Der dreckige Rest

Frank Turner: Recovery

Er ist der Charmebolzen unter den raubeinigen Sängern und Songschreibern. Und wer Frank Turner nicht mag, ergo nicht hört, hat wirklich was verpasst. Seit Kurzem kann man online das Video zur ersten Single aus Turners neuem Album “Tape Deck Heart” begutachten. “Recovery” ist wieder so ein wunderbarer Turner und Band im Rücken Ohrwurm geworden. The Sleeping Souls verrichten wie immer einen soliden Job im Hintergrund und ihr Frontmann glänzt mit durchdringenden Vocals.

Und doch darf es auf dem am 22. April erscheinenden Album noch ein wenig intensiver und mitreißender werden. Der Appetizer verstärkt in jedem Fall die Vorfreude auf den Longplayer, der in der Deluxe Version noch 6 Songs mehr zu bieten haben wird.

Was gibt es noch Neues im Hause Turner? Eine hübsch aufgemachte, neue Homepage zum Beispiel. Und das Album Artwork wird sich wohl alsbald auf dem ein oder anderen Unterarm wiederfinden.


 

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Neue Single

Carsten Friedrichs und die anderen Four Top Old Boys veröffentlichen am 20. April zum Record Store Day die zweite Single aus ihrem smarten Album Jeder auf Erden ist wunderschön. Dabei handelt es sich um eine streng limitierte Doppel-Vinyl-Single, auf der das wunderbare “Der fünfte Four Top” verschiedentlich präsentiert wird.

Neben einer exklusiven Single-Version des Songs gibt es Remix-Arbeiten von Frank Popp und Hans Nieswandt. Prominente Gastbeiträge also. Eine Live-Aufnahme besagten Liedes vervollständigt die Tracklist. Die schicke Single ist ab sofort vorbestellbar. Zudem ist Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen endlich auch ausgiebig auf Tour unterwegs.

 

 

Dave Hause: C’Mon Kid

Dave Hause? Ist das nicht der von der Revival Tour? Richtig, auch Dave Hause gehört zu den musizierenden Buddies von Chuck Ragan. Hause war Jahre lang als Gitarrist und Sänger in diversen Punk-affinen Bands (Paint It Black/ The Loved Ones) unterwegs und versucht nun, mit ruhigeren Tönen und heart-rending Stories zu überzeugen. Ob ihm das gelingt?

Unbedingt, ja. Allein der Titelsong der hier besprochenen EP verleitet die Hörerin oder den Hörer dazu, nach dem Ende des Liedes sehnsuchtsvoll durch zu schnaufen. Das nur von Piano und Stimme getragene  “C’Mon Kid” überzeugt vollends durch springsteen-esker Atmosphäre und kommt einem somitt angenehm vertraut vor. So gut war Brian Fallon (Gaslight Anthem) schon lange nicht mehr.

Das doch sehr lo-fi anmutende “Prague” fällt als zweiter Song auf der A-Seite dann leider etwas ab. Ergänzt werden die A-Seiten, die auch auf dem Debütalbum von 2011 enthalten sind, durch zwei gelungene Coversongs von Lucero und den fantastischen None More Black. “Join the Army” (Lucero) strotzt nur so vor Kraft und “Oh, There´s Legwork” (None More Black) gefällt als Country Adaption. Tolle EP. Ach, ja. Wer sich noch intensiver für die Revival Tour interessiert, dem seien die von Chuck Ragan kompilierten und als Buch erschienenen Tour Stories ans Herz gelegt: The Roads Must Traveled.

Sweet & Dandy Allnighter

24.11.2012 / The Tube / Düsseldorf / Ab 22 Uhr

Ob Ska, Reggae oder Soul, – bei feinsten Tunes aus den letzten sechs Dekaden smarter Tanzmusik schlagen die Herzen höher. Der im Tube servierte Klang-Cocktail zielt vor allem darauf ab, Hüften und Tanzbeine in Schwingung zu versetzen. Auch wenn wir ALLNIGHTER noch in Großbuchstaben schreiben, gibt es am DJ-Pult keine Puristenpose. Rare Erstpressungen landen woanders auf den Plattentellern, bei uns wird dafür ordentlich gefeiert.


 

Everybody dancing in that bar room this night!

Der Eintritt ist natürlich frei !

Alle weiteren Infos zu unseren Events auch unter :

www.the-tube-club.com

The TUBE
Kurze Str. 9, 40213 Düsseldorf

The Jim Jones Revue: The Savage Heart

Die Mutantenversion von Jerry Lee Lewis sprengt wieder alle Nähte seines Denim-Hemdes und präsentiert sich und seine Gefolgsleute erneut im terra nullius, irgendwo zwischen diversen Rock ‘n’ Roll Subgenres und allein auf weiter Flur. Der Albumtitel suggeriert schon programmatisch, was auf die Zuhörer zukommen wird. Im Takt eines wild-primitiven Herzschlags prügelt sich die Band aus London durch neun neue Songs, wobei die übergeschnappt röhrende Stimme von Sänger Jim Jones absolutes Trademark der präsentierten Musik ist. Und doch ist es gerade der Gesang, der zum Teil einen latenten Masochismus seitens des Zuhörers einfordert. Jim Jones gefällt sich offensichtlich in der Rolle als wahnsinniger Bluesprediger und malträtiert die eigenen Stimmbänder gewaltig. Fazit: Die Jim Jones Revue ist zu hart und dreckig, um für Rockabilly und Bluesrock Fans interessant zu sein. Also wer auch immer mit durchgeknalltem Gospel Blues Punk ‘n’ Roll etwas anfangen kann und sich nicht daran stört, dass die Soundsuppe stark überwürzt wirkt, wird mit The Savage Heart ein neues Lieblingsalbum gefunden haben. Mir ist das alles zu viel von allem.

Am 9.12. spielen The Jim Jones Revue in Köln (Gebäude 9).

Kettcar: 10 Jahre “Du und wieviel von deinen Freunden”

Band T-Shirt, High-Top Sneaker aus Leinen, Dosenbier  und “Du und wieviel von deinen Freunden”. Diese Auflistung mit Parametern aus späten Jugendjahren ließe sich mühelos fortsetzen. Grauzonen existierten scheinbar noch nicht, alles erschien der adoleszenten Lebensform namens “Ich” unheimlich kompliziert und gleichsam schwarz oder weiß zu sein. Trotz Wut im Bauch und rebellischer Pose war dennoch genug Platz für Selbstbespiegelung. Den Soundtrack dazu lieferten Kettcar ab.

Bei Erscheinen von “Du und wieviel von deinen Freunden” fiel oftmals die wohlklingende Umschreibung der Befindlichkeitsfixiertheit, eigentlich ja ein Zitat aus dem “Ich danke der Academy”-Text. Soundtrack zur Selbstbespiegelung eben. Es ist jedoch absurd, darin ein Manko im musikalischen Schaffen Kettcars zu sehen. Vielmehr ist diese gebotene Möglichkeit der Identifikation, des Halt-findens, die größte Stärke des Kettcar Debüts. Marcus Wiebusch hatte sich zuvor bei …But alive an gesellschaftlich-politischen Themen abgearbeitet, an diesen sogar zerrieben. In der kleinkariert anmutenden Punkszene war kein Platz mehr für den Mann, der gerne eigene Wege geht. Die Antwort auf die Frage, wie es weitergehen soll, war Kettcar.

Unzählige Male rotierte die “Du und wieviel”-LP auf dem Plattenteller und bekam einen eigenen Platz auf dem emotionalen Wertigkeitsschrein, direkt neben Morrissey und The Smiths. Im Laufe der Jahre nahm jedoch der eigene Wunsch nach Selbstbespiegelung ab. Oder vielmehr war nicht mehr das Medium Musik dazu nötig. Die Neuauflage des Kettcar Debüts gibt nun die Möglichkeit zu überprüfen, ob die Band und ihr Premierenalbum – zumindest für den hier Schreibenden – noch mehr ist als nur ein Nostalgiespuk bewirkendes Befindlichkeitsgespenst aus vergangenen Tagen. An dieser Stelle muss ich nun ein entschiedenes Jein anführen. Es ist schön, sich an die eigene Naivität und die vielen wunderbaren Momente aus 2002 und den nachfolgenden Jahren zu erinnern.
Gerne erinnert man sich auch an Provinzkonzerte von Kettcar, beispielsweise in Voerde, in der Nacht des zerquetschten Daumens, als ein gleichermaßen euphorisierter und betrunkener Reimer Bustorff den Merchandise-Stand der Band zu einem besonderen Ort werden ließ. Aber zurück in die Gegenwart.

Das Besondere am Reissue ist selbstredend die Bonus-CD. Dort findet man vor allem Prä-Album-Versionen der frühen Kettcar Songs, darunter auch die gar nicht so raren Raritäten wie “Hauptsache glauben” und “Genauer betrachtet”. Dabei darf das Highlight “Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt”, an dem sich LP-Besitzer ohnehin schon immer erfreuen konnten, nicht fehlen. Man muss allerdings zugeben, dass sich so manche Gesangslinie von Wiebusch höchst merkwürdig anhört. Die eigentlichen Album-Versionen sind einfach zu geläufig und vertraut, um dem Charme des Unfertigen zu erliegen. Mir wird zudem nicht ganz klar, wer dieses Reissue eigentlich brauchen sollte. Die Fans der ersten Stunde besitzen höchst wahrscheinlich die “Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende” EP und alle anderen werden sich an den Album-Versionen erfreuen. Es bleibt jedoch in jedem Fall zu hoffen, dass dieses wunderbare Jugendalbum noch zahlreiche Anhängerinnen und Anhänger finden wird.

Okkervil River: “Wake And Be Fine”

Eigentlich müsste man Will Sheff ein Stück roten Teppich an die Schuhsohlen tackern, denn der hagere Mann, der einem Woody Allen Film entsprungen sein könnte, gilt als einer der besten Songwriter unserer Tage. Falsch ist diese Einschätzung keineswegs, auch wenn die Teppichgeste mehr Glamour beinhalten würde, als dem schüchternen Songpoeten lieb wäre. Ohnehin macht Sheff sich in den Medien relativ rar und umso schöner ist es, dass er lieber Veröffentlichungen für sich sprechen lässt. 3 Jahre nach dem letzten Studioalbum “The Stand Ins” und einem Jahr nach der Kollaboration mit der Psychrock-Legende Roky Erickson präsentieren Okkervil River nun das neue Werk namens “I Am Very Far”.


 

Dass die Indiefolk-Darlings ihren erdigen Sound modifiziert haben, lässt bereits die Single “Wake And Be Fine” erahnen. In diesem Fall – wie so oft im Leben – lautet Devise verändern und Veränderungen zulassen, ergo Stillstand = Tod. “Wake And Be Fine” hat dennoch alles, was Okkervil River aus- und liebenwert macht: großartiges Melodiegespür, eine aufregende Komposition, ein gelungenes Maß epischen Charakters und letztlich Sheffs poetische Präsenz.

Daytrotter Session mit WHY?

Die Daytrotter Sessions haben sich mit den Jahren als die legitimen WWW-Nachfolger der John Peel Sessions erwiesen, was daran liegen könnte, dass sich der gesamte Indierock-Kosmos bereits im Horseshack Studio eingefunden hat. Fast alle namhaften Spartenkünstler waren schon dort, um ihre Live-Session einzuspielen.

Aktuell haben sich die verschrobenen Indiefolk-Lockenköpfe und -Bärte von WHY? bei Daytrotter verewigt. Amüsant zu lesen, ist die Beschreibung, wie Frontmann Yoni Wolf sein Lunchpaket im Studio verteilt hat. Hörenswert sind die Aufnahmen ohnehin.

“We cannot recollect anyone else using our piano as a food station and it makes sense that Wolf was the first, as he seems to have no separation of church and plate in his life, stirring everything together into one long lifeline of an experience.”

Lieber Finder

schön, dass du meine schwarze Tasche mit den vielen 7″ Vinyl Singles gefunden hast. Ich habe sie wohl auf dem Nachhauseweg verloren.

Bitte schreib mir doch unter um ein Treffen zu organisieren und über deinen Finderlohn zu sprechen ;)

Vielen Dank!

Ja, Panik: mfg

Ach, die Marsmännchen-Theorie. Ein Außerirdischer landet in Wanne-Eickel, fragt nach der besten deutschsprachigen Band im Indierock-Segment. So bescheuert das Szenario auch anmutet, antworten muss man wohl: Ja, Panik. Musikalisch ausgefuchste Arrangements und Texte, die zwischen Deutsch und Englisch, zwischen Schwermut und Hochgefühl, zwischen Schachtelsinn und scharfzüngigen Kalauern mühelos im Dreieck springen.

Die österreichischen Wahl-Berliner waren in der Vergangenheit bereits mehrfach Band der Stunde, zumindest aus Kritikersicht. Die Spex-Lieblinge veröffentlichen am 15. April ein neues Album mit dem kryptischen Namen “Dmd Kiu Lidt”. Vorab gibt der Free Download “Trouble” Auskunft über die Stoßrichtung des neuen Songmaterials. Dass Ja, Panik an eine musikalischen Wegscheide stehen, wurde band-seitig vor einiger Zeit in einem Interview bestätigt. Noch 34 Tage…