Es sind Geschichten über die erste große Liebe, vertane Chancen, verletze Gefühle und endlose Sommertage. Das britische Duo Summer Camp umhüllen diese Geschichten in einem samten und mit Nostalgieschleier bedeckten Lo-Fi Pop. Doch beruhen diese Geschichten nur bedingt auf eine wirklich erlebte Vergangenheit. Vielmehr bedienen sich Summer Camp dem Mythos einer sich einzig nach Liebe und Anerkennung sehnenden Jugend, die Dank solcher Filme wie „La Boum“ oder „The Breakfast Club“ längst einen Platz im kollektiven Gedächtnis erhalten hat. Beschrieben werden Szenarien und Erfahrungen, die einem gleichzeitig so nah und doch so fern scheinen. Dabei schaffen es Summer Camp stets, diese Vernetzung aus Wirklichkeit und Imagination als eben eine solche, offen zu legen.
Es begann im Herbst letzten Jahres als Jeremy Wamrsley und Elizabeth Sankey sich zu Summer Camp formierten und zunächst den Doop-Wop Klassiker „I Only Have Eyes For You“ von The Flamingos coverten. Das Cover sollte bezeichnend werden, denn schon dort lässt sich ihre Eigenart erkennen: in einem zuckersüß, nebulös, verträumtem Sound, wird die romantisch verklärte Variante des Konstrukts „Jugend“ verpackt. Dabei greifen Summer Camp popkulturelle Artefakte auf, zitieren und verändern sie. So beginnt das melodramatische „Was It Worth It“ mit einer kleinen Reminiszenz an The Troggs „Wild Thing“. „Round The Moon“ wird hingegen mit einem Filmzitat aus John Hughes “Sixteen Candles” eingeleitet: “I can’t believe I gave my panties to a geek”. Auch musikalisch hat sich „Round The Moon“ vorrangig den Achtzigern verschrieben: über den, für die damalige Dekade, typischen holen Bass, markante High Hats und Synthesizer Klang nuschelt Jeremy Warmsley „and we’ll dance all night/ and we’ll hold each other close/ till the morning light/ come on home with me and it‘ll be all right“ schwelgerisch ins Mikro.
Analog veröffentlicht ist von Summer Camp bisher nur „Ghost Train“ als 7 Inch Vinyl Single auf Moshi Moshi Records. Ein zauberhaft erfrischender Song, der in seinem Arrangement an Motown-Pop der Sechziger erinnert. Ein Album sollte dieses Jahr folgen. Um die Wartezeit zu überbrücken, kann man entweder einem ihrer bislang sechs online hochgeladenen Lieder lauschen oder sich durch ihren Fotoblog klicken, welches ebenso wie die Musik mit dem romantischen Mythos der Jugend spielt. Am besten jedoch man tut beides gleichzeitig und hört wie in „Why Don’t You Stay“ Summer Camp hedonistisch verkünden: “Think back to summer /days went on forever/and we thought we never/ never get old /think back to the summer /they said it was over/but we swore we never/ never get old.“