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Bastille: Bad Blood

London hat mal wieder gewonnen, denn aus der britischen Metropole stammt zum x-ten Mal das Popalbum des Jahres. Um einen Überraschungssieger handelt es sich hierbei jedoch nicht. Vielmehr haben Bastille schon ein paar Jahre am Siegerjersey gestrickt. Das bittersüße Song “Flaws” erschien bereits im Sommer 2011 als Vinylsingle im Vereinigten Königreich.

Darauf folgte die Laura Palmer EP - wer Twin Peaks mag, ist schon mal auf der guten Seite – im Winter des selben Jahres. Bis zur Veröffentlichung des Debütalbums Bad Blood im März 2013 ist also noch viel Wasser die Themse entlang geschwappt. Das Warten hat sich in jedem Fall gelohnt.

Bad Blood, mit seinem tollen, cineastisch angehauchten Artwork, ist voller smart arrangierter Popsongs zwischen The Temper Trap, The Shout Out Louds, Snow Patrol und Hurts. Bastille kann aber auch ohne Bedenken gehört werden, wenn man nicht auf solche bestselling Popbands steht. Sänger und Mastermind Dan Smith verzückt einfach als Goldkehlchen mit gutem Herz und ungewöhnlich-interessanten Texten. Kein Wunder also, dass im UK mittlerweile einige Songs zu Single-Auskopplungen erwählt wurden.


Frank Turner: Recovery

Er ist der Charmebolzen unter den raubeinigen Sängern und Songschreibern. Und wer Frank Turner nicht mag, ergo nicht hört, hat wirklich was verpasst. Seit Kurzem kann man online das Video zur ersten Single aus Turners neuem Album “Tape Deck Heart” begutachten. “Recovery” ist wieder so ein wunderbarer Turner und Band im Rücken Ohrwurm geworden. The Sleeping Souls verrichten wie immer einen soliden Job im Hintergrund und ihr Frontmann glänzt mit durchdringenden Vocals.

Und doch darf es auf dem am 22. April erscheinenden Album noch ein wenig intensiver und mitreißender werden. Der Appetizer verstärkt in jedem Fall die Vorfreude auf den Longplayer, der in der Deluxe Version noch 6 Songs mehr zu bieten haben wird.

Was gibt es noch Neues im Hause Turner? Eine hübsch aufgemachte, neue Homepage zum Beispiel. Und das Album Artwork wird sich wohl alsbald auf dem ein oder anderen Unterarm wiederfinden.


 

Ferocious Dog: Gechichten von Höllenhunden und Hochzeiten

“If I had five million pounds I’d start a radio station because something needs to be done.” Die fünf Millionen Pfund hat Joe Strummer zwar nie gehabt, aber ich bin mir sicher, dass in seinen Playlists auch Songs von Ferocious Dog aufgetaucht wären. Die englische Folkband steht für vieles ein, was auch Strummer stets befürwortet hat. Mit Alltagspoesie und abwechslungsreichem Songwriting nimmt die sechsköpfige Band keine Rücksicht auf Genre-Grenzen und Erwartungshaltungen. Der praktizierte Mut, mit einer traditionellen Musikrichtung relativ frei umzugehen, erinnert wiederum an den legendären Gitarrenkönner Billy Bragg. Wenn Ferocious Dog jedoch sogar Offbeat-Rhythmen in einem schwermütigen Folksong (“Freeborn John”) gekonnt unterbringen, gehen einem endgültig die Vergleiche aus. Ferocious Dog bieten auf ihrem exklusiv in Deutschland veröffentlichten Album vieles an.

Mit gut gelaunten Pop-/Rock-Anleihen und süß schmeckendem Optimismus (“On The Rocks”) werden düstere Gedanken aus den Gliedmaßen geschüttelt. Zu Bewegung laden auch andere Songs ein. “Hell Hounds” geht mit dreckigem Folk Punk und infernalen Fidel-Ausbrüchen schwer nach vorne. Bei “Too late” wird es in der Tat erst spät rasant und “Pocket of Madness” kokettiert sogar ein wenig mit Polka und Balkan Klängen. Dass man es mit einer außergewöhnlich guten Band zu tun hat, merkt man jedoch bei den nicht so vor Experimentierfreude strotzenden Liedern. So strahlt die unverfälschte Schönheit von Songs wie “Criminal Justice” aus einem sehr gelungenen Album besonders hervor. Selten wurde eine vermeintliche Phrase wie “together we are strong” passender in Szene gesetzt. Das Album nimmt zudem im Verlauf an Tempo und Dramatik zu. Diese Entwicklung gipfelt dann in dem fantastischen Hymnus “Mairi’s Wedding Part II”, um an dieser Stelle vor lauter Begeisterung ein wenig die Pathoskeule zu schwingen. Ferocious Dog nennen ihren ungewöhnlichen Stil Speed Folk. Ich nenne ihn unbedingt und uneingeschränkt hörenswert.

Das Album ist vor Kurzem auf Weird Sounds Records & Promotion erschienen und kann dort ür 12 Euro als schickes Digipak bestellt werden. Alsbald sollte der Tonträger auch bei den großen Online Versandhandeln zu beziehen sein.

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Neue Single

Carsten Friedrichs und die anderen Four Top Old Boys veröffentlichen am 20. April zum Record Store Day die zweite Single aus ihrem smarten Album Jeder auf Erden ist wunderschön. Dabei handelt es sich um eine streng limitierte Doppel-Vinyl-Single, auf der das wunderbare “Der fünfte Four Top” verschiedentlich präsentiert wird.

Neben einer exklusiven Single-Version des Songs gibt es Remix-Arbeiten von Frank Popp und Hans Nieswandt. Prominente Gastbeiträge also. Eine Live-Aufnahme besagten Liedes vervollständigt die Tracklist. Die schicke Single ist ab sofort vorbestellbar. Zudem ist Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen endlich auch ausgiebig auf Tour unterwegs.

 

 

Kate Nash: Girl Talk

Nach 1 Minute und 24 Sekunden erklingt im Opener des neuen Albums zum ersten Mal eine Gitarre. Oder besser noch, sie lärmt los. Denn Kate Nash ist mehr denn je auf Krawall gebürstet und das wird im besagten Song namens “Part Heart” deutlich. Weiter geht es mit “Fr-iend?” und leicht verzerrtem Power Pop in bester 1977er Tradition. Als ob Debbie Harry plötzlich Frontfrau bei den Buzzcocks wäre. Überraschend. Überraschend gut. Bei “Death Proof” mit seinem staubtrockenen Basslauf und Kates eindringlichen Sprechgesang scheint dann eher Patti Smith Patin gestanden zu haben. Surf Anleihen inklusive.

Bei “Sister” gibt Kate Nash dann endgültig das knurrende Riot Grrrl. Sanfte Popanleihen gibt es zwar im Verlauf des Albums ebenfalls zu hören, doch die wild-ungezügelten Ausbrüche dominieren nicht nur, weil man diese nicht erwartet hat. Kate Nash hat sich mir nichts dir nichts einfach mal neu erfunden, und wenn dabei Uptempo Pop Songs wie “3AM” gallig-süße Luftbläschen gen Himmel steigen lassen, kann man der Reinventorin nur zu ihrem Coup gratulieren. Oder mit anderen Worten, Gender hin und her: Girl Talk geht uns alle an.

Foals: Holy Fire

Sie sind unbestritten die Meister der mäandernden sound patterns und nun legen Foals zum dritten Mal Zeugnis von ihren Fertigkeiten ab. Ihr Debütalbum Antidotes elektrisierte 2008 noch mit zackigem Indierock trifft Postpunk, während Total Life Forever zwei Jahre später sphärischer und entspannter daherkam und die Vermutung widerlegte, Foals wären lediglich clevere Gang of Four-Kopisten.

Ihr im Februar 2013 erschienenes drittes Album Holy Fire führt nun den wohl durchdachten Artpop des Vorgängerwerks zurück auf die Tanzflächen und dennoch: ekstatisches Zappeln wird sich dabei nicht einstellen. Das seit Monaten im Netz kursierende “Inhaler”, ein Wahnsinnsbrett von einem Song inklusive Alternative Rock Gitarrengewitter, ist keineswegs repräsentiv für die Gesamtheit der veröffentlichten Songs. Die erste Single “My Number”, gefällige Tanznummer mit 80er Reminiszenz, gibt da schon eher die Richtung vor. Das schwebende “Everytime” begeistert wiederum in Total Live Forever-Manier, wirkt aber noch pointierter als die Lieder des Vorgängeralbums.

Auf überraschende Tüfteleien haben die Engländer jedoch auch nicht verzichtet. “Providence” wagt beispielsweise das Spagat zwischen Gospel und Blues auf der einen Seite und Indierock und Electronica auf der anderen Seite. Doch keine Angst, die Röhrenjeans hat nun kein Loch im Schritt, denn das Experiment funktioniert. Mit unaufdringlicher Eingängigkeit und dennoch spannenden Strukturen gelingt Yannis Philippakis und seinen Bandkollegen eine konsequente Weiterentwicklung, die durchaus zu begeistern weiß. Mir fehlt dennoch ein wenig Tempo und Aufgekratztheit der 2008er-Foals.

 

Cowbell: Beat Stampede

Gesamtpaket mit Woohoo-Faktor, könnte man sagen. Vom stilvollen Artwork, ich wusste weiße Schuhe bislang nicht wirklich zu schätzen, bis hin zum letzten Drumstickschlag stimmt bei Cowbell einfach alles. Dabei ist es kaum zu glauben, dass das Duo Jack Sandham und Wednesday Lyle nicht von dem von ihnen besungenen Mississippi stammen, sondern in London ansässig sind.

Beat Stampede präsentiert eine gelungene Mischung aus Garage Rock, frühem Rhythm & Blues und starken Soul-Anleihen. Gleichsam findet man auch Schlüsselelemente der britischen Popmusiktradition, sodass bei Cowbell transatlantisch einiges zusammenläuft. Und passt. Und wackelt. Und stampft. Und zappelt. Und am Ende zufrieden ausatmet. Ein Vergleich mit den übergroß am Frau&Mann=Band-Himmel leuchtenden White Stripes verbietet sich angesichts der dargebotenen Qualität in jedem Fall. Meg & Jack sind ja so gestern!

Ich schrieb mich verrückt. Texte von Wolfgang Welt 1979–2011

Programmatisch ist er, der Titel des vorliegenden Sammelbandes. Das bewegte Leben, vor allem aber das popliterarische Werk des Bochumer Schriftstellers Wolfgang Welt wurde in den letzten Jahren zum Glück nachhaltiger gewürdigt. Literaturwissenschaft und Feuilleton wären dabei zu nennen. Eine breit gefächerte Rezeption blieb jedoch leider aus. Die von Martin Willems im Klartext Verlag herausgegebenen journalistischen Texte Wolfgang Welts zeichnen in beeindruckender Weise nach, worauf das literarische Schaffen des Autors in stilistischer Hinsicht fußt. Wenn niemand Geringeres als Peter Handke im Vorwort des Bandes Welts Werke als eine “grundandere Art von Geschichtsschreibung” bezeichnet, so kann und möchte man lediglich beipflichten.

Wolfgang Welts frühe Texte, vor allem Rezensionen in den Bereichen Musik, Literatur und Theater, bieten eine nicht vollständige, aber durchaus beeindruckende Topographie der Popkultur jener Jahre. Seine Vermessungstechnik greift dabei Themen punktuell auf, was einerseits dem Medium der Musik-/Literaturkritik geschuldet sein mag, anderseits Folge eines vornehmlich assoziativen Stils ist. Dabei ist es ebenfalls bemerkenswert, wie ungeschönt, aber keineswegs unreflektiert Welt seine persönlichen Ansichten zur Schau stellt, und dabei, ja, ein Stück weit blankzieht. Eine solche Innenschau des Ruhrgebietsmenschen Welt ist jedoch keineswegs unangenehm zu betrachten. Welt gewährt diese Einblicke und die Leserin/der Leser genießen das Privileg, daran partizipieren zu dürfen.

Nicht alle der vom Herausgeber Martin Willems mühevoll kompilierten Texte sind heute noch lesenswert, der Großteil ist es jedoch allemal. Teilweise liegt der Schriftsteller auch mit seinen subjektiven Einschätzungen und Prognosen falsch. Ein aufmerksamer Beobachter, aber kein Orakel von Langendreer. Interessant ist es in jedem Fall, wenn Welt noch Zweifel hegt, ob Bruce Springsteen tatsächlich dem früh proklamierten Legendenstatus gerecht werden kann. Auch die kommerzielle Ausschlachtung von Trends und Jugend(sub)kulturen analysiert Welt mit großem Zynismus (“Hip-Hop-Flop. Breakdancers Bruchlandung”). Besonders interessant wird es jedoch, wenn Welts Texte annekdotisch werden und frei zu fließen scheinen (“Wie der Lou Reed den Lachenden Vagabunden nicht traf”). Manches wirkt fast schon zu fabulös, um wahr zu sein. Welt mit Lemmy und Motörhead auf Tour? Das ist einfach nur große Unterhaltung für den Leser und ein klares Votum für eine eingehendere Beschäfigung mit den Romanen Wolfgang Welts.

Dave Hause: C’Mon Kid

Dave Hause? Ist das nicht der von der Revival Tour? Richtig, auch Dave Hause gehört zu den musizierenden Buddies von Chuck Ragan. Hause war Jahre lang als Gitarrist und Sänger in diversen Punk-affinen Bands (Paint It Black/ The Loved Ones) unterwegs und versucht nun, mit ruhigeren Tönen und heart-rending Stories zu überzeugen. Ob ihm das gelingt?

Unbedingt, ja. Allein der Titelsong der hier besprochenen EP verleitet die Hörerin oder den Hörer dazu, nach dem Ende des Liedes sehnsuchtsvoll durch zu schnaufen. Das nur von Piano und Stimme getragene  “C’Mon Kid” überzeugt vollends durch springsteen-esker Atmosphäre und kommt einem somitt angenehm vertraut vor. So gut war Brian Fallon (Gaslight Anthem) schon lange nicht mehr.

Das doch sehr lo-fi anmutende “Prague” fällt als zweiter Song auf der A-Seite dann leider etwas ab. Ergänzt werden die A-Seiten, die auch auf dem Debütalbum von 2011 enthalten sind, durch zwei gelungene Coversongs von Lucero und den fantastischen None More Black. “Join the Army” (Lucero) strotzt nur so vor Kraft und “Oh, There´s Legwork” (None More Black) gefällt als Country Adaption. Tolle EP. Ach, ja. Wer sich noch intensiver für die Revival Tour interessiert, dem seien die von Chuck Ragan kompilierten und als Buch erschienenen Tour Stories ans Herz gelegt: The Roads Must Traveled.

Sweet & Dandy Allnighter

24.11.2012 / The Tube / Düsseldorf / Ab 22 Uhr

Ob Ska, Reggae oder Soul, – bei feinsten Tunes aus den letzten sechs Dekaden smarter Tanzmusik schlagen die Herzen höher. Der im Tube servierte Klang-Cocktail zielt vor allem darauf ab, Hüften und Tanzbeine in Schwingung zu versetzen. Auch wenn wir ALLNIGHTER noch in Großbuchstaben schreiben, gibt es am DJ-Pult keine Puristenpose. Rare Erstpressungen landen woanders auf den Plattentellern, bei uns wird dafür ordentlich gefeiert.


 

Everybody dancing in that bar room this night!

Der Eintritt ist natürlich frei !

Alle weiteren Infos zu unseren Events auch unter :

www.the-tube-club.com

The TUBE
Kurze Str. 9, 40213 Düsseldorf