The Happy End: Echoes Of Jericho

11.08.10

echoes-of-jerichoMag man der Bibel Glauben schenken, so wurde die Stadtmauer von Jericho durch den Klang von Blechblasinstrumenten zum Einsturz gebracht. Auf dieser Legende beruhend wurden, die an den Sturzkampfflugzeugen befestigten, Sirenen Jericho-Trompeten genannt. Die Sirenengeräusche kündigten völlige Zerstörung an und waren Teil der psychologischen Kriegsführung. Da dieser spezifische Sirenenklang nach dem zweiten Weltkrieg seine Verwendung in zahlreichen Spielfilmen fand, ist die brutale durchdringende Wirkung dieses Geräuschs den meisten heute noch bekannt. Ob die oberpfälzische Band The Happy End mit ihrem Debüt „Echoes of Jericho“ dieselbe zerstörerische Kraft aufbringt ist fragwürdig. Feststeht jedoch das „Echoes of Jericho“ in einer Stadt aufgenommen wurde, wo die Mauer schon vor deren Ankunft gefallen ist – nämlich in Ostberlin. Nachdem man bei den Aufnahmen festgestellt hatte, dass die Räume des ehemaligen Fabrikgeländes immer noch verwanzt waren, entschloss man sich die Stücke über eben diese, noch aus DDR Zeiten stammende Abhörmikrophone aufzuzeichnen. Ein interessantes Unterfangen, das bestens zur düster abstrusen Grundstimmung von The Happy End passt.

„Echoes of Jericho“ trägt nichts Geringeres als ein Gefecht mit sich selbst aus: immer wieder diffundieren eingängige und breit ausholende Melodien in das vielschichtige Gewebe aus Rauschen und Noise. So zum Beispiel in „Golden“, wo laszive Bassline und lässiger Beat in den porösen Wall aus Feedback-Schleifen, elektrischem Knistern und rotierenden Triebwerksounds eindringt. Der Gesang scheint sich zunächst darin zu verlieren, doch schwillt in Refrain und Bridge zu gerade zu epischer Höchstform an. Oder in dem Song „Black Cancer“ – eine feine Mischung aus Kyuss und The Jesus and Mary Chain. Der prägnante Gitarrenriff entwickelt sich zusammen mit dem heftig rollenden Bass und passgenauem Schlagzeugspiel zu einem rasanten Treibwind, der selbst durch den britpopartigen Refrain à la Oasis in keine Stagnation verfällt.

happy-press

Die Lieder von „Echoes of Jericho“ versinken also keineswegs in einem wirren Chaos aus Nebengeräuschen, so wie es die gewitzte „slowest album preview ever“ suggeriert. Selbst das in Krautrockmanier ausufernde „All Different Drugs“ behält, trotz seiner beinahe zehnminütigen Länge, Struktur. Und ist mal keine Songgliederung vorhanden, bieten fesselnde Motive Orientierung, wie das hypnotische „Destroy Your Brilliant Career“ -  welches von der Atmosphäre her ebenso gut aus Tom Waits Soundtrack zu „Night On Earth“ hätte stammen können – beweist.

Auf eine gewisse Art und Weise erinnert „Echoes of Jericho“ an Portugal.The Mans „It’s Complicated Being A Wizard“ EP. Sei es aufgrund der rhythmischen Spielereien wie das kurzweilige „Semen of The Zen“ und das trabende „Merry Oger“ oder aufgrund des Gefühls, „Echoes of Jericho“ könnte auch als ein einziges Stück verstanden werden. Doch wie auch immer man „Echoes of Jericho“ wahrnimmt, das Album hinterlässt einen verlockenden Nachhall, der zum mehrmaligen Hören verleitet. Ein gutes Gefühl. (VÖ: 30. Juli 2010 auf Festplatten)

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