Surfer Blood, The Drums: Wellenreiten ‘84
Heute fallen wir 100 Pro nicht vom Brett! Zwei Bands - die eine aus West Palm Beach, Florida und die andere aus Brooklyn, New York City - und beide surfen zwar auf leicht unterschiedlichen Soundwellen, erweisen sich jedoch jede für sich als Wellenreiter der Indiepop-Stunde. Wie das geht? Geben wir einmal den Grundgänger:
Surfer Blood zitieren nicht nur eine Gitarrenästhetik, die der Bandname nahelegt, sondern mengen dem noch eine Prise 80er Shoegaze und 90er Indierock bei. Manche sprechen vergleichsweise von Weezer in ihrer blauen Phase, naja. Ihr Anfang des Monats erschienenes Debütwerk “Astro Coast” hat nicht nur die unverschämt eingängige Single “Swim (to the end)” auf der Habenseite, sondern weist darüber hinaus noch einige weitere Aha-Momente auf. Egal ob “Floating Vibes” oder “Fast Jabroni”, “Catholic Pagans” oder “Twin Peaks”, die fünf Herren aus dem Sunshine State haben ihre Schulaufgaben ziemlich ernst genommen und ein Sammelsurium an luftigen lo-fi-Gassenhauern zusammengestellt, das man im Ganzen bedenkenlos als gelungenen Collagenversuch mit Eigenreferenz bezeichnen und entsprechend weiterempfehlen kann. Das man bei der musikalischen Patensuche auch bei gewissen Herren namens Marr und Morrissey fündig wird, erlaubt den gedanklichen Sprung hin zu The Drums, also ein gutes Stück die Ostküste hinauf.
Die Band um Jonathan Pierce mit dem unprätentiösen, aber auch irgendwie langweiligen Namen klingt noch stärker nach The Smiths und Konsorten und damit - jawohl - eher nach dem britischen Indiepop der 80er Jahre. Support-Touren für Florence and The Machine und vor allem für Kings of Leon lassen erahnen, auch The Drums sind nah dran, am musikalischen Zeitgeist. Wusste man bei “Let’s Go Surfing” noch nicht genau, ob man das gut finden kann und soll, schließlich ist es seit “Young Folks” so eine Sache, ob man ungestraft in einem Popsong ausgelassen Pfeifen darf, und doch gelingt den New Yorkern spätestens mit “Forever And Ever Amen” der nächste Ohrwurm und das ohne ein schlechtes Gewissen zu evozieren.
Das selbstbetitelte, ebenfalls kürzlich erschienene Album zeigt sich ähnlich kohärent und gelungen wie der Longplayer der Kollegen aus Florida, so dass man im Gunstregal noch ein weiteres Fach freiräumen muss. Potentielle Singles findet man hier zu hauf und ihr Gitarrenpop wird sicher noch einige Indie-Pärchen die Tanzflächen der hiesigen Clubs bevölkern lassen und das auch mit Recht. Baby, it’s forever…
Somit halten sich beide Anwärter auf das Sommeralbum 2010 mühelos auf dem Brett, um der vielfach missbrauchten Metaphorik noch einen letzten Tritt in die Rippen zu verpassen. Surfer Blood oder The Drums? Vielmehr Surfer Blood und The Drums heißt demnach die Devise.
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