Dendemann: Vom Vintage verweht

09.04.10

vvwEy, wat will denn die Skepsis-Schickse hier? Die soll mal weggehen, aber dahin, wo der Flavour wächst. Ist ja schließlich die neue Dende und da hat die nix zu suchen. Apropros. Dendemeier hat auch die alternative Suchmaschine in Gang gebracht und zwar um sich selbst und das Publikum nicht zu langweilen, schließlich hat sich der Mann mit der unverwechselbaren Stimme seit “Die Pfütze des Eisbergs” mit der Ankündigung verschanzt, die Tür erst wieder aufzumachen, sobald er den Hip Hop neu erfunden hat.

Rundumerneuert ist in jedem Fall der Sound auf  “Vom Vintage verweht” und wie der Titel bereits implizit heraus posaunt, hat Dendemann offenbar die konsumierte Ambrosia vom Retrogott geborgt. Der neue Gesamtsound, den his Dendeness in “Freie Radikale GbRdH” treffender Weise selbst “Garagen-Rap” tauft, flirtet heftigst mit dem Phänomen, das man zu Glanzzeiten des “Judgment Night Soundtracks” Raprock oder Crossover nannte. Anfang der Neunziger, eher noch ein paar Jahr mehr zurückgehend – die Inspirationsquellen für die 13 neuen Tracks gehen also in eine ganz andere Richtung als das, was man heute unter der Bezeichnung  Rap subsumiert. Dendemann hat ohnehin des öfteren verlauten lassen, dass er mit großen Teilen des aktuellen Bollorap nicht viel anfangen kann. Absage also und zugleich ein Beastie Boys Album im Dendemann Turbomixer, ein ganzes Run DMC Retro-Rudel an Songs.

Zugegeben, der Anfang war nicht leicht: asi-Matte und “Stumpf ist Trumpf 3.0″ Video sind amüsant ohne Ende, doch irgendwie muss man sich erstmal rantrauen, an Dendes Update, aber dann…platzt der Korken mit Druck aus der Champuspulle. Gleich der Opener “Nesthocker” ist ein ordentlicher Banger mit eingängiger Hook, der live mit der rekruitierten Band ganz schön nach vorne gehen dürfte. “Stumpf ist Trumpf 3.0″ hat längst gezündet, auch wenn man das eigentlich gar nicht wollte. Die unbequeme Eingängigkeit von “V.N.D.” erinnert ein wenig an die “Das Schweigen Dilemma” EP und “0Robota” knarzt und brummt herrlich an allen Enden, Dendes Rage against die Maschine.

“Ist das Textniveau im Keller, kommt der letzte Storyteller/ und dann gibts mehr auf die Löffel als beim nächsten Uri Geller” (“Und wenn ja, warum?”) – natürlich ist er noch da, der sprühene Wortwitz des ehemaligen Eins, Zwo MCs. Der Junge kickt immer noch die krassesten Lines im ganzen Spiel, keine Frage. Im Albumkontext gibt es neben aller rockigen Sperrigkeit aber auch so liebliche Zwischenspiele wie “Petze” und tighte Bouncer wie den Inkognito-Titeltrack “Metapher than Leather”. Bei “Es geht bergab” übt sich Dende in seinem liebsten, neuen Hobby – dem Singen – und irgendwie ist die 8o’s Pop-Hommage gefällig, aber auch ganz schön überflüssig. “I’m a Record Junkie” tötet mit seiner heavy Schwerfälligkeit anschließend aber jegliche cheasy Melodei und zwar ohne mit der Wimper zu zucken. Irgendwie fehlen einem dennoch die ganz großen Wortgemetzel der guten, alten Volker Racho Schule und manchmal plätschert es dann doch nur dahin wie bei “Hörma!”, doch jedes kleine d hat ein großes Ende, man! Das abschließende “Papierkrieg” macht nochmal das Iglu zum Scheiterhaufen (remember “Sport EP” 1998), denn der überraschende wie eigenwillige Burner macht ein Tocotronic Sample zum Megahit. “Vom Vintage verweht” enttäuscht keineswegs, doch an den Vorgänger reicht der Longplayer nicht heran. Die Konkurrenz sieht trotzdem nur Dendes Hacken!

P.S. Was für ein großes Artwort!

Tags: , , , , ,

One Response to Dendemann: Vom Vintage verweht

  1. Dendemann – Vom Vintage Verweht on 28.04.10 at 14:04

    [...] alles-ist-pop.de [...]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*