Es ist ein ganz spezielles Verhältnis, welches die Noiserock Band Health, zu Remixen hat. Schließlich haben Health erst durch den Crystal Castles Remix und später gewordenen Hit „Crimewave“ massiv an Bekanntheitsgrad gewonnen. Zwei Jahre ist es bereits her als „Health//Disco“ erschienen ist – ein Album bestehend nur aus von Health ausgewählten Remixen, welche die überaus prächtigen brachialen Noisefrickeleien des Debuts in zugängliche und tanzbare Songs transformieren. Mit „Health::Disco2“ schmeißen sie nun das zweite Remixalbum auf den Markt. Und was für eins!
Der Opener ist zugleich schon eine der Besonderheiten dieses Langspielers. Denn mit „USA Boys“ präsentierten Health zunächst einen neuen eignen Song. So klingen wohl Health, wenn sie auf unmittelbarem Weg Club Musik machen. Nach einem kurzen Noise Intermezzo als Intro setzt eine prägnante tranceartige Hookline ein, deren Wucht durch Bassdrum und Candclaps verstärkt wird. Der derbe Sound wird von den melodischen Synthies, Keyboards sowie dem androgynen Gesang Jake Duzsiks gedämpft. Als Break fungiert eine verfremdete Version der Microsoft Windows Startmusik, womit Health auch in diesem Song ihre Affinität für Irritationen unter Beweis stellen. Gewissermaßen ist „USA Boys“ ein Debüt: denn erstmalig haben Health mit einem Produzenten zusammengearbeitet und zwar mit keinem geringeren als Alan Moulder, der schon für Jesus and The Mary Chain, My Bloody Valentine oder Nine Inch Nails an den Reglern saß. Die Remixe hingegen sind wie gewohnt eigens von Health ausgewählt und produziert.
Bis auf wenige Ausnahmen sind die Remixe auf „Health::Disco2“ weitgehend milder als ihre Originale auf „Get Color“. Den Reiz der Platte macht vor allem ihre Vielfalt an Sound und Herangehensweisen aus. Denn es ist immer wieder faszinierend, dass man oftmals alleine am Klang erkennen kann, wer sich hinter einem Stück verbirgt. So zum Beispiel bei dem Javelin Remix von „In Heat“. Das fantastische Duo aus Brooklyn ist sofort an seinem beschwingt humorvollen Sound zu erkennen, der vor allem durch die verspielten Synthies und Basslines zum Tragen kommt. Von dem impulsiv bretternden Tumult des Originals ist nicht viel übrig geblieben. Ähnlich verfährt auch Gold Panda mit „Before Tigers“. Einzelne Elemente aus dem Original wurden herausgenommen und werden quasi als Sample für ein neues eigenes Stück genutzt. Während Gold Pandas rein instrumentale Techno Version von „Before Tigers“ durch Drum Machine, Percussions und Knacklaute stark rhythmisiert ist, verzichtet die Variante von Blindoldfreak vollkommen auf jegliche rhythmische Unterstützung. Der auf Halleffekten basierende Remix legt den Fokus auf den fragilen Gesang und weitet die melancholische Melodie des Originals aus. Die dritte Interpretation von „Before Tigers“ verwandelt es hingegen in ein heiteres 80s Synthie-Pop Stück. Dafür verantwortlich ist ein alter Bekannter: Mike Silver alias Cfcf. Er war nämlich schon bei „Health//Disco“ mit von der Partie.
Selbstverständlich dürfen auch diesmal Healths Partners in Crime, Crystal Castles, nicht fehlen. Mit einem herausragenden Remix von „Eat Flesh“ liefern sie einen der Glanzstücke des Albums. Anstelle der metallischen Gitarren sorgen hier elektronische Spielereien für Störgeräusche. Insgesamt kreieren Crystal Castles jedoch aus dem wohl sperrigsten und angespanntesten Stück von „Get Color“ ihren bisher ruhigsten Song.
Seinem Original am ähnlichsten ist Tobaccos „Die Slow“ geblieben, was aber keineswegs negativ zu bewerten ist. Denn Tobacco schafft es den ohnehin schon antreibenden und durchaus tanzbaren Song noch kraftvoller zu machen. Indem Tobacco sirenenartige Synthesizer und einen Hip-Hop Beat hineinmischt sowie einen Akzent auf den Bass setzt, legt er gleich noch seine eigene Trademark obendrauf.
Tobaccos betörender Remix kursierte schon letztes Jahr auf diversen Blogs im Internet, wie die Hype Machine Einträge eindrucksvoll beweisen. Damals waren Health bereits derartig etabliert, dass durch diesen Remix wiederum Tobaccos Bekanntheitsgrad erheblich gesteigert worden ist. Ein Remix kann also durchaus als Mittel zur eigenen Popularisierung dienen. Bei einem Blick auf die bei „Health::Disco2“ teilnehmenden Künstler, trifft man auf viele Unbekannte, wie zum Beispiel Little Loud oder den bereits erwähnten Grand Panda. Vielleicht ist es für sie die Chance auf einen „Durchbruch“. Auf die gleiche Art und Weise wie ihn zuvor Health selbst erleben durften. (VÖ: 25. Juni 2010 auf City Slang)