Daytrotter Session mit WHY?

Die Daytrotter Sessions haben sich mit den Jahren als die legitimen WWW-Nachfolger der John Peel Sessions erwiesen, was daran liegen könnte, dass sich der gesamte Indierock-Kosmos bereits im Horseshack Studio eingefunden hat. Fast alle namhaften Spartenkünstler waren schon dort, um ihre Live-Session einzuspielen.

Aktuell haben sich die verschrobenen Indiefolk-Lockenköpfe und -Bärte von WHY? bei Daytrotter verewigt. Amüsant zu lesen, ist die Beschreibung, wie Frontmann Yoni Wolf sein Lunchpaket im Studio verteilt hat. Hörenswert sind die Aufnahmen ohnehin.

“We cannot recollect anyone else using our piano as a food station and it makes sense that Wolf was the first, as he seems to have no separation of church and plate in his life, stirring everything together into one long lifeline of an experience.”

The Crookes: Ladendiebe aller Länder

Wie könnte man die Besprechung des Debütalbums der jungen, britischen Band The Crookes anders als mit einem abgewandelten Songtitel von The Smiths beginnen? Ich erspare mir einfach die Suche nach alternativen Anfängen und beginne mit der Referenzgröße schlechthin. Seit Voxtrot mit “The Start of Something” debütierten, hat niemand mehr so dreist (und gelungen) Morrissey, Marr & co zitiert, ohne als Plagiat durchzugehen.

Der Gitarrenpop auf “Chasing After Ghosts”, wie passend, steht eindeutig im Geiste der 80er Vorzeigeband. Erstaunlich, dass dieser Sound auch heute keineswegs altbacken wirkt und man den Jungs aus Sheffield  daher nicht vorwerfen kann, die Nostalgiepauke zu schlagen. Jedenfalls nicht ausschließlich.  Wer unter einer Pathosallergie leidet, kann mit den 11 Songs wohl nur wenig anfangen. Mir persönlich geht bei einem Tearjerker wie “Chorus Of Fools” das Herz auf. “Bloodshot Days” lässt klanglich Lilien regnen, so wie es auch Moz gefallen würde: eine Empfehlung für den Indieszene-DJ in der Provinz wie in den Metropolen. Talent borrows, genius steals!

Jan Drees & Christian Vorbau: Kassettendeck

Nick Hornby hat sie uns gelehrt, die güldenen Regeln des Mixtapes. Diese vermeintliche Philosophie des Zusammenstellens einer Songabfolge war schon in “High Fidelity” im Grunde nur die Aufbereitung von einer allseits bekannten Strategie. Bahnbrechendes liefert auch das Autoren- und Herausgebergespann Drees & Vorbau nicht. Der Popliterat/Radiojournalist und der Szene-DJ liefern mit der Buchpublikation “Kassettendeck” vielmehr die Glorifizierung eines überkommenen Mediums ab.

Gerade die Kassette war lediglich eine Übergangslösung in der Tonträgergeschichte und doch scheint sie einer “Generation” den “Soundtrack” beschert zu haben, wie der Untertitel dem interessierten Käufer weismachen möchte. Ich selbst habe noch lange, viel zu lange in mehreren Fahrzeugen abstruse Kassettenrekorderkonstruktionen verwendet, um Mobilität mit (lofi-)Hörgenuss kombinieren zu können. Es würde mir jedoch nie in den Sinn kommen, im Anflug aufwallender Melancholie diese leiernden, kleinen Dinger noch einmal hochleben zu lassen.

So könnte man vermuten, dass die illustre Buchbeiträgergemeinschaft sich vor allem selbst feiert. Recht hätte man. Smudo, Hans Nieswandt, Peter Glaser, Lars Lewerenz, Benjamin von Stuckrad-Barre, Bret Easton Ellis, WestBam, und, und, und! Die vielen bekannten Namen können nur bedingt die etwas transparent schimmernde Substanz dieses doch sehr kurzweiligen Buches anreichern. Fazit: Ein in der Aufmachung hübsch illustrierter Zeitvertreib, jedoch keine Pflichtlektüre im eigentlichen Sinne.

The Jim Jones Revue: Gimme Deathbilly, baby!

Ich hatte mal dieses Paar High Top Sneaker von der Marke, deren High Top Sneaker man als junger Mensch nun mal trägt. Dieses Paar Schuhe entstammte einer besonderen Edition, die sich durch ein überbordend klischeemäßiges Flammendesign auszeichnete. So bemüht rebellisch dieses Schuhwerk auch daher kam, ich habe es, ganz bewusst jegliche Reflektion ausblendend, bedingungslos geliebt.

Seitdem ich diese Treter nicht mehr habe, beschäfte ich mich auch nur noch höchst selten mit  – Achtung Anführungszeichen – “primitiven” Rock ‘n’ Roll Sounds. The Jim Jones Revue jedoch spielen einen derartig tighten Rocksound, dass man unwillkürlich heiße Fußsohlen bekommt. Seit Wochen bewegt sich die Schwarzscheibe auf meinem Plattenteller und wenn ich unterwegs bin, weht mir der MP3-Player die Pomade ins Haar. Ihr dreckiger Sound ist sicher für die Rockabilly-Puristen zu heterogen, aber an Szenedünkel und Genrebeschränkungen war ich ohnehin nie interessiert.

Allein der Titeltrack ihres aktuellen Tonträgers “Burning your house down” ist so mitreißend und überzeugend, dass man den Rest des Albums ganz (un-)voreingenommen begegnen muss. Dieser exaltierte Bluesbastard mit seinem psychotischen Gesang ist wirklich gefällig, man möchte nicht leise, sondern laut röhrend jubilieren. Das Ding passt definitiv auch auf den True Blood Soundtrack. Um noch zwei Anspieltipps zu liefern, seien noch die wunderbare Rhythm ‘n’ Blues Single “High Horse” und die gut gelaunte B-Seiten-Eröffnung “Shoot First” genannt. Die verrückten Briten sind wirklich eine Offenbarung, da sie einem untoten Genre ein wenig rosige Schminke ins Gesicht schmieren.

Lieber Finder

schön, dass du meine schwarze Tasche mit den vielen 7″ Vinyl Singles gefunden hast. Ich habe sie wohl auf dem Nachhauseweg verloren.

Bitte schreib mir doch unter um ein Treffen zu organisieren und über deinen Finderlohn zu sprechen ;)

Vielen Dank!

Ja, Panik: mfg

Ach, die Marsmännchen-Theorie. Ein Außerirdischer landet in Wanne-Eickel, fragt nach der besten deutschsprachigen Band im Indierock-Segment. So bescheuert das Szenario auch anmutet, antworten muss man wohl: Ja, Panik. Musikalisch ausgefuchste Arrangements und Texte, die zwischen Deutsch und Englisch, zwischen Schwermut und Hochgefühl, zwischen Schachtelsinn und scharfzüngigen Kalauern mühelos im Dreieck springen.

Die österreichischen Wahl-Berliner waren in der Vergangenheit bereits mehrfach Band der Stunde, zumindest aus Kritikersicht. Die Spex-Lieblinge veröffentlichen am 15. April ein neues Album mit dem kryptischen Namen “Dmd Kiu Lidt”. Vorab gibt der Free Download “Trouble” Auskunft über die Stoßrichtung des neuen Songmaterials. Dass Ja, Panik an eine musikalischen Wegscheide stehen, wurde band-seitig vor einiger Zeit in einem Interview bestätigt. Noch 34 Tage…