Programmatisch ist er, der Titel des vorliegenden Sammelbandes. Das bewegte Leben, vor allem aber das popliterarische Werk des Bochumer Schriftstellers Wolfgang Welt wurde in den letzten Jahren zum Glück nachhaltiger gewürdigt. Literaturwissenschaft und Feuilleton wären dabei zu nennen. Eine breit gefächerte Rezeption blieb jedoch leider aus. Die von Martin Willems im Klartext Verlag herausgegebenen journalistischen Texte Wolfgang Welts zeichnen in beeindruckender Weise nach, worauf das literarische Schaffen des Autors in stilistischer Hinsicht fußt. Wenn niemand Geringeres als Peter Handke im Vorwort des Bandes Welts Werke als eine “grundandere Art von Geschichtsschreibung” bezeichnet, so kann und möchte man lediglich beipflichten.
Wolfgang Welts frühe Texte, vor allem Rezensionen in den Bereichen Musik, Literatur und Theater, bieten eine nicht vollständige, aber durchaus beeindruckende Topographie der Popkultur jener Jahre. Seine Vermessungstechnik greift dabei Themen punktuell auf, was einerseits dem Medium der Musik-/Literaturkritik geschuldet sein mag, anderseits Folge eines vornehmlich assoziativen Stils ist. Dabei ist es ebenfalls bemerkenswert, wie ungeschönt, aber keineswegs unreflektiert Welt seine persönlichen Ansichten zur Schau stellt, und dabei, ja, ein Stück weit blankzieht. Eine solche Innenschau des Ruhrgebietsmenschen Welt ist jedoch keineswegs unangenehm zu betrachten. Welt gewährt diese Einblicke und die Leserin/der Leser genießen das Privileg, daran partizipieren zu dürfen.
Nicht alle der vom Herausgeber Martin Willems mühevoll kompilierten Texte sind heute noch lesenswert, der Großteil ist es jedoch allemal. Teilweise liegt der Schriftsteller auch mit seinen subjektiven Einschätzungen und Prognosen falsch. Ein aufmerksamer Beobachter, aber kein Orakel von Langendreer. Interessant ist es in jedem Fall, wenn Welt noch Zweifel hegt, ob Bruce Springsteen tatsächlich dem früh proklamierten Legendenstatus gerecht werden kann. Auch die kommerzielle Ausschlachtung von Trends und Jugend(sub)kulturen analysiert Welt mit großem Zynismus (“Hip-Hop-Flop. Breakdancers Bruchlandung”). Besonders interessant wird es jedoch, wenn Welts Texte annekdotisch werden und frei zu fließen scheinen (“Wie der Lou Reed den Lachenden Vagabunden nicht traf”). Manches wirkt fast schon zu fabulös, um wahr zu sein. Welt mit Lemmy und Motörhead auf Tour? Das ist einfach nur große Unterhaltung für den Leser und ein klares Votum für eine eingehendere Beschäfigung mit den Romanen Wolfgang Welts.
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