf zu verstehen, für Veränderung einzutreten und sich dabei bewusst zu werden, wer man wirklich ist („Wake up, Wake up, Remind yourself exactly who your were… Prepare yourself to face the whole world“). Auch dieser Song war in einer leicht veränderten Version auf der „Festival Thyme“-EP vertreten.

Gemächlich geht es dann mit “Luna Park“ weiter. Klavier und Akustikgitarre überlagern sich zunächst bei einem schön-melodischen Zusammenspiel zu dem sich mit der Zeit auch die anderen Instrumente immer deutlicher hinzu gesellen um nach dem Höhepunkt wieder allmählich in Stille zu versinken. Die Lyrics wirken ausgerechnet bei einem der ruhigsten Stücke ziemlich leidenschaftlich und könnte man auch als Anspielung auf die „magische“ Konsumwelt sehen, der wir alle mehr oder weniger anhängen, selbst wenn wir sie hinterfragen („I’ve seen it, want to feed it, burn it down and just free it“). Ganz nach dem Motto: „Der geheimnisvolle Luna Park, der Ort , der unsere tiefsten Sehnsüchte anspricht, der Ort den wir zerstören müssen.“

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„Pictures of an Only Child“ (auf der Rückseite des Digi-Packs leider an zehnter statt an neunter Stelle positioniert, wie auf der CD und im Booklet der Fall) ist wohl eines der bewegendsten Lieder auf diesem Album. Die Strophen erzählen in sehr persönlicher Weise wie man als Kind die Konsumwelt mit großen Augen betrachtet („Disneyland“), während im Refrain dies in der Retrospektive angeklagt wird („Sold our souls to slavery“). Vom Refrain abgesehen, ist dieses Stück dann auch sehr ruhig und wird in den Strophen vor allem von Akustikgitarren getragen, was den zunehmend ruhigeren Charakter der zweiten Albumhälfte unterstreicht. Die Refrains sind hingegen hymnenhafte Ausbrüche, bei denen die Band ganz ohne Pathos ihr Bedauern heraus schreit.

„Insatiable (one)“ ist der erste von zwei Teilen (der Zweite ist das letzte Stück) und läutet die Schlussphase des Albums ein. Der Song wird beinahe ausschließlich von einem Piano getragen und könnte von seiner Atmosphäre her auch dem Amélie-Soundtrack entstammen. Textlich geht es im ersten Teil darum, dass unsere Schwäche nach Sensationen, diese so schnell entstehen lassen, wie sie unser Leben ruinieren können („They are born/gone in the blink of an eye“). Auch dabei handelt es sich wieder um eine Anspielung sowohl auf die Art wie die Menschen konsumieren, wie auch auf die persönlichen Erfahrungen der Band im Laufe ihrer Karriere, für die sie eben auch persönliche Opfer bringen mussten.

Mitten in diese bedächtige Stimmung fällt nun mit „Ascending“ der letzte Ausbruch auf dem Album. Von Anfang an entfesselt der Song seine Energie, massakrieren uns „Trail of Dead“ mit heftigem Drum- und Soloeinsatz, bis sie zur Songmitte in einen dezenten Mitgröhl-Teil hinüberwechseln, aus dem sie uns mit der Energie des Anfangs im Schlussteil wieder entlassen. Die Songtexte werden dabei stellenweise so schnell gesprochen, wie es im Hardcore-Punk häufig üblich ist. Auch enthält dieser Song den längsten Text des Albums, in welchem die Band nach dem Resultat all ihres Tuns als Küstler fragt, wie auch als Menschen („Where is that day of sun that we have waited on?).

„An August Theme“ ist ein kleines Instrumental, welches wohl dazu dient, dem Hörer nach dem Ausbruch des vorherigen Songs eine kleine Verschnaufpause zu gewähren. Es klingt in der Tat ein wenig nach Spätsommer und ist das einzige Lied auf dem Album, bei dem das Keyboard deutlich herauszuhören ist, da es den Klang irgendeines Streichinstrumentes (womöglich eines Violoncello) nachahmt, was dann natürlich sehr künstlich und ein wenig nach Videospiel-Soundtrack klingt. (Mir gefällt es aber!)

„Insatiable (two)“ ist der letzte Song des Albums und knüpft da an wo der erste Teil aufgehört hatte, mit dem einprägsamen Piano-Thema und der dritten Strophe des als ein Stück zu sehenden Songs „Insatiable“, dessen Lyrics im Booklet nicht in zwei Hälften zerteilt sind. Im Anschluss an den ruhigen Anfang gesellt sich dann mit Unterstützung der anderen Instrumente die vierte Strophe, welche bis zum Ende des Songs und damit des Albums, mehrmals wiederholt wird. Deren Inhalt vereint dann auch die Doppeldeutigkeit des Gesamtkunstwerks als Anspielung auf die persönliche Bandgeschichte ebenso wie auf die Konsumgesellschaft, in sich und stellt damit eine Art Fazit oder auch Quintessenz dar („I’m the monster, I exist, on this summit I am lost, on it’s slopes I’ve seen the world as she was meant to be seen“).

Damit ist „Trail of Dead“ das Kunstwerk gelungen, ihre eigene Rolle als Musikprodukt und Konsumgut und die Bedeutung dieses Zustandes für ihre persönliche Entwicklung zu reflektieren und Gesellschaftskritik, nicht wie es in der Mtrail3usikwelt häufig geschieht, allzu platt und offensichtlich (oder gar nicht), sondern tiefgehend und sensibel zu behandeln, ohne sich allzu sehr aufzudrängen. Was will man mehr? Wer perfekt ausarrangierte Prog-Songs mit pop-historischem Augenzwinkern erwartet hat, dem sei vielleicht noch gesagt, dass „Trail of Dead“ dieses Album komplett live im Studio eingespielt haben und damit bewusst nicht mehr ganz so pompös klingen wie vormals. Dies hätte auch nicht wirklich zur Thematik gepasst, denn anno 2009 will die Band authentischer klingen als je zuvor und das ist ihnen gelungen. Darunter leidet zwar ein wenig die experimentelle Seite ihres von unterschiedlichsten Instrumenten geprägten Sounds, wer sie aber mal spielen gesehen hat, der weiß, dass sie die Filigranität ihrer Alben live nie wirklich umsetzen konnten und stattdessen eher die rockige Seite ihres Schaffens betonten. Nun ist es ihnen gelungen, zum ersten mal ein Album einzuholzen, dessen Lieder sie ohne Ausnahme und ohne Qualitätsverlust auch auf der Bühne umsetzen könnten. Der Prunk ist weg, Pop ist tot und was übrig bleibt ist pure Menschlichkeit! Eine Band die auf dem Höhepunkt ihres Schaffens ihre wahre Natur entdeckt und die Schnauze voll hat von all den Illusionen der kunterbunten Konsumwelt zu deren Produkt sie selbst wurden.

Die gereifte Bandphilosophie zeigt sich auch in dem von Conrad Keely vollständig gezeichneten Cover und Booklet, die ganz ohne Computereffekte und Artwork-Kontrolle seitens des Labels auskommen und somit natürlich bestens in die ganze „do it yourself“-Indie-Schiene passen. Die aktuellen künstlerischen Ambitionen der Band sind somit nicht nur auf die Musik beschränkt sondern zeigen sich auch am Gesamt-Paket, welches zu durchdacht und gekonnt gestaltet ist um dilettantisch oder amateurhaft zu wirken und trotzdem eben nicht den verlogenen Glanz „professionell“ hergestellter Produkte besitzt. Ganz im Gegenteil, zeigen „Trail of Dead“ mit ihrem neuen Album sogar was Profession wirklich bedeutet: Das unabhängige und leidenschaftliche Arbeiten in und an der eigenen Berufung!

Als kleinen Bonus gibt’s bei der Digipack-Variante dann noch eine Extra-DVD mit dem Konzert aus dem Düsseldorfer Zakk vom letzten Jahr, bei welchem „Bells of Creation“ bereits live gespielt wurde (siehe den Konzert-/Gesundheitsbericht bei Alles ist Pop). Bleibt mir nur noch zu appellieren: Besorgt euch das Album, wie auch immer ihr es für richtig haltet! Und schaut euch bei Gelegenheit auch die Dokumentation „The Century of the Self“ an, die ist vom Aufbau her sehr gut gelungen und schön informativ (Google sollte helfen)! Die Doku wie auch das Album sind ein deutlicher Ruf nach „Empowerment“ in einer Zeit der Fremdbestimmung von Sehnsüchten, wo sich Individualität in der Anhäufung milieuspezifischer Konsumgüter erschöpft. So idealistisch der Ansatz auch sein mag, ihn abzuurteilen wäre nicht fair, denn er hat keinen Absolutheitsanspruch, sondern stellt mit seinen Idealen lediglich Orientierungswerte da, Vorbilder die man entweder ablehnen oder nacheifern oder auch nur bewundern kann. Ich bewundere diese Band jedenfalls um einiges mehr als so manch andere Dinge die sich „Indie“ schimpfen und unabhängig von Geschmäckern stellen „Trail of Dead“ eine der wenigen künstlerisch ambitionierten Bands da, deren Schaffen man als absolut einzigartig und wertvoll bezeichnen muss. Damit passen sie zwar nicht in die von der Industrie gelenkte Bedürfnisgesellschaft, aber genau hier wird eben die Spreu vom Weizen getrennt, zeigt sich was Kunst und was Kitsch ist!

von Marcel S.

Future Islands: Die Achtziger-Chimäre

future-islands-coverEin freischaffender Filmemacher hat mir gegenüber einmal die grundliegende Arbeitsweise vieler Journalisten kritisiert, deren Recherche aus den ersten 4 Seiten der Google-Suche und den entsprechenden Wikipedia-Einträgen bestünde. Was die Band Future Islands anbelangt, funktioniert dieses Rezept allerdings hervorragend, denn die bei der freien Enzyklopädie kolportierten Genrebezeichnungen Synthpop und Post-Wave Dance treffen wahrhaft ins Schwarze. Future Islands verleihen dem Untoten 80er-Pop allerdings neue Vitalität und überwinden die Sterilität dieser Dekade durch eine wohl dosierte Injektion, die sie vom ölverschmiertem Boden mancher Proberaum-Garage gewonnen haben dürften. Melodisch-verspulter Synthpoprock, der ausgezeichnet funktioniert. Read more »

Great Dynamo: The Average Genius EPs

Beim Düsseldorfer Künstler Great Dynamo wird die Worthülse Indie wiedgreat-dynamoer mit Leben gefüllt: lo-fi, Homerecording und Do-it-yourself-Ethos. Auf der ersten LP “The Average Genius EPs” sind insgesamt 14 Songs des ehemaligen Mitglieds der Frantic Flowers vereint, die eine relativ große musikalische Bandbreite abdecken. Die allgemeine Atmosphäre ist als sphärisch und der Gesang als lakonisch zu bezeichnen. Obwohl es immer wieder einprägsame Melodien gibt, die zuweilen “poppig” anmuten, atmet das Debütwerk von Great Dynamo stets “modrige” Untergrundluft. Wenn man sich auf die hausgemachte Produktion und den z.T. sehr eigenwilligen Charme der Lieder einlässt,  stößt man immer wieder auf kleine bis mittelgroße Hits.

Abwechlungsreich geht Great Dynamo in jedem Fall zur Sache. Stellvertretend sei das begeisternde “Own this town”  mit tollem Orgel- und Bläser-Einsatz genannt, dass die selbstgewählte Musikbeschreibung “a frantic indie pop beat out” angemessen in knapp 4 Minuten fasst.  Bei Songs wie “I get the Cargo Trailer” wünscht man sich trotz dem sehr ansprechenden Songkorpus und einer ohrwurmartigen Gesangslinie, doch eine ausgefeiltere Ausarbeitung und bessere Produktion. Sicher ist gerade dieser Klang gewollt und doch hat man den Eindruck, dass so nicht das volle Potential der Songs ausgeschöpft wird. In den großartige Momente der Platte stimmt dann aber einfach alles.  “Internation News Flash” ist z.B. ein wirklicher Knaller und klingt als wenn sich Tom Waits und Lou Reed ausversehen im Keller eingesperrt hätten und aus Langeweile einen gemeinsamen Song schreiben würden.

Man kann sich sicher an vielen Details von “The Average Genius EPs” stoßen und die LP dürfte sicher ob der genannten Schwächen durchaus polarisieren, und doch  hat man es teilweise mit brillianten Songszkizzen und Arrangements zu tun. Die Schallplatte evoziert den Eindruck, dass gerade die Live-Umsetzung mit Band The Lights und “Super8 und Dia-Projektionen” erst das Gesamtkonzept vervollständigt. Eins steht ohnehin unumstößlich fest: die Attitüde hinter Great Dynamo ist absolut lobenswert, also warum nicht dem Ganzen ein Ohr leihen und selbst über Gefallen und Nicht-Gefallen entscheiden.

Great Dynamo – The Average Genius EPs ist auf dem feinen Düsseldorfer Independent-Label Babsies Diktatur und ausschließlich auf Vinyl erschienen.

Zudem ist Great Dynamo & The Lights am 17. März im Kölner Sonic Ballroom live zu sehen!!!

Morrissey: Year of Refusal

Die simple, aber signifikante Gebrauchsempfehlung “Play very loud” prangt auf dem Backcover von Year of Refusal, doch Grund zur Sorge dürfte der Urheber des Albums kaum besitzen. Die Songs seines mittlerweile neunten, regulären Studioalbums stürmen und drängen mit derartiger Vehemenz aus den Boxen, dass sich ein solcher Hinweis wahrlich erübrigt. Morrissey unterstreicht mit einer Großtat von einem Tonträger seine absolute Ausnahmestellung in der Manege des weltweiten Musikzirkus. Es ist schier unglaublich, wieviele an Perfektion grenzende Lieder aus der Feder Morrissey´s sprudeln und sein bereits bewundernswertes Oeuvre  weiter bereichern. Sollte Steven Patrick M. tatsächlich seine musikalische Laufbahn in näherer Zukunft beenden, “Year of Refusal” wäre ein wahrhaft würdiger Endstein. Read more »

Morrissey: Moz strikes again!

Seit vorgestern ist die neue Single “I´m throwing my arms around Paris” im Handel und nun sind es nur noch 2 Tage bis zur Veröffentlichung von “Years of Refusal”. Aus den Aufenthaltsräumen sämtlicher Musikredaktionen heißt es unisono, dass da Großes naht. Nach dem sensationellen “You Are the Quarry” und dem soliden “Ringleaders…” wäre dies sicher keine Überraschung. Hier das Pre-Listening des Albums. Das Berlin Konzert ist inzwischen “sold out”, während es für Köln, Bremen und Offenbach noch Karten gibt!!!