Alben

You Say Party! We Say Die!: XXXX

ysp_wsd_xxxx_cover_high_resBesonders gewieft muss man nicht sein, um hinter des Rätsels Lösung zu kommen: hinter „XXXX“ – dem Titel des dritten You Say Party! We Say Die! Album – verbirgt sich nichts Geringeres als „Love“. Da genügt ein einfacher Blick auf das Cover, in dessen Mitte unmissverständlich ein Herz platziert ist oder auch ein Blick auf die Trackliste, mit den Titeln „There Is XXXX (Within My Heart)“, „Make XXXX“ und „XXXX Loyalty“. Read more »

BLK JKS: Zol!

blk-jks_zolSeit Wochen schon häufen sich die Indikatoren, die einem vermitteln: bald ist es soweit – die Fußball WM beginnt. Sei es durch unglücklich formulierte Moderationen in Radio und Fernsehen oder durch nicht minder missglückte Werbe- und Marketingkampanien wie die Umbenennung der Airwaves Kaugummis Passionfruit Menthol in „Gelbe Karte“. Dass die neue BLK JKS EP „Zol!“ zu einem dieser Indikationen werden könnte, ist mehr als nur bedauerlich. Read more »

Anthony Rother: Popkiller 2

popkiller2Bereits durch die Vergegenwärtigung des Namens Anthony Rother füllt sich der Assoziationsspielraum in einer stroboskopischen Explosion grelles Lichts. Allein “Father” ist wohl eine der remixreichsten Clubhymnen der jüngeren Vergangenheit (ja, ja – Discobots und Jay Jay) und die Mischung aus Electro und Synthpop ist auch ein paar Jahre später, sprich 2010, noch für viele Clubber und sonstige Freunde verschiedener Technosounds interessant. Sechs Jahre nach dem ersten Teil und nach etlichen weiteren Releases folgt nun mit Popkiller 2 die Fortsetzung des Erfolgskonzepts und dürfte mit großer Sicherheit vorhandene Erwartungen erfüllen.

Man muss auch nicht lange ausharren, bevor sich ein neuer potenzieller Clubhit den Weg in den Wellness-Hörbereich bahnt. Gleich nach dem als Intro fungierenden “Night” sorgt das melancholisch pulsierende “Disco Light” für erste Verzückung und lädt sogleich zum repititiven Genuss ein. “Cruising” nimmt den Faden jedoch gekonnt auf und variert das Popkiller-Konzept durchaus effektreich. Sperriger wird es bei dem gen neun Minuten tendierenden “Cinema”, das jedoch auch so manche verschwitzte Leiber in ekstatische Zuckungen versetzen dürfte. Auf Albumlänge wirken gelegentlich die Synthiekeys ein wenig zu gestrig und auch die Vocals kratzen zuweilen provokativ an der Nervtoleranz (“Big Boys”).

Um endlich die Katze aus dem sprichwörtlichen Sack zu lassen: wer das aktuelle Album durch den Titel als Sequel kennzeichnet, nun, der hat nach “Father” was im Gepäck? Richtig, “Mother” und der Track gefällt dem Autor dieser Zeilen gar besser als das olle Väterchen, sehr gefällig und sich beinahe behutsam entfaltend. Bei “Rotation” zeigt Anthony Rother noch einmal die Trademarks, die ihn 2004 aus der Masse an Electroacts empor gehoben haben, ein sich trotzig schüttelndes Ungetüm von einem Track mit Godzilla-Syndrom. Rothers “Moderntronic” ist on top, auch wenn der Innovationsfaktor im Falle von Popkiller 2 nicht mehr von Bedeutung ist.

Jersey Budd: Wonderlands

jersey_budd_wonderlands_coverSelten wie Bernstein ist es, dass ein britischer Musiker derartig amerikanisch klingt und auch der Name lässt eher an  BigMac als an Fish & Chips denken. Jersey Budd‘s Debütalbum Wonderland zeugt keineswegs von zu vermutenden Identitätskrisen, sondern positioniert sich mit der nicht zu vermutenden Altersweisheit und Souveränität eines Mitzwanzigers zwischen Pub, Roots und Heartland Rock, so dass es kaum verwunderlich ist, wenn das Q Magazine zum Vergleich die ganz Großen des Genres wie Springsteen oder Tom Petty herbei zitiert.

Es ist in der Tat verwunderlich, dass Budd bisher eher ein Dasein als Insider-Tipp fristete, denn die Qualität seines ersten Releases in voller Albumlänge in Abrede zu stellen, würde einem Songwriting-Sakrileg gleichkommen. Auf  Wonderlands dominieren die straighten, eingängigen Songs wie gleich der Opener “Visions Of You” programmatisch vorführt und gleichzeitig repräsentativ für den hohen Wiedererkennungswert vieler Budd’schen Kompositionen ist. Gerade in der ersten Albumhälfte folgt potenzielle Single-Auskopplung auf  potenzielle Single-Auskopplung, was für den titelgebenden Song ebenso gilt wie für den popigen Midtempo-Rocker “Bright Soul” (Free Download). Dass Mr. Budd tatsächlich die musikalische Begeisterungsfähigkeit eines Springsteens adaptieren und in sein eigenes Songwriting einfließen lassen kann, verdeutlicht “She Came Back” exemplarisch. Gerade die warmen und sehr kraftvollen Vocals verleihen den 10 Songs auf Wonderlands einen gewissen Charme, der, wenn alles gut läuft, Jersey Budd 2010 noch möglichst viel Aufmerksamkeit bescheren kann.

Superpunk: Die Seele des Menschen unter Superpunk

dsdmusDandy-Soul für Fortgeschrittene und dazu einmal den Mod-Seniorenteller mit Herrengedeck, bitte! Ach, zum Schwelgen,  eine neue Platte von Superpunk hat doch immer etwas von nach Hause kommen, was wohl daran liegt, dass die Top Old Boys das famoseste BeatGarageKreuzüber-Replikat von Hamburg bis München, ach was sag ich, des gesamten ollen Kontinents bieten.

Gelernt ist eben gelernt und wenn dann noch Bernd Begemann die richtigen Regler im Produktionsprozedere bedient, dann kann man frohen Mutes “Die Seele des Menschen unter Superpunk” erörtern und evaluieren. Als kritischer Geist muss man natürlich Fragen mit skeptischer Note  – warum braucht man denn noch ein Album von den Punksnobs? – stellen und nach den ersten Tönen von “Ford Escort” erübrigt sich diese Haltung schlußendlich doch. Alles dabei: Bläser, Orgel und natürlich Carsten Friedrichs verehrungswürdig-schnodderiger Antigesang.

Superpunk spielen eben nicht nur Musik für Allnighter, sondern für die Tanzveranstaltung namens Lifetimer. Dick aufgetragen? Klar, aber dies beherrscht der zu rezensierende Fünfer schließlich auch. Dies resultiert in herrlichen Verliererhymnen wie “Das Feuerwerk ist vorbei”, das gekonnt den Bewusstseinsscheinwerfer des Hörers auf sich lenkt und dann einen gekonnt-dilettantischen Pole Dance vollführt. Im Abglanz solcher musikalischer Goldbarren kann man auch mit geschmacklos-kitschigem Tafelsilber wie “Alle lieben dich, Daniela”  noch einmal den Tisch decken, denn serviert wird dann eine wohl schmeckende Instrumentalcurrywurst a là “Up All Night”!

Warum “Das waren Mods” fast zwei Jahre nach Singleveröffentlichung auch auf dem neuen Longplayer zu finden ist? Ja, ja, ich weiß schon: Why not? Ganz großer Sport ist in jedem Fall die ultimative Liebeserklärung an den muffigsten aller Rückzugsorte, zumal das Kultcharakter genießende friedrichs’sche Namedropping auch im Songtext zu “In der Bibliothek” Auferstehung feiert. Enorme Hitdichte wie bei den Klitschkos, will man meinen, da “Rette dich vor den einfachen Leuten” und vor allem das bedächtige “Ich will heute nicht kämpfen” allen Superpunk-Kontrahenten einen TKO bescheren, lässig aus dem Ärmel geschüttelt eines Bon vivants. Liebe zur Musik unpeinlich thematisiert? “Oh, dieser Sound” kredenzt die Antwort. “Frühstück am Abend und Pepsi am Morgen” und dann noch dieser Refrain: Schmunzeln, Feiern, Tanzen als Animationsprogramm  in der Ode an die Dekadenz namens “Babylon Forever”. “Die Seele des Menschen unter Superpunk” ist nicht nur das fünfte Studioalbum der anzugtragenden Nischenbesetzerband, sondern zudem ein sehr gutes geworden. (VÖ 04.06.2010)


Frittenbude: Katzengold

katzengoldSie thronen wieder obenauf und reiten die wahnwitzige Riesenwelle ohne Rücksicht auf Folgeschäden für Körperhülle oder den neuronalen Wackelpeter namens Hürn, zeigen auf, dass das Electropunk-Ding auch 2010 noch durchaus Strahlkraft besitzen kann. Nebensächlich, dass Frittenbude sich erstmalig an einer vorhandenen Erwartungshaltung orientieren mussten, denn im Umkehrschluss kann man dem “Katzengold” attestieren, dass es gar weniger bemüht anmutet als manche Minuten auf “Nachtigall”. Die oft in ihren Texten anzutreffende persönliche Entfesselung scheint endgültig zur Bandmaxime geworden zu sein, denn die neuen Songs haben sich freigestrampelt von allen Vergleichsmaßstäben und Plagiatsvorwürfen, wirken entsprechend losgelöst, regelrecht entschlackt und vibrieren ganz und gar vor lauter eigendynamischen Trademarks. “Potential abgerufen”, könnten die Dellings und Netzers der Blogosphäre im Brustton der Überzeugung analysieren. Und Recht behalten.

Konsequent hart  und trotzdem hitig geht es auf “Katzengold” zu, so dass die Festivalkids im Sommer neue Hymnen zwecks Austickübungen geliefert bekommen. “Unkenrufe” wäre anbei zu nennen. Nicht alles fängt sofort Feuer, wobei man den Blick für die Zielgruppe nicht unberücksichtigt lassen sollte und dennoch muss man nicht “jung und abgefuckt” sein, um einen Knüllertrack wie “Ob es reicht, sie zu finden” gautieren zu können. Ohwürmchen gefällig? Einfach mal “Ein Mensch rennt” reinfahren.Den Bollerbeat-Appetit wird auch “Fetter als Gelb” anregen, das prädestiniert scheint, in engen Kellerklubs den Kondenswasserregen vom Tröpfelniveau auf die Sturzbach-Ebene zu hieven. Frittenbude haben definitiv das für sie bestmögliche Album aufgenommen. Nicht viel mehr, aber auch ganz bestimmt nicht weniger. An dieser Stelle sei noch auf die in der limitierten Version beigefügten Remix-CD verwiesen, die von “Raveland”, über die “Zerkau Deinen Knebel”-Version von “Matador” bis zum Indiefresse-Remix von “Raven gegen Deutschland” die Re-work Perlen der letzten Jahre des Audiolith-Universums zusammenfasst und entsprechend lohnt.

Foals: Total Life Forever

tlfKlangteppiche aus dem Ambient-Webstuhl statt entfesseltem ZickZackZauber – eigentlich war es sonnenklar, dass Foals auf ihrem zweiten Album konzeptuelles Neuland betreten würden. Die Mixtur auf “Antidotes” war einfach zu stimmig, dass ein Aufguss, ledigliche Variation vor dem Debütvergleich bestehen könnte. Nun also die Neuausrichtung namens “Total Life Forever” und bereits das Artwork lässt Weite, Erhabenheit und Motivdichte erahnen.

In der Tat mutet die Abkehr von der eigenwilligen Tanzbarkeit, von den spinnerten Mathhymnen, von der virtuosen Geschlossenheit ein wenig zu sehr gewollt an. Man kann sich förmlich ausmalen, wie die Band aus Oxford die Idee vom gefälligen und zugleich anspruchsvollen Artpop weiterentwickelt hat. Immer vorwärts, lautet die Diverse und wer von der alten Hörerschaft sich dem Marsch ins gelobte Popwunderland nicht anschließen möchte, muss eben zurückbleiben.

Es besteht keinerlei Zweifel, dass Foals großartige Musiker sind und auch das Songmaterial auf “Total Life Forever” ist in anderer Weise als virtuos zu bezeichnen. “Spanish Sahara” samt Video kündete bereits vom Willen zum epischen Songwriting, zum filigran arrangierten Spannungsbogen, aber unter dem Strich blieb dennoch die Vermutung, dass ein guter, entrückter Popsong künstlich aufgebläht wurde, auf Rekordlänge sozusagen. Gerade die große Harmoniepräsenz bei Songs wie “Blue Blood” lässt erahnen, dass Sänger Yannis Philippakis stärker in sich zu ruhen scheint, nicht mehr mit gepresster Stimme seiner Getriebenheit Ausdruck verleihen muss. Ein großartiger Song, definitiv und doch vermisst man ein wenig den Kampfzwerg mit Schaum vor dem Mund, der mit seiner unbändigen Energie die ganze Band nach vorne getrieben hat. “This Orient” ist ebenfalls als gelungen zu bezeichnen und wirkt dennoch wie ein Zugeständnis an die Plattenfirma, doch auch mal einen Ohrwurm in Radiosonglänge abzuliefern.

Bei dem sanft groovenden, auch über 6 Minuten dauernden “Black Gold” kommt einem der DJ Gavin Cavangh aus “The Boat That Rocked” (“Radio Rock Revolution”) in den Sinn, der kurz bevor der schippernde Radiosender in der Nordsee untergeht, folgendes Zitat über den Äther schickt: “Here’s a rather long record. I hope I’m here at the end of it.” Ob man am Ende von “Total Life Forever” noch bei den Foals ist, klärt sich nicht nach einigen wenigen Durchgängen. Dieses Album wird trotz der neuen Poplastigkeit (Dauerlutscher-Style) nicht sogleich den Weg in Kopf und Herz finden. So qualitativ wie die neuen Foals sich auch präsentieren, ein wenig Trauer um die “Antidotes”-Band kann und will man nicht verbergen.

Danko Jones – Below The Belt

djonesZwinkert das eine Auge? – der Titel des Albums steht breitbeinig zwischen Sachbeschreibung und ironischer Note. Alles neu auf “Below The Belt” und es klingt wie immer im Hause Danko Jones, schließlich weiß man inzwischen, was man an dem Kanadier mit der auffälligen Zunge entweder mag oder eben nicht. Das ganz in Schwarz gekleidete Trio mit dem namensgebenden Frontmann bietet auch im fünften Anlauf hechelnde Rockköter, die nicht nur laut bellen, sondern gelegentlich auch noch zubeißen. Dabei setzt sich sich die Entwicklung fort, die bereits nach dem quasi-Debüt, der Compilation “I’m Alive And On Fire”, einsetzte und spätestens nach dem ersten regulären Studiorelease “Born A Lion” stärker spürbar wurde, nämlich die Annäherung vom Garagenrock hin zu der stiefmütterlich behandelten Kategorisierung Hardrock. Auf “Below The Belt” ist der Schweinrock alter Tage durchaus noch präsent, doch der melodisch-prollig auftretende Hardrock gibt den Vorarbeiter, denn Danko Jones arbeitet immer noch ehrlich auf der Rockklischee-Baustelle. Ohne Helm und mit dicker Lippe.

“Had Enough” zieht die Aufmerksamkeit auf sich, wird dann aber vom Highspeed-Kracher “(I can’t handle) Moderation” überholt und allein diese Songfolge verdeutlicht das Albumprinzip: stufenweise raufschalten und den Bleifuß immer mal durchdrücken. Überflüssig erscheint vielleicht “Tonight is fine”, das in verschiedenen Variationen auf jedem Danko Jones Album zu finden ist, die Blaupause des groovenden Machorockers wurde einfach zu oft schon von Mr. Jones nachgezeichnet. Trademark, könnte man brüllen, aber auch Selbstplagiat. Dann doch lieber so geifernde Bluesbestien wie “The Sore Loser”. Schmerzfrei kommt man dennoch nicht unter der Gürtellinie wieder weg, denn für peinliche Nummern wie “Like Dynamite” braucht man schon einige Promille im Blut, um sich nicht fremdzuschämen. Aber “Apology Accepted”, denn der gleichnamige Song rückt das schief hängende Bild sogleich wieder gerade – ein gemeiner, versiert vorgetragener Beweis, dass Danko Jones trotz mancher Klischeefallen in seinem Metier eine Autorität ist und man sich der Band nicht gänzlich entziehen kann. Ihr bestes Album ist “Below the belt” allerdings keineswegs geworden.

Danko Jones – Below The Belt (VÖ 14. Mai 2010, Bad Taste Records)

Cypress Hill: Rise Up

rise-upEine reine Throwback-Platte ist es nicht geworden, auch wenn vieles beim neuen Cypress Hill Release an die Glanztaten des Westcoast-Raps erinnert. Dennoch ist “Rise Up” keine reine Nostalgieangelegenheit, dafür wirken die Tracks von B-Real, Sen Dog, DJ Muggs und Percussion-Experte Bobo viel zu frisch und unverbraucht. Zwischen Kifferklischee und Gangsterglorie sind Cypress Hill immer noch State of Art, auch wenn manches den Skipfinger reizt. Die Nicht-Vinyl-Falle schnappt quasi zu. Doch gerade die beiden Songs mit Tom Morello (Rage Against The Machine) besitzen gehörige Sprengkraft und die funky Detonation hat  appellativen Charakter a là “Jump Around”. Wobei man schon gleich bei Everlast wäre. Nicht ganz so gelungen wie das B-Real Feature auf dem La Coka Nostra Album ist die Revance von Mr. White bei “Take My Pain”, auch wenn der Track schön neunzigermäßig abrumpelt.

Hängenbleiben wird mit Sicherheit das exquisite “Get It Anyway”, weil es, was Eingängigkeit anbelangt, an den richtigen Schrauben dreht und gleichsam nach vorne geht. “Pass The Dutch” ist trotz der abgeaschten Dope-Thematik gefällig und wird in der Gunst des Hörers dennoch von tiefergelegten Bangern wie “Get ‘em up” abgelöst. In der illustren Gästerunde  fällt allerdings das Feature mit Daron Malakian, bekannt von System Of A Down, völlig raus. Das wirkt ein wenig, wie eine peinliche Erinnerung an schlimme New Metal Tage. Dann lieber das melancholische “Carry Me Away” mit dem Linkin Park MC Mike Shinoda am Mic, auch wenn dessen Hauptband ja überhaupt nicht klar geht. Dass Pitbull und Marc Anthony (ja, genau der!) im abschließenden “Armada Latin” zum Zuge kommen, verwässert einen insgesamt recht guten Eindruck von “Rise Up”. Willkommen zurück in der Spur, Zypressenhügel.

The Black Light Departure: Schlaflos im Pott

tbld1Der Urban Sprawl, sprich das Landmassen fressende Ungetüm namens Ruhrgebiet, ist nicht gerade die erste Adresse in Sachen zeitgenössischer Indierock. Allerdings gibt es durchaus Lichtblicke im musikalischen Düsterland zwischen Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg, wie verschiedene, Hoffnung evozierende Bands in letzter Zeit unter Beweis gestellt haben. Zu diesen muss man definitv The Black Light Departure aus Oberhausen rechnen, deren schleppender, in Melancholie getränkter Indierock irgendwo zwischen Editors, Glasvegas, Interpol und Joy Division seine Kerze entzündet.

Seit dem Sommer 2008 feilt die Band, von den Brüdern Daniel und Philipp ins Leben gerufen worden und durch Drummer Sebastian und Gitarrist Timo komplettiert, an ihrem Sound, was nun in der EP “And You May Never Fall Asleep Again” kulminiert. Die hier enthaltenen 5 Songs werden zwar als Demo bezeichnet, doch dadurch sollte man keineswegs den Verdacht schöpfen, man habe es hier mit rumpeligen Proberaumaufnahmen zu tun. Vielmehr reichen sich hier durchaus Musik und Aufnahmequalität die Hände, so dass die Bezeichnung Demo vermutlich vor allem den Vorstellungscharakter der Veröffentlichung in Eigenregie gerecht werden soll.

Schon allein der hervorragende Opener “Coma Echoes” gehört auf sieben Zoll schwarzes Vinylgold gepresst  und nicht auf einen CD-R gebrannt- Demo hin, Demo her. Natürlich sind die musikalischen Referenzen nicht so schwierig zu enträtseln (s.o.) tbld-bandund doch gewinnen The Black Light Departure der angepeilten Schnittmenge von Indierock, New Wave und Postpunk eigene Facetten ab und der Song löst in lobenswerter Manier Assoziationen aus: Leere Tanzfläche, Nebelmaschine, “Coma Echoes” – ein melancholisches Tanzvergnügen eben. “Distance” wird von einer wärmenden Synthesizerdecke eingehüllt, so dass es dem Hörer trotz unterkühlter Grundstimmung keineswegs fröstelt. “Silence of Snow” setzt nach besagtem Opener das nächste fette Ausrufezeichen und schwebt angenehm durch den Raum, kommt dem Band-eigenen Anspruch, die “Ästhetik der Einsamkeit” einzufangen, relativ nahe. Dennoch, eine schwelgerische Note bewahrt die Musik der Oberhausener stets vor zu viel Schwermut.

“The Good & The Bad” spinnt den Faden der Shoegaze-artigen Gitarren weiter und überzeugt vor allem instrumental. Manchmal nimmt der Sänger einen stimmlichen Ausfallschritt in Kauf, bewegt sich damit jedoch in der Traditionsschleife, die Ian Curtis der Nachwelt hinterlassen hat und in dieser Gesellschaft sind solche Detailkritiken mehr als nur zu verzeihen. Zu Nörgeln gibt es hier wenig und daher kann man auch bei dem schließenden “Aurora” keinen Qualitätsabfall attestieren: gelungener Indiepop mit New Wave Reminiszenz geformt und selbstbewusst genug vorgetragen, um im Konkurrenzdruck ähnlich gelagerter Bands zu bestehen. Da geht was, im Urban Sprawl!