Ach, Omas Teich. Ein kleines, feines Festival im beschaulichen Ostfriesland mit einem nur bedingt spektakulären Line-up und doch einigen erwähnungswürdigen Glanzlichtern, z.B. dem bewegenden Abschied des langjährigen Kettcar-Drummers und Wiebusch-Weggefährten Frank Tirado-Rosales. Nachfolgend ein Flickenteppich der Erinnerungen des “Alles ist Pop”-Teams an ein gemeinsames Wochenende, das angesichts des geringen Altersdurchschnitts der Festivalbesucher vielmehr als Kaffeefahrt alternder Popkultur-Blogger einzuordnen ist. Ihr wisst schon: too old to die young.
Erster sehenswerter Künstler im Lineup war für uns Frittenbude, die leider (wohl aufgrund der Nachbarn-Lärm-Problematik) schon um 17 Uhr spielten. Es bleibt aber festzuhalten, dass neben den ein oder zwei eigenen Hits die besten Titel i
hre Remixe (ClickClickDecker, Kettcar) waren. Die wurden dann zwar auch gespielt, die Stimmung war ebenfalls
okay, aber irgendwie wäre da auch mehr drin gewesen… im kleinen, vollgestopften, knallheißen Club funktionieren die betont obercoolen Jungs jedenfalls wesentlich besser.
Auf die bayrischen Party-Täter folgten auf der Zeltbühne (die etwas hochtrabende Bezeichnung für das mit Lautsprechern ausgestattete Bierzelt, das immerhin die Hälfte des Programms beherbergte) Captain PlanET. Ohne besonderen Grund entschieden wir uns gegen einen Platz in den Zuschauerreihen, was wir aus der Entfernung schnell als Fauxpas klassifizieren mussten.
Bei Biffy Clyro waren wir uns dann uneinig, ob nun die älteren Gitarrenlastigen oder neueren, ruhigeren Stücke jetzt besser sind und ob das folgende Foto mit den wehenden roten Haaren jetzt wirklich gut ist… die Mehrheitsmeinungen: Die “alten” Biffy Clyro feiern einen klaren Punktsieg, die Fans von feurig-wehenden Zottelmähnen waren dagegen eher ein Rohrkrepierer – entscheidet selbst:

Highlight des ersten Tages war dann der Headlining-Auftritt von Kettcar. Wirklich besonders wurde dieser wie bereits erwähnt durch den Abschied von Drummer Frank Tirado-Rosales. Dieser führte ein zunächst routiniert-hochwertiges Set in ein wirklich stilvoll-emotionales Finale mit riesigem “Danke, Frank!”-Transparent und einer Podest-Fahrt des Drumsets, das erst kurz unter der Bühnendecke endete. Mr. Wiebusch verschlug es dabei doch tatsächlich kurzzeitig die Sprache.

Mit gespaltenen Meinungen ging es am zweiten Tag weiter, zum Beispiel bei Friska Viljor. Für ein Redaktionsdrittel mit ihrem beschwingten Schweden-Pop die überraschende Neuentdeckung – für den Rest nicht sonderlich bemerkenswert. Außerdem trugen sie wider Erwarten keine Melonen…

Einstimmigkeit bestand hingegen in der Bewertung von Nada Surf und Johnossi: An Langeweile und Irrelevanz kaum zu überbieten. Das war nicht mal ein Foto wert.
Ein solches verdienten sich dagegen die Busters, die mit ihrem Exotenstatus im Line Up trotz eines der mehrfach niedergehenden Schauern für etwas Auflockerung sorgten. Großes Kino geht zwar anders, doch im Vergleich zur Hauptbühnen-Konkurrenz am Samstag war das doch ziemlich nett.
Das heimliche Glanzlicht hatte zuvor (und ebenfalls im Regen) bereits die Chaos-Truppe von Antitainment gesetzt. Im besten Jugendzentrum-Charme mit gerissenem Gitarrengurt, Geschrammel und Geschrei etablierten sie den “unterhaltsamen Krach” in Großefehn.

Den dreckigen Rest zum Abschluss bildete die tanzwütige Fraktion von der Mediengruppe Telekommander und Supershirt. Während die Telekommandanten vor allem mit kreativen Live-Adaptionen ihrer größten Hits punkteten, verabschiedeten Supershirt das feierwillige Publikum schließlich mit ihrem dadaistischen Party-Electro (“Techno Techno USA – der Undertaker ist in der Antifa”) und einer abgespackten Show mit Bierbong und Knicklichter-Action in die Nacht. Ein guter Abschied für weniger als 8000 Mark.
(Bastian, Benedikt, Jan)
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