Die kontinentübergreifend anerkannten Orchideenpopexperten Stars haben kürzlich mit The Five Ghosts ein neues Album veröffentlicht und der wohlgesonnene Hörer erwartete weitere knospende Songpflänzchen, die rasch wachsen und sich anmutig um das Geschmackszentrum der eigenen Wahrnehmung ranken. Gerade die letzten Albumveröffentlichungen “Set Yourself On Fire” und das schlicht und ergreifend überragende “In Our Bedroom After The War” haben die kanadische Band um Amy Millan und Torquil Campbell in eine eigene Bewertungskategorie befördert, so dass nach dem ersten Hörduchgang des neuen Longplayers eine Melange aus Enttäuschung und Ratlosigkeit gemütsbestimmend ist. Dies soll keineswegs den Eindruck evozieren, dass auf “The Five Ghosts” viel Unkraut zu finden wäre, aber trotzdem muss man in der bunten Blütenpracht vergeblich nach den außergewöhnlichen Exemplaren suchen.
Das hier besprochene Songmaterial ist sehr glatt produziert worden und der Gesamtsound erweist sich als – so schwer es einem über die tippenden Finger kommt – eintönig und man kann fast Langeweile auf hohem Niveau attestieren. Wo zuvor spannende Arrangements Platz fanden, werden die 11 neuen Lieder vor allem von einem einheitlichen Synthesizerklang und straightem Songwriting bestimmt. Das einleitende “Dead Hearts” schlägt liebliche Töne an und zeigt so gleich den im gesamten Albumkontext offen ausgetragenen Konflikt zwischen textlicher Schwere und musikalischer Unbefangenheit auf. “Wasted Daylight” ist ein veritabler Popohrwurm mit elektronischer Note und unterstreicht zudem, wieso Amy Millan sich in der Vergangenheit mit ihrer betörenden Stimme so leicht in Herz und Hirn schleichen konnte. Auf leisen Sohlen tänzeln die nächsten Stücke an der Aufmerksamkeit des Rezipienten vorbei, bevor “We Don’t Want Your Body” Kurs auf die Campuscharts dieser Welt nimmt. Solide vorgetragen, aber wo sind die großen Emotionen, die bitter-süße Dramatik die einen Stars-Tonträger in der Vergangenheit stets zu etwas Besonderem gemacht haben?
“Changes” ist seicht und charmant, umschmeichelt mit Petticoat-Atmosphäre. “The Last Song Ever Written” beginnt vielversprechend und versickert nach 1 Minute und 30 Sekunden doch erneut in Belanglosigkeit, was wirklich mehr als nur schade ist. So richtig erkennt man die Stars auf diesem Sommeralbum, vielmehr auf diesem Sommerlochalbum nicht wieder u
nd gemessen an den vorherigen Veröffentlichungen ist die große Austauschbarkeit des Gebotenen in der Tat bitter. Es wirkt beinahe so, als ob sich Millan, Campbell & co auf “The Five Ghosts” musikalisch selbst beschränkt haben und es bleibt die Frage, warum sie auch immer so einen seichten Hintergrundsoundtrack zusammenstellen wollten.
Vieles wirkt wie schnell dahin geworfene Skizzen und man muss sich fragen, ob die Kanadier tatsächlich ihr Songwriterpulver verschossen haben. Jetzt lieber wieder Favoriten wie “Sleep Tonight”, “Your Ex-Lover Is Dead”, “The Night Starts Here”, “Take Me To the Riot”, “Midnight Coward”, “Barricade” und wie sie alle heißen, die Songorchideen der Stars: wunderschön und scheinbar sogar doch seltener als man dachte. Es bleibt zu hoffen, dass sich The Five Ghosts mit der Zeit doch noch seine verborgene Schönheit unter der simpel-eingängigen Oberfläche offenbart und schlussendlich zu dem großartigen Album entwickelt, das viele Kollegen der schreibenden Zunft in ihm gesehen haben wollen. Auch hier schließt sich ein großes Fragezeichen an, denn ob besagte Schreiberlinge sich intensiv mit den vorherigen Alben der Stars beschäftigt haben, darf angesichts des beschriebenen Fazits bestritten werden.
[...] Die Orchideenpopexperten Stars mit ihrem leicht schwächelnden Album “The Five Ghosts” auf [...]