Band-Vorstellungen

Dreadnut Inc.: Offbeat Explosion

dreadnut-bandKennt ihr den schon? Im Folgenden geht es allerdings nicht um einen semi-gelungenen Witz, sondern um einen weitesgehend unbekannten Act – Dreadnut Inc. -, der zwar zurzeit ohne Label und aktueller Veröffentlichung darsteht, jedoch erstmal auf Tour geht und die Bandfahne selbstbewusst in den Musikindustriewind hält. Die Band aus Münster/Paderborn verspricht nichts weiter als eine “Offbeat Explosion” und zündet diese im Oktober an insgesamt zehn Terminen. Siehe unten!

Mit ihrem flotten und abwechslungsreichen Reggae-Sound wollen Dreadnut Inc. ihrer Hörerschaft “aus dem Gleichtakt des gesellschaftlichen Uhrwerks” katapultieren, was sicher im Zuge des Promotextes zu dick aufgetragen ist und doch ist der dargebotene Reggae-Pop-Rock-Crossover mit Hip Hop und Jazz Versatzstücken durchaus unterhaltsam und kurzweilig.

Die Message der acht Musikerinnen und Musiker ist entsprechend nicht gerade überraschend und speist sich doch aus einer nüchtern pessimistischen Weltsicht: Carpe Diem als Schlussfolgerung  ist eine gängige  Lebensmaxime  und scheinbar doch angesichts des hektisch-wuseligen Alltags unserer Tage und der globalen Problematiken ökonomischer, ökologischer und demographischer Natur immer eine Erwähnung wert. Wie klingt denn jetzt die Nutze-den-Tag-Offbeat-Explosion? Nun, um die Neugier zu befriedigen, bieten Dreadnut Inc. drei Stücke aus ihrem Repertoire zum Nulltarif an und zwar hier!

Live:

07.10.2010 Paderborn, CUBE
08.10.2010 Duisburg, Young Ruhr
14.10.2010 Münster, Gleis 22
15.10.2010 Korbach, Jugendhaus
16.10.2010 Berlin, Festsaal Kreuzberg
17.10.2010 Hamburg, Silber
20.10.2010 Mönchengladbach, Project 42
21.10.2010 Krefeld, Kulturrampe
22.10.2010 Bergisch Gladbach, Jugendkulturhaus UFO
23.10.2010 Coesfeld, Fabrik Coesfeld

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Justus Parker: Exil oder Disko

justus-parkerZwischen Indiepop-Niedlichkeit und post-punkiger Trennschärfe liegt ein immenses Stück Acker, das im brachliegenden Zustand zunächst eine menge Arbeit verspricht. Justus Parker spannen allerdings weder den Diskursgaul vor ihren Albumpflug “Exil oder Disko”, obwohl man das bei der Catch Phrase im Titel erwarten dürfte, noch wirkt die Band aus Düsseldorf/Köln/Wuppertal bei besagter Ackerbestellung irgendwie angestrengt.

Die ersten Songs des gerade veröffentlichten Longplayers zappeln und hibbeln sich gleich ins Aufmerksamkeitszentrum, was gleichsam an der treibenden Gitarrenarbeit und dem angenehm hysterischen Gesang liegt. “Unter Menschen” gibt entsprechend die Marschroute vor, schubst hinein – rüttel, rüttel – und dann: da sein gegen Dasein. “Durch den Nebel, ein paar Sterne/Ohne Kompass, ihre Glut/Großer Wagen, nee, Laterne/Schwere Schritte, träges Blut.”

Wer jetzt noch nicht versteht, was bei Justus Parker Sache ist, wird bei “Ich erhöhe meine Geschwindigkeit” belehrt. Beinahe zu eingängig wird hier gefuhrwerkt und doch kann man sich dem Drive der fünfköpfigen Band keineswegs entziehen. Textlich angemessen plakativ, könnte man sagen und falls sich der Eindruck einstellt, dass kontemporärer Indierock in deutscher Sprache Befindlichkeitsfixiertheit nicht mehr angemessen und in der rijustus-parker-21chtigen Dosis in Worte hüllen kann: “Zwischen auf die Barrikaden,/Selbstzerstörung und Blockade/Lieg ich wach und denk an nichts/Und bin allein.” Verkopft geht anders. Dennoch, ein wenig kryptischer dürften die Texte schon sein, obwohl Musik und Wort  klanglich sicher durchgehend symbiotisch wirken. Zwischen Exil und Disko liegt halt Alltag und dieser speist beispielsweise das schön vorwärts drängende “Das muss wohl Liebe sein”.

Gefällig ist sicher auch das radiokompatibele “Tanz, Baby (Solange du noch kannst)” und der Energielevel bleibt lobenswert oben. Letztlich kann man sich aber nicht dem Eindruck entziehen, dass Justus Parker ein wenig mehr von der dem Kameraden Post-Punk immanenten Kantigkeit gut stehen würde, eine Nuance mehr greifbare Gefahr, ein wenig mehr Diskurs und Ellenbogen. “Paläste aus Glas” geht eher in diese Richtung, kann sich den catchy Refrain jedoch auch nicht verkneifen, denn Justus Parker buchstabieren Pop stets in Großbuchstaben. Von “Am Ende kommen Touristen” lässt man sich schlussendlich gerne aus dem Album schmeißen, wobei mit dem Hidden Track noch einmal ein atmosphärischer Schlussstein gesetzt wird.

Mit “Exil oder Disko” haben Justus Parker, um doch noch ein Fazit zu ziehen, ein eingängiges, zumeist gefälliges Album eingespielt, das der Band noch die ein oder andere Türe öffnen könnte. Dem Rezensenten hätte jedoch ein wenig mehr Türeintreten statt Anklopfen besser gefallen.

Isobel Campbell & Mark Lanegan: Es knistert wieder

Manifeste Gegensätze  auf Albumcampbell-lanegan1länge und das bereits im dritten Anlauf. Mark Lanegan ist phänotypisch wohl eher als verlebt zu bezeichnen. Grunge (Screaming Trees) und Stoner Rock (Queens of the Stone Age) sind nicht spurlos an dem geschäftigen Musiker vorbeigezogen, was dann sowohl das ausgezerrte Gesicht als auch die verrauchte Stimme erklären dürfte.

Isobel Campbell hingegen war jahrelang dem schöngeistigen Twee Pop bei Belle & Sebastian verschrieben und hat die schottische Band als Cellistin, Keyboarderin und Vocalistin durchaus mitgeprägt. Das dunkelhaarige  Raubein und die feminine, blonde Mitdreißigerin werden auf dem am 24. August erscheinenden Longplayer “Hawk” erneut die jeweiligen Qualitäten in die Waagschale werfen und die Frage, ob sich nun der Literaturwissenschaftler oder doch eher der Ornithologe mit dem Albumtitel beschäftigen soll, darf an dieser Stelle getrost außen vor bleiben

Was die besagten Gegensätze anbelangt, werden diese nicht nur biografisch und durch das prä-kollaborative musikalische Schaffen unterfüttert, sondern zeigt sich vor allem im gesanglichen “Zusammenspiel”. Wenn Lanegans Whiskeykehle auf Campbells laszives Gehauche trifft, schwebt schon eine gewisse Spannung – ein atmosphärisches Geknister – als Platzhalter zwischen den beiden Protagonisten. Man gewinnt den Eindruck, dasscampbell-lanegan2 gerade diese Wärme erzeugende Reibung gesanglicher Natur den besonderen Reiz ihrer zwischen Americana, Folk und Blues mäandernden Alben ausmacht. Gerade bei den Stücken mit düsterer Stimmung muss man unweigerlich an das Nick Cave und Kylie Minogue Duett aus dem Jahre 1995 denken, aber nun zum bald erscheinenden Material des Duos Campbell-Lanegan .

Die beiden bei Myspace gestreamten neuen Songs “Come Undone” und “You Won’t Let Me Down Again” machen in der Tat neuigierig auf die aktuelle amerikanisch-schottische Co-Produktion. Gerade “Come Undone” mit seiner entspannt-bluesigen Stimmung mutet besonders gelungen an. Natürlich flanieren die beiden auf reichlich ausgetretenen Pfaden und doch könnte “Hawk” bei durchgehend hohem qualitativen Niveau eine lohnenswerte Sache darstellen.

Ra Ra Riot: Schatten wird Licht

rarariot1Die Annahme, Kunst entstünde vor allem aus erlebtem Schmerz, ist weit verbreitet und trotz vieler Beispiele, die man auch in der Popgeschichte findet, nur bedingt vertretbar. Trifft diese Vorstellung dennoch zu, so müssten Ra Ra Riot mit ihrem zweiten Album The Orchard reichlich Qualität abliefern. Ob es der sechsköpfigen Band aus Syracuse (New York) recht ist, dass anlässlich der Albumveröffentlichung allerorts wieder an den tragischen Tod ihres Drummers John Ryan Pike erinnert wird?

In jedem Fall sind Ra Ra Riot mit dem Verlust ihrer Schlagzeugers und Freundes in der Vergangenheit souverän umgegangen und doch ist es vermutlich für  die  Band besonders schwierig, dass ihr musikalisches Schaffen zumeist nicht von diesem Schicksalsschlag losgelöst betrachtet werden kann. Bereits das Debütalbum The Rhumb Line pendelte zwischen Trauer und Euphorie – eine wirklich merkwürdige Stimmungsmelange, die dennoch ausgezeichnet zum praktizierten Stilsprung zwischen Indierock und Kammerpop passte. Vor allem der Einsatz von Cello und Violine machten und machen den Mehrwert von Ra Ra Riot aus und in den besonders gelungen Momenten klingen die Amerikaner wie eine Mischung aus The Smiths, Arcade Fire und Belle and Sebastian.

Nun also das erste Album ganz ohne Drummer und Co-Songwriter Pike und bereits die Myspacerarariot2-Seite der Band bestärkt den Eindruck, dass die enstandene Lücke emotional keineswegs geschlossen wurde. “We will always love and miss you, John”, fällt dort als erstes ins Auge und man muss kein Hellseher sein, um zu behaupten, dass auch die Lyrics auf The Orchard den erlebten Verlust reflektieren werden. Musikalisch klingt der erste Vorbote des Tonträgers, das auch als Free Download verfügbare “Boy”, zunächst nach unbeschwertem Wohlfühlpop, was durchaus erleichternd ist. Die unaufgesetzte Leichtigkeit war schon auf dem Vorgängeralbum die Stärke des Sextetts, so dass man sich erneut auf so oder so stimmungsvolle Songs freuen darf. Dabei dürfen die anderen Stücke des am 24. August erscheinenden Albums The Orchard gerne im Vergleich zur Vorabsingle qualitativ zulegen. Ein Hit wie “The Dying Is Fine” ist “Boy” nämlich keineswegs.

Ra Ra Riot “Too Dramatic” (Preview) from Barsuk Records on Vimeo.

The Bewitched Hands On The Top Of Our Heads EP

TheBewitched-45t-FINAL-Preview RECTOWer sich vom sperrigen Namen nicht abschrecken lässt, entdeckt hinter der wortreichen Fassade eine Band, die mit unwirklich schönen Avantgarde-Pop begeistern kann.  The Bewitched Hands On The Top Of Our Heads aus dem Nordosten Frankreichs, aus Reims um genau zu sein, schöpfen ihre Inspiration aus vergangenen Dekaden der Popmusik, in denen letztgenannte auch psychedelisch anmuten konnte, was heute kaum noch denkbar erscheint. Beinahe magisch schwebt der gleichnamige Opener ihre ersten EP “Hard To Cry” durch den Raum und hinterlässt noch nach dem Verklingen der letzten Töne eine Wärme ausstrahlende Aura. Geschichtete Stimmen, geschichtete Instrumente und doch wirkt alles so simpel und unangestrengt.

Die sechs Franzosen haben das Ohrwurm-Diplom im Handgepäck, so viel steht fest. Es ist schon erstaunlich, dass die Band es sich erlauben kann, einen sensationellen Songeinfall wie “Out Of Myself” nach gerade einmal anderthalb Minuten zu verwerfen und dabei wie Belle and Sebastian auf LSD zu klingen. “I’m In My Slim” weist ebenfalls Singalong-Qualitäten auf und praktiziert den Schulterschluss zum Hörer mittels dieses kurzen, eingängigen Folkrockers und ist wie jeder andere Song der EP soundtrack-kompatibel…für einen Arthaus-Film versteht sich. Wenn The Bewitched Hands On The Top Of Our Heads noch mehr dieser süchtigmachenden Melodien im Köcher haben, wird das im Herbst folgende Album ein richtiger Blattschuss.

Die “Hard To Cry” EP ist seit dem 23. Juli via iTunes zu beziehen

Male Bonding: Zwischen Demotape und Kunstdiplom

male-bonding-coverEin Honigglas, das man mit voller Wucht an die nächste Wand wirft. Male Bonding klingen so: irgendwie klebrig-süß und dennoch zuweilen wütend. Der Lo-fi-Charme, der ihr ausgezeichnetes Debütalbum kennzeichnet, rückt das Trio in die Nähe der Durchstarter Surfer Blood und doch scheint die Sub Pop Entdeckung doch eher einem kleineren Kreis von Connoisseuren vorbehalten zu sein.  Die Band aus Großbritannien hat ihr aktuelles Album “Nothing Hurts” bereits im Mai veröffentlicht und dennoch lohnt sich ein erneuter Blick auf dieses Release und dessen Urheber.

Male Bonding klingen authentisch, was im besten Fall bedeutet, dass sie die junge und zutiefst talentierte Band aus dem Proberaumbunker an der Ecke sein könnten. Ein wenig ungeschliffen, aber eben unbekümmert  und mit dem instinktiven und untrüglichen Gespür für das ausgestattet, was sie eben tun und was obendrein als so richtig erscheint.

Und so rumpeln und schraddeln sich die Drei durch ihre energetischen Gitarrenpopentwürfe, streifen dabei Surf und Garagenrock und sind dennoch weit entfernt von hipper Indierockigkeit. Zudem gibt es ein wenig 80er-Atmosphäre und Shoegaze-Beschaulichkeit (“Franklin”), es dominieren jedoch die  unprätentiösen Vorwärtsdränger in ihrer Dilettantenverkleidung. Bei allen 13 Stücken bewegen sich Male Bonding souverän zwischen Demotape und Kunstdiplom und “Nothing Hurts” ist dabei wahnsinnig unterhaltsam und kurzweilig. Also einfach mal das Sommerloch mit Frühjahrsplatten stopfen. Es funktioniert.

Free Downloads:

Male Bonding – Franklin

Male Bonding – Year’s not long

Dogs: We Are The Dogs EP

dogs_we_are_the_dogs_artworkOft sind es die verschlungenen Pfade, die in der eigenen Autonomie münden. So geschehen bei der englischen Band Dogs, die 2005/2006 mehrere Singles in den britischen Charts platzieren konnte und zwischenzeitlich von niemand Geringeren als Paul Weller protegiert wurde. Nach zwei Alben befand sich die Band dann an der Wegscheide: die Verkaufszahlen wurden geringer und zudem geriet das Personalkarussell in Bewegung. Was nun, Hunde? Den notwendigen Neuanfang bestreiten Dogs, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen französischen Band, 2010 nun mittels einer gemeinsam mit der Fanbasis finanzierten EP mit dem deklaratorischen Titel “We Are The Dogs”, welche selbstredend auch in Eigenregie veröffentlicht wird.

Die ursprünglichen Postpunk-Wurzeln der Londoner kommen auf der aktuellen Veröffentlichung nur noch bedingt zu tragen und man kann nicht davon sprechen, dass Johnny Cooke und die Seinen ein regelrechtes Feuerwerk abbrennen würden. Nach passablem Beginn mit dem eingängigen und ambitioniert angelegten “Cost of Loving”, zielt das nachfolgende Stück “This Sorry Scene” mit Handclaps und straightem Poprock auf die britischen Verkaufszahlen ab und dürfte entsprechend vielen Leuten da draußen zusagen. “This Floor Fell Away” ist eher mit dem Prädikat “Hintergrundmusik” zu betitulieren, während “Long Walk Home” ansatzweise Postpunk-Kantigkeit bemüht und diese stilistische Auflockerung dem Gebotenen sichtlich zuträglich ist, tatsächlich Drive verleiht. Mit “When I Threw Stones” begeben sich Dogs dann endgültig in Kings of Leon Fahrwasser und paddeln dabei auf die Glasvegas-Küste zu.  Ein solider Neuanfang in jedem Fall, dabei jedoch fast ein wenig zu “erwachsen” klingend.

Villagers: Schakalwerdung

villagers2Bei Musik mit irischer Provenienz spuckt der mit Assoziationsvisualisierung vertraute einarmige Bandit drei Mal das gleiche Symbol aus: ein stark behaarter Bizeps der aus einem Karohemd hervor lugt, ein randvolles Guiness-Glas und eine Wandergitarre. Bei Villagers aus Dublin hat man es jedoch vielmehr mit entrücktem, nachdenklichem Indiefolk zu tun, der den zerbrechlich wirkenden frühen Alben der Bright Eyes relativ nahe steht. Read more »

Wolf Parade: Expo 86

expo-86Die Indierock-Dissidenten Wolf Parade haben bei Expo 86 erneut mit verschiedensten Rezepturen jongliert und kredenzen dem Hörer eine prickelnde Songbrause, die den eigenen Geschmacksnerven nuancenreich Freude bereiten kann, ein vortreffliches Pülverchen ganz ohne songwriterischem Mononatriumglutamat. Kaum zu glauben, dass der Nachfolger von At Mount Zoomer (2008) in einem lediglich vier Monate währenden Kreativ- und Aufnahmeprozess entstanden ist, denn die zwischen frickelig und geradlinig zu verortenden Songaufbauten sind durch eine bemerkenswerte Architektur gekennzeichnet, so dass der wiederkehrende Aha-Effekt zu betonen ist. Read more »

The Sunshine Underground: Nobody’s Coming To Save You

tsuDie Hypeschmiede NME bezeichnete 2006 das Debütalbum “Raise The Alarm” von The Sunshine Underground als das erste großartige Album der New Rave Bewegung und in der Tat konnte dieses mit einer guten Handvoll Hits geschmackssicher punkten. Neben den Leeds Lads identifizierte das britische Magazin Bands wie Shitdisco und Klaxons als die mutmaßlichen Erben von den Happy Mondays und anderen Madchester-Protagonisten. Allein schon der polarisierende Terminus New Rave erwies sich allerdings als beherzter Griff in die Kloschüssel und 2010 ist von der prophezeiten Bewegung so rein gar nichts mehr zu entdecken.

Die Bürde eines zweiten Albums schultern die Klaxons in naher Zukunft, aber The Sunshine Underground legen wie schon 2006 mit einem Longplayer vor. So wie sich der vermeintliche New Rave in das große und durchaus traditionsreiche Feld des Dancepunks einzuordnen wusste, war es klar, dass  “Nobody’s Coming To Save You” ziemlich genau 4 Jahre nach dem Debüt mehr als nur ein Schritt in Richtung musikalisches Neuland darstellen muss, um auch 2010 den Stempel der Relevanz verliehen zu bekommen.

So gestaltet sich das bereits im Februar im Vereinigten Königreich erschienene Album als facettenreicher Versuch, sich der Genrefalle zu entziehen und gleichsam progressiv als auch massenkompatibel zu sein. Dabei ist der Opener “Coming To Save You” erst einmal ein reichlich sperriger Auftakt. Das verwendete Strophenmuster weist eine unerwartete Nähe zum Alternative-/Metal-Segment auf, bevor der Refrain dann wieder die bekannte Hymnenhaftigkeit eines “Commercial Breakdown” adaptiert. Und der Bass brummt stellenweise wie bei den Kollegen von Muse. Geschenkt. Erst bei dem dritten Stück “We’ve Always Been Your Friends” zielt die Rhythmik mit Nachdruck auf Tanzfläche und Verkaufszahlen ab. Eingängigkeit galore. “In Your Arms” fährt dann die alte, funky Dancepunk-Lok in den Gang of Four-Tunnel und wirft noch ein paar Pop-Kohlen in den Ofen.

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Genial-zackig geht es bei “A Warning Sign” zu, was ein wenig an den Erstling und an die Dancefloor-Raudies von The Rapture erinnert. Herzerwärmenden Britpop (“Change Your Mind”) wollen sie auch, die Jungs, die sich einst den Bandnamen bei den Chemical Brothers entliehen haben. Solide.  Bei “Any Minute Now” sollen dann wohl bei dem Hörer einzelne Tränen über die Wange kullern, doch die Ballade ist eher Tal als Gipfel einer ambitioniert zusammengestellten Songkonstellation.  Mehr Mitklatschpop? “Here It Comes”! Der Rest kippt dann schon ein wenig hinten rüber.

The Sunshine Underground haben die stickige Enge des Szeneclubs verlassen und suchen die Erhabenheit weiter Landschaften und finden oft nur das eigene Ebenbild in den Pfützen der Erwartung am Wegesrand der Ambition. Bezeichnend, dass der letzte Song des Albums, “The Messiah”, vor allem durch nervtötende La-la-las im Gedächntis vor Anker geht und obendrein wird noch kurz Scorpions-mäßig gepfiffelt. Muffig, diese Winde des Wechsels in der zweiten Albumhälfte. Schade!