Interessantes Sujet, knalliges Layout und nicht zuletzt die Ausgestaltung als Literatur-Remix, als adaptiertes Konzept aus der Welt des Djing: all das spricht für den 2009 erstmals veröffentlichten Text “Ausgehen” von Barbi Marković. Beim Suhrkamp Verlag hieß es gar im Zuge der Veröffentlichung, “die deutschsprachige Popliteratur der Gegenwart” komme aus Belgrad, der Heimat der studierten Germanistin Marković, was eben direkt Bezug nimmt auf das nachfolgend besprochene “Ausgehen”, ein Remix der 1971 publizierten Erzählung “Gehen” Thomas Bernhards. Sicherlich ein mutiges Unterfangen, schließlich gilt der Österreicher Bernhard als einer der herausragenden Autoren der deutschprachigen Nachkriegsliteratur. Gleich die erste reguläre Seite des schmalen Bändchens demonstriert das angewandte Prinzip, in dem ein Auszug aus “Gehen” durch ein visualisiertes “Scratch” zum Remix, zu ihrem “Ausgehen” wird.
Die überschaubare Handlung, welche vom angewandten und zugleich zutiefst deprimierenden Eskapismus des Clubbings berichtet, wird stets von Playlist-Auszügen aus einem DJ-Set eingerahmt, so dass dieses Strukturprinzip als ebenfalls charakteristisch zu bezeichnen ist. Handlung ist in “Ausgehen” nicht nur kaum vorhanden, sondern gar auf ein rudimentäres Maß verkürzt und findet nur in der Reflexion statt. Die unendlich Monotonie von zermürbender Arbeitstätigkeit und ähnlich freudlosem Clubbingzwang findet sich auch auf stilistischer Ebene wieder. Es dominieren indirekte Rede und hypotaktische Repitition der ewig gleichen Satzteile und alles zusammen lässt die knapp 90 Seiten ebenso anstrengend für den Leser werden, wie wohl der Belgrader Clubbingmarathon für die Nicht-Protagonisten Bojana, Milica & co anmutet.