Bei “Anywhere Out Of The World” handelt es sich definitiv um ein Album, dass dem Hörer eine Schulter zum Verweilen anbietet. Colorblind arbeiten auf ihrem zweiten Album zwar mit Stimmungsschattierungen, doch das Ergebnis ist stets dasselbe, nämlich von außen erzeugte innere Ruhe. Ob die das Album teillende Höranweisung in Daylight und Moonlight Songs durch die Band aus der Schweiz sinnvoll oder lediglich nettes Gimmick ist, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass der Nachtteil in der Tat geeigneter für die Ausleuchtung des eigenen Innenraums ist und die Songs, die dem Tageslicht zugeordnet sind, ein wenig leichter und luftiger dahin schweben, was ohne die vorgenommene Aufteilung jedoch hinfällig wäre. “Anywhere Out Of The World” ist eher vielmehr im Fluss, ja aus einem Guss, sagt man wohl.
Tragendes Element überhaupt ist unzweifelhaft die außergewöhnliche Stimme von Sänger Vito, die oftmals beschriebene luftige Höhen erst erschließt, wie im dezent instrumentierten “Leaving here”. Der Opener “Hello” hingegen offenbart, dass Colorblind ein gutes Gespür für Melodiefolgen haben und dieses in hinreißenden Poparrangements aufgehen lassen können. Bei “The Devil and the Nun” blitzt auch ein Moment des großen Tom Waits auf und das in der gesanglichen Leistung ebenfalls an Murder By Death erinnert, auch wenn die instrumentalen Mitteln andere sind. Abschließend sei auch noch auf das repräsentative “Hollywood” verwiesen, das durchaus an die Nackenhaare appelliert, den Aufstand zu wagen, dem diese dann auch folgen. Insgesamt kann man sagen, dass “Anywhere Out Of The World” ein Album mit hohem Anspruch und leichtem Zugang ist.