Atari Teenage Riot: Is This Hyperreal?

19.06.11

Sie trugen in den 90ern die alte Tante Anarchía in die elektronische Tanzmusik. Wenn man sich vor Augen führt, was sich heute alles Elektropunk schimpft, unterstreicht das reflexiv die enorme Bedeutung von Atari Teenage Riot innerhalb der deutschen Popgeschichte. Umso erstaunlicher, dass ihr Digital Hardcore, oder wie man die Mixtur aus unterkühlten Knüppelbeats und heißen, politischen Parolen auch immer nennen mag, keinerlei Epigonen angezogen hat.

12 Jahre nach dem letzten Studioalbum und 11 Jahre nach dem Bandsplit erschien dieser Tage mit Is This Hyperreal? ein neuer Longplayer von Alec Empire & Co. Allerdings ist die Reunion personell nur bedingt geglückt Sängerin Hanin Elias, damals zuständig für herausstechende Verbalattacken und Selbstkasteiung, ist leider nicht mehr dabei, so dass Atari Teenage Riot nun als Trio – Nic Endo übernimmt den vakanten Vocalpart aber in gelungener Manier – die Uhr zurückdreht.

Genauso mutet Is This Hyperreal? nämlich an. Industrial ist immer noch oder wieder dominantes Stilelement, wobei Songs wie “Black Flags” fast schon ein wenig bei den ehemaligen Weggefährten Nine Inch Nails abgeschrieben wirken. Zugute halten, muss man sicherlich, dass bei aller 90er-Haftigkeit der vertonten Raserei das neue Material frisch und authentisch wirkt. Atari Teenage Riot knüpfen zwar fast unmittelbar da an, wo sie zur Jahrtausendwende die Brocken hingeworfen haben, und doch bemühen sie keineswegs den eigenen “Heldenstatus” und wirken alles andere als satt. Ein größeres Komplimemt kann man einer wiedervereinigten Formation wohl nicht aussprechen. Somit schließt diese kurze Besprechung auch mit einem programmatischen Anspieltipp: “Re-Arrange Your Synapses”.

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