I Am Kloot (Zakk, Düsseldorf)

Was: I Am Kloot (Indie & Songwriting from U.K.)

“Diese Band stand schon immer ein wenig im Schatten kommerziell erfolgreicherer Kollegen. In Großbritannien traute man I Am Kloot nicht selten den ganz großen Durchbruch zu, nur um dann zu beobachten, wie Coldplay oder Snow Patrol mit melodiösem Indie Rock die Charts erstürmten, während die Band aus Manchester gemeinsam mit Acts wie Elbow oder den Doves in der Reihe der Tipps für Musikliebhaber blieb. Eine Zeit lang sah es sogar so aus, als müsse man sich ernsthaft Sorgen machen. Doch nach dem eher durchwachsenen “Play Moolah Rouge” von 2008 haben sich die Briten wieder gefangen. Das neue Album „Sky At Night“ ist genau die Art glänzende Gitarrenmusik mit melancholischen Untertönen, für die man I Am Kloot seit mittlerweile über 10 Jahren liebt. Nicht umsonst wurden die Herren John Bramwell (Gesang/ Gitarre), Andrew Hargreaves (Drums) und Peter Jobson (Bass) mit dem aktuellen Album sogar für den britischen „Mercury Music Prize 2010“ nominiert.”

Wo: Zakk (Düsseldorf)

Wieviel: 17 EUR (Geb.) VVK, 20 EUR AK

The Black Light Departure (Djäzz, Duisburg)

Was: The Black Light Departure (Indierock aus OB)

“Der Urban Sprawl, sprich das Landmassen fressende Ungetüm namens Ruhrgebiet, ist nicht gerade die erste Adresse in Sachen zeitgenössischer Indierock. Allerdings gibt es durchaus Lichtblicke im musikalischen Düsterland zwischen Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg, wie verschiedene, Hoffnung evozierende Bands in letzter Zeit unter Beweis gestellt haben. Zu diesen muss man definitv The Black Light Departure aus Oberhausen rechnen, deren schleppender, in Melancholie getränkter Indierock irgendwo zwischen Editors, Glasvegas, Interpol und Joy Division seine Kerze entzündet. [...]” Ganzer Artikel: The Black Light Departure: Schlaflos im Pott

Wo: Djäzz (Duisburg)

Wieviel: tba

Kurzgefasst: Belle and Sebastian, Eric Eckhart, Hunger For Distance

bsBelle and SebastianWrite About Love. Achtung, das ist keine Rezension. Die schottischen Schöngeister Belle and Sebastian haben in der vergangenen Woche bereits ihr achtes Studioalbum veröffentlicht und pflegen immer noch einen vor Harmlosigkeit triefenden Twee Pop, der gerade durch ausgezeichnetes Songwriting und trotz der chronischen Abstinenz von Reibungspotenzial den Status der Band als Indiepop-Darlings aufrecht erhalten wird. Obwohl ich selbst bereits mehrere B&S-Alben besitze, weiß ich immer noch nicht so recht, was ich von Stuart Murdoch und seinen Mitstreitern halten soll.

Letztlich genießt die Band einen Kultstatus, vor allem im United Kingdom, den man sicherlich respektieren sollte, doch bereits erste Höreindrücke aus Write About Love nötigen einem nicht gerade die Bereitschaft ab, sich näher mit dem alles in allem niedlichen Gesamtsound des Albums zu beschäftigen und in die sicherlich vorhandene Tiefenstruktur einzudringen. Die vermeintliche Wand des entspannt-gemächlichen Songwritings könnte ebenso die Auftürmung von Langweile und Austauschbarkeit sein. Man lerne: Handwerk und Talent müssen nicht folglich dazu befähigen, die weite Ebene der Mittelmäßigkeit zu verlassen, doch vielleicht ist dies genau die Kunstfertigkeit der schottischen Band, nämlich das eigentlich Geniale in Durchschnittlichkeit zu tarnen. Vielleicht werde ich es nie herausfinden.

Eric EckhartThis Is Where It Starts. Ein Name, wie ein Hammerschlag in eineeer Stahlmanufaktur. Auch ohne klingenden Künstlernamen kann der amerikanische Wahlberliner auf 25 Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken und tauchte beispielsweise im Vorprogramm von Broken Social Scene, Fionn Regan oder Ocean Color Scene auf. Ebenfalls auf der Habenseite steht neben reichlich Lebenserfahrung, gehörig Stage Time auch noch eine angenehm warme Stimme, die wunderbar zum zwischen Singer-Songwriter-Kram und sonnigen Rock pendelnden Sound passt. Besonders viel Energie transportiert Eckhart bei den weniger popigen Songs wie “Bring Me Down” oder dem mitreißenden “Better Way”. Nett!

Hunger For Distance – Bremslichtdisko. File Under schrammeliger Indierock, was gar nicht mal negativ gemeint ist. Die 8 Song starke EP rumpelt da, wo sie muss und deswegen passt hier auch endlich mal das Prädhfdikat “Indie” in seiner ursprünglichen Wortbedeutung. Das ist frischer und authentischer (Post-)Proberaumsound, der wohl austariert ist und von einem guten Gespür für Laut-leise-Dynamik zeugt. Natürlich hat das alles mehr Demo- als einen professionellen Charakter, ist zum Teil sehr windschief und entsprechend leicht anstrengend zu hören, doch insgesamt keineswegs substanzlos.

Mit einer besseren Aufnahme und ausgefeilterem Gesang könnte die Band aus Duisburg, Köln und Mülheim  sicher mehr überzeugen, denn Songs wie “Reminiszenz” oder das leicht an Muff Potter erinnerende und absolut gelungene “Luzern (+1)” zeugen von vorhandenem Potenzial. “Das Schwerste ist es nicht, jemanden zu Verlassen, das Schwerste ist es, nicht zurückzukommen.” Wichtig ist es sicherlich, dass die Band nun den Sprung nach vorne schafft, um besagtes Etikett der bemühten Proberaum-Band loszuwerden. Falls dies gelingt, geht hier noch was, doch bis dahin gilt das Prinzip “support your local scene”, denn die EP ist für günstige 4€ (+ Porto) in diesem Geiste zu beziehen.

Vimes: Neglect

Bereits Ende August haben wir kurz, aber angetan auf Vimes hingewiesen und nun hat das Electropop Duo einen neuen Track namens “Neglect” via Soundcloud ins Netz gestellt. Besagtes Stück weist erneut einen gewissen 80er Jahre Charme auf, schielt dabei in Richtung zeitgenössische Clubmusik und hat dennoch eine melancholische Grundstimmung. Interessante Mischung.

Jens Friebe: Abändern

friebeDer  Friebe ist schon ein Schelm. Mitten im Eurodance Revival Wahnsinn jubelt der Wahlberliner dem indiepop-affinen Publikum ausgerechnet eine Vengaboys-Coverversion unter. So weit, so gut, doch richtig dreist wird die Neuinterpretation erst dadurch, dass Friebe hier keinen unauffälligen Schmuggel betreibt, sondern in Interviews mit diesem hanebüchenen Einfall auch noch hausieren geht.

Klar, er wird ja auch danach gefragt, denn die Musikjounaille stürzt sich natürlich begeistert auf eine solche Geschichte, so dass der in der Öffentlichkeit chronisch unterbewertete Jens Friebe mit seinem neuen Album “Abändern” vielleicht doch noch zu seinem Recht kommt. So funktioniert Promotion auch, wie man an diesen einleitenden Sätzen erkennen kann, aber nun zur musikalischen Dimension dieses gewollt/ungewollten Schachzugs.

Zuweilen als Studentenpop verschrieen, gibt Friebe auf seinem vierten Album erneut den netten Songwriter aus der chaotischen Erstsemester-WG eures Vertrauens. Dabei gelingt es ihm, ein gutes Verhältnis zwischen Anspruch und nötiger Unbeschwertheit zu kreieren und wohl auszutarieren. Dennoch überwiegt die vergnügliche Note auf “Abändern” und mit seiner Pianostomper-Version von besagtem 90er Hit “Up and down” dürfte Friebe problemlos in den Charts der Campusradios landen, jedenfalls wenn es mit rechten Dingen zugeht.

Wirklich überzeugend sind jedoch andere Stücke wie die nahezu perfekt-niedliche Abschiedshymne “Charles de Gaulle” oder die Indiepop Blaupause “Königin im Dreck”. Friebe versteht sein Handwerk und dies ist eine Tatsache, die er mittels der 11 neuen Lieder zu belegen scheint. Selbst die eher nervigen Stücke wie “Sei mein plus eins” sind wieder so rund in ihrer Konzeption und instrumentalen Abstimmung, so dass man dem Friebe gar nicht so recht grollen mag. Bei all dem collagierten Zitatreichtum gibt es zudem auch bei mehrmaligem Hören noch etwas zu entdecken, auch wenn dieses Stilprinzip beim fluffigen “Verbotene Liebe” ein wenig zu stark in den Vordergrund drängt. Insgesamt ist “Abändern” ein sehr okayes Album geworden, das einige besondere Momente aufzuweisen hat und dennoch wächst Friebe nicht unbedingt über sich hinaus, doch so ist das nun mal im Leben: es geht immer rauf und runter.

Jens Friebe: Abändern (VÖ 8. Oktober 2010 auf ZickZack / What’s So Funny About)

BoySetsFire – Reunion

Don’t call it a comeback – da sind sie wieder! “I think we underestimated how much we would miss it. The communion, the intensity, the genuine outpouring of emotion- it just doesn’t exist for us without BoySetsFire. So we are going to start playing together again.” Die Live-Reunion findet am 5. Dezember in Berlin statt.

The Great Berholinis: Album & Tour

18 Monate nach dem tollen Album “Planting a tree next to a book” kehren The Great Berholinis nun mit dem Longplayer “Gradual Unfolding Of A Conscious Mind – Part 3″ zurück in die Öffentlichkeit, der am 22. Oktober bei Hazelwood erscheint. Zudem ist die hungarophile Ausnahmeband ab dem 12. Oktober auf Tour, also Augen auf beim Konzertkartenkauf. Die Rezension zum Album in Kürze hier!

Interview: Findus

findus-coverMit “straight unter die Rippen” kann man die Stoßrichtung des zwischen Indierock, Pop und Punk zu verortenden Sound der norddeutschen Band Findus beschreiben, der dennoch kaum in eine der musikalischen Schubladen passen will. Eigentlich war das Interview mit den sympathischen Neu-Hamburgern schon länger geplant, doch irgendwie ist das Vorhaben in den unendlichen Weiten des WorldWideWebs zeitweilig verschollen gegangen.

Nichtsdestotrotz und in aller Ausführlichkeit hat Sänger Lüam meine Fragen zur Wahlheimat Hamburg, zu bekannten Unterstützern und befreundeten Bands, zu seinen Texten, zur Selbstverwaltung als Band, Product Placement in Rockmusik und den bandeigenen Zukunftsplänen beantwortet. Ansonsten sei darauf hingewiesen, dass die Nordlichter bis Jahresende noch fleißig am Touren sind, u.a. mit Turbostaat und Escapado. Aber nun auf zum verschollenen Interview…

AiP: Interessant bei der Entstehung eures ersten Albums „Sansibar“ ist die Mischung aus „wir machen das jetzt allein“ und relativ bekannten Unterstützern: Thees Uhlmann/GHvC, Audiolith, etc. Erzähl doch mal! Ein Glücksfall in Zeiten, in denen es den Rundum-glücklich-Plattendeal ohnehin nicht mehr gibt?

L: Ja, das hat sich bei uns sehr gut entwickelt. Wir haben uns zusammen mit Freunden dazu entschieden, das Album selbst zu veröffentlichen. Dabei war uns allerdings noch nicht klar, wie das genau laufen kann und ob wir das überhaupt hinkriegen. Ohne viel Geld und ohne Namen. Dann haben wir uns einfach umgehört und das geht in Hamburg eigentlich recht gut. Wir wurden durch verschiedenste Leute auf ganz unterschiedliche Arten unterstützt. Zum einen tat die direkte Unterstützung sehr gut, ohne die wäre es auch so nicht möglich gewesen und zum anderen tat es auch einfach gut, dass wir in unserem Anliegen ernst genommen wurden. Dadurch entwickelte sich bei uns auch erst diese Sicherheit, das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein.

 

Ich finde, eure Musik ist relativ ambivalent. Einerseits funktioniert vieles als Partysoundtrack und hebt die Stimmung, andererseits gibt es nachdenkliche, melancholische, wütende Momente. Widerspruch oder ganz natürlich aus deiner Sicht?

Ja, für mich ist das eigentlich kein Widerspruch. Wir haben uns halt nicht hingesetzt und überlegt, was soll das für ein Album werden. Party? Melancholie? Wut? Da fließen halt alle Dinge zusammen. Wir erleben Sachen, die dann einfach mit in die Musik einfließen. Wir schreiben die Lieder und spielen sie zusammen. Mal wütend, mal traurig.

Wie hat der Umzug nach Hamburg den Bandalltag verändert, aber auch die Wahrnehmung eurer Band in der Öffentlichkeit? Gerade was deutschsprachigen Indierock anbelangt, ist die Hansestadt ja nicht gerade das schlechteste Pflaster…

Es hat sich auf jeden Fall einiges geändert, wobei ich das nicht genau definieren kann. Es ist nicht so, dass wir uns in diesem typischen Hamburger Szeneumfeld bewegen. Da sind wir eher außenvor, aber natürlich kriegen wir gewisse Dinge näher mit als früher auf dem Dorf. Aber wir sind jetzt in dem Sinne keine typische Hamburger Rockband, in der die Hälfte aller Mitglieder noch in irgendwelchen anderen Bands und Projekten rummacht. Außerdem liegt das Studio in Kiel und da entsteht halt auch immer noch sehr viel.

Was man aber auf jeden Fall beobachten kann, ist die Wahrnehmung unserer Band in anderen Städten. Wenn wir irgendwo hinkommen, dann wird da mit unserer neuen Herkunft geworben und ich glaube, die Leute denken dann, die kommen aus Hamburg, klingen nach Hamburg und das finden die oft geil. Seitdem wir alle in Hamburg wohnen, werden wir als Band ein Stück ernster genommen.

findus-2

Erzähl doch mal etwas über deine Texte. Was inspiriert dich beim Schreiben und wie läuft der Songwriting-Prozess bei euch ab? Bringst du fertige Texte mit in den Proberaum und haben die anderen Mitspracherecht?

Die meisten meiner Texte entstehen aus relativ alltäglichen Situationen. Vieles ist da einfach so Gefühlsbrei, den ich versuche, durch mein Geschriebenes mir selbst und den anderen irgendwie nahezubringen. Wobei ich mir da eigentlich nicht so meine Gedanken mache. Die Texte kommen und ich schreibe sie auf. Ich verfolge damit selten konkrete Ziele. Es gibt Tage, da schreibe ich viele Texte und dann gibt es auch wieder Zeiten, in denen geht nichts. Ich weiß auch nicht, ob ich besonders gut im Texten bin. Ich mache es einfach.

Wie wichtig ist das Motiv „Aufbruch“ für dich? In den Texten auf „Sansibar“ ist schließlich stets eine gewisse Ruhelosigkeit und ein präsentes Fernweh zu spüren.

Aufbruch ist mir schon wichtig. Ich verstehe Aufbruch allerdings etwas anders, nicht unbedingt als Wegkommen oder Abhauen, sondern als Weitermachen. Kein Stillstand. Mauern einreißen. Ich frage mich halt oft, ob es nicht besser ist, einmal mehr etwas Altes, Bequemes, vielleicht auch Schönes aufzubrechen, als irgendwann irgendwo zu stehen und zu merken, dass man satt und bequem ist. Gerade im Zusammenhang mit Musik und Kunst stelle ich mir diese Frage sehr oft, und außerdem sind fast alle Lieder der Sansibar auf dem Dorf, am Meer entstanden. Und ich glaube, da bleibt das nicht aus. Ist schon oft langweilig gewesen in der Gegend, in der Sansibar entstanden ist.

Habt ihr manchmal den Eindruck, dass ihr musikalisch zwischen den oft zitierten Stühlen sitzt: für das punk-affine Publikum zu pop-orientiert, was Eingängigkeit etc. anbelangt, und für den Typus der vermeintlich oberflächlichen „Indie“-Kids wieder zu rauh und unbequem?

Ja, das kriegen wir sehr oft mit, gerade jetzt auf den letzten Touren. Die Leute wissen immer nicht so recht, wo und wie sie uns einordnen sollen. Oder auch bei unseren letzten Supportsachen. Viele fanden es komisch oder sogar scheiße, dass wir eine Band wie Against Me! supporten dürfen, obwohl wir doch gar keine Punkband sind. Nach dem Konzert fanden die es dann doch irgendwie geil. Wir machen uns da aber nicht so den Kopf. ich finde es sogar ganz geil – wir können machen was wir wollen!

Ihr scheint guten Kontakt zu Bands wie Turbostaat oder auch Smoke Blow zu unterhalten, obwohl Findus zu diesen nur bedingt musikalisch passt. Würdest du sagen, es gibt szenetechnisch größeren Zusammenhalt bei euch im Norden oder ist das Schlüsselwort alleine „Sympathie“?

findus-3Ich weiß gar nicht so richtig, wie es im einzelnen dazu gekommen ist, dass wir mit diesen Bands befreundet sind. Bei Smoke Blow ist es halt einfach Björn, der Bassist, unser sechster Mann. Mit ihm haben wir unsere Platte produziert. Er steht uns immer zur Seite. Und bei Turbostaat hat sich das einfach mit der Zeit entwickelt, aber ich glaube, dass hat gar nicht so viel mit der Region zu tun. Ich glaube einfach, dass gerade diese beiden Bands noch sehr interessiert sind an dieser Kultur, und ich weiß nicht, ob das auch so wäre, wenn sie in Hamburg, Köln oder Berlin leben würden. Da gibt es dann auch einfach zu viele Bands und natürlich spielt auch die Sympathie eine Rolle.

Bei eurem Konzert zuletzt in Duisburg ist mir ein ziemlich gelungener, neuer Song aufgefallen oder irre ich mich da? Wie sieht es mit zukünftigen Veröffentlichungen aus? Steht was an? Eine schicke 7“-Single würde euch gut zu Gesicht stehen! :)

Ja, da sagst du was. Wir sind gerade fleißigst dabei, neue Lieder zu machen und werden dieses Jahr noch ins Studio gehen. Wann und was es neues gibt, bleibt abzuwarten.

Würdet ihr denn zukünftig wieder eine Platte im Alleingang, also auch mit dem verbundenen finanziellen Risiko, in Angriff nehmen oder darf es jetzt auch gerne ein reguläres Label sein? Welche Rolle spielt dabei der Wille zur Autonomie?

Ja, wir würden es auf jeden Fall wieder machen, nur kriegen wir nun auch ganz gute Angebote aus diversen Richtungen und die schauen wir uns schon auch interessiert an. Es ist uns allerdings sehr wichtig, dass alle Entscheidungen von uns getroffen werden. Mal sehen…

Wie stehst du zu der zunehmenden Digitalisierung von Musik? Findus setzten offensichtlich auf das Gesamtpaket des analogen Tonträgers, bei der Musik nicht nur zum schnell konsumierbaren Produkt degradiert wird. Andererseit birgt dieser Trend schließlich auch Chancen für Bands, um sich eigenständig im Netz zu präsentieren.

Ich finde es einfach wichtig, dass man als Band seine eigene Vorstellung, seine eigenen Ideen umsetzt. Mir selbst ist es einfach wichtig, die Musik auch schön zu verpacken. Für mich haben irgendwelche Lieder auf meinem MP3-Player einfach keinen richtigen Wert, aber dass muss jede Band selbst wissen. Uns ist es nur wichtig, dass wir genau diese Entscheidung selsbt treffen können. Cd? Vinyl? Booklet? Poster? Der ganze Quatsch soll von uns kommen.

Ihr habt 2009 beim Red Bull Tourbus mitgemacht. Gab es bandintern Diskussionen, ob man sich unter die Flagge besagten Großkonzerns präsentieren soll? Gerade die kommerzielle Vermarktung von jungen Bands (auch bei der Jägermeister Rockliga) mutet doch zweischneidig an oder? Stichwort „Ideale“?

Es gab in diesem Red Bull Fall keine Diskussionen, da wir davon selbst erst erfahren haben, als wir da schon drin waren. Ein Freund wollte uns was Gutes tun und hat uns da angemeldet. Grundsätzlich finde ich dieses Band-Firmen-Gekuschel nervig. Ich finde dadurch geht einfach ganz viel verloren. Es verliert an Persönlichkeit, wenn immer überall ein Großkonzern dahintersteht.

Was wünscht du dir persönlich für Findus und wie geht es weiter? Anfang vs. Ende… ;-)

Ich wünsche mir, dass es immer weiter geht. Wir ziehen jetzt in einen neuen Proberaum, wir schreiben neue Lieder und wir werden Konzerte spielen – immer weiter!

 

 

 

 

The Magnificent Brotherhood: Dope Idiots

tmb-cover-dopeDie Ampel steht auf Grün bei The Magnificent Brotherhood und damit ist nicht nur das Artwork des neuen Albums “Dope Idiots” gemeint. Deutschlands wohl tighteste Garage Rock Band ist immer noch addicted to Fuzz, psychedelisch entgrenzt, mit orgiastischen Orgelmomenten nicht gerade haushaltend – Farfisa, Baby! – und dabei so eingängig wie nie.  Drahtseilaktig überqueren die Berliner die Genremanege und würdigen die  Konkurrenz zu ihren Füße kaum eines Blickes, dabei jedoch selbst wahnwitzig drein schauend – breathtaking würde der anglophile Musikliebhaber jauchzen. In der Tat gönnen die 12 neuen Stücke dem Hörer kaum eine Pause, um durchzuschnaufen und es ist beeindruckend, wie wandlungsfähig sich The Magnificent Brotherhood auf ihrem zweiten Studioalbum präsentieren. Darum will ich an dieser Stelle gar nicht irgendeine heuchlerische Objektivitätsmaskerade aufrecht erhalten. Dies ist keine Rezesenion, sondern vielmehr eine Liebeserklärung.

Heilige Shiva, was für ein Albumopener! “I Want To” ist alles andere als ein dezent bescheidener Einstiegssong, sondern vielmehr der sprichwörtliche Tür-ins-Haus-Faller. Wer hätte gedacht, dass ein eigentlich stark reduzierter Garage Punk Song von knapp zweieinhalb Minuten einerseits so melodietriefend sein kann und sich andererseits im Mittelteil überraschend in ein aufreizendes Psychedelic Kostümchen gewanden kann. Der Titeltrack “Dope Idiots” drückt weiter auf die Rocktube und klingt dabei so verdammt authentisch/retrograd, dass man meinen könnte, die Zeiger der eigenen Armbanduhr laufen jetzt tatsächlich rückwärts. “All Because Of You” ist in der Folge so etwas, wie der erste soulful Dancefloor Smasher des Albums und präsentiert die Band gleich mal von einer anderen erfreulichen Seite.

“Divine Advice” wirft zwischenzeitlich entspannt die Shisha an und ist ein verspult-verspielter Psych Rock Song der Extraklasse. “Too Much” erscheint als das Top Cutie des Longplayers in seiner süßen Kopfverdrehermanier – huge Hit! “Degeneration” ist kurzweilige gelungene Ouvertüre für das nächste hinreißende Sixties Pop Stelldichein namens “Last Song About You”, bei dem man tmg-band1den Schmutzfaktor gewöhnlichen Garage Punks so gar nicht vermisst und dessen Orgelmelodie im Gedächtnis verhaftet bleibt, versprochen. “Psychosis” hat dann ein wenig von Roky Erickson und seinen 13th Floor Elevators und braucht dennoch mehr Anläufe als seine Songbrüder, um sein Potential zu entfalten.

“You Can Only Guess” ist dann so herrlich spooky, wie einst The Sonics oder deren größte Nachahmer The Fuzztones zuweilen zu klingen pflegten. Zu den Lieblingsbands der Magnificent Brotherhood Jungs sind ebenfalls The Music Machine und The Seeds zu zählen und das hört man dann auch bei dem mitreißenden Stomper “Upside Down”, beim dem vor allem das tolle Gitarrenspiel in den Vordergrund drängt und dessen Refrain ebenfalls zu begeistern weiß. “Surrender” kommt als vorletztes Stück ein wenig sperrig daher, streift sich folgerichtig die speckige Lederjacke über, wo hingegen das abschließende “Save Me Save You” wohl aufgebügelten, feinen Zwirn trägt und eher Richtung Soul Nighter schielt.

Ein gelunger Rausschmeißer für ein durchweg gutzuheißendes Album, das den Berlinern hoffentlich erneut einen Popularitässchub beschert. Verdient hätte The Magnificent Brotherhood dies in jedem Fall und wenn die Verrückten irgendwo in eurer Nähe aufspielen, verbrüdert euch. Grandiose Liveband!

[The Magnificent Brotherhood: Dope Idiots (VÖ 9. Oktober 2010) Pre-Order now!]

Bret Easton Ellis: Imperial Bedrooms

25 Jahre nach dem Debütroman “Less Than Zero” (“Unter Null”) des amerikanischen Skandalautors Bret Easton Ellis (“American Psycho”) erschien in dieser Woche mit “Imperial Bedrooms” die Fortsetzung der Romanhandlung bei Kiepenheuer & Witsch. Wieder geht es um den gleichermaßen privilegierten wie gelangweilten Protagonisten Clay, der nach – richtig – 25 Jahren auf die ehemaligen Weggefährten in L.A. trifft und in einen Strudel aus Paranoia und Gewalt gerät. Ellis in seinem Metier!