Aggro Punk Vol.1: Keine Zeige-, sondern Mittelfinger

17.06.10

agpIf the kids are united then we’ll never be divided! Der oft beschworene Szeneappell funktionierte in der Vergangenheit mal mehr, jedoch eher weniger und brachte zudem hässliche Nebenerscheinungen mit sich. Front gegen Rechts(offenheit) ist nun die Maxime des neu gegründeten D-Punk-Labels Aggressive Punk Produktion und damit zusammenführendes Moment für die vielen alten Bekannten auf der Compilation “Aggro Punk Vol.1″. Auf besagtem Sampler sind einige namhafte Vertreter des bunten Mobs vertreten, wobei die meisten Bands ihre besten Tage in der Tat hinter sich haben. Namen wie Slime, Rawside, Kotzreiz, Rasta Knast,  OHL, District, Rantanplan, The Bottrops, Fahnenflucht, Betontod, etc. sollten Freunden des politik-affinen Deutschpunks somit keineswegs unbekannt sein.

Maßgeblich sind dabei jedoch nicht unbedingt tatsächliche Inhalte, sondern vielmehr die zur Schau gestellte Attitüde, was angesichts der implizierten Absage an sich anbiedernde Deutschrockbands und latent braunem Gedankengut wohl zu verzeihen ist. Die Absicht ist somit lobenswert und Grund genug den “Alles ist Pop”-Blick auf dieses Release zu lenken, wobei der formulierte Anspruch (“Deutschpunk muss wieder aufregend werden”) ein wenig zu hoch gegriffen scheint. Punk ist sicher immer noch wichtig, aber aufregend oder gar gefährlich seit Jahrzehnten nicht mehr. Wenn allerdings die Oberflächlichkeit gut gemeinter Szenezugehörigkeit dazu genutzt werden kann, erneut mehr für das Thema “Rechtsoffenheit” im Rockbereich zu sensibilisieren, umso besser. Allzulange musste man mit ansehen, wie Bands, Genres und Symbole von den Rechten unterwandert bzw. vereinnahmt wurden. Dagegen sein ist somit unerlässlich oder um es mit But Alive zu sagen: Dies ist auch kein Zeige-, sondern ein Mittelfinger!



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