Der omnipräsente Herr Raab – auch 2010 gibt es wieder den Bundesvision Song Contest, der manchmal Indiekünstler ihr Rückgrat in die Hose rutschen lässt (Schuuuulz). An besagtem TV-Event beteiligt sich auch die Mainzer Band Auletta, die 2009 mit dem Album “Pöbelei & Poesie” debütierte und heute eine neue EP mit dem Wettbewerbsbeitrag “Sommerdiebe” veröffentlicht. The kids will like it…vermutlich!
Wie geil kann denn Politik sein, dachten sich vermutlich auch John Legend und Questlove, seines Zeichens Schlagzeuger von The Roots, als sie sich mitten im 2008er US-Wahlkampf darauf einigten, den im Land herrschenden Spirit musikalisch einzufangen. Schon fast ist der damalige Hype um Obama und die erzeugte Politisierung von vermeintlichen Nichtwählern in Vergessenheit geraten und doch erscheint jetzt mit dem gemeinsamen Album des Soulsängers und der Organic Hip Hop Band ein musikalisches Zeugnis dieser bewegten Zeit.
Längst musste sich der ikonisierte, einstige Präsidentschaftskandidat den realpolitischen Zugeständnissen eines Amtsträgers beugen und das Haupt für Dinge hinhalten, die er originär nicht zu verantworten hat. So ist das nun mal. Die Euphorie ist verflogen, aber Wake Up! entschädigt im Kleinen, ist musikalisches Trostpflaster, ist Balsam für die…
Soul – in der Vergangenheit selbstverständlich politisch aufgeladenes Ausdrucksmittel der afroamerikanischen Community, ist dem Genre diese Qualität weitesgehend verloren gegangen. John Legend und The Roots beleben nun diese Tradition in beeindruckender Weise. Vornehmlich “soulful music from the 60s and 70s” haben die kollaborierenden Künstler herangezogen und diese für sich interpretiert. Dabei gehen sie angemessen behutsam zu Werke und das Ergebnis pendelt zwischen den Polen funky (“Our Generation”) und smooth (“Wake Up everybody”).
Selbst Offbeat-Klänge, sprich Reggae-”Wurzeln”, finden sich auf Wake Up! (“Humanity”), was im Albumkontext nur logisch sein kann. Und wer bei Songperlen, wie dem gospel-lastigen ” I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free”, nicht verstanden hat, warum dieses Coveralbum seine Berechtigung hat und darüber hinaus absolut genial ist, muss definitiv zurück in die Soul-Grundschule: Nachsitzen!
Schon die neue Band von Clickclickdecker gehört? Einfach nicht ausgelastet, der Mann. Mit an Bord bei Ludger sind zudem Musiker von Peters, Juri Gagarin und Herrenmagazin. Wie das klingt? File under Punk. Ludger veröffentlichen “bald” mit “Auf Eis” ein erstes akustisches Lebenszeichen und zwar auf MC. Alter Schule, Digger!
Kennt ihr den schon? Im Folgenden geht es allerdings nicht um einen semi-gelungenen Witz, sondern um einen weitesgehend unbekannten Act – Dreadnut Inc. -, der zwar zurzeit ohne Label und aktueller Veröffentlichung darsteht, jedoch erstmal auf Tour geht und die Bandfahne selbstbewusst in den Musikindustriewind hält. Die Band aus Münster/Paderborn verspricht nichts weiter als eine “Offbeat Explosion” und zündet diese im Oktober an insgesamt zehn Terminen. Siehe unten!
Mit ihrem flotten und abwechslungsreichen Reggae-Sound wollen Dreadnut Inc. ihrer Hörerschaft “aus dem Gleichtakt des gesellschaftlichen Uhrwerks” katapultieren, was sicher im Zuge des Promotextes zu dick aufgetragen ist und doch ist der dargebotene Reggae-Pop-Rock-Crossover mit Hip Hop und Jazz Versatzstücken durchaus unterhaltsam und kurzweilig.
Die Message der acht Musikerinnen und Musiker ist entsprechend nicht gerade überraschend und speist sich doch aus einer nüchtern pessimistischen Weltsicht: Carpe Diem als Schlussfolgerung ist eine gängige Lebensmaxime und scheinbar doch angesichts des hektisch-wuseligen Alltags unserer Tage und der globalen Problematiken ökonomischer, ökologischer und demographischer Natur immer eine Erwähnung wert. Wie klingt denn jetzt die Nutze-den-Tag-Offbeat-Explosion? Nun, um die Neugier zu befriedigen, bieten Dreadnut Inc. drei Stücke aus ihrem Repertoire zum Nulltarif an und zwar hier!
“Schüttelt die Thrombosestrümpfe von den Füßchen, denn die Band mit dem kurzen, aber umständlichen Namen ruft wieder rattenfänger-like auf die Tanzfläche. !!! schmeißen auf Strange Weather, Isn’t It? die letzten Reste Disco-Punk über Bord und haben einen unwirklich groovenden Funkroboter zusammengeschraubt, der sicherlich subtiler als der allseits beliebte Comic-Blechmann namens Bender zu Werke geht und dennoch eine außerordentlich gut funktionierende Schalk-Platine sein Eigen nennt.
Die personell dezimierten New Yorker mit den lautmalerisch deutbaren Ausrufezeichen haben das Ausscheiden wichtiger Bandmitglieder und den skurrilen Todesfall ihres Schlagzeugers Jerry Fuchs überstanden, um nun wie der mythologische Feuervogel den Kritikern – richtig – die kalte Schulter zu zeigen. Mit Erwartungshaltungen haben es die Nerds aus dem Big Apple ohnehin nie so gehabt, so dass es kaum verwunderlich ist, wenn ihr psychedelischer Schichtsound nie eingängiger war und dennoch seine komplexe Tiefenstruktur bewahrt hat.”
Was: Die Stylo-Electroreihe in der Düsseldorfer Tonhalle geht in die nächste Runde. Dieses Mal niemand aus dem Ed Banger Umfeld, sondern die originären Technotausendsassa Alter Ego live. Yes!
+ Make The Girl Dance DJ Set (Roy Music, Paris)
+ Robophil DJ Set
Ist das jetzt die Quietscheentchen-Ausgabe von Mike Skinners The Streets oder doch eher Eminem auf Helium, der ein unbeschwertes Partyalbum bei Mark Ronson aufgenommen hat? Professor Green, 26jähriger MC aus East-London, ist in der Tat irgendwo zwischen den genannten Koordinaten zu verorten und sein am 24. September erscheinendes Album Alive Till I’m Dead ist Good Mood Pop Rap für die Tanzfläche. Dass sich Stephen Paul Manderson alias Professor Green selbstironisch mit Vanilla Ice vergleicht, ist natürlich ein Klumpfußvergleich und doch sagt dies einiges über die Grundausrichtung seiner Songs und das Zielpublikum aus. Die echten Hip Hop Heads werden bei Professor Green abwinken und es sind eher die Kids, die besagten Mark Ronson oder meinetwegen auch Plan B abfeiern, die auf Alive Till I’m Dead einiges Unterhaltsames finden werden, auch wenn es immer wieder Schattenmomente gibt – The Streets like.
Natürlich macht man es sich irgendwie einfach, wenn man bei den ersten beiden Singles jeweils bekannte Samples verbrät und die Songs nur knapp am Status Coverversion vorbeischrammen. Gut, die Zielgruppe wird sich vermutlich ohnehin nicht mehr an INXS erinnern, daher kann man “I Need You Tonight” einfach mal neu verwursten und dank des extrem eingängigen Sounds ist der Song auch ohne Erinnerungserlebnis ein – richtig – Hit, Hit, Hit! Die nächste Single “Just To Be Good Green” bedient sich schamlos bei einem anderen 80er Synthesizer Bestseller, nämlich bei “Just Be Good To Me” von den vergessenen S.O.S. und wenn dann noch Lily Allen die Hook singt, steht Great Britain mal wieder Kopf.
Bei “Oh My God” erklärt sich Professor Green kurzerhand als Rap’s George Best, den legendären nordirischen Fußballspieler („Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“) Abgesehen von dieser Selbststilisierung könnte “Oh My God” problemlos Single werden, wofür größtenteils der von Labrinth vorgetragene Refrain sorgt. Professors Greens lässiger Flow passt auch wunderbar zum Bassmonster namens “Jungle” und die nächste prägnante Hookline lauert bestimmt im Dschungeldickicht. Man könnte sich nun immer weiter an der Tracklist entlang hangeln und beispielsweise “Do For You”, den Dancefloor-Stomper “Falling Down” oder “Monster” loben und doch ist manches einfach zu hitig. Hier wird nichts dem Zufall überlassen und man könnte beinahe glauben, Alive Till I’m Dead stelle den Versuch dar, das britische Shock Value zu kreiieren. In der Tat könnte auch mancher Beat und eingängige Refrain von Timbaland stammen, was je nach Gusto gut oder ganz schlecht sein kann. Sagen wir es mal so: Wer abwechslungsreichen, cheesy Pop Rap gutheißen kann, sollte schnell “Alive Till I’m Dead” erwerben und für Professor Green bedeutet dies, ein heißer Eisen im Chartfeuer zu haben und genug Geld anzuhäufen, um auch weiterhin einen auf George Best zu machen. Kick it!
Professor Green: Alive Till I’m Dead (VÖ 24.09.2010; Virgin/EMI)
Das kanadische Duo Infernale haut am 16. November Nummer drei einer fünfteiligen, limitierten Singlereihe raus. Das gute Stück beinhaltet einerseits den unveröffentlichten Japandroids-Song “Heavenward Grand Prix” – wie immer auch vorab als Free Download – und eine Coverversion von “Shame” (P. J. Harvey). Die Vinylversion kommt erneut via Polyvinyl.
Nicolas Sturm: Schiffbruch Es ist fast auf den Tag ein Jahr her, dass Nicolas Sturm mit der ambitionierten EP “Doppelleben” begeistern konnte. Alles ist Pop lobte gleichsam die “kunstvoll gearbeiteten kleinen musikalischen Schmuckkästchen” und “die textlichen Kleinode, die sich in ihnen verbergen.” Aktuell bietet der talentierte Songwriter den Song “Schiffbruch” auf der Label-Homepage von Omaha Records zum Nulltarif an, also her mit euren Ohren!
Das neue Album der Indie-Folk-Sensation Okkervil River namens “I Am Very Far” erscheint in den USA am 10. Mai, laut gewissen Online Versandhäusern in Deutschland jedoch bereits am 6. Mai, am Release-Freitag eben. Wer sich nicht so lange gedulden möchte, kann im digitalen Okkervil River Zeltlager bereits den Song “Wake and Be Fine” herunterladen. Mal sehen, was sich Bandguru Will Sheff dieses mal ausgedacht hat.
Lesung: LCD im Salon des Amateurs Dienstag geht es los! Der LiteraturClub Düsseldorf feiert seine Premierenveranstaltung im Salon des Amateurs. Eine Bereicherung für die Düsseldorfer Altstadt und Literaturszene gleichermaßen. Zum Auftakt lesen die Initiatoren selbst: A.J. Weigoni, Swantje Lichtenstein, Enno Stahl, Peggy Neidel, Jens Prüss. Pflichtveranstaltung!
Mit “straight unter die Rippen” kann man die Stoßrichtung des zwischen Indierock, Pop und Punk zu verortenden Sound der norddeutschen Band Findus beschreiben, der...
Ach, Omas Teich. Ein kleines, feines Festival im beschaulichen Ostfriesland mit einem nur bedingt spektakulären Line-up und doch einigen erwähnungswürdigen Glanzlichtern, z.B. dem bewegenden...
Hallo Sommer! Zwar ist dieser mal mehr und mal weniger präsent, aber die sonnigen Stunden reichen jetzt schon aus, um die Endorphinausschüttung gehörig anzukurbeln....
Die Blog-Community hatte die richtige Spürnase und der Electropop-Adel hat ihnen bereits lobend die Hände aufgelegt. Popular Damage rechtfertigen diese aristokratische Würdigung nun mit...
Audiolith Records steht seit Jahren für gesäßtretende (elektronische) Musik ohne Grenzen, und da so Pi mal Daumen das fünzigste Release fällig war, sollte dies...