Young Rebel Set – s/t: Die Jungs vom Grand Hotel gehen ganz schön steil auf ihre britischen Freunde von Young Rebel Set. W
ie “Johnny Cash trifft Bruce Springsteen trifft die Libertines treffen Oasis treffen Pogues” soll sie klingen, die vielköpfige Band aus Stockton on Tees. Kommt schon irgendwie hin, aber vor allem die Springsteen-Anspielung scheint Sinn zu machen. Das Download- oder Vinyl+Download-Release, dem kein eigener Titel gegönnt wurde, vereint 8 Songs, die von hierzulande nicht erhältlichen Singles stammen, und soll Young Rebel Set entsprechend dem hiesigen Publikum nahelegen. Das schon recht bekannte “If I was” kann stellvertretend für den sehnsüchtigen Pubfolk der Engländer angeführt werden, während “Fall Hard” beispielsweise die Dylan-Karte ausspielt. Von Verzocken kann insgesamt nicht die Rede sein, allerdings hätte man sich ein wenig mehr Action von den Jungs gewünscht, die den im Bandnamen verwendeten Schlagwörtern so gar nicht gerecht werden. Ach so, “Rosie” ist wirklich ein mitreißender Song. Ende.
Juniper Leaf – Broom, Briars, Torches From The Fire: Ich liebe Albumtitel, die sich reimen. Oder fast. Somit haben Juniper Leaf bereits einen kleinen Bonus auf der Habenseite. M
it hypnotischen Psychedelic Folk wollen uns die Dame und drei Herren aus London verzücken. Gar nicht schlecht will ihnen dieses Unterfangen gelingen, wobei ihr Debütalbum interessant im ambivalenten Sinne ist. Allein die leicht bis mittelschwer entrückten Klänge auf Broom, Briars, Torches From The Fire sind es, die gleichsam die Ohren spitzen lassen und den Skipfinger reizen. Bei den Aufnahmen hat die Band um den Chikinki-Frontmann Rupert Browne bestimmt auf so einigen Waldwurzeln rumgekaut und vielleicht sollte man dies als begleitende Handlung zum vermeintlichen Hörgenuss empfehlen. Gar nicht so böse gemeint, wie es vielleicht im ersten Moment wirken mag. Wer es dieser Tage psychedelisch haben will, dem seien mal wieder die guten, alten 13th Floor Elevators ans Herz gelegt. Roky Erickson & co wussten, wie man fabulös Alben zusammen spinnen kann.
Kapoolas – Cut Down Trees (We Need An Ark): Wenn wir nicht da einen heißen Anwärter auf das geschmackloseste
Plattencover des Jahres 2010 gefunden haben. Was, vom besagten Titelbild aus geschlussfolgert, nach verspacktem Krautrock klingen müsste, entpuppt sich als recht gefälliger Indierock mit dem Willen zum Besonderen. Dass man in Basel weiß, was man tut, merkt man den 8 Songs auf Cut Down Trees (We Need An Ark) in jedem Fall an. Souverän schlängeln sich die vier Schweizer durch manche Nebenstraße der Rockmusikgeschichte und Sänger Benj Gut sorgt mit seinem warmen Gesang für angenehmen Wohlklang. Von den einstigen Progrock-Wurzeln ist allerdings kaum noch etwas zu entdecken. Vielleicht aber auch gut so. Wem Songs wie “Rewind and Repeat” nicht gefallen, bekommt sogleich die Lizenz zum Pop-goutieren entzogen, ja, der mag wohl auch die Beatles nicht. Weitersagen.