Superpunk: Die Seele des Menschen unter Superpunk

28.05.10

dsdmusDandy-Soul für Fortgeschrittene und dazu einmal den Mod-Seniorenteller mit Herrengedeck, bitte! Ach, zum Schwelgen,  eine neue Platte von Superpunk hat doch immer etwas von nach Hause kommen, was wohl daran liegt, dass die Top Old Boys das famoseste BeatGarageKreuzüber-Replikat von Hamburg bis München, ach was sag ich, des gesamten ollen Kontinents bieten.

Gelernt ist eben gelernt und wenn dann noch Bernd Begemann die richtigen Regler im Produktionsprozedere bedient, dann kann man frohen Mutes “Die Seele des Menschen unter Superpunk” erörtern und evaluieren. Als kritischer Geist muss man natürlich Fragen mit skeptischer Note  – warum braucht man denn noch ein Album von den Punksnobs? – stellen und nach den ersten Tönen von “Ford Escort” erübrigt sich diese Haltung schlußendlich doch. Alles dabei: Bläser, Orgel und natürlich Carsten Friedrichs verehrungswürdig-schnodderiger Antigesang.

Superpunk spielen eben nicht nur Musik für Allnighter, sondern für die Tanzveranstaltung namens Lifetimer. Dick aufgetragen? Klar, aber dies beherrscht der zu rezensierende Fünfer schließlich auch. Dies resultiert in herrlichen Verliererhymnen wie “Das Feuerwerk ist vorbei”, das gekonnt den Bewusstseinsscheinwerfer des Hörers auf sich lenkt und dann einen gekonnt-dilettantischen Pole Dance vollführt. Im Abglanz solcher musikalischer Goldbarren kann man auch mit geschmacklos-kitschigem Tafelsilber wie “Alle lieben dich, Daniela”  noch einmal den Tisch decken, denn serviert wird dann eine wohl schmeckende Instrumentalcurrywurst a là “Up All Night”!

Warum “Das waren Mods” fast zwei Jahre nach Singleveröffentlichung auch auf dem neuen Longplayer zu finden ist? Ja, ja, ich weiß schon: Why not? Ganz großer Sport ist in jedem Fall die ultimative Liebeserklärung an den muffigsten aller Rückzugsorte, zumal das Kultcharakter genießende friedrichs’sche Namedropping auch im Songtext zu “In der Bibliothek” Auferstehung feiert. Enorme Hitdichte wie bei den Klitschkos, will man meinen, da “Rette dich vor den einfachen Leuten” und vor allem das bedächtige “Ich will heute nicht kämpfen” allen Superpunk-Kontrahenten einen TKO bescheren, lässig aus dem Ärmel geschüttelt eines Bon vivants. Liebe zur Musik unpeinlich thematisiert? “Oh, dieser Sound” kredenzt die Antwort. “Frühstück am Abend und Pepsi am Morgen” und dann noch dieser Refrain: Schmunzeln, Feiern, Tanzen als Animationsprogramm  in der Ode an die Dekadenz namens “Babylon Forever”. “Die Seele des Menschen unter Superpunk” ist nicht nur das fünfte Studioalbum der anzugtragenden Nischenbesetzerband, sondern zudem ein sehr gutes geworden. (VÖ 04.06.2010)


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3 Responses to Superpunk: Die Seele des Menschen unter Superpunk

  1. [...] Was: Tapete Records & Heatwave – Wild at heart präsentieren: Superpunk Release Party (Die Seele des Menschen unter Superpunk) Album Review hier! [...]

  2. Punk Tour on 06.06.10 at 15:49

    Sehr schönes “Feuerwerk”-Video von Carsten Friedrichs, wenn man das Budget bedenkt. Im September sind Superpunk übrigens live in Köln und Bielefeld (“Kamp”). Auf den Konzerten kommen sie imo noch mal deutlich besser rüber als im Video.

  3. ToU R on 22.06.10 at 11:36

    tolle band, live am schönsten :)

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