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Okkervil River: I Am Very Far (10. Mai)

Das neue Album der Indie-Folk-Sensation Okkervil River namens “I Am Very Far” erscheint in den USA am 10. Mai, laut gewissen Online Versandhäusern in Deutschland jedoch bereits am 6. Mai, am Release-Freitag eben. Wer sich nicht so lange gedulden möchte, kann im digitalen Okkervil River Zeltlager bereits den Song “Wake and Be Fine” herunterladen. Mal sehen, was sich Bandguru Will Sheff dieses mal ausgedacht hat.

Maritime: Aufgetaucht

Ich kann mich noch gut an mein letztes Maritime Konzert erinnern. Im Düsseldorfer Zakk trug Sänger Davey von Bohlen einen nicht zu gewinnenen Kampf mit dem Mikrofonständer aus, ging immer wieder in die Knie, um seine Vocals in die dafür vorgesehene Apparatur zu leiten. Eine kuriose Performance, schließlich ist ein Mikrofonständer weder ein schwer zu justierender Gegenstand noch Mr. von Bohlen ein wahrer Hüne, was diverse Tauchversuche immerhin hätte erklären können. Ein denkwürdiger Abend allemal, da die Band aus Wisconsin selbst ihre entspanntesten Songs, denen eigentlich eine wohlige Schläfrigkeit innewohnt, in einem schier aberwitzigen Tempo ins Publikum feuerte. Letztgenanntes zeigte sich dann auch begeistert von der lancierten Spielfreudigkeit der Herren aus dem sogenannten Dachsstaat der USA.

Danach verabschiedeten Maritime sich aus der (deutschen) Öffentlichkeit, obwohl 2007 mit Heresy and the Hotel Choir ein neues Album bei Grand Hotel van Cleef erschien. Hierbei handelte es sich um eine solide Songwriting-Leistung mit gelegentlichen Highlights, wie den äußerst gelungenen Singles “Guns of Navarone” und “For Science Fiction”. Eine Album begleitende Tour gab es nicht, jedenfalls kann ich mich nicht an eine solche erinnern. In den letzten Jahren wurde es schließlich mucksmäuschenstill um die Freunde des maritimen Klimas, so dass die in diesen Tagen kursierende Nachricht von einem bald erscheinenden neuen Tonträger durchaus überraschen konnte. Am 8. April erscheint Human Hearts wieder beim Hamburger Label von Wiebusch & co und der musikalische Vorbote “Paraphernalia” findet sich hier als Free Download. Um zu begeistern, muss das Album noch eine Schippe drauflegen, denn der Song, dessen Titel sich auf die Mitgift einer Braut bezieht, ist gerade mal nett und das ist zumeist kein schmeichelhaftes Qualitätsurteil für eine Band. Ob Davey inzwischen einen Mikrofontauchschein gemacht hat, kann noch nicht geklärt werden. Tourdaten sind bisher nicht bekannt.

Fotos: Porzellan

Wenn sich der Blick Richtung Schuhe senkt und dort angekommen für eine heilsame Ewigkeit verweilt – Fotos begeben sich auf ihrem neuen Album Porzellan in die Welt derporzellan-gross verrauschten Atmosphäre und lärmenden Gitarren, ohne jedoch das inzwischen wieder ziemlich hippe Shoegaze-Ding vorbehaltlos zu kopieren. Vielmehr gelingt es Fotos zwischen Noise und Dream Pop ein neue Plane aufzuspannen, eine Bettdecke unter der man samt Taschenlampe Mikrokosmos sein kann, sein will.

Nach dem selbstbetitelten Debütalbum (2006) und Nach dem Goldrausch (2008) gelingt den Hamburgern mit Porzellan ein Qualitätssprung in – für sie – luftige Sphären. Herauszustreichen ist in jedem Fall das musikalische Spagat zwischen Sonnenseite und Mondscheinterrain, zwischen der wärmenden Strahlkraft eingängiger Popmusik und der unterkühlten Stimmung eins Soundtracks, der Selbstreflexion bedingt, respektive möglich macht.

Sogartige Wirkung entfaltet der Albumopener “Alles schreit”, wenn der Song nach fast 2 Minuten Exposition ein leicht verschwommener Twee-Pop-Hit wird, wie ihn zurzeit The Pains of Being Pure At Heart fotos_pressefoto_2_low_reszu präsentieren pflegen, wobei man sich durchaus auch an die Referenzband schlechthin, an My Bloody Valentine, erinnert fühlt. Denkt man an die Art und Weise, wie Kevin Shields und seine Mitstreiter mit ihrem letzten Werk Loveless (1991) den Zuhörer um den sprichwörtlichen Finger gewickelt haben, so scheint der Beginn von Porzellan ähnlich betörend zu sein.

Das ebenfalls sehr gefällige Gewummer des Titeltracks samt herrlich scheppernden Schlagzeug wird durch den gelegentlich weit entfernt wirkenden Gesang Thomas Hesslers ergänzt. “Nacht” variert käsigen 80er Pop und ist textlich nah an der romantisch-kitschigen Lyrik eines Dirk von Lowtzows, wie sie  zuweilen auf den letzten Tocotronic-Alben zu finden ist. Das muss einem nicht unbedingt zusagen und doch funktioniert die Musik-Text-Verbingung insofern, dass man allzu gerne die gerunzelte Stirn sich glätten lässt.

Das regelrecht fröhliche “Mauer” ist ebenfalls kilometerweit von der Ausfahrt namens beliebig entfernt und hat das Navigationsgerät ohnehin auf eine andere Route programmiert. Süß wie eine gemischte Tüte vom Kiosk ist “Wasted”, das als zartes Duett in Erinnerung bleibt. Beinahe hypnotisierende Wirkung entfaltet “Feuer” – schleppend, schwerfällig, aber vereinnehmend. Manchmal hat man schon den Eindruck, dass die Band, die inzwischen vom schwächelnden Major EMI ausgehend beim Berliner Indielabel Snowhite gelanded ist, zu dick aufträgt. Man höre sich nur das aufdringlich-schöne “Angst” an. Sicher ist Porzellan das tatsächlich beste Album von Fotos, auch wenn man sich ein paar mehr Ecken wünschen würde, denn sich an Musik zu stoßen, macht diese schließlich erst richtig spannend und das in nachhaltiger Weise. Dennoch ist die Zwischenwelt Porzellan defintiv eine Reise wert. Taschenlampe nicht vergessen.

Fotos: Porzellan (VÖ 10. 09. 2010; Snowhite)


Beat! Beat! Beat! – Lightmares (VÖ: 20.Oktober)

Man darf gespannt sein, welche Stilprägung auf dem Debüt der Viersener Jungspunde Beat! Beat! Beat! überwiegt: Frickeleinschlag à la Foals oder doch Gitarrenpop in Kooks Manier. Ich befürchte letzteres, doch sicher wird Lightmares einige Beachtung finden. Ob der britische NME wieder so euphorisch reagieren wird? Laut Intro: “Smarte Songs zwischen Phoenix und Whitest Boy Alive!” Namedropping ohne Ende…

Bonaparte: Rausgeben, passt so!

Die Anarchopartyband Numero Uno veröffentlicht just heute ihr zweites Studioalbum namens “My Horse Likes You” und aus diesem Anlass verschenken Bonaparte das krachige “L’Etat C’est Moi”. Merci bien!

Superpunk: Die Seele des Menschen unter Superpunk

dsdmusDandy-Soul für Fortgeschrittene und dazu einmal den Mod-Seniorenteller mit Herrengedeck, bitte! Ach, zum Schwelgen,  eine neue Platte von Superpunk hat doch immer etwas von nach Hause kommen, was wohl daran liegt, dass die Top Old Boys das famoseste BeatGarageKreuzüber-Replikat von Hamburg bis München, ach was sag ich, des gesamten ollen Kontinents bieten.

Gelernt ist eben gelernt und wenn dann noch Bernd Begemann die richtigen Regler im Produktionsprozedere bedient, dann kann man frohen Mutes “Die Seele des Menschen unter Superpunk” erörtern und evaluieren. Als kritischer Geist muss man natürlich Fragen mit skeptischer Note  – warum braucht man denn noch ein Album von den Punksnobs? – stellen und nach den ersten Tönen von “Ford Escort” erübrigt sich diese Haltung schlußendlich doch. Alles dabei: Bläser, Orgel und natürlich Carsten Friedrichs verehrungswürdig-schnodderiger Antigesang.

Superpunk spielen eben nicht nur Musik für Allnighter, sondern für die Tanzveranstaltung namens Lifetimer. Dick aufgetragen? Klar, aber dies beherrscht der zu rezensierende Fünfer schließlich auch. Dies resultiert in herrlichen Verliererhymnen wie “Das Feuerwerk ist vorbei”, das gekonnt den Bewusstseinsscheinwerfer des Hörers auf sich lenkt und dann einen gekonnt-dilettantischen Pole Dance vollführt. Im Abglanz solcher musikalischer Goldbarren kann man auch mit geschmacklos-kitschigem Tafelsilber wie “Alle lieben dich, Daniela”  noch einmal den Tisch decken, denn serviert wird dann eine wohl schmeckende Instrumentalcurrywurst a là “Up All Night”!

Warum “Das waren Mods” fast zwei Jahre nach Singleveröffentlichung auch auf dem neuen Longplayer zu finden ist? Ja, ja, ich weiß schon: Why not? Ganz großer Sport ist in jedem Fall die ultimative Liebeserklärung an den muffigsten aller Rückzugsorte, zumal das Kultcharakter genießende friedrichs’sche Namedropping auch im Songtext zu “In der Bibliothek” Auferstehung feiert. Enorme Hitdichte wie bei den Klitschkos, will man meinen, da “Rette dich vor den einfachen Leuten” und vor allem das bedächtige “Ich will heute nicht kämpfen” allen Superpunk-Kontrahenten einen TKO bescheren, lässig aus dem Ärmel geschüttelt eines Bon vivants. Liebe zur Musik unpeinlich thematisiert? “Oh, dieser Sound” kredenzt die Antwort. “Frühstück am Abend und Pepsi am Morgen” und dann noch dieser Refrain: Schmunzeln, Feiern, Tanzen als Animationsprogramm  in der Ode an die Dekadenz namens “Babylon Forever”. “Die Seele des Menschen unter Superpunk” ist nicht nur das fünfte Studioalbum der anzugtragenden Nischenbesetzerband, sondern zudem ein sehr gutes geworden. (VÖ 04.06.2010)


Badly Drawn Boy: Mr. Soundtrack?

bdb-ostEs gibt nicht wenige Leute, die behaupten, dass der “About A Boy”-Soundtrack das beste Output des Mannes mit der Strickmütze darstellt, was eine gewisse pikante Note beinhaltet, schließlich wollte Badly Drawn Boy seinerzeit die Filmmusik gar nicht als eigentliches Album verortet wissen. Falsche Bescheidenheit oder doch nur eine weitere schrullige Anekdote des kauzigen Briten? In jedem Fall hat sich seit besagtem O.S.T von 2002 einiges getan und Damon Gough, wie der BDB mit bürgerlichem Namen gerufen wird, hat seit dem mit seinen Veröffentlichungen nicht nur begeistern können.

Vielmehr haben “Have You Fed The Fish?” aus dem selben Jahr, “One Plus One Is One” (2004) und “Born In The U.K.” (2006) vielerorts für Lange Gesichter gesorgt und immer stärker polarisierende Wirkung entwickelt. Dieser Eindruck wurde keineswegs durch die kruden Konzertmomente erhellt, die der passionierte Barträger sein Publikum immer mal wieder erleben lässt.

Seit “Born In The U.K.” sind nun bereits einige Jahre ins Land gezogen und bezeichnender Weise handelt es sich beim aktuellen Lebenszeichen des Badly Drawn Boy, die Veröffentlichung von “Is There Nothing We Could Do?” am 21. Mai 2010, ausgerechnet wieder um einen Soundtrack. Die musikalische Standortbestimmung Damon Goughs, welche sich in 15 neuen Studiosongs äußert, wurde durch den britischen TV-Film “The Fattest Man In Britain” inspiriert und dient diesem eben als Soundtrack. Das Album ist übrigens bereits im Dezember des letzten Jahres in Großbritannien erschienen und nun wird auch der hiesige Markt erschlossen.

Allein aus ökonomischer Sicht wird es wohl nicht einfach werden, einen Soundtrack zu einem hier unbekannten Film zu vermarkten und die ersten Höreindrücke halten dem nicht zu vermeidenen Vergleich mit der musikalischen Untermalung der Nick Hornby Verfilmung aus dem Jahre 2002 auch nicht wirklich stand. War der “About A Boy”-Soundtrack eine geniale Mischung aus einfühlsamen Songgroßtaten und passenden, außergewöhnlichen Score-Sequenzen, so zeigt “Is There Nothing We Could Do?” Badly Drawn Boy ausschließlich von seiner Empathischer-Songwriter-Seite. Ob man das wirklich braucht oder nicht bzw. von ihm noch braucht, muss wohl ohnehin jeder für sich selbst entscheiden. Ob Badly Drawn Boy verlorene Sympathien zurückgewinnen kann, wird sich entsprechend nur im Einzelfall entscheiden können. Stückwerk!

Nicolas Sturm: Albumrelease + Free MP3

Wie die wohlwollende Rezension belegt, erscheint am 26. April mit “Doppelleben” ein wirklich feines Stück Musik aus der Feder Nicolas Sturms. Sein Label Omaha Records verschenkt zudem mit “Neujahr” eine kostenlose Hörprobe aus der umfangreichen EP. Ansonsten sei noch auf Sturms Beitrag zu der Rubrik “Seitenwechsel” beim empfehlenswerten Nicorola Musikblog verwiesen.

Stars: Endorphinversprechen

stars-the-five-ghostsEs ist gar nicht so lange her, dass in bierseeliger Runde die Sprache auf Stars, die kanadischen Popmagier, kam und kollektiv die andauernde Funkpause der Band um Torquil Campbell und Amy Millan mit Bedauern kommentiert wurde. Gerade die anstehende Broken Social Scene Veröffentlichung “Forgiveness Rock Record” am 4. Mai ließ ein baldiges Wiederhören mit der anderen großartigen Arts & Crafts Band als ungewisse Zukunftsmusik erscheinen. Nun lassen Millan & Co die pessimistische Erwartungshaltung in eine erfreuliche Leere laufen, denn für den 22. Juni wird das vierte Album “The Five Gosts” angekündigt und das ist doch mal eine gute Nachricht. Besagte good news erweisen sich zudem als musikalisches Telegramm, denn via Stereogum wird zugleich die ab dem 20. April offiziell zu erwerbende Single “Fixed” verschenkt. Dabei handelt es sich allerdings um einen mittlerweile stets praktizierten Free-MP3-gegen-Email-Adresse-Tauschdeal.

Neu ist allerdings, dass Stars nicht mehr bei besagten Arts & Crafts veröffentlichen, sondern der neue Longplayer in Eigenregie verlegt wird.  “The Five Ghosts” wird damit zur Jungfernfahrt für das eigene DIY-Label Soft Revolution. Im Juni werden Stars zudem mit dem neuen Machwerk eine Pre-Release Tour spielen, auf der sie das entsprechende Songmaterial in voller Albumlänge zum Besten geben. Bedauerlicherweise beschränken sich diese Dates auf den amerikanischen Kontinent, sodass es zu hoffen bleibt, bald auch europäische Termine in die Vorfreude auf  “The Five Ghosts” mit einschließen zu dürfen. Denn Konzertimpressionen, wie die im Februar 2008 im Kölner Gloria entstandenen, erweisen sich als unauslöschlich und die zu erwartende Endorphinausschüttung bei einem Stars-Auftritt sind doch mal ein Versprechen Galore.

Jona Steinbach: Digitales Klinkenputzen

Digitales Klinkenputzen und Kettenrasseln gehört zum guten Promoton, vor allem wenn die Veröffentlichung schon quasi vor der Türe steht. Nächsten Freitag (19.3.) erscheint das neue Album “Alles negieren” des Kölner Singer-Songwriters Jona Steinbach und aus gegebenen Anlass verschenkt dieser den Albumtrack “Mario”. Das neue Album erscheint übrigens bei den Sympathen von Cobretti Records und das Erstwerk wurde seiner Zeit von Thees Uhlmann geadelt, gute Vorzeichen also. Die Single, sprich der gleichnamige Titelsong des Albums, ist out now und das entsprechende Video hier zu finden!